„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Karl Olsberg: Schöpfung außer Kontrolle

Der Titel des Buchs ist ein wenig irreführend, denn es geht weder um Religion, noch sollen Zukunftsängste geschürt werden. Olsberg entwickelt in seinem Buch vor allem einige Gedanken weiter, die Richard Dawkins in „Das egoistische Gen“ geäußert hat, auch auf Ray Kurzweil nimmt er Bezug. Zunächst zeigt Olsberg, dass man einige Prinzipien der Evolutionstheorie vielleicht auch auf andere Prozesse in der Natur anwenden kann. Seine Erklärung zu den drei Grundmechanismen einer Evolution:

Wir haben gesehen, dass die Evolution eine Kraft ist, die auch auf unbelebte Dinge wie Gene, Viren und Moleküle in der Ursuppe wirkt. Sie kann also kein rein biologisches Phänomen sein. Aber was ist sie dann? Ganz einfach: Evolution ist eine mathematische Zwangsläufigkeit. Sie entsteht immer dann, wenn drei simple Mechanismen wirken: Reproduktion, Mutation und Selektion.

  

·         Reproduktion sorgt dafür, dass aus einem Objekt mehrere gleichartige Kopien entstehen, wobei sämtliche Eigenschaften des Originalobjektes auf die Kopien übertragen (»vererbt«) werden.

·         Mutation bewirkt einzelne Abweichungen dieser Eigenschaften, so dass die Kopien ähnlich, aber nicht mehr dem Original gleichartig sind. Dies geschieht in aller Regel während, nicht nach der Reproduktion.

·         Bei der Selektion schließlich werden einzelne Kopien ausgewählt, von denen wiederum Kopien hergestellt werden, während andere nicht kopiert werden. Damit Evolution stattfindet, muss diese Selektion irgendwie durch die Eigenschaften der Objekte beeinflusst werden. Das heißt bestimmte Ausprägungen einer Eigenschaft müssen die Wahrscheinlichkeit erhöhen oder vermindern, dass das Objekt reproduziert wird. Selektion darf im Sinne der Evolution also nicht ausschließlich zufällig erfolgen.

 

Wenn Reproduktion, Mutation und Selektion wirken, dann folgt daraus logisch, dass sich von Generation zu Generation immer »bessere« Kopien entwickeln, deren Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit, selektiert zu werden, gegenüber dem ursprünglichen Original erhöhen. Mathematisch ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiger »Nachkomme« eines Replikators Eigenschaften aufweist, die seine Selektionschance gegenüber der des Originals erhöhen, nimmt im Zeitablauf zu.

In Lebewesen sind die Gene die Träger der Information, die dem evolutionären Prozess zugrundeliegen. Richard Dawkins Buchtitel „Das egoistische Gen“ ergibt sich aus dem Gedanken, dass (die meisten) Lebewesen sterblich sind, aber ihre Gene nahezu unverändert an die Nachkommen weitergegeben werden. Gewissermaßen benutzen die „egoistischen“ Gene die Lebewesen für ihre eigenen Zwecke. Diese Sichtweise ist, vorsichtig formuliert, sehr umstritten. Der Grund ist, dass „benutzen“ oder „Egoismus“ das Verfolgen von Zielen impliziert, und genau das tut Evolution nicht. Der Prozess der Verbesserung der Gene ist gerade nicht zielgerichtet, die Mutationen sind zufällig.

 

Dawkins hat weiterhin überlegt, welche anderen Formen von Replikatoren es außer den Genen noch geben könnte und den Begriff der Meme geprägt.

Richard Dawkins schreibt: »Beispiele für Meme sind Melodien, Gedanken, Schlagworte, Kleidermoden, die Art, Töpfe zu machen oder Bögen zu bauen. So wie Gene sich im Genpool vermehren, indem sie sich mit Hilfe von Spermien oder Eizellen von Körper zu Körper fortbewegen, verbreiten sich Meme im Mempool, indem sie von Gehirn zu Gehirn überspringen, vermittelt durch einen Prozess, den man im weitesten Sinne als Imitation bezeichnen kann … Wenn jemand ein fruchtbares Mem in meinen Geist einpflanzt, so setzt er mir im wahrsten Sinne des Wortes einen Parasiten ins Gehirn und macht es auf genau die gleiche Weise zu einem Vehikel für die Verbreitung des Mems, wie ein Virus dies mit dem genetischen Mechanismus einer Wirtszelle tut … Und dies ist nicht einfach nur eine Redeweise – das Mem etwa für den „Glauben an das Leben nach dem Tod“ ist tatsächlich viele Millionen Male physikalisch verwirklicht, nämlich als eine bestimmte Struktur in den Nervensystemen von Menschen überall auf der Welt.«

Dawkins hat mit diesen Sätzen eine neue Wissenschaft begründet, die Memetik. Er selbst bleibt allerdings eine exakte Definition des Begriffs Mem zunächst einmal schuldig und belässt es bei einigen Beispielen. Meme sind offensichtlich Informationseinheiten. Aber sind alle Informationseinheiten Meme? Ist die Zahl 73 ein Mem oder das Wort »aber«?

Ich [=Mark Olsberg] verwende folgende Definition: Ein Mem ist eine Menge von Informationen, die den Zustand eines Empfängers dieser Informationen so verändern kann, dass er sie durch sein Verhalten oder durch Informationsübertragung an andere Empfänger weitergibt.

In seinem Buch bringt Olsberg eine Reihe weiterer Beispiele von Replikatoren, die offensichtlich ebenfalls evolutionären Veränderungen ausgesetzt sind, weil sie die eingangs aufgezählten Kriterien erfüllen – Reproduktion, Mutation und Selektion. Seine zwei originellsten sind:

Es ist vielleicht nicht ganz einfach, sich mit dem Gedanken anzufreunden, Städte seien Lebewesen. Aber wenn man sich an ihn gewöhnt, dann merkt man, wie sich eine andere, scheinbar unverrückbare Grenze aufzulösen beginnt: die Trennung zwischen »natürlich« und »künstlich«.

Wir Menschen neigen dazu, uns selbst die Schuld an vielen Weltproblemen, wie zum Beispiel der Klimaveränderung, zu geben. Natürlich liegt darin viel Wahrheit, aber es ist in gewisser Hinsicht auch eine Anmaßung. Denn wir tun so, als sei das quasi »aus Versehen« passiert und wir hätten ohne weiteres die Möglichkeit gehabt, einen anderen Weg einzuschlagen. Das aber setzt voraus, dass wir alle Entscheidungen auf dem Weg zu einer deutlichen Steigerung des CO2-Ausstoßes bewusst aus freien Stücken getroffen haben und jederzeit revidieren können. Wenn wir jedoch die technische Entwicklung als einen weitgehend ungerichteten Evolutionsprozess betrachten, dann wird klar, dass das nicht so ist.

Die eigentlichen Übeltäter in Bezug auf das Klima sind gar nicht wir Menschen. Wir geben, wenn wir ausatmen, zwar auch CO2 an die Umwelt ab, aber in so geringen Mengen, dass es nicht für eine spürbare Klimaveränderung reichen würde, selbst wenn es 20 Milliarden Menschen auf der Welt gäbe. Die wirklichen CO2-Produzenten sind Autos, Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerke, Fabriken -die »Organe« der Städte.

Wir können natürlich den Städten nicht die »Schuld« an der Klimaveränderung zuschieben. Schließlich produzieren sie das CO2 ausschließlich für den Menschen, indem sie die Produkte und Energie erzeugen, die wir verlangen. Oder?

Diese Sichtweise stimmt nur teilweise. Denn Städte produzieren diese Dinge in gewisser Hinsicht aus einem ganz eigenen Antrieb heraus: um zu wachsen und sich zu vermehren. Das muss so sein, sonst könnte es sie nach der Evolutionstheorie gar nicht geben. Wir Menschen benutzen die Städte, um uns mit den Dingen zu versorgen, die wir glauben zu brauchen. Aber umgekehrt benutzen uns auch die Städte, um sich mit Rohstoffen zu versorgen und zu wachsen. Wir leben mit ihnen in einer Symbiose, wir sind ein Teil ihres Organismus.

Bisher war von zwei Replikatoren die Rede: Genen und Memen. Jetzt »wollen« auf einmal Produkte vervielfältigt werden. Sind also Produkte noch eine neue Gruppe von Replikatoren? Nein. Die Sache ist etwas komplizierter. Was hier tatsächlich der Evolution unterliegt, sind Meme — in gewisser Hinsicht die »Bauanleitungen« für die Produkte. Ähnlich wie Gene Veränderungen in einem Körper (sogenannte phänotypische Ausprägungen) bewirken, die zu ihrem eigenen Kopiertwerden beitragen, verändern Meme wirtschaftliche Abläufe so, dass sie vervielfältigt werden.

Nehmen wir als Beispiel eine Konfiserie. Hier werden verschiedene Pralinensorten hergestellt, die alle auf unterschiedlichen Rezepten basieren. Diese Rezepte mutieren gelegentlich, sei es, weil sich ein Konfiseur nicht exakt an die Rezeptur hält, weil er bewusst damit herumexperimentiert oder auch etwas ganz Neues kreiert. So entstehen neue Pralinensorten. Manche schmecken den Kunden besser, manche weniger gut. Die erfolgreichen Sorten werden öfter gekauft und deshalb auch häufiger hergestellt. Die Rezept-Meme der erfolgreichen Pralinensorten »überleben«, indem sie es immer wieder schaffen, die Menschen in der Konfiserie dazu zu bringen, die Rezeptanweisungen zu wiederholen. Sie können sich auch auf andere Konfiserien ausbreiten.

Im zweiten Teil des Buchs beschäftigt sich Olsberg mit dem Verhältnis zwischen Menschen und (Rechen)Maschinen. Das erklärt auch den eigenartigen Buchtitel, denn die Maschinen sind unsere Geschöpfe. Für die Entwicklung der Rechenleistung von Computern hat Gordon Moore etwa 1965 das nach im benannte Mooresche Gesetz postuliert. Es besagt, dass sich etwa alle anderthalb bis zwei Jahre die Rechenleistung, die man für einen bestimmten Preis kaufen kann, verdoppelt. In Olsbergs Buch findet man die folgende Grafik, die den Gültigkeitsbereich des Gesetzes auf die Zeitvor den elektronischen Rechenmaschinen ausdehnt:

Der dahinter stehende Gedanke ist, dass die Gültigkeit des Mooreschen Gesetzes unabhängig von der Technologie ist, mit der die Rechenmaschinen realisiert werden. Wenn das stimmt, können wir davon ausgehen, dass sich der Prozess ihrer Weiterentwicklung noch über einige Zeit fortsetzen wird.

 

In unserer heutigen Gesellschaft sind wir in einigen Bereichen bereits stark auf die von uns geschaffenen Computer angewiesen. Andererseits sind sie natürlich von uns „abhängig“, denn wir produzieren sie und „versorgen“ sie mit Strom. Das bringt Olsberg dazu, eine symbiotische Beziehung zwischen Menschen und Maschinen zu postulieren. Auch hier führt diese Analogie Olsberg wieder zu einigen sehr merkwürdigen Schlussfolgerungen:

Wir leben mit Maschinen in Symbiose. Wir brauchen sie, und sie brauchen uns. Sie stellen Nahrung für uns her, transportieren uns, wärmen uns, spenden uns Licht, erklären uns die Welt. Wir reproduzieren, mutieren und selektieren sie, versorgen sie mit Energie und Rohstoffen. Wie die Bienen mit den Blumen leben wir mit den Maschinen in einem ausgewogenen System gegenseitiger Abhängigkeit.

Doch diese Sichtweise ist naiv. Erinnern wir uns an die Blumen und Bienen: Blumen »wollen« bestäubt werden. Doch es liegt in der Natur der Evolution, dass sie dafür einen möglichst geringen »Preis« in Form von Nektar bezahlen möchten, denn eine Blumenart, die mit weniger Nektar dieselbe Bestäubungsrate erreicht, kann sich schneller ausbreiten, da sie weniger Energie für die Herstellung des Nektars benötigt. Also entwickeln die Blumen perfekte Locktechniken. Sie formen Blüten, die sich immer besser an die Wahrnehmung der Bienen anpassen, und versuchen, diese in die Irre zu führen, indem sie mehr von dem süßen Saft suggerieren, als tatsächlich vorhanden ist.

Die Bienen reagieren auf diesen evolutionären Trick, indem sie ihre Wahrnehmung verbessern und noch genauer zwischen Formen und Farben der Blüten zu unterscheiden lernen. Ein »Rüstungswettlauf« beginnt. Man sieht an diesem Beispiel, dass auch eine symbiotische Lebensweise nicht ohne Konflikte zwischen den Symbiosepartnern abläuft: Jeder Partner möchte eigentlich lieber schmarotzen, als selbst etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Die Evolution ist von Natur aus egoistisch.

Wenn sich Maschinen (und ihre »Früchte«, die Produkte) immer besser an den Menschen anpassen, dann bedeutet das, dass sie uns immer besser manipulieren, immer mehr von uns bekommen, immer weniger dafür hergeben. Diese Behauptung klingt im ersten Augenblick sehr merkwürdig. Maschinen können doch nicht entscheiden, was wir mit ihnen machen, oder?

Nein, entscheiden können sie das nicht, aber sie können uns beeinflussen. Und genau wie in der Natur versuchen sie, sich zu möglichst geringen Kosten auszubreiten. Dabei darf man den Begriff »Kosten« getrost wörtlich nehmen: Der Aufwand, den Maschinen treiben müssen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, kostet tatsächlich Geld, und die Hersteller der Produkte und Maschinen sind bemüht, diese Kosten so gering wie möglich zu halten, um ihren Profit zu maximieren.

Wenn wir annehmen, dass sich die Entwicklung der Rechenleistung weiterhin so exponentiell vollzieht, wie es das Mooresche Gesetz vorhersagt, dann kommen wir früher oder später an einen Punkt, wo diese Rechenleistung die des menschlichen Gehirns übersteigt. Ray Kurzweil hat diesen Zeitpunkt als technologische Singularität bezeichnet, siehe meinen Text über ihn. Ray Kurzweil markiert mit seinen Ansichten den extremen Optimisten bezüglich der menschlichen Perspektiven. Als Vertreter der Gegenposition wird in Olsbergs Buch Theodore Kaczynski zitiert, der „Unabomber“:

Lassen Sie uns annehmen, es gelingt den Computerwissenschaftlern, intelligente Maschinen zu entwickeln, die alle Dinge besser erledigen als Menschen. In diesem Fall wird vermutlich alle Arbeit von riesigen, hochkomplexen Maschinensystemen erledigt, ohne dass menschlicher Aufwand notwendig ist. Wenn dies geschieht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Maschinen entscheiden vollkommen autonom, oder es bleibt eine gewisse Kontrolle der Menschen über die Maschinen erhalten.

Wenn die Maschinen alle Entscheidungen allein treffen, lässt sich nicht vorhersagen, was das Ergebnis wäre, denn wir können unmöglich wissen, wie diese Maschinen sich verhalten würden. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass die Menschheit dann der Gnade der Maschinen ausgeliefert wäre.

Man könnte argumentieren, dass die Menschen niemals dumm genug wären, alle Macht den Maschinen zu geben. Aber wir unterstellen auch weder, dass die Menschen die Macht freiwillig abgeben, noch, dass die Maschinen aktiv nach der Macht greifen werden. Was wir nahelegen, ist, dass die Menschheit sich leicht in eine solche Abhängigkeit von der Technik manövrieren könnte, dass ihr praktisch keine andere Wahl bliebe, als alle Entscheidungen der Maschinen zu akzeptieren.

In dem Maße, wie die Gesellschaft und die Probleme, die sie betreffen, komplexer werden und die Intelligenz der Maschinen zunimmt, werden Menschen den Maschinen immer mehr Entscheidungen übertragen, einfach weil die Entscheidungen der Maschinen bessere Ergebnisse produzieren als die von Menschen getroffenen. Irgendwann könnte dann eine Situation eintreten, in der die notwendigen Entscheidungen so komplex sind, dass Menschen sie gar nicht mehr sinnvoll treffen können. Dann werden die Menschen die Maschinen nicht einfach abschalten können, weil sie so abhängig von ihnen sein werden, dass deren Abschaltung einem Selbstmord gleichkäme.

Mark Olsbergs Ansichten liegen irgendwo zwischen diesen beiden Extremen:

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, warum wir überhaupt denken können: Unsere Gehirne sind besonders leistungsfähige Mem-Kopierer. Wir haben von der memetischen Evolution profitiert und dabei nicht gemerkt, dass wir in Wahrheit die Diener dieser Evolution sind. Doch nun braucht uns die memetische Evolution im Grunde nicht mehr. Denn Computer können Meme viel besser reproduzieren, mutieren und selektieren als wir.

Ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit angesichts der sich daraus ergebenden Konsequenzen ist durchaus angebracht. Braucht uns die Zukunft eigentlich noch? Die Antwort darauf ist ebenso einfach wie ernüchternd: nein!

Die Zukunft, die Natur, das Leben auf der Erde haben uns nie gebraucht. Auch die Evolution wäre prima ohne uns ausgekommen, obwohl wir ihr als Beschleuniger der Entwicklung der Meme durchaus nützlich sind. Wir Menschen sind auf diesem Planeten nur geduldet. So wie alle anderen Spezies müssen wir jeden Tag aufs Neue beweisen, dass wir unseren Platz im knappen Lebensraum der Erde zu Recht innehaben.

Wir müssen uns klarmachen, dass sich unsere heutige Existenzberechtigung nur aus unserer Rolle als Beschleuniger der memetischen Evolution ableitet. Ohne die Technik, die mit unserer Hilfe entstanden ist, wären wir vermutlich längst ausgestorben oder würden in ökologischen Nischen ein bescheidenes Dasein fristen. Früher oder später würde eine andere Spezies Intelligenz entwickeln und irgendwann auch Computer bauen. Spätestens dann würde es uns nicht anders ergehen als den letzten Berggorillas und Orang-Utans.

Wir leben mit den Maschinen, die uns am Leben erhalten, in Symbiose – einer Symbiose, die das Leben auf der Erde grundsätzlich verändert. Und es ist durchaus denkbar, dass unsere Symbionten irgendwann völlig ohne uns auskommen und sich aus dieser Zweckgemeinschaft lösen, um ihrer eigenen Wege zu gehen – so etwas kommt auch in der Natur vor.

Ich bin weder so optimistisch wie Kurzweil, noch so pessimistisch wie Olsberg oder Kaczynski. Zum einen glaube ich nicht, dass es eine Frage der reinen Rechenleistung ist, dass Maschinen uns intellektuell überflügeln und „abschaffen“ können. Zum anderen täuscht die Analogie von Genen und Memen über einen ganz wesentlichen Unterschied: Die biologische Evolution erfolgt ungesteuert, während Menschen Ziele verfolgen. Alle mit der Memetik beschriebenen Phänomene sind Teil der menschlichen Kultur und deshalb von uns abhängig. Auch wenn es in vielen Fällen nicht so aussieht, Menschen können sich sehr wohl bewusst für oder gegen etwas entscheiden und dann entsprechend handeln.

Gastbeitrag von: Dr. Ralf Poschmann

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