„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Taqīya

Das Taqīya-Prinzip (تقية  arabisch. "Furcht" oder "Vorsicht"), das vor allem in schiitischen Traditionen bekannt ist, besagt, dass es Muslimen erlaubt ist, in Zwangssituationen den eigenen Glauben bzw. die eigentlichen Ziele zu verheimlichen. Grundlage hierfür ist der Koranvers 3:28, in dem es heißt, dass die Gläubigen sich die Ungläubigen nicht zum Freunden nehmen sollten - es sei denn, sie hätten Grund, die Ungläubigen zu fürchten.

Gewöhnlich wird Taqiya als defensive Verteidigungsmaßnahme verstanden. Einige muslimische Führer, zum Beispiel Ajatollah Chomeini, haben sie jedoch auch als offensive Strategie im Dschihad empfohlen, um feindliche Regime durch systematische Täuschung und Unterwanderung zum Einsturz zu bringen. Khomenie selbst hat 1978 eindrucksvoll vorgeführt, wie dies funktioniert. Kurz vor seiner Rückkehr in den Iran beruhigte der damals im französischen Exil lebende schiitische Geistliche die Weltöffentlichkeit, indem er in zahlreichen Interviews behauptete, "gegenüber den religiösen Vorstellungen der anderen mit Respekt vorgehen" und "keine Fumotion innerhalb der Regierung" einnehmen zu wollen[1] Wenige Monate später ließ sich Khomenie zum "obersten Revolutionsführer auf Lebenszeit" ernennen und befahl die systematische Verfolgung und Ermordung Andersgläubiger und Andersdenkender.

Ich habe in „Wird Deutschland islamisiert?“ bereits die Befürchtung geäußert, dass die partiellen Bekenntnisse einiger (natürlich nicht aller!) hier lebenden strenggläubigeren Muslime zu den westlichen Werten nur ein Ausdruck der (so empfundenen) eigenen schwachen, gesellschaftlichen Position sein könnten. Oder ist es ein Zufall, dass Salafisten wie Pierre Vogel[2] sich in ihren öffentlichen Reden stets in rechtlichen Grauzonen bewegen – jedoch nie darüber hinaus-schreiten? Diese Extremisten tuen auf demokratiekompatibel und verheimlichen wohlmöglichen ihren eigentlichen (noch viel fundamentalistischeren) Glauben und ihre eigentlichen Ziele, solange sie das aufgrund ihrer Minderheitenposition und des Rechtsstaates müssen. Legitimiert wird ihr Schwindel durch ihren Glauben bzw. durch Sure 3, Vers 28.

al-Tabari (†923) lieferte zu dieser Sure die berühmten Exegese (Tafsir), welche die standardisierte und autoritative Referenz für die gesamte muslimische Welt darstellt:

 

"Wenn ihr (Muslime) unter der Autorität der Ungläubigen steht und ihr Angst um euch habt, so verhaltet euch ihnen gegenüber mit eurer Zunge loyal währenddessen ihr innere Feindschaft pflegen sollt. … Allah hat den Gläubigen verboten, daß sie anstatt mit ihren Glaubensgenossen mit den Ungläubigen auf vertrauten Fuße stehen und freundschaftliche Beziehungen pflegen – ausgenommen wenn letztere ihnen an Autorität überlegen sind. In einem solchen Fall laßt die Gläubigen freundlich gegenüber den Ungläubigen erscheinen.“

 

Ebenfalls zu Sure 3, Vers 28 schreibt Ibn Kathir (†1373), al Tabaris rangnächster Gelehrter, folgendes:

 

„Wer immer zu gegebener Zeit und an beliebigem Ort das Böse der Ungläubigen fürchtet, darf sich durch äußere Verstellung schützen.“ Um diese Aussage zu untermauern, zitierte er Abu Darda, einen engen Gefährten Mohammeds: „Laß uns ins Gesicht mancher Nicht-muslime lächeln, währenddessen unsere Herzen sie verfluchen.“

 

 

Offensichtlich ist die Lüge - solange sie gegenüber Ungläubigen geäußert wird - doch kein so großes Verbrechen mehr.

Pierre Vogel und Konsorten
Pierre Vogel und Konsorten

"Der Islam ist nur dann tolerant, wenn er keine Macht hat, und wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass es bei uns so bleibt." Dieter Nuhr

In Dänemark hat übrigens eine sehr erschreckende Dokumentation für Aufsehen gesorgt: Dort wurden die Imame bekannter LIBERALER Moscheen gefragt, ob eine Ehemann seine Ehefrau schlagen darf. Generelle Antwort: Klares Nein. Dann hat man ein muslimisches Pärchen in die Gemeinde geschickt. Nach einer Weile geht die Frau zum Imam und beschwert sich darüber, dass sie von ihrem Ehemann geschlagen wird. Antwort der Imame: Das muss sie ertragen, das ist Teil des Islam und dem Ehemann ausdrücklich erlaubt.

Ich bezeichne Muslime nicht generell als Lügner. Ich sage nur, ich habe gute Gründe, bei ihnen nicht generell Ehrlichkeit vorauszusetzen. Wenn sie nichts für Ihre Glaubwürdigkeit tun, dann sind Beleidigungen wie "Islamhasser" nur noch mehr ein Grund, Ihnen zu misstrauen: Denn auch das ist das Gegenteil einer ehrlichen Auseinandersetzung.

[1] siehe u.a. das viel zitierte Interview mit Khomenie in 'Le Figaro' vom 14. Oktober 1978.

[2] Pierre Vogel ist Sunnit, jedoch wird das Taqīya-Prinzip seltener auch von sunnitischen Muslimen praktiziert.

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