„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die islamische Welt gegen den Fortschritt

Der ganzen Menschheit geht es seit vier Jahrzehnten immer besser. Nie lebten die Menschen gesünder, länger, gebildeter und toleranter als heute. Vor 40 Jahren lebte noch die Hälfte aller Menschen in extremer Armut, heute ist es nur noch ein Zehntel aller Erdbewohner. Dieser Fortschritt fällt in islamischen Ländern weitaus geringer aus. Neben dem Westen ist vor allem der politische Islam als Ursache für das Leid der islamischen Welt zu nennen.

1) Bildung

Bildung im Vergleich zu anderen Religionen

Die Bildung von Muslimen ist im weltweiten Vergleich zu anderen Religions-angehörigen und Konfessionslosen besonders schlecht.[1] Im Durchschnitt waren Muslime weltweit 5,6 Jahre lang in der Schule. Zum Vergleich: Christen besuchten die Schule im Durchschnitt 9,3 Jahre lang, Konfessionslose 8,8 Jahre und Juden sogar 13,4 Jahre.

Sonderfall Afrika

Besonders erschreckend ist der Bildungsmangel bei Muslimen in Afrika südlich der Sahara. Dort haben Muslime, im Vergleich mit Christen, mehr als doppelt so häufig überhaupt keine formale Schulbildung (65% <-> 30%).[2] Während Christen im Schnitt 6 Jahre in der Schule waren, ist der Unterschied zu Muslimen (2,6 Jahre) hier besonders auffällig. Diese großen Unterschiede sind selbst innerhalb einzelner Länder zu verzeichnen (z.B. in Nigeria, Kenia, der Elfenbeinküste oder Kamerun).

Gender Equality Gap

Muslimische Frauen besuchen die Schule im Schnitt 1,5 Jahre kürzer als muslimische Männer, bei Christen beträgt diese Geschlechterdifferenz nur 0,4 Jahre, bei Hinduisten allerdings sogar 2,7 Jahre.[3]

 

Laut UNICEF sind von den 24 Nationen, in denen weniger als 60% der Mädchen die Grundschule besuchen, 17 islamisch. Die Alphabetisierungsraten zwischen den Geschlechtern sind nirgendwo unterschiedlicher und auch generell in der islamischen Welt überdurchschnittlich schlecht. In Afghanistan beispielsweise waren 2011 nur 32% der Bevölkerung alphabetisiert (45.0% der Männer und 18% der Frauen).[4]

 

Eine Studie des Weltwirtschaftsforums untersuchte diesen Bildungsunterschied zwischen Männern und Frauen 2012 in 135 Ländern. Von den 18 Ländern, die hier am schlechtesten abschneiden, sind 17 Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit: (Algerien, Jordanien, Libanon, Nepal, Türkei, Oman, Ägypten, Iran, Mali, Marokko, Elfenbeinküste, Saudi Arabien, Syrien, Tschad, Pakistan, Jemen).[5] Nirgendwo sonst sind Frauen gemäß dieser Studie folglich weniger gebildet als Männer.

Bücher und Buchdruck in der islamischen Welt

Während der Buchdruck in der (damals) christlichen Welt im 15. Jahrhundert eine geistige Revolution auslöste, liefen die Druckpressen in der islamischen Welt erst 300 Jahre später. Bis dato hatten sich die Rechtsgelehrten gegen das Teufelswerk gewehrt, weil sie die Bildung der Massen als gefährlich für die damalige Gesellschaftsordnung ansahen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die repressive Sakralität verhindert jene Literalität, die den Westen in die Moderne geführt hat. Es gibt kaum Buchimporte aus anderen nicht-islamischen Ländern. In der marokkanischen Nationalbibliografie wurden zwischen 2007 und 2009 nur 172 neue Buchtitel angezeigt. In fast allen islamischen Ländern weichen die Kinos und Buchhandlungen zunehmend den Minaretten. Kritische Stimmen und nicht koran- und systemkonforme Akademiker werden zum Schweigen gebracht oder getötet.

 

Mangelnde Bildung gilt als eines der größten Hindernisse gesellschaftlicher Entwicklung.

2) Innerfamiliäre Gewalterfahrungen

Innerfamiliäre Gewalt ist in islamischen Ländern der Normalfall. 89% der syrischen Kinder erlitten innerhalb eines in der UNICEF-Studie[6] untersuchten Monats (!) körperliche und/oder physische Gewalt, 79% im Irak, 91% in Marokko. Als Gründe sind vor allem patriarchalische Machtstrukturen und Konzepte wie die „Ehre“ zu nennen.

Gewalterfahrungen sind sog. Risikoerfahrungen und begünstigen die Entwicklung antisozialer Persönlichkeiten und einer erhöhten Gewaltbereitschaft. Sie leisten somit einen direkten Beitrag zu einer hohen Kriminalitätsrate innerhalb eines Landes.

3) Wissenschaft und Forschung

Die 57 islamischen Staaten der Organization of the Islamic Conference (OIC) gaben in den Jahren 1996 bis 2003 im Schnitt nur 0,34% ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Forschung und Entwicklung aus (der globale Schnitt betrug 2,36 Prozent). 14 der 28 Länder mit den niedrigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungsquoten sind OIC-Staaten.[7]

 

Es gab bislang nur zwei islamische Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften: Abdus Salam (Pakistan, Nobelpreis für Physik 1979) und Ahmed Zewail (Ägypten, Nobelpreis für Chemie 1999). Kaum eine bekannte nennenswerte Erfindung stammt aus einem islamischen Land. Selbst die Ölpumpen der Saudis sind Erzeugnisse westlicher Wissenschaft, ohne die es den Golfstaaten weitaus schlechter ginge.

4) Menschliche Entwicklung

Bis auf die reichen islamischen Golfstaaten, Brunei, Saudi Arabien, Libyen und Malaysia sind alle islamischen Länder im unteren Drittel des Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index). Er basiert auf den Daten von 187 Mitgliedern der Vereinten Nationen und zeigt das relative Standing hinsichtlich Lebenserwartung, Alphabetisierung, schulischer Erziehung und Bruttoinlandsprodukt pro Kopf eines Landes an.[8]

5) Menschenrechte

Die meisten Staaten des Nahen Ostens weisen ein chronisch schlechtes Menschenrechtsprofil auf.[9] Die Mehrheit der islamischen Länder bekennt sich lediglich zur Kairoer Erklärung der Menschenrechte, die mit der Scharia, dem religiösen Gesetz, in Einklang sein soll. Körperstrafen bis hin zur Amputation und Steinigung, sowie die Benachteiligung der Frau sind somit (über die sogenannten Hadd-Strafen) gestattet. Meinungsfreiheit, die Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung und Veränderung, existiert nicht.


Zudem werden in keinem islamisch geprägten Land homosexuelle Beziehungen staatlich anerkannt. In sieben islamischen Ländern droht gleichgeschlechtlich liebenden Menschen sogar die Todesstrafe: Iran, Nigeria (nördliche Landesteile), Mauretanien, Sudan (nördliche Landesteile), Jemen, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate.

 

Vier islamische Länder waren 2016 laut Amnesty International für 90% aller Hinrichtungen weltweit verantwortlich (Iran (567), Saudi-Arabien (154), Irak (88) und Pakistan (87)).[10]

6) Freiheitsfeindliche Einstellungen von Muslimen

Die Mehrheit der Muslime weltweit vertritt laut Studie des PEW Research Centers[11] einen konservativen, in vielen Fällen fundamentalistischen Islam, der als Legitimationsgrundlage für Gewalttaten und freiheitsfeindliche Einstellungen benutzt wird.

 

– 39% der Muslime weltweit halten Ehrenmorde bei außerehelichem Sex für vertretbar

27% finden, dass Apostaten hingerichtet werden sollten

– 53% der Muslime weltweit wünschen sich die Scharia als das maßgebliche Gesetz

–> von diesen 53% akzeptieren 52% Peitschenhiebe und Amputationen als gerechte Strafen und 50% sprechen sich für Steinigungen aus

–> 42% von denjenigen Muslimen, die sich für die Scharia aussprechen, sind der Meinung, dass sie auch auf Nicht-Muslime angewandt werden soll

– 79% der Muslime weltweit sind der Meinung, dass man an Gott glauben muss, um moralisch handeln zu können und degradieren Atheisten dadurch zu schlechteren Menschen (In-Group-Out-Group-Denken ist die Grundlage fast aller ethnischen Konflikte weltweit)

– 76% finden, dass die Frau ihrem Mann gehorchen muss

– 88% halten Homosexualität für moralisch falsch

7) Kriege

Die absolute Mehrheit der, an der Opferzahl gemessenen, tödlichsten Kriege und Konflikte weltweilt findet im islamischen Raum statt.[12] 2014 sind weltweit 164.000 – 220.000 Menschen direkt an Kampfhandlungen gestorben, so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr. Die meisten Kriegsopfer der Welt sterben durch die Waffen und Foltermethoden von Islamisten. Nirgendwo gibt es mehr Opfer durch terroristische Anschläge als im islamischen Raum.

Ursachen

Die Probleme der islamischen Welt sind vielschichtig. Gerade deshalb sind die Ursachen schwer auszumachen und nicht monokausal erklärbar. Ich möchte im Folgenden auf einige Ursachen eingehen und nenne den Einfluss des Westens zuerst, weil er als häufigste Ursache für die Probleme der islamischen Welt genannt wird. Die Tatsache, dass sie den meisten deshalb besonders präsent ist (Verfügbarkeitsheuristik[13]), sagt aber noch nichts über die Gewichtigkeit ihres Einflusses aus. Sie muss um mindestens eine weitere Ursache ergänzt werden, die in diesem Text Erwähnung finden soll.

Westliche Interventionen

Es ist unbestreitbar, dass der Westen (bzw. vor allem die USA) auf den islamischen Raum bezogen heutzutage mindestens als Brandbeschleuniger verstanden werden muss: Für die Erschließung von Öl, z.B. in Afghanistan oder dem Irak, sind sich die Amerikaner nicht zu schade mit Islamisten zu kooperieren. Im Iran wurde schon 1953 der demokratisch gewählte Premierminister Mossadegh durch den britischen MI6 und die CIA weggeputscht. Mossadegh wollte soziale Gerechtigkeit und teilte demokratische und freiheitliche Werte. Sein einziges Vergehen: Er verstaatlichte die Erdölindustrie, von der der Westen zuvor massiv profitiert hatte. Die nachfolgende, von der USA hofierte, Politik im Iran führte 1979 zur iranischen Revolution, also dem Aufstieg des politischen Islams.

 

Die Auslandseinsätze zur „Stabilisierung der Region“ (im „Licht der Aufklärung“) für die Menschenrechte oder Demokratie haben genau zum Gegenteil geführt. Der Nahe Osten ist auf Kosten der Völker- und Menschenrechte zum machtpolitischen Spielplatz geopolitischer Interessen geworden. Die militärischen Interventionen des Westens waren insgesamt kontraproduktiv und ausschließlich auf eigene Interessen ausgerichtet.

Kolonisierung

Ein weiteres Argument für die Ursache des derzeitigen Zustands der islamischen Welt ist die Kolonisierung der islamischen Welt durch den Westen. Der Nahe Osten war bis zum 1. Weltkrieg allerdings Teil des Osmanischen Reichs, dessen Strukturen die Länder heute weitaus mehr prägen als die 25 Jahre Mandatsherrschaft der Engländer und Franzosen. Kein Europäer käme heute auf die Idee, die Feldzüge und Eroberungskriege der Osmanen in Europa als Grund für heutige Miseren zu benennen. Auch die asiatischen Länder scheinen den Kolonialismus und Kriege besser verkraftet zu haben. Aus Vietnam stammt kaum ein Selbstmordattentäter, der sich in Amerika für das erlittene Leid in die Luft sprengen will.

 

Zudem macht es den Anschein, als ob dort, wo europäische Kolonialmächte nachhaltig prägend wirkten, wie in Indonesien und Malaysia, die Gesellschaften heute noch beweglicher sind. Saudi-Arabien und der Iran, die für den sunnitischen bzw. schiitischen Machtausbau in einem großen Teil der islamischen Welt Stellvertreterkriege mit deutschen Waffen[14] führen (z.B. in Libyen und Syrien) und den Islamismus fördern, wurden niemals kolonisiert.

Sklavenhandel

Der Sklavenhandel durch die muslimische Welt ist in seinem Umfang nicht mit dem Sklavenhandel durch den Westen zu vergleichen. Die Araber brachten schon im 7. Jahrhundert den Islam, und mit ihm den Sklavenhandel, nach Afrika. 17 Millionen Afrikaner wurden versklavt und die Männer kastriert (das ist Völkermord). 1300 Jahre währte dieser islamische Sklavenhandel, während der Sklavenhandel nach Amerika „nur“ 400 Jahre dauerte.[15] Aufgrund der gemeinsamen Religion und der daraus erwachsenen Solidarität gibt es keine Aufarbeitung der arabischen Sklaverei, man fokussiert sich lieber auf den gemeinsamen Feind: den Westen.

Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten

Die Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten, die eines der größten Probleme dieser Länder sind, gab es auch schon vor dem Irakkrieg. Fest steht aber, dass der Irakkrieg und das Verbot der Baath-Partei zu einem Machtvakuum führten, das letztlich dem Islamischen Staat (IS) zugute kam.

 

Neben einer Vielzahl an Problemen, die der Westen (allen voran die USA) in der islamischen Welt zu verschulden hat, profitiert der Orient von westlicher Entwicklungshilfe, dem Tourismus und (die Oberschicht von) Handelsbeziehungen.

Der Islam als Fortschrittshemmnis

Die islamische Welt als Opfer kapitalistischer Ausbeutung und imperialer Dominanz zu deuten, greift zu kurz. Das entscheidende und lebensprägende Element der islamischen Welt wird dabei vollkommen ignoriert: der Koran. Der Islam bestimmt die Kultur islamischer Länder fast ausschließlich. Werte und Normen wiederum, die in einer Kultur tradiert und durch sie gelebt werden, sind die Triebfeder menschlichen Handelns. Auf viele Faktoren, die gesellschaftlich und wirtschaftlich hemmend wirken und direkt mit dem Islam in Verbindung stehen, ist schon eingegangen worden. So ist die Wissenschafts-, Bildungs- und Menschenrechtsfeindlichkeit direkt auf die islamische Politik zurückzuführen. Was nicht im Einklang mit der Ideologie steht, darf nicht vermittelt, erforscht und gedacht werden. Die Schulen der islamischen Welt befähigen nicht zum freien Denken, sondern befeuern Feindbilder (z.B. gegen den Westen oder wahlweise die Schiiten oder Sunniten), traditionelle Geschlechterrollen und einen starken Konformismus. Vor allem die mangelhafte Bildung der Frauen und die religiös zementierten Geschlechterrollen führen zu anhaltend hohen Geburtenraten, die aufgrund der daraus erwachsenden Konkurrenz um gesellschaftliche Positionen vielleicht das größte Problem darstellen.

 

Die allergrößte Mehrheit der islamischen Strömungen führt zu einer Stagnation der islamischen Gesellschaften. Die enge Verwobenheit zwischen Politik und Religion befördert Konflikte sowohl zwischen Individualisierung und Konformitätsdruck, als auch zwischen Tradition und Innovation, die zusammen mit der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit höchst explosiv sind. Diese Konflikte verschaffen radikalen Islamisten einen großen Zulauf. Der Islamismus dient aber auch staatlich dazu, die Forderung nach Freiheit (vgl. Arabischer Frühling) zum Schweigen zu bringen und die autoritären Systeme zu konservieren, findet aber auch durch eine knappe Mehrheit der Muslime weltweit, die sich für die Scharia ausspricht (53%), Unterstützung und Anerkennung.

 

Ohne Islamismus ginge es den betreffenden Ländern weitaus besser. Anders als oft angenommen wird, ist der Islamismus allerdings kein Konstrukt des Westens, sondern genuin islamisch. Der deutsche Politologe Armin Pfahl-Traughber nannte 2011 in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung folgende Punkte als typische Merkmale des Islamismus[16]:

1.    Absolutsetzung des Islam als Lebens- und Staatsordnung

2.    Gottes- statt Volkssouveränität als Legitimationsbasis

3.    der Wunsch nach ganzheitlicher Durchdringung und Steuerung der Gesellschaft

4.    homogene und identitäre Sozialordnung im Namen des Islam

5.    Frontstellung gegen den demokratischen Verfassungsstaat

6.    Potential zu Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

Alle obigen Charakterisierungspunkte des Islamismus sind im Koran und in der Handlungsweise des Propheten Mohameds (sunna) wiederzufinden. Programmatisch ist im Koran z.B. die Unterteilung in Gläubige und Ungläubige. Hierbei werden Letztere als Untermenschen deklassiert. Der Koran legitimiert Gewalt gegen Ungläubige nicht nur, er fordert und fördert sie sogar. Gleichzeitig ist die Mehrheit der Muslime weltweit davon überzeugt, dass der Koran das allzeit gültige und direkte Wort Gottes ist und deshalb als fundamentalistisch einzustufen.[17]

 

Welche Auswirkungen der Islamismus auf ein Land hat, ist zur Zeit in der Türkei zu beobachten, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten, freiheitliche Werte abgebaut werden und die Wirtschaft langsam abstürzt.[18] Ähnlich wie in allen anderen islamischen Ländern wird der Westen bald für den wirtschaftlichen Untergang von Erdogan zum Schuldigen erklärt werden, wenn die üblichen Feindbilder wie die Gülen-Bewegung oder die PKK ausgedient haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Europäer diese Schuldzuweisung dann für sich annehmen. Sie lässt sich gut in die Tradition unserer Schuldkultur einbetten, die besonders in Deutschland sehr stark ausgeprägt ist.

 

Islamische Länder hingegen übernehmen kaum Verantwortung für selbst verschuldete Unzulänglichkeiten, sondern propagieren stattdessen Verschwörungtheorien und selbsterfüllende Prophezeiungen. Die im Westen aufzufindende Schuldkultur findet im Orient in einer abwehrenden Opferhaltung sein Pendant („Der Westen ist an allem Schuld!“).[19]

 

Zu diskutieren wäre außerdem, ob der Islam auch theologisch dazu neigt, eine Verantwortungsübernahme abzulehnen und anstelle dessen die Probleme und Perspektivlosigkeit in Feindbilder kanalisiert. Zumindest kennt die islamische Welt kein kollektives Schuldbekenntnis, das historisch an die nächsten Generationen tradiert wird. Diese kollektive und individuelle Schuld hat der Westen zunächst durch die christliche Erbsünde aufgenommen und dann in säkularer Form nach der Schreckenszeit der Nationalsozialisten und des Kolonialismus verinnerlicht.

 

Damit die islamische Welt in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und den Menschenrechten aufholen kann und sich zivilisatorisch entwickelt, muss sie sich von den starren Fesseln des politischen Islams lösen. Der Westen wiederum täte gut daran, die bestehenden Konflikte nicht noch voranzutreiben oder neues Leid in die Welt zu tragen. Vielleicht wäre es besser, er würde sich auf die humanitäre Hilfe konzentrieren. Schwierig einzuschätzen ist aber, ob die islamischen Länder der Vielzahl personifizierter Fluchtursachen gewachsen sind, die unter der Flagge des IS, Boko Harams oder Al Kaidas mit dem Ziel der Weltherrschaft foltern und morden.

 

Die durch den Islam zivilisatorisch gelähmten Gesellschaften sind aufgrund hoher Geburtenraten bei gleichbleibend geringen Perspektiven für ihre Bürger zum Schmelztiegel der Konflikte geworden und können sich nur in Abkehr vom islamischen Zwangskorsett weiterentwickeln. Andernfalls wird die islamische Welt untergehen.

Quellen

[1] http://www.pewforum.org/interactives/educational-attainment/

[2] http://www.pewresearch.org/fact-tank/2016/12/14/muslims-in-sub-saharan-africa-are-twice-as-likely-as-christians-to-have-no-formal-education/

[3] Vgl. ebd.

[4] https://data.unicef.org/topic/education/overview/

[5] http://www.cnsnews.com/news/article/patrick-goodenough/gender-equality-gap-greatest-islamic-countries-survey-shows

[6] https://www.unicef.org/publications/index_74865.html

[7] http://www.nature.com/nature/journal/v444/n7115/full/444026a.html

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Index_der_menschlichen_Entwicklung

[9] https://www.bpb.de/fsd/menschenrechte2/

[10] http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-04/amnesty-international-mehr-todesurteile-weniger-hinrichtungen-bericht
Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen dürfte weitaus höher ausfallen. Vermutlich führt China die Weltrangliste der Todesurteile an.

[11] http://www.pewforum.org/2013/04/30/the-worlds-muslims-religion-politics-society-overview/

(Weltweit = Südasien, Südostasien, Mittel-, Ost- und Nord und Südafrika, Südosteuropa, Zentralasien)

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_Konflikte

[13] Bei einer Verfügbarkeitsheuristik (auch: Verfügbarkeitsfehler) wird die schwierige Frage nach der Häufigkeit eines Ereignisses oder dem Umfang einer Kategorie (also hier den Ursachen für die Probleme der islamischen Welt) durch die einfachere Frage ersetzt, wie leicht es einem fällt, sich an passende Beispiele zu erinnern. Beispielsweise kann man sich wesentlich leichter an den schlechten Einfluss des kapitalistischen und kolonialistischen Westens erinnern als an andere Erklärungen für die desaströse Lage der islamischen Welt, weil die Medien diese Ursache immer wieder betonen. Daraus folgt ein kognitive Verzerrung, durch die man an der festen Überzeugung festhält, dass der Westen die Hauptschuld trägt, obwohl dies nicht umfassend oder statistisch untersucht wurde.

[14] Deutschland ist zur Zeit drittgrößter Waffenexporteur. Die Bundesregierung begründet die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien z.B. damit, dass Saudi-Arabien ein Stabilitätsanker in der Region sei und eine Schlüsselrolle für die Sicherheit und Stabilität in der gesamten Region spiele. Tatsächlich führt Saudi-Arabien zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jemen Krieg und unterstützt islamistische Terrororganisationen (offiziell bekannt u.a.: Al-Kaida, Dschaisch al-Fatah, Ahrar asch-Scham) nicht nur mit Schulbüchern.

[15]

[16] http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/36339/islamismus-was-ist-das-ueberhaupt?p=1

[17] http://www.pewforum.org/2013/04/30/the-worlds-muslims-religion-politics-society-beliefs-about-sharia/

[18] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tuerkei-und-die-wirtschaft-rettung-auf-pump-a-1141664.html

[19] Interessant ist hierbei, dass der Charakter von im Westen lebenden Menschen von Muslimen aus islamischen Ländern weitaus negativer eingeschätzt wird als umgekehrt. Auch deshalb bräuchte man für das Wort „Islamophobie“ ein entsprechendes Pendant für den Hass gegenüber dem Westen. http://www.pewresearch.org/fact-tank/2017/02/27/muslims-and-islam-key-findings-in-the-u-s-and-around-the-world/

Gastbeitrag von: Felix Kruppa

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Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Montag, 26 Juni 2017 01:22)

    ''Das ist nicht die Schuld des Islam, sondern des Menschen''
    Das hat schon was von Stockholm-Syndrom, wenn man sich das wirklich noch schön reden muss mit dem einfachen rhetorischen Kniff, dass der Islam an sich ja perfekt sei und nur Menschen Fehler machen, während die Gewalt gegen Frauen eklatant hoch ist und definitiv was mit der muslimisch sozialisierten Gesellschaft zu tun hat.

  • #2

    WissensWert (Dienstag, 18 April 2017 14:55)

    https://www.facebook.com/vicenews/videos/772539909572628/?hc_ref=PAGES_TIMELINE

  • #1

    WissensWert (Dienstag, 18 April 2017 13:42)

    Von Uwe Lehnert:

    Ein hervorragender Beitrag in gewohnter Qualität und mit seriösen Quellen gut belegt. (Insofern darf man das Urteil von Detlef Noth kommentarlos übergehen.) Das Fazit steht im letzten Kapitel »Der Islam als Fortschrittshemmnis«. Schon die Überschrift macht unmissverständlich klar, woran Länder mit einer solchen Religion als Staatsdoktrin kranken und scheitern. Eine Kultur, die das widerspruchslose Auswendiglernen ihrer heiligen Schrift, stammend aus dem Frühmittelalter, als höchste Leistung ansieht und die Meinungsfreiheit und den freien Dialog scheut wie der Teufel das Weihwasser, muss im Wettbewerb mit Ländern scheitern, die sich der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung öffnen und auch der politischen Veränderung grundsätzlich offen gegenüber stehen. Dieses Scheitern der islamischen Länder wird, wie der Autor prophezeit, zum Untergang der islamischen Welt führen. Allerdings mit der Folge der größten Fluchtbewegung der Menschheit in Richtung Europa. Da in Europa der Streit zwischen den Gesinnungsethikern und Verantwortungsethikern vermutlich zugunsten der Gesinnungsethiker ausgehen wird, nicht zuletzt aufgrund der vom Autor treffend festgestellten Schuldkultur-Tradition im znetral gelegenen Deutschland, wird Europa zum Opfer dieser Massenzuwanderung werden. Die schiere Quantität der Zuwanderungen wird Verwerfungen und bürgerkriegsähnliche Zustände provozieren und erst dann abebben, wenn Europa sich in ökonomischer, sozialer und wohl auch religiöser Hinsicht den Ländern angeglichen hat, aus denen jetzt die Armuts- und Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber kommen. In späteren Geschichtsbüchern wird dann randnotizenartig vermerkt werden, dass die kurze Phase sog. aufgeklärter und offener Gesellschaften etwa Mitte des 21. Jahrhunderts endete.


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