„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Klageschrift Mensch / Gott

Vorwort:

Nachdem mir zu Ohren gekommen ist, dass ich ein "Sünder" sei und meine Schuld darin bestehe, einen fleischlichen Körper zu besitzen, Nachkomme eines gewissen Adams und einer gewissen Eva zu sein, ich willentlich so von einem Gott geschaffen wurde, der mich dafür bestrafen will, aber mich angeblich liebt, jedoch wenn ich nicht an ihn glaube, meine Selbstbestim
mung aufgebe und mich seinen Wünschen bedingungslos unterwerfe, angeblich bei einem "Jüngsten Gericht" zu ewigen "Höllenqualen" verurteilt würde, habe ich mich entschlossen, mich dagegen zur Wehr zu setzen.

Mit Nichtwissen bestreite ich, dass ein Wesen namens Gott das Universum, die Erde, das Leben und uns Menschen geschaffen hat und stelle dem gegenüber die evidentere Hypothese, dass das Leben als autopoietisches selbsterhaltendes, selbstreproduzierendes und natürlich driftendes System entstanden ist - ohne einen fremdbestimmten Zweck haben zu müssen.

Mit Nichtwissen bestreite ich ebenso, ein Sünder zu sein, weil ich den Bedürfnissen folge, die meine Lebendigkeit mit sich bringt - was keinesfalls im Widerspruch dazu stehen muss, dass ich ein Wesen bin, das zu geistigen ethischen Überlegungen fähig ist und aus biologischen Gründen Empathie empfinden kann.

Ebenso bestreite ich mit Nichtwissen, dass ein blutdurstiger über seine eigene Unfähigkeit eine funktionierende Schöpfung produziert zu haben wütender Zorngott nicht nur von mir in einer Schuld Blutopfer und Unterwerfung unter ihn fordert, sondern er auch angeblich einen gewissen Herrn Jesus von Nazareth durch Besamung einer gewissen jungen Frau Maria unter uns Menschen gebracht habe, um das vom ihm die angeblich selbst geforderte Blutzoll zu erbringen, stellvertretend für unsere Sünden, sowie dass man nun denselbigen mit kannibalistischen Symbol-Ritualen ("Esst, dies ist mein Leib, trinkt, dies ist mein Blut") anbeten müsse.

Des Weiteren fordere ich per einstweiliger Verfügung die sogenannte "Heilige" Schrift mit ihren volks- und jugendverhetzenden, Genozid sowie Eigentum an Menschen verherrlichenden Äußerungen gemäß dem Jugendschutzgesetz und dem § 130 StGB (Volksverhetzung) auf den Index der jugendgefährdenden Schriften zu setzen und ihre weitere Verbreitung nur unter strengen psychologischen Begleitauflagen zuzulassen. 

Somit ist selbige Schrift ausschließlich als Beweismittel ihrer psychologisch, ethisch und pädagogisch schädlichen Wirkung zulässig, nicht jedoch als zirkulärer "Selbstbeweis" ihrer eigenen angeblichen Gültigkeit und Wahrheitsgrundlage.

Der angekündigten Klage einer angeblichen Person "Gott" gegenüber dem "Menschen" kann in keiner Weise stattgegeben werden, da weder imaginäre Personen Klagen eröffnen können, noch Sammelklagen gegen ganze Sippen statthaft sind, sofern hier kein kausaler Schuldzusammenhang nachweisbar ist. 


Für den Fall, dass illegalerweise trotzdem eine Klage vor einem sogenannten "Jüngsten" Gericht, dessen Existenz ebenso mit Nichtwissen bestritten wird, ausgeführt werden sollte, ist folgende Gegenklage bereits ausgearbeitet:

Gegenklage Jüngstes Gericht Akte 01 in Sachen Mensch ./. Gott

Anklageschrift

in der Strafsache 

gegen

Gott aka Jahwe (JHWH) aka Jehova aka Allah aka Heiliger Geist, Geburtstag unbekannt, Geburtsort unbekannt, Beruf: Schöpfer der Welt und des Lebens, aktuelle Anschrift: unbekannt


Gesetzlicher Vertreter sowie Verteidiger (ohne Rechtsgrundlage): jüdische, christliche und islamische Kirchen und Glaubensangehörige

Aufgrund unserer Ermittlungen legen wir dem Angeschuldigten folgenden Sachverhalt zur Last:

Der Angeklagte wird beschuldigt:

1.das Universum und das Leben als Experiment geschaffen zu haben, wobei er Menschenversuche durchgeführt hat, die gegen die Menschenrechte verstossen - insbesondere gegen das der körperlichen Unversehrtheit und der Selbstbestimmung. 

2. leidfähiges und seiner selbst bewusstes Leben in einer unvollkommenen flickschusterhaften Weise geschaffen zu haben, ohne über die Konsequenzen nachzudenken und damit schuldhaft großes Leid erzeugt zu haben.

3. dadurch dass er das Leben so unvollkommen und beschränkt willensfähig geschaffen hat, es mit starken Trieben der Reproduktion und Selbsterhaltung ausgestattet hat, aber zugleich von ihm widersinnigerweise fordert, diesen nicht Folge zu leisten, wohl wissend, dass diese Bedürfnisse sich in sublimierender Weise andere bisweilen destruktive Kanäle suchen, sich sadomasochistischer Handlungen ohne einvernehmliche Zustimmung aller Beteiligten schuldig gemacht zu haben.

4. in der Wut über seine eigene Unfähigkeit und sein misslungenes Werk mehrfach Genozid begangen zu haben und perfiderweise von den Menschen blutige Opferrituale verlangt zu haben, wie z.B. die Ermordung von Jungfrauen, Erstgeborenen, Tieren, die Kindesmisshandlung durch Verstümmelung der männlichen Vorhaut bei Minderjährigen und das Anbeten kannibalischer Akte.

5. den Tatbestand der Erpressung zu erfüllen, indem er gewisse Handlungsweisen nicht aus intrinsischer Ethik, sondern in Fremdbestimmung unter Androhung ewiger Qualen in einer sogenannten Folteranstalt “Höllenfeuer” zu erzwingen versuchte.

6. den Tatbestand des Betruges durch leere Versprechungen für die Menschen, die seiner Erpressung folgen, mit ihrer angeblich unsterblichen Seele in einem paradiesartigen Himmelsreich leben zu dürfen, was nach weiteren Überlegung und psychologischer Beratung als weder logisch möglich noch wünschenswert erkannt werden kann.

7. nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr und damit sexuellen Missbrauch an Schutzbefohlenen mit einer gewissen jungen Frau Maria verübt zu haben und zugleich die Vaterschaft für das so gezeugte Kind einem gewissen Josef untergeschoben zu haben und sich so der Alimentierung des Kindes entzogen zu haben.

8. mehrfach Menschen, sogenannte Propheten, auf manipulierende Weise um ihr informelles Selbstbestimmungsrecht gebracht zu haben, und dadurch unlogische, missverständliche, volksverhetzende, diskriminierende und psychologisch destrukive Anweisungen verbreitet zu haben.

9. sich seitdem nicht mehr zu den Anschuldigungen geäußert und die Aussage verweigert zu haben, und somit sich aus der Verantwortung für seine Taten entzogen zu haben.


10. durch den so in die Welt gebrachten und gestärkten Aberglaube mit fanatischen Überzeugungen ohne Fähigkeit zum Zweifeln die empathisch begründete Verbesserung des Zusammenlebens der Menschen massiv behindert zu haben.

Als Beweise legen wir vor:

1. die sogenannte “Heilige Schrift” in zwei Bänden (Altes und Neues Testament)
2. den Koran
3. das historische Handeln der Anhänger der Religionen Judentum, Christentum und Islam
4. diverse Ausführungen von Religionskritikern, die obige Anklagepunkte untermauern

Ich erhebe hiermit Klage und beantrage,

a.) Das Hauptverfahren zu eröffnen,
b.) Untersuchungshaft anzuordnen,
c.) dem Angeschuldigten per einstweiliger Verfügung weitere Schöpfungsakte sowie Eingriffe in selbige zu untersagen,
d.) vom Angeschuldigten ein umfassendes Schuldeingeständnis und den Widerruf seiner schändlichen Schriften und Beeinflussungen zu verlangen und
e.) den Angeschuldigten zu ewiger Verdammnis in der Justizvollzugsanstalt “Höllenfeuer” oder alternativ einer dauerhaften Aufbewahrung und Schutzhaft mit psychatrischer Behandlung zu verurteilen.


Mensch, Planet Erde, 08.02.2017

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 30 März 2017 01:33)

    http://de.richarddawkins.net/articles/gott-vor-gericht-gestellt


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