„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kirchen(s)teuer

Kirchenaustritt leicht gemacht:

 

 

http://www.dein-kirchenaustritt.de/

Aus karikativen Gründen aus der Kirche austreten!

»Warum sollte ich aus der Kirche austreten? Die Kirche tut doch so viel Gutes für soziale Zwecke!«

 

Das ist eine sehr weit verbreitete Fehlinformation. Werfen wir einen Blick auf die Fakten:

 

Laut Subventionsbericht der Bundesregierung entgehen dem Staat im Jahr 2015 insgesamt 3,6 Milliarden EUR an Steuereinnahmen durch die unbegrenzte steuerliche Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer. Quelle: Subventionsbericht der Bundesregierung, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Subventionspolitik/2015-08-26-subventionsbericht-25-vollstaendig.pdf?__blob=publicationFile&v=2 

 

Das bedeutet: Kirchensteuern vermindern die zu zahlende Lohn- und Einkommenssteuer pro Jahr um einen Betrag von 3,6 Milliarden EUR. Würde niemand Kirchensteuer bezahlen, wären dies die Mehreinnahmen. Darin ist nicht enthalten, dass der Staat die Kirchen finanziell entlastet, indem er für sie die Kirchensteuer einzieht. Eigentlich müsste man diesen Betrag, er wird auf 1,8 Milliarden EUR geschätzt, hinzuzählen. Aber da es sich um eine Schätzung handelt, lasse ich ihn weg. Man sollte nur im Hinterkopf behalten: Alle meine Angaben sind für die Kirchen noch viel zu günstig gerechnet!

 

Die Einnahmen der Kirchensteuern betrugen im Jahr 2014 ca. 11 Milliarden EUR (neuere Zahlen liegen noch nicht vor). Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kirchensteuer-einnahmen-in-rekordhoehe-13475673.html 

 

Die meisten sozialen Projekte werden nicht von den Kirchen bezahlt, sondern vom Staat und von Spenden. Bei der Diakonie sind das vom Staat pro Jahr ca. 50 Milliarden EUR, zu denen die Kirche maximal 2% (!) beisteuert. Laut Auskunft der Kirche trägt sie zur Finanzierung mit etwa 10% ihrer Finanzmittel bei. D. h., die Ausgaben für die Diakonie betragen ca. 1,1 Milliarden EUR (10% von 11 Milliarden EUR Kirchensteuereinnahmen). Damit kommt man auf die 2% von 50 Milliarden, die die Kirche ausgibt. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenfinanzierung 

 

Krankenhäuser, Altenheime und andere soziale Einrichtungen werden meist zu 100% vom Staat, Krankenkassen und Spenden finanziert, auch wenn es einen kirchlichen Träger gibt. Kindertagesstätten werden je nach Bundesland mit maximal 12% der Ausgaben von der Kirche finanziert.

 

Wenn man das alles zusammenrechnet, kommt man darauf, dass die Kirche ca. 8% ihrer Kirchensteuereinnahmen für öffentlich-soziale Zwecke ausgibt. Quelle: http://www.bfg-bayern.de/portal/by/fakten – die Zahlen sind etwas veraltet, aber die Größenordnung dürfte stimmen. Eine ähnliche Höhe gibt der Experte für Kirchenfinanzen in diesem Buch an: Herrmann, Horst. Die Caritas-Legende : wie die Kirchen die Nächstenliebe vermarkten. Hamburg: Rasch und Röhring, 1993.

 

Alle Zahlen mit genaueren Angaben kann man hier nachrecherchieren: Frerk, Carsten. Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland. Aschaffenburg: Alibri, 2002 sowie Frerk, Carsten. Violettbuch Kirchenfinanzen Wie der Staat die Kirchen finanziert. Aschaffenburg: Alibri, 2010.

 

Auch hier kommt Dr. Carsten Frerk auf ca. 8%.

 

Rechnen wir großzügig mit etwa 10%, dann gibt die Kirche jedes Jahr etwas über eine Milliarde EUR ihrer Kirchensteuereinnahmen für soziale Belange aus. Wie es für jeden individuell aussieht, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Genau kann man das hier nachrechnen: http://kirchensteuer.biz/

 

Für den Staat gerechnet kann man sagen, dass er auf über 3 Milliarden EUR Steuereinnahmen verzichtet, damit die Kirche 11 Milliarden EUR Steuern einnimmt, von denen sie wiederum etwas über eine Milliarde für soziale Zwecke ausgibt. Würden alle Mitglieder schlagartig aus der Kirche austreten, würde den sozialen Einrichtungen ca. 1 Milliarde EUR fehlen und der Staat müsste aus den über 3 Milliarden EUR Mehreinnahmen diese verstärkt subventionieren. Was dann problemlos möglich wäre.

 

Individuell kann man das mit dem Kirchensteuerrechner ermitteln. Man muss dazu berücksichtigen, dass 10% der Kirchensteuer für soziale Zwecke ausgegeben wird, und dies gegen die Steuerersparnis rechnen. Dann kommt man darauf, dass man der sozialen Gemeinschaft einen großen Gefallen tut, wenn man aus der Kirche austritt. Denn man zahlt mehr an Steuern, also mehr für die Gemeinschaft, wenn man keine Kirchensteuer mehr zahlt!

 

Anders gesagt: Wenn jemand aus der Kirche austritt, tut er damit mehr für soziale Zwecke, selbst wenn er die eingesparte Kirchensteuer versäuft, verprasst, oder für nutzlose Dinge ausgibt, oder gar verbrennt.

 

Wenn man in der Kirche bleibt, um damit Gutes zu tun, dann begeht man einen Fehler – man tut mehr Gutes, wenn man austritt, auch ohne dass man jetzt die Kirchensteuer direkt für soziale Projekte spendet.

 

Zusammenfassung der Argumentation kann man hier finden: http://www.stop-kirchensubventionen.de/soziale_luege.html und in den Büchern von Dr. Carsten Frerk.

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