„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die "res cogitans" und das traurige Schicksal anderer Substanzlehren

Der Cartesische Dualismus hat derzeit nur wenige Freunde unter den Philosophen. Er ist empirisch extrem unplausibel, lässt sich letzten Endes jedoch genauso wenig beweisen oder widerlegen wie jede andere metaphysische Bewusstseinstheorie nach Descartes.

Gegen den Substanzdualismus spricht u.a. auch das traurige Schicksal anderer Substanzen, die der naturwissenschaftliche Fortschritt in den letzten zwei Jahrhunderten hinweggerafft hat:

·        Wärme ist nicht, wie die Chemiker des 18. Jahrhunderts glaubten, ein besonderer Stoff, das Phlogiston, das bei Verbrennungsprozessen aus dem Feuer entweichen würde.

·        Der absolute Raum ist nicht, wie Newton dachte, ein immaterieller Stoff, der zugleich physikalische Kräfte vermittelt und ein Sinnesorgan Gottes ist, sondern nur eine abstrakte Klasse von Internalsystemen, d.h. gleichrangigen Bezugssystemen für die Trägheitsbewegungen der Mechanik.

·        Elektromagnetische Wellen schwingen nicht, wie der Begründer der klassischen Elektrodynamik, James Clark Maxwell, dachte, in einem mechanischen Äther mit molekularer Struktur, sondern im leeren Raum.

·        Das Licht, das zu den elektromagnetischen Wellen zählt, wird nicht abgebremst, wenn es sich gegen diesen Äther bewegt, wie Einsteins Gegenspieler Hendrik A. Lorentz und Henri Poincare dachten, sondern es breitet sich in allen Richtungen gleich schnell aus.

·     usw.

Selbst die ausgedehnte Substanz des Descartes, die Materie, besteht nicht aus „ordentlichen“ Teilchen mit wohldefinierten Objekteigenschaften; um ihre subatomaren Bestandteile korrekt zu beschreiben, kommt die Quantenphysik nicht an ephemeren Wellenfunktionen mit einer Wahrscheinlichkeitsdeutung vorbei. Wenn der Substanzbegriff jedoch nicht einmal dazu taugt, uns zu sagen, was die Außenwelt im Innersten zusammenhält, warum sollte er uns dann unsere Innenwelt (mit all ihren sonderbaren Eigenschaften wie subjektive Qualität und Intentionalität) zufriedenstellend erklären können?

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