„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die islamische Welt

Die islamische Welt befindet sich im kulturellen und ökonomischen Verfall, da sie kaum Innovationen für die Menschen zu bieten hat.

Im Unterschied zu den ersten drei Jahrhunderten ihrer Geschichte, wo sie alles Fremde geradezu enthusiastisch aufsog und eine Gesellschaft schuf, die geistig schöpferisch war und einen religiösen Pluralismus entwickelte, der individualistische Lebensentwürfe zuließ, befindet sich die islamische Welt heute in einer Phase kultureller Rückentwicklung.

Die Beschwörung der Glanzzeit des Islam und ein oftmals anerzogenes moralisches und intellektuelles Überlegenheits-Bewusstsein bei vielen Muslimen, geraten in einen massiven Widerspruch mit den realen Zuständen in der islamischen Welt, die von (moralischer) Armut und Bildungsferne geprägt sind.[1]

Die Radikalisierung, die heute als Islamismus bezeichnet wird, ist kein neues Phänomen, sondern die Wiederauflage von ständig wiederkehrenden Wellen religiös-theologischer Unbeweglichkeit, die ihren Nährboden in dem haltlosen Dogma vom göttlichen Ursprung des Korans sowie sowie autoritärer Machtausübung in Religion und Politik findet.

Gehorsam, nicht eigenes Denken ist die erste Gläubigenpflicht. Das Opfer ist die gesamte islamische Kultur, Männer wie Frauen, die Frauen allerdings weitaus mehr. Nirgendwo in der Welt grassieren Homophobie, Antisemitismus und überhaupt der generelle Hass auf alles Andersartige schlimmer als im arabischen Raum.

Die islamische Welt kommt mit zwei Feindbildern aus – erstens der Westen (insbesondere die USA) und zweitens Israel – um ihr komplettes Versagen zu erklären.

Länder und Gebiete, die einst Hochburgen des Wissens waren, bewegen sich heute bildungstechnisch gefühlt in der Steinzeit, mit wenigen Ausnahmen wie der Türkei, die sich aber unübersehbar in den letzten Jahren mehr und mehr konservativ islamistisch ausrichtet. Faktisch sind ein Großteil der islamischen Länder im globalen Vergleich bildungstechnisch nicht konkurrenzfähig, da bis auf Indonesien, Malaysia und die Türkei, kein islamisches Land über weltliche, säkulare Bildungsinstitute verfügt.

Dieses Bildungs-Dilemma konnte bisher erfolgreich durch den Faktor "ÖL" kaschiert werden, der weite Teile der islamischen Welt bzw. deren politische Führungskräfte agieren lässt. Doch in 70 Jahren, wenn das ÖL im Nahen- und Mittleren Osten ausgeht (siehe: Peak-Oil), wird dieser Faktor wegfallen. Zum ökonomischen Verfall kommt eine Geburtenrate von 4 Kindern pro Frau in der arabischen Welt, was zukünftig Arbeits- und Perspektivlosigkeit bedeutet. Die arabische Welt von Morgen wird vor allem aus jungen testosterongeladenen Menschen bestehen, denen es an Bildung und Perspektiven fehlt, und denen schon in der Schule[2] eingetrichtert wurde, dass der Westen an ihrer Misere schuld ist. Wenn das mal gut geht…

Modernisierung bedeutet bisher in der islamischen Welt: Die Errungenschaften des Westens mit Petrodollarn einzukaufen, dessen wissenschaftlich-säkulares Denken, das sie erst ermöglicht hat, aber abzulehnen.

Arabische Schulbücher sprechen, wie erwähnt, immer noch Bände über die reflexhaft zu nennende Suche nach dem Sündenbock in der Fremde. In völliger Unkenntnis der geistigen Prozesse, die sich seit der Renaissance in Europa ereignet haben, gilt die Behauptung: "Muslime holten sich ja nur zurück, was sie einmal der abendländischen Kultur gegeben hätten", als Rechtfertigung für dieses Verhalten.

Natürlich sind die negativen Einflüsse des westlichen, aber auch osmanischen Imperialismus auf die islamische Welt nicht zu leugnen, wenn derartige Erklärungsversuche aber nur noch zur kritiklosen "Selbstentlastung" angeführt werden, werden sie schnell kontraproduktiv. Das merkt man vor allem daran, dass das Osmanische Reich, das eben muslimisch war, nicht in das Täter-Profil für viele Muslime passen mag.

Gerade das theologisch begründete (!) Buchdruckverbot im Osmanischen Reich ist für Wissenschaftler aber heute ein ausschlaggebender Grund für die Rückständigkeit der islamischen Welt. Aufgrund religiöser Einwände verbot Sultan Bayezid II. 1483 das Drucken auf Arabisch im Osmanischen Reich bei Todesstrafe.[3] Damit hat man sich von allem Fortschritt komplett abgekoppelt. Der angerichtete Schaden wirkt bis heute. Der Kolonialismus erfolgte dann, weil die islamischen Länder schwach geworden sind. Die "islamische Schwäche" ist also keine Folge des Kolonialismus, sondern einer der Gründe. Wirtschaftlich und sozial vergleichbare aber stärkere Staaten wurden nicht kolonialisiert.

Der Philosoph Francis Bacon schrieb in seinem Novum Organum 1620: "Kein Reich, keine Religion, kein Stern hatte größeren Einfluss auf die menschlichen Angelegenheiten als Buchdruck, Schießpulver und Kompass."

FAZIT: Wenn sich die islamische Welt nicht reformiert, droht ihr der Zerfall, schafft sie sich ab. Nach dem Erdöl wird sich niemand mehr für sie interessieren, es sei denn, sie fände einen eigenen Weg aus der Schwäche - dem letztlich im unantastbaren Gottesgesetz wurzelnden Kult um Autorität und Gehorsam - vom Gottesbild über die patriarchale Familie und die restriktive, doch meistens heuchlerische Sexualmoral bis hin zum Staat und seiner Führung.

Anmerkungen

[1] Leute aus dem arabisch-islamischen Raum sind oft die Ersten, die stolz sein wollen auf ihre Herkunft. Abgesehen davon, dass National-oder Gruppenstolz an sich schon völlig irrational ist - stolz ist man auf eigene Verdienste und nicht auf zufällige Begebenheiten wie den Geburtsort - kann ich schon zweimal nicht verstehen, warum man ausgerechnet stolz darauf sein sollte aus dem in allen Belangen scheiternden arabischen Raum zu kommen.

[3] Erst 1727 erteilte Sultan Ahmed III. seine Erlaubnis für die Errichtung der ersten Druckerpresse mit arabischen Lettern, die einige säkulare Werke auf Osmanisch herausgab (das Drucken religiöser Schriften blieb weiterhin untersagt). In dieser Zeit zog der Westen wissenschaftlich, als auch kulturell um Jahrhunderte an der islamischen Welt vorbei.

Verweise

Die Blütezeit des Islam: In der Tat, es gab mal eine Blütezeit im Islam. Zu dieser Zeit waren die arabischen Staaten den europäischen weit voraus, was Wissenschaft anging. Aber auch, was religiöse Toleranz angeht. Daher finden wir die ersten bekennenden Atheisten auch zur Blütezeit des Islams im arabischen Teil der Welt. Aber heute können Araber nur noch eines: Auf vergangene Zeiten stolz sein, in denen die arabische Welt tolerant und offen war. Seitdem das vorbei ist, seit dem islamisch-fundamentalistischen Rollback, gibt es nur noch die Vergangenheit, für die man sich brüsten kann. Denn heute kommen aus der ganzen arabischen Welt keinerlei Impulse mehr für den Fortschritt. Es gibt ca. 1,5 Milliarden Muslime, aber gerade mal ein Dutzend muslimische Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften. Zum Vergleich: Es gibt nur 15 Millionen Juden, aber 920 jüdische Nobelpreisträger. Statt sich zu fragen, woher das kommt, dass Europa und die USA eine führende Rolle eingenommen haben und fast alle moderne Technologie in demokratischen Staaten entwickelt und produziert wird (Ausnahme: China - aber China war schon immer auf  vielen Gebieten führend), jammert man und will zurück zu den alten Zeiten. Aber dazu müsste man erst einmal die religiöse Toleranz und die Demokratie entwickeln, die es in den entwickelten Staaten gibt. Oder wenigstens so säkular werden wie China es schon immer war. Aber nein, man jammert und tut nichts in der Richtung. Ohne eine freie Konkurrenz der Ideen gibt es keine nennenswerten Fortschritte, auf keinem Gebiet. Statt also "mehr Islam" zu fordern müsste man sich überlegen, ob man nicht auch wieder eine freie Konkurrenz der Ideen zulässt, wie früher, selbst wenn das bedeutet, große Teile des Islam aufgeben zu müssen. Aber man will beides, und das bedeutet, man wird nichts davon bekommen. Man kann nicht beides haben, um es platt auszudrücken: Freie Forschung und Entwicklung und ein Verbot von Mohammed-Karikaturen und Unterdrückung der Atheisten. Man wird auch nicht einmal in die Nähe der technologisch entwickelten Staaten gelangen, wenn man weiterhin die Hälfte des eigenen Potenzials unterdrückt: die Frauen. Man könnte analysieren, worauf der Rückstand beruht. Aber nein, soweit will man nicht denken, weil man dann den größten Teil des Islam wegwerfen müsste. Insofern ist diese Protzerei mit der arabischen Vergangenheit eigentlich für Muslime in jeder Hinsicht beschämend.

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Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Freitag, 07 April 2017 12:58)

    Warum es Muslimen so schwer fällt, sich zu integrieren. Klare Worte aus der Schweizer Presse. Kulturelle Wüste trifft es übrigens genau. Für mich DIE Beschreibung der islamischen Welt.

    "Lange wurde von den Experten und Medien die Aufnahmegesellschaft für die misslingende Integration der Muslime verantwortlich gemacht. Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Ausgrenzungsverhalten der Einheimischen würden die andersgläubigen Zuwanderer daran hindern, wirtschaftlich und bildungsmässig ebenso zu ­prosperieren wie die Alteingesessenen. Die Muslime als Opfer – eine Ansicht, die auch von den Vertretern der zahlreichen Muslimverbände gerne aufgenommen und weiter verkündet wurde. Allerdings erklärte sie nicht, warum viele andere Einwanderergruppen wie die Juden oder Chinesen oder Japaner erfolgreich waren, obwohl diese gegen wirklich widrige und feindselige Umstände hatten ankämpfen müssen.
    (...)
    Die Welt des Islam ist eine kulturelle Wüste, der Mensch unmündig. Jede eigene Entscheidung wird ihm abgenommen, er wird konditioniert auf Konformismus, Autoritätsgläubigkeit, Unterwerfungsmoral und gleichzeitig mit der Illusion entschädigt, einer Gemeinschaft anzugehören, die von Gott auserwählt wurde, die Welt zu beherrschen. Im Westen erwartet ihn die Zumutung der Freiheit, sich des eigenen Verstandes zu bbedienen.

  • #2

    WissensWert (Dienstag, 28 Februar 2017 12:53)

    Der islamischen Welt geht es nicht gut: Die absolute Mehrheit der tödlichsten Kriege und Konflikte weltweilt findet im islamischen Raum statt. Nirgendwo gibt es mehr Opfer durch terroristische Anschläge. Wissenschaft und Wirtschaft sind vielerorts rückschnittig, in kaum einem islamischen Land werden die Menschenrechte eingehalten. Bis auf die reichen Golfstaaten und ein paar Ausnahmen (z.B. Indonesien) bleiben die Menschen in den meisten islamischen Ländern perspektivlos.

    Wie ist das zu erklären? Und hat das etwas mit dem Islam zu tun? Welche Rolle spielt "der Westen"?

  • #1

    WissensWert (Sonntag, 29 Januar 2017 01:17)

    Der Islam war von dem Moment an verloren, als er aus theologischen Gründen (!) den Buchdruck verboten hat.
    Man kann das verurteilen - muss man sogar - aber darf nicht vergessen, dass die Araber dasselbe, was sie heute den Europäern vorwerfen, zuvor in massivem Stil betrieben haben. Sogar zeitweise erfolgreich: Europa ist seit dem 7. Jahrhundert massiv von arabischen Staaten militärisch bedrängt worden, Südeuropa wurde von ihnen erobert, und wenn die Europäer sich nicht zur Wehr gesetzt hätten, wären wir heute ebenso islamisch wie die arabischen oder nordafrikanischen Staaten.
    Byzanz wurde von der arabischen Invasion massiv bedroht und hat dann einen Hilferuf an die "europäischen christlichen Nationen" abgesetzt, als sie zu unterliegen drohten. Die Folge waren die Kreuzzüge - reine europäische Notwehr angesichts einer massiven Bedrohung. Ohne diese wäre Byzanz erobert worden, und obwohl die Kreuzzüge militärische Pleiten waren, haben sie doch die arabische Invasion unterbunden. Sie haben den Krieg zurück in die Länder getragen, die ihn verursacht haben. Sie haben aber insgesamt weniger Schaden angerichtet als die permanenten militärischen Aktionen arabischer Eroberer.
    Wenn man die Vorgeschichte mit betrachtet, dann ist Europa permanent von Muslimen angegriffen worden, und als man stärker wurde, hat man diese Bedrohung unterbunden.


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