„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Prophetentradition

Die genetische Untersuchung heutiger Menschen widerlegt die Annahme, dass die gesamte Menschheit von nur einem menschlichen Paar abstammen würde. Es gab nie einen Urvater Adam, auf den alle Menschen zurückgehen. Genauso wenig existierte ein zweiter Stammvater Noah/Nuh, auf dessen Familie alle heutigen Menschen zurückgehen. Die sogenannte "Prophetentradition" wurde damit mittels humangenetischer Untersuchungen als Märchen überführt.

1. Es gibt zwar die Bezeichnung "mitochondriale Eva" (gemeinsamer Ursprung aller menschlichen mitochondrialen DNA) oder "Adam des Y-Chromosoms" - aber diese Bezeichnung ist irreführend. Zwar können alle Y-Chromosomen heutiger Männer auf ein einziges Individuum zurückgeführt werden, das vor 120.000-340.000 Jahren lebte. Aber der Rest unseres Genoms stammt von einer Vielzahl von Ur-Ahnen ab, die vor 10.000 bis 4 Millionen Jahren lebten. Unser Genom bezeugt hunderte "Adams und Evas", die zu verschiedenen Zeiten lebten. Die Tatsache, dass verschiedene Teile unseres Genoms unterschiedliches Alter haben, einige davon sind Millionen Jahre alt, widerlegt die Annahme vollständig, dass unsere DNA auf ein einziges menschliches Ur-Paar zurückgehe.

1. Quellen:
Francalacci, P., et al. 2013. “Low-Pass DNA Sequencing of 1200 Sardinians Reconstructs European Y-Chromosome Phylogeny.” Science 341:565–69.

Poznik, G. D., et al. 2013. “Sequencing Y Chromosomes Resolves Discrepancy in Time to Common Ancestor of Males Versus Females.” Science 341:562–65

Mendez, F. L., et al. 2013. “An African American Paternal Lineage Adds an Extremely Ancient Root to the Human Y Chromosome Phylogenetic Tree.” American Journal of Human Genetics 92:454–59

Garrigan, D., and M. F. Hammer. 2006. “Reconstructing Human Origins in the Genomic Era.” Nature Reviews Genetics 7:669–80

2. Aus dem Genom heutiger Menschen lassen sich menschliche Populationsgrößen zu verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit berechnen. Als unsere Vorfahren vor 60.000-100.000 Jahren Afrika verließen, um die Welt zu besiedeln, fiel die Individuenzahl in der ausgewanderten Gruppe auf wenigstens 2250 Individuen (das ist die kleinste vertretbare Schätzung, wahrscheinlich waren es mehr). Die menschliche Gruppe, die in Afrika verblieb, war größer, wenigstens 10.000 Individuen.

2. Quellen:

Henn, B. M., L. L. Cavalli-Sforza, and M. W. Feldman. 2012. “The Great Human Expansion.” Proceedings of the National Academy of Sciences 109:17758–64
http://www.pnas.org/content/109/44/17758.full

Li, H., and R. Durbin. 2011. “Inference of Human Population History from Individual Whole-Genome Sequences.” Nature 475:493–97

Sheehan, S., K. Harris, and Y. S. Song. 2013. “Estimating Variable Effective Population Sizes from Multiple Genomes: A Sequentially Markov Conditional Sampling Distribution Approach.” Genetics 194:647–62

Die vollständige Zahl der Vorfahren des modernen Menschen war also nicht zwei (Adam und Eva), sondern mindestens 12.000 Individuen. Das ist eine deutliche Widerlegung des Adam-und-Eva-Szenarios.

Mehr noch
Vergleichende genetische Analysen zeigen eindeutig die Abstammung des Menschen aus dem Reich der nicht-menschlichen Tiere.

 

Einige Beispiele:

 

Nachweis gemeinsamer Abstammung über gemeinsame defekte Stoffwechselwege (GULO-Pseudogen)

 

Nachweis gemeinsamer Abstammung über chromosomale Fusionen (Chromosom Nr.2)

 

Nachweis gemeinsamer Abstammung über gemeinsame zufällige retrovirale Insertionen.

 

Die Idee einer Prophetenreihe über einen gemeinsamen Stammvater Adam und einen zweiten Stammvater Noah (Urvater aller Menschen nach der Sintflut) ist vollständig widerlegt.

 

Mohammed und die Autoren des Korans haben irrtümlicherweise ein antikes Märchen für real gehalten - und es zur Grundlage ihrer neuen Religion gemacht.

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 31 August 2017 00:52)

    Wieso wird den Propheten der Bibel ALLES abgekauft, was Gott ihnen angeblich gesagt haben soll, aber "neuen" Propheten, wie Joseph Smith, steht man skeptisch gegenüber, obwohl sie ja auch mit Gott geredet haben sollen.
    Wo liegt da der Unterschied, ob man dem einen glaubt und dem anderen nicht?


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