„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Evolution ist ja nur eine Theorie …

… wenn sie immer gültig wäre, wäre es ja ein Gesetz.

 

Bis zum heutigen Tage muss man sich diesen Satz anhören, wenn man mit Kreationisten zu tun hat. Und das ist kein so ungewöhnliches Ereignis, wie man vielleicht meint. Dem Autor dieser Zeilen ist es einmal beim Mittagessen passiert, dass ein neuer Kollege diesen Knochenbrecher vom Stapel gelassen hat.

 

Jedenfalls zeugt dieser Satz von einem tiefen Missverständnis, der Unkenntnis was in der Wissenschaft Theorien und Gesetze sind. Unserer Ansicht nach müsste man es nämlich eher umgekehrt formulieren: Es ist ja nur ein Gesetz, nichts so Großartiges wie eine Theorie (wenn man uns diesen Äpfel – Birnen Vergleich verzeiht).

 

Das erste fundamentale Missverständnis betrifft aber sicher das Wort Theorie selbst, es wird umgangssprachlich anders verwendet als in der Wissenschaft. Die “umgangssprachliche Theorie” wäre eher eine Hypothese.

 

Auf diesen Unterschied muss man sicher hinweisen, er wurde auch schon vielfach im Internet beschrieben. Aber trotzdem: Warum heißt es nicht Evolutionsgesetz?

 

Weil ein Gesetz und eine Theorie in der Wissenschaft verschiedene Dinge bezeichnen. Ein Gesetz ist nicht besser oder schlechter als eine Theorie, es ist einfach etwas anderes.

 

Der Unterschied ist recht einfach: Theorien versuchen eine Erklärung der Beobachtungen zu liefern, Gesetze dagegen formulieren nur die direkten Ergebnisse von Messungen als Regeln/Formeln.

 

Newtons Gravitationsgesetz ist vielleicht ein gutes Beispiel:

Dieses Gesetz, als Formel ausgedrückt, beschreibt die Stärke der Anziehungskraft die zwei Körper aufeinander ausüben. Aber es erklärt nicht, was da eigentlich passiert.

 

Man hat durch diese Formel nur eine Rechenregel zur Hand, nicht mehr, keinerlei Begründung oder Erklärung warum etwas passiert.

 

Dieses Newtonsche Gesetz ist noch aus einem zweiten Grund ein gutes Beispiel. Es gilt nämlich nur bei gewissen Voraussetzungen. Die Formel ist bei hohen Massen nicht genau genug, bei einigen astronomischen Effekten traten daher unerklärliche Abweichungen auf. Ein sehr bekanntes Problem war dabei lange die Periheldrehung des Merkur, die diesem Gesetz einfach nicht gehorchen wollte.

 

Warum der Merkur sich so unverschämt verhielt, konnte erst durch die allgemeine Relativitätstheorie erklärt werden. Einsteins Theorie erklärte die unpassenden Messergebnisse und lieferte ein Modell zur Beschreibung der Wirklichkeit mit ungekannter Genauigkeit.

 

Eine wissenschaftliche Theorie liefert also zur Beobachtung noch die Erklärung. Und mit der Erklärung liefert sie auch die Möglichkeit von Vorhersagen. Wenn man versteht, wie ein System funktioniert, kann man auch voraussagen, wie es sich zukünftig verhalten wird.

 

Es gehört damit auch zu den Ansprüchen an eine Theorie, Voraussagen treffen zu können.

 

Während die mendelschen Gesetze eine Beschreibung der Vorgänge lieferte, lieferte die Evolutionstheorie eine Erklärung der Vorgänge.

 

Seit 1866 hat sich einiges verändert, inzwischen hat sich herausgestellt, dass die mendelschen Gesetze diverse Ausnahmen haben. Sie werden daher heute nur mehr als Regeln bezeichnet.

 

Die Evolutionstheorie hat sich in 150 Jahren als beste Erklärung der Entwicklung der Arten erwiesen. Oh, in den Details wurde sie adaptiert und verfeinert, aber das grundsätzliche Prinzip hat standgehalten. Und daher gilt die Evolutionstheorie heute als erwiesen und als einzige wissenschaftliche Theorie in diesem Bereich. Alternativen existieren nicht, auch wenn das gerne behauptet wird.

Gastbeitrag aus: Psiram-Blog 

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Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Samstag, 04 Februar 2017 21:37)

    Evolution ist doch bloß eine "Theorie"!

    Frage an alle, die nicht an die Evolutionstheorie glauben, sondern an die Schöpfung:

    Warum gab der Schöpfer den Walen funktionslose Beinknochen?

    a) Um unseren Glauben auf die Probe zu stellen!
    b) Weil er geschludert hat!
    c) Der Teufel war es!
    d) Vor der Sintflut konnten Wale laufen!
    ...

    Was fällt euch noch ein?

    Ich halte mal fest:

    Evidenz für die Evolutionstheorie:

    1. Zigtausende von fossilen Mosaikformen (also Zwischen- und Übergangsformen) zwischen heutigen Arten.

    2. Genomverwandtschaften, die genaue Entstehungsverhältnisse erkennen und zeitlich einordnen lassen.

    3. Homologien in Körperbau, Organen, Stoffwechsel und Verhalten.

    4, Atavismen, nutzlose Überbleibsel und teils sogar schädliches evolutionäres Gepäck. (Wozu haben Wale Beinknochen? Wozu Menschen ein Steißbein, obwohl sie keinen Schwanz zum Wedeln haben oder Schluckauf, weil sie nicht auf Kiemen umschalten können?)

    5. Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, wo bei Energiezufuhr in offene Systeme Molekülstrukturen energetisch vorteilhaft komplexere Zusammenhänge bilden (ähnlich wie quantenmechanisch sich Atome Elektronen "teilen", um energetisch "komplett" zu sein), was die Entstehung des Lebens ohne intelligentes Design erklärt.

    6. Der Erfolg von evolutionären Algorithmen in der Informatik.
    ...

    Evidenz für die Schöpfung durch Gott:

    -

    Ach doch:
    1. Steht in der Bibel!!!

  • #2

    WissensWert (Mittwoch, 09 November 2016 23:13)

    Evolution ist doch bloß eine "Theorie"!
    Frage an alle, die nicht an die Evolutionstheorie glauben, sondern an die Schöpfung:
    Warum gab der Schöpfer den Walen funktionslose Beinknochen?
    a) Um unseren Glauben auf die Probe zu stellen!
    b) Weil er geschludert hat!
    c) Der Teufel war es!
    d) Vor der Sintflut konnten Wale laufen!
    ...
    Was fällt euch noch ein?
    Ich halte mal fest:
    Evidenz für die Evolutionstheorie:
    1. Zigtausende von fossilen Mosaikformen (also Zwischen- und Übergangsformen) zwischen heutigen Arten.
    2. Genomverwandtschaften, die genaue Entstehungsverhältnisse erkennen und zeitlich einordnen lassen.
    3. Homologien in Körperbau, Organen, Stoffwechsel und Verhalten.
    4, Atavismen, nutzlose Überbleibsel und teils sogar schädliches evolutionäres Gepäck. (Wozu haben Wale Beinknochen? Wozu Menschen ein Steißbein, obwohl sie keinen Schwanz zum Wedeln haben oder Schluckauf, weil sie nicht auf Kiemen umschalten können?)
    5. Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, wo bei Energiezufuhr in offene Systeme Molekülstrukturen energetisch vorteilhaft komplexere Zusammenhänge bilden (ähnlich wie quantenmechanisch sich Atome Elektronen "teilen", um energetisch "komplett" zu sein), was die Entstehung des Lebens ohne intelligentes Design erklärt.
    6. Der Erfolg von evolutionären Algorithmen in der Informatik.
    ...
    Evidenz für die Schöpfung durch Gott:
    -
    Ach doch:
    1. Steht in der Bibel!!! ;-)

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 09 November 2016 23:10)

    gute Antwort von "uteausmuenchen":

    http://www.gutefrage.net/frage/ist-die-evolutionstheorie-wahr


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