„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Haiku: Welt und ich

Stück für Stück begreifen wir, dass das Leben endlich und von kurzer Dauer ist, dass wir ohne unser Einverständnis geboren wurden und gegen unseren Willen sterben werden, dass alles, was wir lieben, vergänglich ist und dass wir eine Insel innerhalb einer uns doch zutiefst fremden Welt sind. Wir werden alleine geboren und wir sterben allein. Und vermutlich würden wir verrückt werden, wenn wir in der Zwischenzeit nicht Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen könnten, und uns, für den Wimpernschlag, den das Leben rückblickend einmal gedauert haben wird, in der Erfahrung von Gemeinschaft mit der Außenwelt zu vereinigen.

Was sind elementare Bestandteile menschlichen Glücks? Liebe, Dankbarkeit, Begeisterung. Ich spreche mit vielen Menschen und meistens erzählen sie mir von nichts anderem, als ihrem Bedürfnis, diese Trennung zur Außenwelt zu überwinden und Liebe, Dankbarkeit und Begeisterung zu erfahren. Darin verstehen wir uns - wenn vielleicht auch nicht mit diesen Worten, oder in jeder Situation, aber im Kern des Gefühls - alle. 

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