„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Koran im zeitgenössischen Kontext

An allen Ecken wird gefordert: Man muss den Koran zeitgemäß interpretieren! Alle jubeln wenn sie das hören ohne sich zu fragen wie das überhaupt gehen soll. Wer ist man? Und was bedeutet hier zeitgemäß? Nach welcher Zeitdimension soll hier gearbeitet werden? Jeder hat ja sein eigenes Verständnis von Zeit, egal ob IS, Boko Haram, Salafisten, Sufis, Orthodoxe oder Liberale. Jeder hält seinen Islam schon für zeitgemäß schon ohne Reform und ohne Exegese, sonst wären sie ja nicht bekennende Muslime. Besonders die Radikalen halten ihren Islam für zeitgemäß, denn Gottes Wort ist zeitlos. Aus ihrer Sicht soll sich nicht Gottes Wort an die Welt anpassen, sondern die Welt an Gottes Wort! Die Radikalen müssen auch nichts interpretieren, sie setzen nur das um, was in den Büchern steht, denn der Islam ist nach ihrer Auffassung nicht gekommen um Teil des säkularen Deutschlands zu werden, sondern um das Schicksal der ganzen Welt von oben zu bestimmen. Es sind die Liberalen, die Sprach- und Logik-Akrobatik betreiben müssen, um zu beweisen dass der Wille Allahs identisch ist mit dem Grundgesetz. Das ist aber ein verlorener Kampf.

Um den Koran besser zu verstehen, muss man zuerst infrage stellen, ob er das direkte Wort Gottes ist oder den Willen Gottes verkündet. Erst dann wird man erkennen, dass sowohl die friedlichen als auch die kriegerischen Passagen in einem bestimmten Kontext entstanden sind. Solange die liberalen Muslime aber die Göttlichkeit des Koran nicht infrage stellen und nur die Rosinen aus dem Kuchen holen, teilen sie den gleichen Boden mit den Radikalen und liefern ihnen sogar Argumente für ihren Kampf, denn sie verzichten gerne auf die Rosinen, solange ihnen der ganze Kuchen gehört.

Der Prophet war zunächst schwach und predigte Frieden, dann hatte er eine Armee, überfiel Handelskarawanen und und führte Eroberungskriege. Zwischendurch schloss er ein paar Friedensverträge, rüstete dabei aber für den nächsten Krieg auf. Er hatte Schwäche für schöne Frauen und gute Parfüms. Alles ganz menschlich und für die damalige Zeit auch völlig normal. Was wäre denn der Mehrwert wenn wir den Islam so lesen würden? Das Ergebnis wird sein, dass wir erkennen werden, dass der Koran aus heutiger Sicht entweder schädlich oder bestenfalls nutzlos ist, denn seine gewaltverherrlichende Passagen relativieren sein Friedenspotential. Wir werden erkennen dass der Prophet für die heutige Zeit weder als moralisches noch als politisches Vorbild taugt. Heute werden die Inhalte des Koran nicht wegen ihres moralischen und philosophischen Gehaltes hochgeschätzt, sondern wegen der Vermutung, dass seine Worte direkt von Gott stammen. Mohamed wird heute nicht wegen seines Tuns geachtet, sondern wegen der Vermutung dass er der Verkünder der Botschaft Gottes war.

Man kann den Koran deshalb weder reformieren noch Mohameds Werk durch eine Neuinterpretation beschönigen. Aber man kann Mohamed und seinen Koran überwinden!

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