„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Informationskompetenz

Informationskompetenz als Werkzeug gegen Ideologie

In den letzten Jahren ist viel die Rede von Informationskompetenz, vor allem für Kinder und Schüler. Die Parteien (vorrangig SPD) verstehen darunter vor allem die Kulturtechnik, ZUGANG zu den verschiedenen Medien zu haben und zu beherrschen. Was sie vernachlässigen, ist die Fähigkeit, die GLAUBWÜRDIGKEIT von Medien und Informationen einschätzen zu können.

Hier mein Versuch (gestern bis 4 Uhr nachts) ein bisschen Werkzeug und Tipps dazu zusammen zutragen.

Zusammenfassung:

Wenn ich eine Information bekomme, stelle ich mir folgende Fragen:

1. Wer sagt das? (Hat er Eigeninteressen an der Wirkung dieser Information? Wem nützt das? Aber auch umgekehrt: Bin ich befangen gegenüber dem Überbringer der Information?)

2. Woher hat er das? (Was macht ihn zum Experten? Wie kam er zu der Erkenntnis? Benutzt er seriöse Quellen? Nutzt er empirische Daten? Vertritt er Mainstream-Ansichten, weil es bequemer ist und weniger Argumentation erfordert?)

3. Was fehlt? (Wurde etwas weggelassen, verschwiegen? Gibt es widersprechende Ansichten und Informationen? Habe ich die Kompetenz seine argumentativen, logischen oder statistischen Methoden zu durchschauen?)

4. Ergibt es Sinn? (Ist es in sich schlüssig? Ist es logisch? Hat es Kennzeichen von Ideologie (*)?

5. Was ist anders? (Gibt die Info Anlass, Handlungen durchzuführen, zu unterlassen, zu ändern? Oder verstößt es gegen mein Weltbild? Ist an meinem Weltbild etwas falsch? Ändert es meine Werte? Denke ich vielleicht selbst zu einseitig?)

*) Kennzeichen von Ideologie:

a. Einfache Lösungen, innere Harmonie und Projektion auf Feindbilder, Verschwörer (Wenn der böse Feind besiegt ist, wird alles gut! Die Wurzel allen Übels! Verwechslung von Werten und Fakten: Es ist nicht wahr, was nicht wahr sein darf!)

b. Dogma und Glaube/Berufung auf Autoritäten, Abwesenheit von Zweifel (Ich habe die Absolute Wahrheit gefunden und gepachtet! Gott sagt, Jesus sagt, Marx sagt, der Führer sagt, Wissenschaftler XY sagt,…)

c. Drang, andere zu überzeugen (Dein Weg ist falsch, folge mir! Sonst geht die Welt morgen unter!)

d. Immunität, Intoleranz und Aggression gegen Kritiker (Alle anderen sind böse und lügen! Abweichler sind gekaufte Spione! Antisemit! Gutmensch! Nestbeschmutzer! Bist du nicht für uns bist du gegen uns!)

Natürlich ist keiner wirklich vor Ideologie gefeit. Jeder von uns hat ein Weltbild, bekämpft und filtert dem widersprechende Informationen und möchte, dass andere es teilen. Sich dessen und der Mangelhaftigkeit menschlicher Wahrnehmung und Denkfähigkeit bewußt zu sein wären der erste Schritt, unser “Affenhirn” kritisch und skeptisch zu gebrauchen.

Die Filterblase von Google, Amazon, Facebook und Co ist dabei ebenfalls kontraproduktiv, da deren werbender, schmeichelnder, gefallen-wollender Ansatz eine Scheinwelt aufbaut ohne störende Dissonanzen.


Recherchiert selbst: Nach Informationskompetenz, Ideologie, Hermeneutik, kognitive Dissonanz. Sucht ausdrücklich nach widersprüchlichen Informationen, auch solche, die EURER Meinung widersprechen und prüft sie FAIR!

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