„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Supranationalstaat

Der Nationalstaat ist ein historisch sehr junges Phänomen. Seine Entstehung  lässt sich auf etwa 5.000 v.Chr. datieren. Damals lebten verschiedene Stämme am Nil und waren von diesem abhängig. Aber kein Stamm vermochte den Strom alleine zu kontrollieren. Das führte zur Entstehung des Pharaonenreichs mit einer zentralen Verwaltung, die mächtig genug war, Dämme, Kanäle und Wasserspeicher zu bauen. In Dürrezeiten verteilte es Wasser aus den staatlichen Speichern und bei Hochwasser leitete es das Wasser wieder ab.

Die Nationalstaaten von heute sind die Nilstämme von damals. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht die Menschheit vor einer Reihe von Problemen, die sich auf der Ebene der bisherigen politischen Interaktion nicht mehr lösen lassen. Wir haben ein globales Weltwirtschaftssystem und globale ökonomische Krisen, eine globale Wissenschaft und eine unaufhaltsam voranschreitende KI-Forschung, ein globales Klima und eine globale Erwärmung. Nur noch keine globale Politik, die diesen Problemen angemessen begegnen könnte.

Im Gegenteil: Seit einigen Jahren geht die politische Entwicklung wieder mehr in Richtung Föderalismus und Nationalstaatlichkeit. Dies bereitet mir große Sorgen. Theresa May, Donald Trump und Frauke Petry wollen wieder zurück ins 19 Jahrhundert. Dies ist auch der Grund, weshalb sie das globalen Problem z.B. des Klimawandels häufig leugnen oder relativieren: Sie besitzen schlichtweg keine Antworten darauf.

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