„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Religion als Integrationshemmnis

Im Rahmen einer Studie des WZB versuchte Ruud Koopmans herauszufinden, warum Muslime in ganz Europa zu den Schlusslichtern auf dem Arbeitsmarkt zählen. Er führte eine Umfrage mit 7000 Personen in sechs europäischen Ländern durch.

 

Ergebnis: Nicht die ethnische Diskriminierung und der Rassismus gegenüber Muslimen seien die Hauptgründe für die ausbleibende Integration, sondern vor allem soziokulturelle Faktoren. Fehlende Sprachkenntnisse, ausbleibende interethnische Kontakte und religiöse Wertvorstellungen sind laut Koopmans die entscheidenderen Barrieren für den Arbeitsmarkt.

 

Beispielsweise ist es kein Geheimnis, dass ca. 1/3 der Berufe über Freunde und Bekannte vermittelt werden (Vitamin B) und der Großteil der Arbeitgeber der Mehrheitsgesellschaft angehört. Eine hohe soziokulturelle Assimilation wirkt sich demnach positiv auf die Arbeitsmarktbeteiligung aus.

 

Insbesondere muslimische Frauen arbeiten selten, was laut Autor auf traditionelle Wertvorstellungen über die Rolle der Frau zurückzuführen ist.
Diese Wertvorstellungen dürften bei vielen Muslimen stark religiös geprägt sein. Auch die beschränkenden Verhaltensregeln für den Kontakt mit Anders- oder Nichtgläubigen und in gemischtgeschlechtlichen Kontexten geben Grund zum Anlass, dass die Religion den Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft erschwert und Integration dadurch massiv erschwert.

 

Die Ergebnisse der Studie machen die besondere Dringlichkeit einer Integrationspolitik deutlich, die auf die sozio-kulturelle Annäherung und Bildung abzielt.
Vor allem in Bildungseinrichtungen muss ein Austausch stattfinden, der sprachliche Defizite kompensiert, traditionelle und konservative Rollenbilder kritisiert und interethnische Freundschaften fördert. Gleichzeitig müssen konservative Islamverbände durch ein (noch zu etablierendes) Islamgesetz kontrolliert, Hassprediger ausgewiesen und der Islamunterricht an den Schulen durch einen Ethikunterricht für alle Kinder ersetzt werden.

 

Hoffentlich werden diese Schritte und andere Ideen politisch bald diskutiert, anstatt das Problem wie üblich kleinzureden. Einem gemeinsamen Europa kommen wir so nämlich nicht näher.

 

 

Die Studie im Volltext ist unter folgendem Link abrufbar:
http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/1369183X.2015.1082903

Gastbeitrag von: Felix Kruppa

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Freitag, 30 Juni 2017 18:54)

    Religion als Integrationshindernis

    Die zunehmende Religiosität führt zur Separation. Obgleich die meisten türkischen Jugendlichen nicht (mehr) im „traditionellen Sinn“ gläubig sind und z.B. nicht alle Regeln der fünf Säulen des Islams befolgen, geschweige denn den Koran gelesen haben, etikettieren sich viele mit dem Attribut „Moslem“ und bezeichnen sich immer häufiger als gläubig. Auch nicht-religiöse Türken neigen dazu, sich mit dem Islam zu identifizieren, weil er eine kulturelle Zugehörigkeit symbolisiert.

    Religionen bieten ein starkes Wir-Gefühl (Ingroup-Altruismus), welches gleichzeitig oft zu einer Distanz gegenüber anderen Gruppen führt (Outgroup-Diskriminierung). Die Mehrheit der Muslime weltweit teilt die Menschheit in zwei Gruppen ein: Muslime und Verdammte.[14] Im Koran ist die Abwertung und Bekämpfung von Ungläubigen das zentrale Thema, was u.a. dazu führt, dass in 13 Ländern dieser Erde (alle islamisch) Atheisten zum Tode verurteilt werden. Darüber hinaus werden in Moscheen noch immer Werte und eine Moral vermittelt, die 1400 Jahre alt und nicht reformiert worden sind. Religion ist identitätsstiftend und ihre Vertreter fungieren als Sozialisationsinstanzen.

    Vielerorts ist der Islam eine „Kultur der Ehre“, welche gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen und ein antiquiertes Rollenverständnis von Mann und Frau vereint. Auch wenn die meisten Grundlagen dessen nicht genuin islamisch sind, werden sie im religiösen Kontext als Ideale verkauft und wirken so normativ. Genauso normativ soll das Handeln des Propheten Mohammed (sunna) sein, welcher als Vorbild ob der vielen Angriffskriege, die er führte, der Diskriminierung von Vertretern anderer Weltanschauungen und der Tatsache, dass er ein 9-jähriges Kind ehelichte, zumindest in Frage gestellt werden muss.

    Der Islam ist genau wie der Koran facettenreich und nicht pauschalisierbar. „Den Islam“ gibt es nicht, er ist das Konglomerat der religiösen Praxis aller Muslime. Folgenreich für die Religiosität der Individuen sind aber gängige Methoden der Interpretation, Auslegung und Rezeption des Korans, welche überwiegend konservativ und wenig kritisch praktiziert werden. Diese klassische Auslegung des Korans ist mit demokratischen Grundsätzen und den Menschenrechten oft nicht kompatibel. Zudem lehrt der Koran, dass seine Inhalte unhinterfragbar sind und zeichnet den Glauben vor dem Wissen aus, was von Imamen vielerorts unkritisch gepredigt wird. Der Islam vermag Muslimen ein stabiles Lebensgerüst und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl bieten, steht den kulturellen Erzeugnissen der Aufklärung allerdings oftmals diametral gegenüber. Die u.a. durch den Koran und seinen Vertretern propagierten Normen führen zu einem Kulturkonflikt und zu Parallelgesellschaften, weil sie im partiellen Konflikt mit der Mehrheitskultur stehen. Dass Migranten muslimischen Glaubens in ganz Europa schlechter integriert sind als andere Migranten, ist ein Indiz dafür, dass die Religiosität/Kultur einen großen Einfluss hat.


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