„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Das Ende des Liberalismus?

Der Liberalismus meint, dass alle Macht von menschlichen Entscheidungen ausgehen sollte. Das gilt gleichermaßen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft:

Marktwirtschaft: Entscheidungen determinieren Nachfrage und damit Angebot.

Demokratie: Entscheidungen determinieren Wahlen und damit Herrschaft.

Humanismus: Entscheidungen determinieren gesellschaftliche Verhältnisse.

Im politischen Diskurs wird der Begriff "liberal" häufig enger verwendet. Er bezeichnet dann Diejenigen, die für die Homo-Ehe, strengere Waffengesetze und ein Recht auf Abtreibung sind. Doch auch die meisten Konservativen zeichnen sich im Allgemeinen durch eine liberale Weltsicht aus. Die großen Helden der Rechten wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher waren große Verfechter nicht nur der Marktwirtschaft, sondern auch der Demokratie und des Rechtsstaats.

Dabei geht es allen Liberalen auf der Welt um das menschliche Gefühl. Nun könnten Sie einwenden, dass die Menschen bei Wahlen gefragt werden "Was denken Sie?" und nicht "Was fühlen Sie?", doch das ist grundfalsch. Wäre die Demokratie eine Sache der Rationalität, so gäbe es absolut keinen Grund, allen Menschen das gleiche Wahlrecht zuzugestehen. Es gibt hinreichend Belege dafür, dass einige Menschen sachkundiger sind als andere, und das gilt insbesondere in politischen oder ökonomischen Dingen. Richard Dawkins beklagte nach dem Brexit-Referendum, dass ein Großteil der britischen Bevölkerung - er mit eingeschlossen - nie zum Referendum hätte genötigt werden dürfen, denn den Leuten fehle es an Hintergrundwissen in Ökonomie und Politikwissenschaft.

"Sie können genauso gut ein landesweites Plebiszit abhalten, um zu entscheiden, ob Einstein richtig gerechnet hat, oder Sie könnten Flugpassagiere darüber abstimmen lassen, welche Landebahn der Pilot ansteuern soll."

Richard Dawkins[1]

Doch ganz gleich, ob man das nun gut oder schlecht findet, Kauf-, Lebens-, und Wahlentscheidungen beruhen nicht auf rationalen Abwägungen sondern auf Gefühlen. Der Liberalismus meint, dass Entscheidungen unser Zusammenleben bestimmen sollten, da wir selbst am besten wissen, was uns glücklich macht.

1. Geschichte

Das 20. Jahrhundert war von zwei großen ideologischen Kämpfen geprägt: Erst der Kampf zwischen Liberalismus und Faschismus während dem 2.ten Weltkrieg. Dann der Kampf Liberalismus gegen Kommunismus während dem Kalten Krieg.

Der Liberalismus ging aus beiden Kämpfen siegreich hervor und dominierte daher auch das frühe 21. Jahrhundert. Von Brasilien, über Taiwan bis Indien, überall wurden die Menschen, Märkte und Gesetze immer freier. 1997 meinte Bill Clinton sogar, die chinesische Regierung stehe mit seiner Weigerung vor liberalen Reformen "auf der falschen Seite der Geschichte".[2]

Doch seit der globalen Finanzkrise 2008 kehrt sich dieser Trend um. Der Widerstand gegen Migration und Freihandel wächst. In Russland und der Türkei höhlen vorgeblich demokratische Regierungen die Unabhängigkeit der Justiz und der Presse aus. Und heute wird vermutlich kaum jemand mit voller Zuversicht mehr erklären, China stehe auf der falschen Seite der Geschichte.

Das Jahr 2016, das politisch von Trump und Brexit geprägt war, markierte den Moment, in dem diese illiberale Woge auch die Kernstaaten Westeuropas und Nordamerikas erreichte. Hatten viele Amerikaner und Europäer noch vor ein paar Jahren versucht, den Irak und Libyen zu liberalisieren, so betrachten jetzt viele Menschen in Texas und Sachsen den Liberalismus nicht mehr als erstrebenswert.

Die meisten Menschen, die für Trump und den Brexit stimmten, lehnen den Liberalismus natürlich nicht gänzlich ab. Sie glauben nach wie vor an Demokratie, freie Märkte, Menschenrechte und soziale Verantwortung, aber wollen diese Ideen in den eigenen Grenzen halten. Die westlichen Rechten haben vor allem den Glauben an die Globalisierung verloren. Und die chinesische Supermacht stellt fast so etwas wie ein Spiegelbild dazu dar. Sie hütet sich davor, ihre Politik im Inneren zu liberalisieren, vertritt jedoch nach Außen einen liberalen Ansatz.

1.1. Vergangenheit

Es ist nicht das erste Mal, dass der Liberalismus mit einer Krise zu kämpfen hat. Das erste Zeitalter der Globalisierung und Liberalisierung endete im Blutbad des ersten Weltkrieges, als imperiale Machtpolitik den globalen Fortschritt abrupt beendete. In den Tagen nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo zeigte sich, dass die Großmächte deutlich stärker an den Imperialismus als an den Liberalismus glaubten. Doch der Liberalismus überlebte diesen Franz-Ferdinand-Moment und ging stärker denn je aus ihm hervor: Er versprach, dies sei der "war to end all wars" gewesen. Vermeintlich hatte das beispiellose Gemetzel die Menschen gelehrt, welch fürchterlichen Preis der Krieg forderte und nun waren sie endlich bereit, in Frieden und Freiheit zu leben.

Dann folgte der Hitler-Moment, als in den 1930er und frühen 1940er Jahren der Faschismus eine Zeit lang unwiderstehlich erschien. Der Sieg über diese Bedrohung leitete nur die nächste ein. Während des Che-Guevara-Moments zwischen den 1950er und 1970er Jahren hatte es erneut den Anschein, als liege der Liberalismus in den letzten Zügen und als gehöre die Zukunft dem Kommunismus. Am Ende war es aber der Kommunismus, der zerbrach.

Der Liberalismus triumphierte über den Imperalismus, Faschismus und Kommunismus. Und das nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich als dynamischer  herausstellte und insbesondere vom Kommunismus lernte, der Gleichheit neben der Freiheit einen Wert einzuräumen. Freie Märkte bringen nichts, wenn der Magen leer ist. Anfang der 1990er Jahre verkündeten Philosophen und Politiker das "Ende der Geschichte", der Liberalismus schien der Sieger der Geschichte.

1938 gab es drei große Ideologien, 1968 waren es nur noch zwei und 1998 schien eine einzige die Oberhand behalten zu haben. 2018 sind wir bei Null angelangt.

1.2. Gegenwart

Doch die Geschichte ging nicht zu Ende und nach dem Che-Guevara-Moment erleben wir jetzt den Trump-Moment. Dieses Mal hat es der Liberalismus aber nicht mit einer globalen Ideologie zu tun. Im Gegenteil: Trumps Hauptbotschaft lautet, es sei gerade nicht Amerikas Aufgabe, irgendeine globale Vision zu verfolgen. Auch die britischen Brexit-Befürworter haben keinen wirklichen Plan für die Zukunft Großbritanniens, Europas oder der Welt.

Der Liberalismus mag vielfältige Feinde und Schwächen haben. Doch Barack Obama hatte Recht, als er meinte, dass der Liberalismus trotz zahlreicher Defizite eine deutlich bessere Bilanz aufzuweisen hat als alle bisherigen Alternativen. Die meisten Menschen genossen nie mehr Frieden oder Wohlstand als unter der Ägide des Liberalismus im 21. Jahrhundert: Zum ersten Mal in der Geschichte sterben weniger Menschen an Infektionskrankheiten als an Altersschwäche, weniger sterben an Hunger als an Fettsucht und weniger durch Unfälle als Zufälle.

1.3. Zukunft

Bislang hat der Liberalismus immer auf Wirtschaftswachstum gesetzt, um wie durch eine unsichtbare Zauberhand gesellschaftliche Probleme zu lösen. Er versöhnte das Proletariat mit der Bourgeoisie, Einheimischen mit Migranten und Klerikale mit Atheisten, indem er allen ein größeres Stück vom Kuchen versprach.

Die nun aufkommenden Probleme wird er aber nicht so einfach mit Wirtschaftswachstum lösen können. Der ökologische Kollaps und die technologischen Disruptionen durch Künstliche Intelligenz und Biotechnologie lassen sich nicht mit Wirtschaftswachstum beantworten. Der Liberalismus muss sich also wieder als flexibel erweisen, um auch diese Probleme zu überleben.

Doch selbst dann könnte er an ihnen scheitern, da insbesondere die künstliche Intelligenz die Grundprinzipien des Liberalismus umterminiert. Wir haben gelernt, dass laut dem Liberalismus alle Macht von menschlichen Gefühlen ausgehen soll. Dann sollte man Kauf-, Wahl-, und Lebensentscheidungen auch nur dann vom Menschen abhängig machen, wenn niemand anderes besser weiß, was ein Mensch will und fühlt. Genau das könnte sich mit der KI aber ändern.

Ein alter Klassenkamerad von mir hat mit 22 Jahren herausgefunden, dass er homosexuell ist. Wie konnte er nicht vorher wissen, was er will und fühlt? Ein Computerprogramm hätte ihm das schon viel früher offenbaren können, indem es seine Augenbewegungen in Alltagssituationen und beim Pornoschauen registriert. Genauso ist es nicht nur mit Lebens-, sondern auch mit Wahl- und Kaufsentscheidungen. Die meisten Menschen kennen sich nicht besonders gut. Sie wissen nicht, welche Partei oder welches Produkt am meisten ihr Glück fördert. Dann lassen sie sich von Wahlwerbespots oder schrillen Verpackungen manipulieren und bereuen im Nachhinein ihre Entscheidungen.

Das nächste Mal könnten Sie die Entscheidung an einen Algorithmus delegieren. Dafür muss der Algorithmus nicht perfekt sein, es reicht schon, wenn er uns besser kennt und zuverlässiger entscheidet, als wir selbstStellen Sie sich einmal vor, Sie wären von allen SPD-Regierungen der letzten Jahre maßlos enttäuscht worden. Jedes Mal ließen Sie sich erneut von der Wahlkampfrhetorik einlullen und jedes Mal bereuten Sie es, wenn die SPD die Agenda 2010 einführte oder wieder die Renten kürzte, diese Partei gewählt zu haben. Doch dieses Mal ist es anders! Sie sind fest entschlossen eine andere Partei zu wählen und erzählen allen ihren Freunden, dass die SPD ihre Wähler belügt und für das Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit steht. Doch in den Monaten vor den Wahlen entdeckt die SPD ihr Proletarier-Klientel wieder und verteilt großzügig Geschenke für die Armen. Außerdem hat die SPD die beste Marketingagentur angeheuert und führt einen brillanten Wahlkampf mit einer wohlausgewogenen Mischung aus Drohungen ("die Linken zerstören unseren Wohlstand") und Versprechungen ("wir wollen die Agenda 2010 korrigieren"). Außerdem ist da dieser Martin Schulz, dem sie die sozialdemokratische Überzeugung dieses Mal echt abkaufen. Am Tag der Wahl sind Sie unentschlossen und überdies noch ein wenig verkatert von der Party gestern. Und siehe da, Sie bestätigen die Partei, über die Sie sich schon ein ganzes Leben aufgeregt haben!

Ein solches Schicksal wäre Ihnen höchstwahrscheinlich erspart geblieben, wenn Sie Google erlaubt hätten, für Sie abzustimmen. Google gibt es bekanntlich nicht erst seit gestern! Zwar lässt es  die Möglichkeit einer gesamtpolitischen Linkswende in Deutschland mit dem Hoffnungsträger Martin Schulz nicht außer Acht, aber es erinnert sich auch daran, was in den letzten Jahrzehnten passiert ist. Im Gegensatz zu uns Menschen fällt Google nicht auf den Höchstands-Ende-Trugschluss sowie andere Trugschlüsse herein und kann auch viel besser absehen, wie ihre soziale Lage aussieht, wie es um die Weltlage bestellt ist und welche politischen Themen ihr Herz am höchsten schlagen lassen. Denn es hat mit seiner neuen Google-Watch ihren gesamten Blutdruck während der 20-Uhr Nachrichten über die letzten paar Jahrzehnte aufgezeichnet. Aufgrund all dieser Daten kann Google jetzt eine Wahl für mich treffen, die wohlmöglich nie perfekt sein wird, aber vielleicht schon sehr bald besser als ihre eigene.

Google wird somit in der Lage sein, nicht nach ihrer momentanen Geistesverfassung und nicht nach den Fantasien meines für subtile Einflüsse empfänglichen Unterbewusstseins abzustimmen, sondern entsprechend den wirklichen Gefühlen und Interessen der höchst heterogenen Ansammlung biochemischer Algorithmen zu entscheiden, die Sie ausmachen.

Ihre Entscheidungen sind nicht frei oder perfekt, sondern das Resultat deterministischer und fehleranfälliger biochemischer AlgorithmenWenn ein Affe oder eine Maus eine Schlange erblickt, regt sich Angst, weil Millionen von Nervenzellen im Gehirn in rasender Geschwindigkeit die relevanten Daten berechnen. Ein biochemischer Algorithmus und nicht etwa ein "freier Wille" lässt den Affen oder die Maus davonrennen und so überleben. Beim Mensch ist das nicht anders. Die Wissenschaft hat das schon lange erkannt und die Gesellschaft wird es wie so oft erst ein paar Jahrzehnte später erkennen. 

Der liberale Glaube an die Autorität der Gefühle und die Willensfreiheit sind weder naturgegeben noch besonders alt. Jahrtausendelang glaubten die Menschen, Autorität entspringe göttlichen Gesetzen und nicht dem menschlichen Herzen und deshalb sollten heiligen Schriften Entscheidungen bestimmen und nicht das menschliche Gefühl. Schon bald könnte der Großteil der Menschen glauben, dass Algorithmen am besten wissen, was richtig für uns ist und dass sie die Entscheidungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft treffen sollten.

Dass Gefühle in Wirklichkeit Berechnungen sind, übersehen wir in der Regel, weil der rasante Rechenprozess weit unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle abläuft. Wir spüren nicht, wie Millionen von Nervenzellen in unserem Gehirn Wahrscheinlichkeiten des Überlebens und der Reproduktion berechnen, und deshalb glauben wir fälschlicherweise, dass unserer freier Wille unsere Kauf-, Wahl und unsere Lebensentscheidungen bestimmen.

Wenn die Leute erst einmal begriffen haben, dass der freie Wille eine Illusion ist, werden sie sich fragen, welche Autorität am besten ihre Interessen vertritt. Bisher war es vielleicht ganz schlau, auf die eigenen Gefühle zu hören, beruhen diese doch auf einer über Jahrmillionen angewachsene evolutionäre Rationalität. Aber Algorithmen werden in Zukunft viel schneller Fortschritte machen als die Evolution und bald die viel besseren Entscheidungsfinder sein.

Denn wir befinden uns gegenwärtig an einem Punkt, an dem zwei ungeheure Revolutionen zerschmelzen: Auf der einen Seite entschlüsseln Biotechnologien die Geheimnisse des menschlichen Körpers, insbesondere des Gehirns und der menschlichen Gefühle. Auf der anderen verschaffen Computer beispielslose Datenverarbeitungskapazitäten. Wenn wir diese Computer mit den Daten aus den biotechnologischen Sensoren verbinden, werden Algorithmen entstehen, die uns viel besser kennen als irgendwer sonst auf der Welt.

Wer diesen Computern nicht die Entscheidungsgewalt über sein Leben gibt, wird viel schlechtere Entscheidungen treffen als seine Arbeitskollegen und deshalb im internationalen Wettbewerb nicht mehr bestehen können. Und er wird eine schlechtere Partnerwahl treffen und eine unglücklichere Beziehung führen als die anderen. Es wird vielleicht keinen expliziten Zwang geben, den Algorithmus entscheiden zu lassen, aber implizit gibt es den schon lange.

Wer heute Informationen sucht, der "googlet". Das heißt ein Algorithmus entscheidet, welche Informationen er findet und welche nicht und welche Meinung er sich aufgrund dessen bilden wird. Doch wer entscheidet, was der Google-Algorithmus entscheidet? Das weiß keiner so genau. Zwar haben hunderte von Mitarbeitern den Google-Algorithmus mitprogrammiert, aber wieso eine Person ausgerechnet diese Suchergebnisse angezeigt bekommt, weiß keiner so genau. Auch unsere Aktien werden immer häufiger in sekundenschnelle von Algorithmen gehandelt, deren Entscheidungen keiner mehr nachvollziehen kann.

Dieser Trend wird sich mit selbstlernenden und damit stetig selbst optimierenden Algorithmen noch weiter verstärken. Und umso mehr wir merken, dass Algorithmen unsere Entscheidungen besser treffen als wir selbst, desto mehr Macht werden wir ihnen geben. Dies könnte zu der Situation führen, dass eines Tages alle großen Entscheidungen an Maschinen delegiert werden und niemand mehr weiß, wer warum genau diese Entscheidungen fällt.

In schlechten Science-Fiction-Filmen entwickeln die Algorithmen dann irgendwann ein Bewusstsein und werden selbst zu Subjekten. Bisher deutet aber nichts auf eine solche Entwicklung hin. Die Rechenleistung von Computern hat sich in den letzten Jahrzehnten alle ein bis zwei Jahre verdoppelt (Mooresches Gesetz).  Computer werden also immer intelligenter, denn Intelligenz beruht auf schneller Datenverarbeitung. Aber soweit wir wissen, sind die Computer von heute kein bisschen mehr bewusst als 1971

Ökonomisch ist Intelligenz unabdingbar, Bewusstsein hingegen optional.  Unternehmen, Staatsapparate und Armeen können ohne intelligente Akteure nicht funktionieren, bewusste Subjekte benötigen sie indes nicht. Das Innenleben eines Taxifahrer mag unendlich viel reichhaltiger sein als das eines selbstfahrenden Autos, aber Uber möchte seine Kunden nur von A nach B bringen, ein Fahrer mit Innenleben ist da im besten Fall nutzlos.

Wir sollten uns daran erinnern, welches Schicksal die Pferde in der industriellen Revolution ereilte. Pferde können deutlich besser riechen, lieben, Gesichter erkennen und über Zäune springen als ein VW oder ein Lamborghini. Aber trotzdem ersetzten Autos die Pferde, weil sie den Pferden bei den paar Aufgaben, die die Wirtschaft wirklich benötigte, überlegen waren. Insofern ist es ziemlich wahrscheinlich, dass es Taxifahrern genauso wie den Pferden ergehen wird. Nach und nach werden Algorithmen immer mehr über diese Welt bestimmen. Diese Entwicklung ist bereits im vollem Gange, sie besitzt eine Eigendynamik, der man kaum irgendetwas entgegensetzen kann und ihr Ausgang ist ungewiss.

Einzelnachweise

[1] https://www.newstatesman.com/politics/uk/2017/03/richard-dawkins-we-need-new-party-european-party

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Montag, 10 Dezember 2018 05:17)

    Wir sollten uns daran erinnern, welches Schicksal die Pferde in der industriellen Revolution ereilte. Pferde können deutlich besser riechen, lieben, Gesichter erkennen und über Zäune springen als ein VW oder ein Lamborghini. Aber trotzdem ersetzten Autos die Pferde, weil sie bei den paar Aufgaben, die das System wirklich benötigte, überlegen waren. Insofern ist es ziemlich wahrscheinlich, dass es Taxifahrern genauso wie den Pferden ergehen wird. Das Innenleben von Pferden und Taxifahrern ist tausendmal reichhaltiger als das von selbstfahrenden Autos, und vielleicht macht ohne subjektive Empfindungen und Gefühle nichts auf der Welt einen Sinn, aber ökonomische Notwendigkeit hat existentiellen Sinn historisch noch immer geschlagen. Der letzte Halbsatz könnte zukünftig auf der Scheidungsurkunde zwischen der freien Ökonomie und dem (humanistischem) Liberalismus prangern.


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