„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Evolutionsspuren: Chromosom Nr. 2

Evolutions-Spuren am Menschen: Das "geklebte" Chromosom Nr.2

 

Die gesamte Erbinformation eines Menschen ist in jeder seiner Körperzellen in langen, dünnen DNA-Ketten gespeichert. Diese DNA-Ketten wickeln sich auf und bilden spiralige, dichte Gebilde - die Chromosomen. Chromosomen im Zellkern kann man unter dem Mikroskop sehen und isolieren. Alle Spezies der Menschenaffen haben 48 Chromosomen (24 Paare) - mit Ausnahme der Menschen, die haben nur 46 (23 Paare). Wie kommt das? Haben Menschen ein Chromosomenpaar verloren? Der Verlust von so viel Erbinformation innerhalb weniger Generationen wäre doch tödlich?

 

Das Chromosom ist nicht verschwunden, sondern mit einem anderen Chromosom "verklebt". Dieser genetische "Unfall" passierte bei der Keimzellbildung in einem einzelnen Individuum, auf das alle Menschen zurückgehen. Dieses "geklebte", längere Chromosom ist unser Chromosom Nr.2. Bei anderen Menschenaffen findet sich anstelle des Chromosoms Nr.2 zwei andere, kürzere Chromosomen. Würde man diese Ende-an-Ende zusammenkleben, entstünde genau die gleiche Reihenfolge der gleichen Gene wie auf unserem Chromosom Nr.2. In der nahezu exakt gleichen "Buchstabierung" (Basensequenz).

 

Mehr noch: Chromosomen haben einen unverwechselbaren Abschnitt in der Mitte (ein Mittelstück, Centromer) und jeweils an jedem Ende (zwei Endstücke, Telomere). Würde man zwei Chromosomen Ende-zu-Ende zusammenkleben, hätte das geklebte Chromosom plötzlich zwei Centromere - und End-Telomere an nicht vorgesehener Stelle - in der Mitte des Chromosoms. Genau diese Auffälligkeit zeigt unser Chromosom Nr.2

 

Das fusionierte Chromosom Nr.2 ist ein klarer Beweis für unseren gemeinsamen Familien-Stammbaum mit den anderen Menschenaffen. (Bilder in den Kommentaren)

 

Schematisches Karyogramm des Menschen und Schimpansen. Unten sind die Chromosomen des Schimpansen dargestellt. Er hat 24 Chromosomen-Paare, der Mensch nur 23 Paare (genauer: 22 plus XY). Das menschliche Chromosom Nr.2 ist durch eine Fusion zweier Chromosomen eines gemeinsamen Urahnen entstanden.

Jedes einzelne Chromosom hat einen spezifischen Abschnitt in der Mitte (ein Mittelstück, Centromer, blau) - und jeweils an den Enden (zwei Endstücke, Telomere, rot). Bei einer End-zu-End-Fusion muss das "geklebte" Chromosom zwei Centromere haben - und Telomere an nicht vorgesehener Stelle - in der Mitte. Unser Chromosom Nr.2 zeigt genau diese Auffälligkeiten.

Oben: Chromosom 2a und Chromosom 2b des Schimpansen. Unten: fusioniertes Chromosom 2 des Menschen. Bei Anfärben entsteht dasselbe Bandenmuster. Die Chromosomen enthalten die gleichen Gene in der gleichen Reihenfolge in nahezu gleicher "Buchstabierung" (Basensequenz).

Gastbeitrag von: Jori Wehner

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