„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Embryologie im Koran

Es soll hier um die sog. "Embryologie" im Koran gehen, von der Islam-Apologeten behaupten, sie enthalte Wissen, über das ein Mensch im siebten Jahrhundert unmöglich verfügt haben könne. Dieses Wissen weise zwingend auf eine göttliche Offenbarung hin. Ich bezweifle das.

Vielleicht sollten wir zuerst klären, was mit der "Embryologie" im Koran gemeint ist.

 

Der Koran enthält in Sure 23 eine Aufzählung angeblicher Entwicklungsstadien des Menschen im Mutterleib. Da steht:

(1) Wir haben doch den Menschen ursprünglich aus einer Portion Lehm geschaffen. Alsdann setzten Wir ihn als Samentropfen an eine sichere Ruhestätte. Dann bildeten Wir den Tropfen zu einem Blutklumpen; dann bildeten Wir den Blutklumpen zu einem Fleischklumpen; dann bildeten Wir aus dem Fleischklumpen Knochen; dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch; dann entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer. (Quran 23,12)

(2) Gott erschuf euch aus Staub, als Er Adam erschuf, dann aus einem Samentropfen, dann machte Er euch zu Paaren (Mann und Frau). (Quran 35,11)

(3) Meint der Mensch etwa, er würde sich selber überlassen sein? War er nicht ein Erguß verspritzten Spermas? Dann wurde er ein Blutklumpen; dann bildete und vervollkommnete Er ihn. Alsdann schuf Er aus ihm ein Paar, den Mann und die Frau. (Quran 75,36)

 

(4) Wir erschufen den Menschen aus einem Samentropfen mit vielfältigen Elementen (Quran 76,2)

Und noch ein etwas eigenartiger Vers:

 

(5) Darum soll der Mensch denn bedenken, woraus er erschaffen ist! Erschaffen wurde er aus einer herausschießenden Flüssigkeit die zwischen den Lenden und den Rippen hervorkommt. (Quran 86,5)

 

Das sind m.W. alle Verse im Koran, welche mit der Entstehung des Menschen im Mutterleib zu tun haben. Hinweise auf übermenschliches Wissen kann ich hier nicht erkennen.

1. Wurde die Embryologie im Qur'an wissenschaftlich beschrieben?

1.1. Die 4 Phasen

Ich meine, die Entstehung des Embryos ist im Koran falsch beschrieben. Der Koran beschreibt die Entstehung des Menschen in vier Stadien:

1) Samenphase, 2) Blutgebilde, 3) erster Körper aus Fleisch und Knochen, 4) Körper mit differenzierten Organen und Gliedern.

(Das hat der griechische Arzt und Anatom Galenos von Pergamon 500 Jahre vorher genau so beschrieben, dazu mehr im zweiten Teil!)

Die Schilderung beginnt mit:

1. Phase

"wir setzten ihn als Samentropfen an eine sichere Ruhestätte" (die Gebärmutter)

 

Das ist biologisch inkorrekt. Der Samentropfen wird nicht zum Menschen, noch wird der Samentropfen an eine "sichere Ruhestätte", die Gebärmutter gesetzt.

 

Sondern: In der Samenflüssigkeit schwimmen einige Millionen Spermien. Ein einzelnes Spermium dringt in die Eizelle ein, lässt dabei alle Zellbestandteile zurück außer dem haploiden Chromosomensatz, der im Spermienkopf zusammengedrängt liegt. Die Befruchtung findet in der Regel im Eileiter statt. Dort beginnt die Zygote mit der Zellteilung nach 24 Stunden. Am fünften Tag hat sich die Zygote zur Blastozyste (jetzt etwa 32 oder 64 Zellen) entwickelt. Am sechsten Tag nistet sich die Blastozyste in der Gebärmutter ein. Nicht der Samentropfen (Quran 23,14) sondern ein 32-Zell-Embryo im Blastozystenstadium implantiert sich in der Gebärmutter.

 

In der Antike war das unbekannt. Aus einer vagen Idee der Embryonalentwicklung, die sich aus oberflächlichen Beobachtungen speist (aus Sperma wird irgendwie ein Embryo, der sitzt in der Gebärmutter) haben die Autoren eine grobe Erklärung gezimmert. Mit einigen Fehlern, wie die moderne Erforschung der Embryologie gezeigt hat.

 

Hinweise auf übermenschliches, prophetisches Wissen kann ich hier nicht erkennen.

2. Phase

"Dann bildeten Wir den Samentropfen zu einem Blutklumpen"

 

Das ist keine korrekte Beschreibung der Vorgänge der Embryonalentwicklung.

 

Nicht der Samentropfen wird in die Gebärmutter implantiert, sondern die Blastozyste am sechsten Tag der Embryonalentwicklung. Ein Blutklumpen kommt in der gesamten Embryonalentwicklung nicht vor. Die Blastozyste hat zunächst keine Blutgefäße. Erst in der dritten Woche der Embryonalentwicklung gewinnt der Embryo (genauer: der Trophoblast, der Vorgänger der Plazenta) Anschluss an die mütterlichen Blutgefäße.

 

Die Bezeichnung "Blutklumpen" oder "Blutphase" (bei Hippokrates und Galen) lässt sich aus der damaligen, makroskopischen Sicht verstehen. Der durchscheinende Embryo wird allmählich durchblutet. Die "Haut" (das Ektoderm) erscheint noch transparent. Damit leuchtet der Embryo blutrot. Er sieht aus wie ein Blutklumpen. An frühschwangeren Schlachttieren und an Fehlgeburten ist das sehr gut erkennbar. Ein grober Beschreibungsversuch des Embryos: "sieht wie ein Blutklumpen aus".

 

Diese groben und oberflächlichen Eindrücke entsprechen exakt dem menschlichen Wissensstand der griechischen Antike, wie sie in den Schriften Aristoteles und Galens überliefert wurden - oder auch im frühmittelalterlichen Arabien problemlos mit eigenen Augen erkennbar waren.

 

Hinweise auf übermenschliches Wissen kann ich nicht erkennen.

3. Phase

"dann bildeten Wir aus dem Fleischklumpen Knochen; dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch"

 

Eine sehr eigenartige Vorstellung, die mit der tatsächlichen Embryonalentwicklung nichts zu tun hat.

 

Die Autoren waren offenbar der Meinung, der Embryo bestehe eine zeitlang aus Knochen, die dann mit "Fleisch" überzogen werden. Im Koran-Kommentar Tanwir al-Miqbas min Tafsir Ibn ‘Abbas ist das ausbuchstabiert: "dann formten wir den kleinen Klumpen zu Knochen ohne Fleisch, dann kleideten wir die Knochen mit Fleisch."

http://www.altafsir.com/Tafasir.asp?tMadhNo=0...

 

Das widerspricht den biologischen Tatsachen. Knochen und Muskeln entstehen etwa zur gleichen Zeit, etwa ab der sechsten Schwangerschaftswoche. Die erste Struktur mit nachweisbarem Knochengewebe ist das Schlüsselbein, dann die Wirbel. Histologische Schnitte zeigen eher das Gegenteil: In dieser Zeit lassen sich bereits Muskeln nachweisen - aber noch keine einzige Knochenzelle.

 

Nachvollziehbar: In der Antike und im Frühmittelalter gab es keine Möglichkeit solche Fragen korrekt zu beantworten.

4. Phase

Unter Bearbeitung

1.2. Von Blutegeln

Anderswo wird von Muslimen behauptet, dass der Koran die Blutegelgestalt des Embryos vorausgesagt hätte. Dies hätte damals kein Mensch wissen können, Behauptung siehe hier: "Dr. Keith Moore wusste nicht, ob ein Embryo in seinen Anfangsstadium wie ein Blutegel erscheint. Um dies zu überprüfen, studierte er das Anfangsstadium des Embryos unter einem sehr starken Mikroskop und verglich seine Beobachtungen mit dem Diagramm eines Blutegels. Er war erstaunt über die verblüffende Ähnlichkeit der beiden!"

Auf dem Foto kann man mal versuchen, Blutegel und Embryo zu unterscheiden. Was ist abgebildet? (Ich habe es nicht eindeutig sagen können.)
Auf dem Foto kann man mal versuchen, Blutegel und Embryo zu unterscheiden. Was ist abgebildet? (Ich habe es nicht eindeutig sagen können.)

Das obige Bild wurde ohne Mikroskop o.ä. aufgenommen. Mit bloßem Auge ist hier zu sehen: Der Embryo ist ein kurzes, dickes Würmchen, das an der Gebärmutterwand anhaftet und Blut daraus "saugt". Wenn man genau hinguckt, ist es mit Blut gefüllt. In der Antike und ganz ohne wissenschaftliche Bildung hätte ich sowas einen "Blutegel" genannt. Denn ein Embryo sieht auch noch später, wenn es mit bloßen Auge erkennbar ist (etwa frühe Fehlgeburten) noch wie ein Blutegel aus. Auch hier also kein Hinweis auf übermenschliches Wissen (sofern mit "Alaqa" überhaupt Blutegel gemeint war. Normalerweise wird es ja mit "Blutklumpen" übersetzt.). 

1.3. Was der Koran auslässt

Interessanter ist vielleicht, was der Koran (sofern man ihn als naturwissenschaftliches Werk auffassen will) in seiner Schilderung der Embryonalentwicklung auslässt. Beinahe alles Relevante.

 

Die Eizelle. Die Frau ist nicht nur eine "sichere Ruhestätte" (23,13), ein "Acker", ein "Boden für eure Saat" (Quran 2,224), ein Backofen, in dem der männliche Samen ausgebrütet wird, sondern beteiligt sich gleichberechtigt an der Zeugung. Jedes Elternteil steuert einen halben Chromosomensatz bei.

 

Die Verschmelzung mütterlicher Eizelle und väterlicher Samenzelle im Eileiter. Erste Zellteilung nach 24 Stunden. Stadium der Blastozyste am fünften Tag. Einnistung in der Gebärmutter am sechsten Tag. Amnionhöhle entsteht am 8. Tag.

 

Die Keimscheibe faltet sich mittig am 20. Tag zur Neuralrinne, daraus entstehen später Gehirn, Rückenmark und umgebende Strukturen. Wie wäre es hier mit einem göttlichen Ratschlag an dieser Stelle? "Schwangere, esst ordentlich grünes Blattgemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte. Die enthaltene Folsäure verhindert den (damals oft tödlichen) "offenen Rücken", also Defekte beim Neuralrohrverschluss."

 

Überraschend wäre auch eine Beschreibung der separaten Herz-Gefäßschläuche, die in der dritten Woche verschmelzen. Am 22. Tag beginnt das Herz zu schlagen. Wie entstehen Zwillinge? Wie entstehen eineiige Zwillinge? Nicht mal so was banales wie: "Hebammen, wascht Euch die Hände - am besten mit Alkohol" ist in dieser göttlichen Offenbarung an die Menschheit enthalten.

 

Nachvollziehbar: Ein Buch aus dem siebten Jahrhundert weiß davon nichts. Es beschränkt sich auf grobes Halbwissen, das mit damaligen Erkenntnismitteln, mit dem bloßen Auge, an Fehlgeburten und schwangeren Schlachttieren erkennbar war.

2. Hat der Prophet der Muslime von den Griechen abgeschrieben?

Kommen wir zum zweiten Punkt - der Überlieferungsgeschichte dieser "embryologischen" Verse.

 

Der Koran beschreibt – wie dargelegt wurde - vier Stadien: 1) Samen, 2) Blutgebilde, 3) erster Körper aus Fleisch und Knochen, 4) Körper mit differenzierten Organen und Gliedern. Das hat der griechische Arzt und Anatom Galenos von Pergamon 500 Jahre vorher genau so(sic!) beschrieben.

 

Das Werk Galens, das als Referenzwerk der antiken Medizin bis in die Neuzeit galt, war im Mittelmeerraum und im Nahen Osten durch Übersetzungen ins Syrische bekannt. Sie wurden in der medizinischen Universität in Jundishapur gelehrt. Einer ihrer Absolventen war al Harith ibn Kalada. Dieser war ein Gefährte Mohammeds. Es ist also kein Zufall, dass die von Galen und Mohammed jeweils beschriebenen Sequenzen praktisch vollkommen übereinstimmen. Die beeindruckendste Gemeinsamkeit: sie haben beide praktisch überhaupt nichts mit den wirklich relevanten Abläufen in der Embryonalentwicklung zu tun.

 

Die historisch-kritische Koranforschung (Projekt Corpus Coranicum der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) nennt Galens Text als Ursprung für die Koranverse über Embryologie.

http://www.corpuscoranicum.de/kontexte/index/sure/23/vers/13 

3.1. Ein Ausflug in die Embryologie

Ich denke, nichts heilt effektiver von der Idee "göttlich offenbarter Embryologie", als eine Beschäftigung mit tatsächlichen Abläufen in der Embryonalentwicklung. Die relevanten Informationen zur Embryonalentwicklung haben überhaupt nichts mit dem zu tun, was bei Galen und im Koran steht.

Ein kurzer Einblick:

http://www.embryology.ch/genericpages/moduleembryode.html

"der Qur'an hat alle wichtigsten Abläufe stehen."

Sorry, aber sowas kann man nur glauben, wenn man nichts von Embryologie weiß. Die wirklich relevanten Informationen sind nicht solche Allerweltsbeobachtungen von Samen und Blutklumpen und Gebärmutter, sondern Chromosomen, Gametogenese, meiotische Teilungen, Implantation, Gastrulation, Primitivstreifen, Somitenbildung, Neurulation, Entwicklung des intraembryonalen Mesoderms, Chorionbildung, Abfaltung, Keimblätter, Kiemenbogenderivate, Organogenese usw.

Die Worte "Samenphase" oder "Blutklumpen" oder "Fleischklumpen" kommen in einer Embryologie-Vorlesung überhaupt nicht vor. Galen und der Koran reden vollkommen an den relevanten Informationen vorbei.

Die Sequenzen bei Galen und im Koran stimmen beinahe vollkommen überein. Es ist offensichtlich, dass hier ein Wissenstransfer stattgefunden hat. Und wie gesagt: relevanter ist, was alles fehlt: Alles von Wichtigkeit. Alles, was unterhalb der makroskopischen Sichtbarkeit liegt.

Allein eine so banale Feststellung wie: Eine Frau produziert eine Eizelle pro Zyklus - und der Mann 60 Millionen Samenzellen pro Ejakulat - wäre eine überraschende und neue und relevante Information gewesen, die über den Wissensstand der Spätantike hinausgeht. Sowas suchen wir bei Galen und im Koran vergeblich.

Macht Dich das nicht ein bisschen nachdenklich? In einer "göttlichen Offenbarung" finden wir nichts anderes, als das Vorwissen der alten Griechen?

3. Fazit

Ich komme zum Schluss. Ich persönlich halte es für ein vergebliches Untenehmen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Koran herauslesen zu wollen. Das funktioniert immer nur als nachträgliche Behauptung. Sobald Naturwissenschaftler irgend ein Phänomen eklärt haben, machen sich Apologeten auf die Suche nach geeigneten Koranversen, die sich in den Dienst einer Prophetie-Behauptung pressen lassen. Und wenn eine naturwissenschaftliche Erkenntnis eine Sure widerlegt, deuten sie diese einfach um, notfalls auch im Sinne einer neuen wissenschaftlichen Erkenntnis.

Man sollte die Methode dieser Koranexegeten beim Namen nennen: Beliebigkeit.

Und Beliebigkeit ist bekanntlich das genaue Gegenteil von Vernunft.

 

Die Hippokratischen/Galenschen Phasen der Embryonalentwicklung werden im Koran noch an anderer Stelle erwähnt: "Er hat euch doch in verschiedenen Entwicklungsphasen erschaffen." (71:14)

Moderne Islam-Apologeten versuchen, diesen Vers in den Dienst einer anderen naturwissenschaftlichen Entdeckung zu pressen: der Evolution. Mit den "verschiedenen Entwicklungsphasen" seien jetzt die evolutionären Phasen in der Entstehung des Menschen gemeint gewesen.

http://tavhid.de/?p=979

 

Ein gutes Beispiel dafür, wie die "wissenschaftlichen Wunder" in den Koran kommenDurch nachträgliche Interpretations-Akrobatik im Sinn aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das demonstriert Beliebigkeit und ein nur lockeres Verhältnis zur Wahrheit.

 

Das ist ja klar: Wer fest entschlossen ist, Prophetie zu erkennen - und wer bereit, beinahe jedes Wort durch ein entlegendes Synonym zu ersetzen, der findet auch noch embryologische Prophetie im Dr.Oetker-Backbuch.

 

Moderne Exegeten raten davon ab. Muhammad Assad (Message of the Quran): "Es ist nicht sinnvoll, die Gültigkeit des Korans von wissenschaflichen Erkenntnissen abhängig machen zu wollen, die den Koran heute eindrucksvoll bestätigen mögen, morgen aber ebenso gut widerlegt werden können."

Eine kluge Aussage (auch wenn er im nächsten Satz über die Prophetie des Urknalls im Koran staunt.)

 

Die Übernahme halbwahrer Embryologie der Griechen zeigt deutlich, dass der Koran ein menschliches Buch mit einem menschlichen Entstehungshintergrund ist.

 

Bei aller Bedeutung, die der Koran für Gläubige hat, würde ich für einen ehrlichen Umgang mit seiner Entstehungsgeschichte plädieren. Projekte wie das "Corpus Coranicum" von Angelika Neuwirth und ihrem Team leisten hier wichtige Arbeit.

zum vorherigen Blogeintrag                                                                         zum nächsten Blogeintrag 

 

Liste aller bisherigen Blogeinträge

Kommentare: 13
  • #13

    WissensWert (Sonntag, 22 Januar 2017 14:10)

    "Der Koran erklärt ALLES, wenn man es richtig verstanden hat, da kann die Wissenschaft noch lange dran stricken."

    Wie kommt es dann, dass die muslimische Welt nichts nenneswertes zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt beiträgt? Angeblich sitzen sie doch auf einem Buch, das seit 1400 Jahren bereits jede relevante wissenschaftliche Erkenntnis enthält?

    Klar. Der Koran ist ein Buch, das exakt den begrenzten, fehlerhaften, menschlichen Wissensstand des arabischen Frühmittelalters abbildet.

    Alle "wissenschaftliche Prophetie", die Gläubige darin wahrzunehmen glauben, haben sie nachträglich irrtümlich hineininterpretiert.

  • #12

    WissensWert (Montag, 16 Januar 2017 01:34)

    Wie geht man mit Beschreibungen im Koran um, die gegen wissenschaftliche Erkenntnisse verstoßen? Man kann sie als Poesie deuten, nur gibt man damit zu, dass es sich beim Koran um einen Mythos handelt - nur Mythen vertragen sich mit symbolischer Deutung. Keine wissenschaftliche Erkenntnis in dem Sinne kann poetisch oder mythologisch gedeutet werden. Deswegen benutzt man Mathematik als Sprache, da ist eine symbolische Deutung ausgeschlossen.

    Man kann entweder die Wissenschaft bestreiten oder die Göttlichkeit des Koran. Aber es ist die islamische Theologie selbst, die einen dazu zwingt, eine solche Entscheidung zu treffen. Wählt man denselben Ausweg wie die christliche Theologie, dann untergräbt das den Koran noch viel stärker als die Bibel - die Bibel behauptet nämlich an keiner Stelle, komplett das Wort Gottes zu sein, oder unverfälscht zu sein, oder ein Geschichtsbuch zu sein, oder etwas über die Realität der Welt selbst sagen zu können. Das behaupten nur christliche Fundamentalisten, und in dem Sinne ist die Mehrheit der islamischen Theologen fundamentalistisch - aber aus gutem Grund, weil der Koran lauter Behauptungen über sich selbst macht, die man nicht so leicht ignorieren kann.

    Aber letztlich wird es so gehen wie in der christlichen Theologie: Die wird entweder zur Aufgabe oder zur Anpassung gezwungen oder ein Feld einer kleinen Gruppe von Spinnern und Sektierern sein. Die Frage ist nicht, ob sich das als Erkenntnis im Islam durchsetzt, sondern nur wann. Je später man den Weg der Anpassung wählt, um so härter wird der "atheistische Rückschlag" ausfallen, nämlich, dass man den Koran gleich ganz verwirft und damit den Islam.

  • #11

    Wahrheit (Mittwoch, 16 November 2016 09:43)

    Hallo,

    Man kann den Koran nicht vollständig verstehen wen man der arabischen Sprache nicht mächtig ist.
    Es kommt oft vor dass die Menschen sogenannte Fehler im Koran finden wollen, was eindeutig aus zu schließen ist. Man sollte den Koran vorher studieren und dan argumentieren.

    Hier ein kleines Video der Embryologie.
    https://youtu.be/qCi8XgVClrE

  • #10

    Wahrheit (Mittwoch, 16 November 2016 09:35)

    Hallo

  • #9

    WissensWert (Sonntag, 30 Oktober 2016 20:13)

    Wir bekommen doch ständig "Beweise" vorgelegt, die "wissenschaftlichen Wunder" im Koran.

    Und der Gedanke ist ja prinzipiell richtig:
    Gäbe es übermenschliches Wissen im Koran, dann wäre seine übermenschliche Herkunft und die Wahrheit seiner Behauptungen viel glaubwürdiger.

    Damit meine ich wirkliche (!) wissenschaftliche Wunder im Koran. Nicht bloß die paar halbwahren Sätze, die der Koran bei Galenos von Pergamon und bei bei Aristoteles abgeschrieben hat. Sondern richtige Wunder!

    Eine Beschreibung des DNA-Moleküls, über die Gelehrte sich seit Jahrhunderten den Kopf zerbrechen. Eine präzise, punkt- und zeitgenaue Vorhersage der nächsten Erdbeben auf der Erde oder der nächsten Supernovae in unserer Galaxie. Irgendwas, das eindeutig auf eine übermenschliche Weisheit hindeutet.

    Oder funktionierende Gebete. Und zwar eindeutige, nicht sowas selbstverständliches wie: "Ich hab für Regen gebetet - und der kam dann auch!" Würden Amputierte durch Gebete an Allah (und nicht an Jesus) geheilt werden, ihnen wachsen Glieder nach, dann wäre das ein ziemlich eindeutiger Beweis für Allah. Würde ein gläubiger Muslim beten: "Allah, was soll ich tun, ich muss nach Hamburg umziehen, aber mein ganzes Haus steht in Nürnberg." Und simsalabim, steht das Nürnberger Haus plötzlich in Hamburg - das wäre ein echter Beweis.

    Nichts davon passiert. Im Moment sieht die Realität genauso aus, wie es ohne Götter zu erwarten wäre.

  • #8

    WissensWert (Mittwoch, 26 Oktober 2016 20:09)

    Hier sind noch andere Quellen:

    http://www.corpuscoranicum.de/kontexte/index/sure/23/vers/13

    http://www.anti-religion.net/embryologie_koran.htm

    http://www.answering-islam.org/Quran/Science/embryo.html

    https://wikiislam.net/wiki/History_of_Embryology

  • #7

    WissensWert (Sonntag, 14 August 2016 01:06)

    Einfache Frage. Im Koran steht klar, dass die Erde vor dem Himmel erschaffen worden ist. Das ist aber falsch und nur nachvollziehbar im Weltbild der Spätantike.
    Was bedeutet dieser Fehler?
    (41:9-12)

    9. Sprich: «Leugnet ihr Den wirklich, Der die Erde schuf in zwei Zeiten? Und dichtet ihr Ihm Nebenbuhler an?» Er nur ist der Herr der Welten.

    10. Er gründete in ihr feste Berge, die sie überragen, und legte Überfluß in sie und ordnete auf ihr in richtigem Verhältnis ihre Nahrung in vier Zeiten – gleichmäßig für die Suchenden.

    11. Dann wandte Er Sich zum Himmel, welcher noch Nebel war, und sprach zu ihm und zu der Erde: «Kommt ihr beide, willig oder widerwillig.» Sie sprachen: «Wir kommen willig.»

    12. So vollendete Er sie als sieben Himmel in zwei Zeiten, und in jedem Himmel wies Er seine Aufgabe an. Und Wir schmückten den untersten Himmel mit Leuchten, und als Schutz. Das ist der Ratschluß des Allmächtigen, des Allwissenden.

  • #6

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:44)

    Der Koran hat Irrtümer der Griechen übernommen (s.o.) und richtiges Wissen ignoriert
    (z.B. das heliozentrische Weltbild des Aristarch (gest.230 v.Chr.) oder die korrekte Erdumfangsberechnung von Erastothenes (gest. 194 v.Chr.) oder die Entstehung der Arten durch Evolution (Thales und Anaximander (547 v.Chr.)

    Stattdessen redet der Koran realitätswidrig weiterhin von der Erde als unbewegtem Mittelpunkt des Universums und von der Erschaffung des Menschen unabhängig von anderen Tierarten.

  • #5

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:43)

    Der Koran beschreibt die Embryonalentwicklung ungefähr so, als würde ich ein Auto beschreiben: "Vier weiche Kreise, und kühles, buntes Holz drüber, und leuchtet im Dunkeln."

    Das ist nicht nur die "Abstraktionsebene", sondern die gesamte Beschreibung. Ein Auto besteht nicht aus Holz. Es leuchtet zwar im Dunkeln, aber das geht an der relevanten Funktion der Scheinwerfer vorbei (Straße beleuchten). Die tatsächliche Aufgabe eines Autos (Personen transportieren) ist gar nicht genannt.

    Ähnliches: Der Samentropfen nistet sich nicht in der Gebärmutter ein. Die Frau hat keine Zeugungsflüssigkeit, die zwischen Rippen und Schlüsselbein hervorschießt. Der Embryo sieht zwar rot aus, hat aber nichts mit einem Blutklumpen zu tun. Alle relevanten Informationen der Embryonalentwicklung fehlen (Eizelle, hormoneller Zyklus, Chromosomen, Keimscheibe usw.) Oben ausführlicher.

  • #4

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:42)

    "Die Follikelflüssigkeit beim Eisprung ist an der Stelle der elften und zwölften Rippe, zwischen den Nieren."
    Nee, das stimmt nicht. Eisprünge finden erst mit der Pubertät statt. Seit der Geburt sitzen die Ovarien aber zwei Etagen tiefer, im kleinen Becken.

    Ich erkenne auch in Deinen genannten Versen keinen Hinweis auf eine Eizelle, noch auf eine andere Information, die nicht mit bloßem Auge für den Beobachter erkennbar ist.
    ----

    Hippokrates verband gedanklich das Rückenmark mit sexueller Aktivität. Auch diese Idee findet sich in den Korankommentaren ausführlich erklärt: Die Frau steuere eine "gelblich dünne Flüssigkeit" (eine Beschreibung des Nervenwassers im Wirbelkanal) zur Zeugung bei.

    "Diseases where the “marrow” was implicated were commonly associated with excess of sexual activity: semen and spinal fluid were allied in early Greek thought."

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2629169/
    Die "hervorschießende Flüssigkeit" der Frau zwischen Schlüsselbein und Rippe ist die Follikelflüssigkeit beim Eisprung? Der aber zwei Etagen tiefer im kleinen Becken (unterhalb der Bauchhöhle) stattfindet?

    Finde ich nicht überzeugend.

    Hippokrates' Idee der Zeugungsflüssigkeit, die im Spinalkanal gebildet wird, erklärt den Vers besser - zumal auch viele andere Einflüsse von Hippokrates auffindbar sind.

  • #3

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:41)

    "Der Fötus ist geschützt durch drei Schleier von Dunkelheit. Er machte euch im Mutterleib, in Phasen, einer nach der anderen, in drei Schleiern von Dunkelheit. (39:6)
    Nach Prof. Dr. Keith Moore beziehen sich diese drei Schleier von Dunkelheit auf: die vordere abdominale Wand der Mutter, die Gebärmutterwand, die amnio-chorionische Membran."

    Wer hat die Eihäute zuerst so beschrieben?
    Galenos von Pergamon. Die drei Schichten sind mit dem bloßen Auge erkennbar und waren lange vor der Entstehung des Korans bekannt.

    https://books.google.de/books?id=ignpBQAAQBAJ&pg=PA538&lpg=PA538&dq=galen+eih%C3%A4ute&source=bl&ots=0G5IqXA8HB&sig=b6gcWBEndJUcHNg13tP_m7Lrfnw&hl=de&sa=X&ei=kHwpVY2bJoHtaKaegcAB&ved=0CCUQ6AEwAQ#v=onepage&q=galen%20eih%C3%A4ute&f=false

  • #2

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:37)

    Zum Einwand: "Die Qur'an-Exegeten hatten früher nicht den nötigen Wissensstand, um diese Verse authentisch zu interpretieren"

    Na gut, aber dann wird ja das "Wunder" hinfällig. Wenn man korrekte naturwissenschaftliche Erkenntnisse benötigt, um korrekte naturwissenschaftliche Erkenntnisse in den Koran hineinzurätseln, dann kann der Koran Beliebiges schreiben.

    Naturwissenschaftlich gebildete Exegeten werden schon was "wunderhaftes" hineinlesen.

  • #1

    WissensWert (Sonntag, 17 Juli 2016 00:36)

    Und noch dieser etwas eigenartige Vers:

    Darum soll der Mensch denn bedenken, woraus er erschaffen ist! Erschaffen wurde er aus einer herausschießenden Flüssigkeit die zwischen den Lenden und den Rippen hervorkommt. (Quran 86,5)

    Im Korankommentar Tafsir Ibn Kathir lässt sich nachlesen, was damit gemeint war: Die Frau produziere eine Zeugungsflüssigkeit in den Knochen des Brustkorbs zwischen Schlüsselbein und Brust.

    Eine biologisch inkorrekte Mutmaßung, die auf eine Idee von Hippokrates und Aristoteles zurückgeht. Die meinten, im Schädel und Rückenmark entstehe eine Substanz (pneuma), die irgendwas mit der Zeugung zu tun habe.

    http://www.qtafsir.com/index.php?option=com_content...

    Der moderne Korankommentar von Muhammad Asad (Message of the Quran) legt hier einfach eine aktuelle, wissenschaftliche Erkenntnis darüber und behauptet, mit dieser "hervorschießenden Flüssigkeit" sei die weibliche Eizelle gemeint. Da bekommen wir auch langsam eine Ahnung, wie die Wunder in den Koran hineinkommen...


Impressum | Datenschutz | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.