„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Google möchte uns "von der Diktatur der Freiheit erlösen."

Google möchte uns "von der Diktatur der Freiheit erlösen." (Richard David Precht)

Laut einem Interview der Financial Times, das 2007 mit Googles Geschäftsführer Eric Schmidt geführt wurde, plant Google so viele Daten jedes einzelnen Nutzers zu sammeln, dass sogar sehr persönliche Fragen beantwortet werden können, wie zum Beispiel „Womit soll ich mich morgen beschäftigen?“ oder „Welches Arbeitsangebot soll ich annehmen?“.

Im Jahr 2010 bekräftige Eric Schmidt diese Zukunftsvision mehrfach, zunächst in einem Interview gegenüber dem Wall Street Journal: „Ich denke, die meisten Menschen (…) möchten, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes machen sollten.“ (…) „Sagen wir, du gehst eine Straße entlang. Aufgrund der Informationen, die Google über dich gesammelt hat, wissen wir grob, wer du bist, wissen ungefähr, was dich interessiert, wissen annäherungsweise, wer deine Freunde sind. Google weiß auch, bis auf wenige Meter genau, wo du gerade bist.“

Im Rahmen eines Vortrags auf der IFA-Messe in Berlin 2010 ergänzte Schmidt diese Zukunftsvision um das Beispiel, dass Google selbst einen Nutzer daran erinnern könnte, bei schlechtem Wetter eine Regenjacke anzuziehen. „Wir können Menschen Anregungen machen, denn wir wissen, was ihnen wichtig ist.“ Schmidt spielte damit auf Möglichkeiten wie Serendipität an, die mit künstlicher Intelligenz ausgewertet werden können.

Das Kerngebiet von Google ist Big Data. Die Digitale Revolution bringt aber noch weitere „Freiheitserlöser mit sich“: Amazon Echo wird unsere Meinung bilden und in einemm Smart Home werden uns Kühlschränke und Toiletten erzählen, wie wir uns besser ernähren sollten. Die Zalando-Brüder verkaufen uns dies als Traumvorstellung: Das Haus von Morgen besitzt keine Küche mehr, da wir uns alle erdenklichen Speisen binnen Minuten per Drohne liefern lassen können werden. Sie haben dabei offensichtlich nicht verstanden, dass die Küche (und der Supermarkt etc.) ein sozialer Ort ist! Und hierin liegt ein weiteres Kernproblem der Digitalen Revolution: Sie wird von (sozialen) Nerds entworfen und vorangetrieben.

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 02 November 2017 16:29)

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