„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kritik der liberalen Auslegungen des Islam

Eine hervorragende Kritik an den liberalen Auslegungen des Islams finden Sie hier:

Ein liberales Islamverständnis ist die womöglich einzige realistische Hoffnung auf ein Ende religiös motivierter Konflikte. Aber welche intellektuell-theologische Grundlage hat ein solches liberales Islamverständnis aus den kanonischen Texten des Islams heraus? Gibt es eine stringente, intellektuell ehrliche Koraninterpretation, aus der sich eine humanistische Lesart des Islams herleiten lässt? Ufuk Özbe zieht eine ernüchternde Bilanz.

Der oben verlinkte Text ist seine brachial gute „Kritik der liberalen Auslegungen des Islam – Die Islamdebatte zwischen politischer Zweckmäßigkeit und intellektueller Redlichkeit“

Ich zitiere mal aus dem Text:

"Der Koran bedarf – wie jeder andere Text auch – selbstverständlich der Auslegung.

Das Ziel einer aufrichtigen Auslegungstätigkeit muss aber zunächst  das Erkennen dessen sein, was der Urheber des Koran in den jeweiligen Passagen tatsächlich gemeint hat, und nicht die Konstruktion eines Sinnes, der bestimmten Vorgaben des Zeitgeists Rechnung trägt. 

Man mag es aufgrund der raumzeitlichen Entfernung zum „Offenbarungskontext“ als unmöglich erachten, das ursprünglich Gemeinte vollständig zu erfassen. Sicherlich wird auch jeder Interpret eines Textes beeinflusst von eigenen Annahmen und Fragestellungen. Im Falle des Koran kommen noch viele besonders erschwerende Umstände hinzu. Dennoch muss das Erkennen des vom Urheber Gemeinten (unter Berücksichtigung des gesamten Verkündigungskontextes) das primäre Ziel bleiben, dem man mit Auslegungsbemühungen versucht sich anzunähern. 

Auf den nächsten Stufen mag man dann als Muslim fragen,in welcher Beziehung prima facie widerstreitende Passagen zueinander stehen (vgl. dazu IV.8) und in welcher Weise das ursprünglich Gemeinte nach dem Willen des Urhebers auch heute noch gültig sein soll (dazu mehr unter IV.10). Es ist aber schlicht unaufrichtig, bereits auf der ersten Stufe des Verstehens ein vorgefasstes „Ergebnis“ produzieren zu wollen (siehe IV.6). 

Was in einer konkreten Passage vom Urheber gemeint war, auch das ist natürlich eine Frage der Auslegung.  Daraus folgt aber nicht, dass jede Auslegung gleich gut begründet wäre. 

Zu jedem Text kann es neben mehr oder weniger plausiblen Lesarten, die allesamt als vertretbar gelten können, natürlich auch solche „Deutungen“ geben, die bei einer vernünftigen und ehrlichen Betrachtung des Textes und seines Entstehungskontextes als nicht vertretbar  angesehen werden müssen. Eben hierzu gehören auch die liberalen Lesarten des Koran."

Genau das kritisiere ich seit jeher an der liberalen Exegese - so dringend nötig sie auch ist. Sie bemüht sich nicht mehr um ein ehrliches Verstehen dessen, was die Autoren des Korans am ehesten gemeint haben - sondern sie versucht die "Konstruktion eines Sinnes, der bestimmten Vorgaben des Zeitgeists Rechnung trägt."

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Sonntag, 15 Januar 2017 21:00)

    Der etwas längere Artikel macht vor allem eines deutlich: Vertreter einer liberalen Koranexegese (1) arbeiten entweder intellektuell unaufrichtig, oder (2) haben keine Ahnung.


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