„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Viel-Liebe: eine Streitschrift

Im Gegensatz zur Homosexualität ist das von der Kirche propagierte Konzept einer Ehe tatsächlich widernatürlich. Kein einziger naher Vorfahre von uns hat je monogam gelebt und wenn wir ehrlich zu uns sind, werden auch wir immer mehr als nur eine Person sexuell anziehend finden, selbst dann noch, wenn wir eine Ehe schließen. Es liegt in unserer Natur und diese heben wir in der Ehe oder in der Partnerschaft nicht auf - wir verleugnen sie nur.

Die Ehe ist nicht mehr als ein gedankliches Konstrukt - ein archaisches Relikt - und entspricht nicht der natürlichen Ordnung. Sie als Tugend zu propagieren bedeutet den ausschließlichen Besitzergriff an einer Person zu einer Tugend zu erheben. Wem der Gedanken schwer fällt, einen Menschen sexuell und emotional mit anderen zu teilen, will nicht weniger als ihn dahingehend exklusiv für sich beanspruchen. Und fragt man einen solchen Monogamisten nach seinen Beweggründen wird er ausschließlich possessive, d.h. besitz-ergreifende Motive wie Verlangen oder Eifersucht (Verlustangst) nennen können. 

Diese Motive und mit ihr die Ehe sind Ausdruck von Selbstliebe und nicht von Nächstenliebe. Man sollte versuchen ihnen nach und nach abzuschwören und in der Lage zu sein, einer geliebten Person die prinzipielle Freiheit einzugestehen, dass sie natürlich auch andere Personen lieben darf, wenn sie das möchte. Wenn sie das nicht möchte, wird sie es auch ohne Ehezwang nicht tun und wenn sie es möchte, wird auch dein Verbot nichts an ihrem eigentlichen Wunsch der Mehrliebe ändern können. Es offenbart nur, dass du dich selbst in einem solchen Fall mehr liebt als die Person und dein eigenes Glück und deinen Exklusivitätswunsch über das Glück und den Freiheitswunsch dieser Person stellst.

Wir leben in einer Zeit, in der wir von überall her mit tollem Sex und großen Gefühlen angefixxt werden. Und wir wollen auch diese großartigen Sachen haben, doch lernen, dass man das nicht sagen und erst recht nicht ausleben darf. Es ist als stünden wir vor einem tollen Buffet und wir alle haben Hunger, doch sind zu kultiviert um dies offen auszusprechen und uns die Wänste vollzuschlagen. Wenn ich die Person vor mir küssen möchte, will ich ihr das sagen können. Und wen eine Dritter mich liebt, wird es ihn von Herzen freuen zu wissen, dass ich mit dieser Person just im Augenblick eine wunderschöne Zeit erfahren und körperliches und emotionales Glück teilen darf. Auf keinen Fall wird er mich mit einem ehelich oder sonst wie begründeten Besitzanspruch an mir an meinem Glück hindern wollen.

"Das ist so eine Idee, die wir haben, dass man zu zweit zusammen ist und das der eine den anderen gehört, damit ist man so wow verbunden und schottet sich ab gegen den Rest der Welt: Wir haben da so ein kleines Geheimnis miteinander, nur wir haben Sex miteinander, nur wir vertrauen uns wirklich vollkommen.

Ich habe das Gefühl, es ist doch viel schöner, wenn wir das aufbrechen und wenn ich mich auch anderen Menschen zeige und wenn auch andere Menschen sehen dürfen wie es mir geht und andere Menschen auch mit mir ganz tief in Kontakt gehen können."

Polyamorist

 

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Montag, 21 November 2016 16:45)

    Hm.

    https://www.youtube.com/shared?ci=SW3t76ICnag


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