„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kann nichts ohne Ursache geschehen oder entstehen?

"Nichts geschieht ohne Ursache"

Auch dies wiederum ist eine Behauptung, die man relativ häufig hört, manchmal verbunden mit dem Vorwurf, Atheisten würden wohl "alles Wesentliche" mit dem Zufall erklären. Oder aber, es wird behauptet, Atheismus sei "an sich" unlogisch, weil er postulieren würde, dass Dinge wie etwa das Universum ohne jede Ursache entstehen würden, aber es könne "natürlich" nichts ohne Ursache entstehen. 

Aber hier irrt der Theist, der solches behauptet - denn es ist logisch unmöglich, zu behaupten, dass alles eine Ursache haben muss. Dabei spiele ich nicht darauf an, dass die Physiker Fälle entdeckt haben, wo Dinge ohne jede Ursache geschehen - man könnte sich hier auf den Standpunkt stellen, dass sie eben die Ursache noch nicht gefunden haben. 

Nehmen wir dazu wieder eine Fallunterscheidung vor und spielen alle möglichen (denkbaren) Fälle durch. Wie kann man sich die Entstehung des Universums denken?

  1. Ein Gott oder mehrere Götter haben das Universum geschaffen.
  2. Das Universum existiert ewig.
  3. Das Universum entstand aus dem Nichts.
  4. Das Universum existiert in einer Zeitschleife.
  5. Das Universum ist die Ursache seiner selbst.
  6. Es gibt keine logische Möglichkeit, die Existenz des Universums zu erklären.
  7. Das Universum ist eine Illusion.

Allen diesen Fällen ist eines gemeinsam: Sie behaupten, dass etwas letztlich ohne Ursache entstanden ist.


Betrachten wir die Fälle im Einzelnen:

1. Ein Gott oder mehrere Götter haben das Universum geschaffen

Da muss man sofort fragen: Was war dann die Ursache für Gott? Wenn der Theist behauptet, für Gott gäbe es keine Ursache, so widerspricht er der Behauptung, dass nichts ohne Ursache entstehen kann, denn offenkundig gibt es für Gott keine Ursache. Wenn man aber nun sieht, dass Gott noch viel wunderbarer ist als das Universum, so kann man sagen, dass wohl noch viel wunderbarere Dinge als Universen ohne eine Ursache existieren können. Oder aber, Gott hat eine Ursache, dann ist er nach christlichem Verständnis nicht Gott. Wie können dann die Frage statt über die Entstehung des Universums über die Entstehung des Gottes oder der Götter stellen. 

Wie auch immer, die Frage nach den Ursachen endet in einem unendlichen 
Regress - der dann ohne Anfangsursache existieren muss - oder bei einem Ereignis, für das es keine Ursache gibt. So oder so, der Theist verwickelt sich in einen Selbstwiderspruch - er behauptet, dass nichts ohne Ursache existieren kann und dass etwas (nämlich Gott) ohne Ursache existieren kann. 

Nun kann man dem noch einen Denkfehler oben draufsetzen, nämlich den, dass Gott eben ein "Spezialfall" sei. Aber es bleibt unerfindlich, warum das Universum nicht ebenso ein Spezialfall sein könnte wie Gott, woher der Theist denn wissen will, dass Gott (und nicht das Universum) ein Spezialfall sei, und dass ihn dies nicht vor dem Widerspruch bewahrt, dass es eben Spezialfälle gibt, nach denen etwas ohne Ursache entstehen kann.

2. Das Universum existiert ewig

Das wird natürlich auch von Gott behauptet, aber es bedeutet dasselbe: Gott oder das Universum existiert ewig, ohne Beginn, und damit ohne jede Ursache. Von einer Ursache können wir nämlich nur reden, wenn ein Ding oder ein Ereignis ein Beginn hat. Es muss etwas vor diesem Ereignis geschehen sein, was sich vom betrachteten Ereignis unterscheidet. Aber wenn auch jedes Einzelereignis in einer unendlich langen Kette von Ereignissen eine Ursache hat, die Gesamtkette als solche hat keine Ursache, weil sie ohne Beginn existiert.


Man muss entweder die unendliche Kette bestehen lassen, die dann ohne Ursache existiert, oder aber die Kette irgendwo beginnen lassen, bei einem Ereignis, welches selbst keine Ursache haben kann. Sollte das Universum allerdings ewig existieren, dann gibt es keinen Schöpfergott.


Die Auffassung, dass das Universum ewig existiert, ist übrigens mit dem Urknall vereinbar. Unser Universum hat dann zwar einen Anfang, aber es wäre denkbar, dass unser Universum aus einem anderen Universum hervorging. Es wird von Physikern darüber spekuliert, ob es möglich ist, im Universum eine Singularität zu erzeugen, aus der ein anderes Universum hervorgeht. Dies könnte den Ursprung unseres Weltalls erklären, wenn dies möglich wäre. 

3. Das Universum entstand aus dem Nichts

Wenn dies der Fall ist, dann haben wir damit einen Beginn der Kette ohne jede Ursache. Allerdings werden wir keinen Theisten finden, der dies behauptet - allenfalls wird behauptet, dass Gott das Universum aus dem Nichts erschaffen hat, was aber bedeutet, dass es eine Ursache hat, womit wir wieder bei dem ersten Fall wären. 

Aber wie wir es dann auch auflösen, letztlich bleibt auch hier nur übrig, einzugestehen, dass Etwas ohne jede Ursache entstehen kann. Sollte das Universum aus dem Nichts entstanden sein, dann gibt es übrigens ebenfalls keinen Schöpfergott. 

Siehe auch: 
Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?

4. Das Universum existiert in einer Zeitschleife

Dies ist eine Auffassung, die im Hinduismus verbreitet ist. Theoretisch ist es denkbar, dass wir in einer Zeitschleife existieren, in der das Universum in einem ständigen Werden und Vergehen begriffen ist, und irgendwann die Ursache seiner selbst ist.

Aber auch wenn - wie beim ewig existierenden Universum - jedes Ereignis eine Ursache hat, die gesamte Kette hat keine Ursache. Falls doch, haben wir es eher mit dem ersten Fall zu tun, wenn Gott diese Zeitschleife geschaffen hat und alles, was sich darin befindet. Dann hätten wir es mit einer Variante der ersten Möglichkeit zu tun.

5. Das Universum ist die Ursache seiner selbst

Auch bei dieser Variante haben wir zwar eine Ursache, aber letztlich keine, denn es kann keine Ursache haben, wenn etwas die Ursache seiner selbst ist (die Gesamtheit hat wiederum keine Ursache). Dies ist ohnehin nur eine Variante der Behauptung, dass das Universum aus dem Nichts entstanden ist. Auch hier ist diese Behauptung identisch damit, die Existenz eines Schöpfergottes zu verneinen.

6. Es gibt keine logische Möglichkeit, die Existenz des Universums zu erklären

Kausalität (Ursache und Wirkung) basiert auf Logik. Wenn man nun sagt, dass die Logik bei der Entstehung des Universums nicht gültig war oder keine Rolle spielte, behauptet man ebenfalls, dass das Universum entstanden ist, ohne eine erklärbare oder verstehbare Ursache, ja, dass sich der Begriff der Ursache nicht anwenden lässt, denn der setzt die Logik voraus. Der Schluss von einer Wirkung auf eine Ursache oder umgekehrt ist ohne Logik nicht möglich, es fehlt dann die Verbindung zwischen den beiden Ereignissen, sodass dies gleichwertig ist zu der Behauptung, dass das eine Ereignis das andere nicht verursacht, so dass das zweite Ereignis unverursacht sein muss. 

7. Das Universum ist eine Illusion

Dann muss man natürlich fragen, was die Ursache dieser Illusion ist, und man landet wiederum bei einer dieser vorher erwähnten Möglichkeiten. Und wiederum wäre ein Gott, der uns die Existenz des Universums vortäuscht, nicht der christlich-theistische Gott, sondern ein "Gott der Täuschungen".

Fazit

Letztlich kann man alle aufgezählten Fälle auf exakt drei reduzieren - nicht mehr, nicht weniger. Diese drei Fälle sind:

  1. Es gibt eine unendliche Kette von Ursachen.
  2. Es gibt einen unverursachten Anfang.
  3. Es gibt einen Kreis von Ursachen und Wirkungen.

Jede weitere Möglichkeit kann man ausschließen bzw. sie führt einem, wenn man es variiert, zu einer dieser drei Möglichkeiten. Und keine der Möglichkeiten kommt ohne die Annahme aus, dass entweder die Kette als Ganzes unverursacht ist (Fall 1 und 3) oder aber ein unverursachtes Ereignis am Anfang hat, also insgesamt auch unverursacht ist. 

Es ist schlicht falsch, zu behaupten, dass "nichts ohne Ursache existieren kann". Dazu muss man natürliche alle Möglichkeiten durchdenken (es sind in diesem Fall nur drei), aber das Resultat ist immer dasselbe, was immer man auch nimmt. Kompliziertere Gedankenkonstruktionen lassen sich übrigens auch fast immer auf die erwähnten Möglichkeiten reduzieren. 

Ich denke daher, dass es analytisch falsch ist, anzunehmen, nichts könne ohne Ursache existieren. Es ist also der Theist, der solches behauptet, der sich in Widersprüche verwickelt, nicht der Atheist, der davon ausgeht, dass etwas auch ohne eine letztliche Ursache existieren kann. Der Theist behauptet letztlich dasselbe, behauptet aber gleichzeitig, etwas anderes zu behaupten, und hier irrt er. 

Die "Popularität" verdankt dieses Argument dem Umstand, dass es intuitiv einleuchtet und nicht bis in seine letzten Konsequenzen durchdacht wird. Aber auch hier (wie so oft) führt uns die Intuition in die Irre, so dass man generell nur zur Vorsicht gemahnen kann bei Argumenten, die "intuitiv einleuchten". Es gibt keinen Ersatz dafür, diese genau zu durchdenken.

Kann denn etwas ohne Ursache geschehen?

Dass nichts ohne Ursache entstehen kann, kann man als Irrtum zurückweisen. Aber können Dinge geschehen ohne jede Ursache? Abgesehen von denen, die anfangen zu existieren, versteht sich, denn dies haben wir bereits zurückgewiesen. 

Man muss dazu zwei verschiedene Arten von Ursachen unterscheiden: 

1.    Auf Ereignis A erfolgt immer genau Ereignis B und nie ein anderes (strikte Kausalität).

2.    Auf Ereignis A folgt immer ein Ereignis B, C, ... N aus einer endlichen Menge von Ereignissen (statistische Kausalität)

 

Kann man exakte Gesetze angeben, aufgrund deren man im Falle statistischer Kausalität genau sagen kann, welches Ereignis aus der Menge stattfindet, so hat man die statistische Kausalität auf die strikte reduziert. Statistische Kausalität wäre also eine Ursache-Wirkungs-Beziehung, in der es ein Zufallselement gibt (was manchen widersinnig zu sein scheint). 

Demgegenüber ist ein akausales Ereignis eines, welches weder strikt noch statistisch kausal bestimmt (determiniert) wird, wie etwa die Entstehung eines Universums ohne jede Ursache - oder der freie Willen. Der freie Willen ist etwas, worauf viele christliche Theologen großen Wert legen, weil dieser einen Ausweg aus dem Theodizeeproblem verspricht - zumindest scheinbar (und nicht so leicht zu widerlegen, so dass man damit Leute überzeugen kann). Aber wenn alles strikt kausal determiniert wird, so gibt es keinen freien Willen, denn der setzt voraus, dass (zumindest in unserem Gehirn) "irgendwie" Dinge geschehen, die nicht determiniert sind. 

Folglich kann ein christlicher Theologe, der sich auf den freien Willen beruft, sich nicht auch noch darauf berufen, dass "nichts ohne Ursache geschehen kann", denn er würde sich selbst widersprechen (nicht, dass Theologen dies nicht trotzdem versuchen würden, meist allerdings irrtümlich meinend, sich nicht zu widersprechen). 

So plausibel es auch sein mag, dass nichts ohne Ursache geschehen kann, von den Quantenphysikern wird angenommen, dass es demgegenüber trotzdem dauernd geschieht (der Aufbau des Universums entspricht nicht unserer Intuition, die an das Leben auf der Erde angepasst ist). 

Und was ist, wenn die Logik nicht gilt? Dann kann man über diese Dinge auch keine Aussage machen, dann kann man auch nicht behaupten, dass nichts ohne Ursache existieren kann und dass daraus logisch folgt, dass etwas das Universum geschaffen haben muss. Dann kann man auch nicht behaupten, dass nichts ohne Ursache existieren kann und bestätigt damit wiederum, was ich behauptet habe. 

Es ist also gleichgültig, was man nun annimmt, es läuft letztlich darauf hinaus, zu behaupten, dass es Ereignisse ohne Ursache oder Existenz ohne Ursache gibt. Daher ist die Behauptung, dass Nichts ohne Ursache entstehen oder geschehen kann, sachlich falsch, wer immer sie aufstellt, gerät in einen Selbstwiderspruch - vorausgesetzt, es findet jemand nicht noch einen Weg, den ich nicht berücksichtigt habe, der diese Annahme nicht macht. Das wird den meisten nicht bewusst, weil man dazu alle Möglichkeiten durchdacht haben muss, bis zum "bitteren Ende", und das ist mehr eine Tätigkeit für professionelle Philosophen. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die hier skizzierte Ansicht findet, relativ hoch - übrigens sowohl unter Christen wie auch unter Atheisten. 

Die Schlussfolgerung ist unausweichlich: 
Existenz kann keine Ursache haben! 

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Sonntag, 09 Juli 2017 22:44)

    Ohne Zeit hatte Gott keine Zeit, um die Zeit zu erschaffen.

    Schöpfung ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Es gibt mindestens zwei Zustände: Einen VOR der Schöpfung, in der NICHTS existierte außer Gott, einen danach. Es gibt aber keinen Zeitpunkt vor Beginn der Zeit. Denn das setzt voraus, dass es eine Zeit gab, die verging, in einem Zustand, in dem keine Zeit vergeht, BEVOR die Zeit anfing, zu vergehen. Der vierte logische Widerspruch ist folglich, dass Zeit verging, bevor Zeit verging.

    Gott wird als zeitlos gedacht. Was immer auch zeitlos ist, kann nichts bewirken, kann für nichts die Ursache sein, da Ursache/Wirkung immer Zeit voraussetzt. In der Zeitlosigkeit kann auch nichts gedacht werden.

    Wir haben also ein Wesen, das zeitlos in einem Zustand der absoluten Zeit- und Regellosigkeit "wirkt", und das sogar ein Bewusstsein haben soll. Ein Bewusstsein setzt ein Sein voraus, dass sich außerhalb des Bewusstseins befindet und von ihm unabhängig ist. Das ist der fünfte logische Widerspruch.

    Und obwohl es keine Regeln gab, kein Gedanke gedacht werden konnte, keine Handlung bewirkt, kann Gott doch wirken - aufgrund welcher Regeln? Wenn man sagt: Gott ist allmächtig und kann seinen Willen umsetzen und damit die Welt erschaffen, dann setzt dies voraus, dass es gültige natürliche Regeln gibt, nach denen das geschieht, was Gott will.

    Wenn Gott aber "über der Natur" steht (was logisch inkonsistent ist) oder den natürlichen Regeln nicht unterliegt, nach welcher Regel konnte Gott dann handeln? Gott wird oft als "Voraussetzung aller Voraussetzungen" betrachtet, und das ist logisch falsch: Die Existenz Gottes hat selbst Voraussetzungen wie die Gültigkeit von Regeln - die es aber nicht geben soll, weil Gott über allen Regeln steht. Nach welcher Regel konnte Gott Regeln einsetzen? Woher hat er die Fähigkeit, etwas zu bewirken? Er kann sich die Fähigkeit nicht selbst gegeben haben, denn dann müsste man fragen, woher er die Fähigkeit hat, sich selbst Fähigkeiten zu geben usw. usf.

    Gott setzt die Existenz von Regeln voraus, plus Logik, die ihm ein Wirken ermöglichen. Deswegen kann Gott nicht über "natürlichen Regeln" stehen, sondern es ist die Natur selbst (als Abstraktion), die es ihm ermöglicht, zu handeln oder zu denken.

    Der Gott, der natürlichen, von ihm unabhängigen Regeln unterliegt, und der alle Regeln erschaffen hat, ist ein weiterer logischer Widerspruch. Der Gott, der nicht der Logik unterliegt, kann nicht existieren - jede Existenz unterliegt Regeln. Eine weitere Form der Existenz, eine andere Art von Existenz, kann dieses Problem nicht lösen: Kein Problem der Welt kann man dadurch lösen, dass man die Anzahl der existierenden Welten einfach verdoppelt.

    Das ist jetzt schon zu lang, aber da beginnen die Probleme erst. Der Naturalismus kann alle diese Probleme elegant lösen, aber dazu MUSS man auf Gott verzichten.

    -

    Eigentlich gehört das zum Theodizeeproblem.

    Man kann auch die Geschichten der Bibel anführen, aber da gibt es zwei Einwände:

    1. Die Geschichten der Bibel sind fiktiv. Es gab keinen Abraham, keinen Moses, keine weltumspannend Sintflut, keinen Sündenfall etc.

    2. Die Einwände werden meistens "weginterpretiert". Aber ob eine Geschichte fiktiv ist oder nicht, sie dient dazu, eine moralische Botschaft zu transportieren.

    Dass Gott angeblich nur Gutes tun kann, ist eine Einschränkung seiner Allmacht. Man kann das nur tun, wenn man behauptet, dass er nichts Böses tun WILL. Dann muss man aber fragen: Woher hat Gott seine moralischen Standards? Das führt zu Euthyphrons Dilemma.

    Das Gott nur das logisch Mögliche tun kann, wird gleichzeitig von Christen bestritten, nach denen Gott die Logik überhaupt erst eingesetzt hat. Allerdings ist Logik die Voraussetzung einer jeden Moral. Damit haben wir einen weiteren logischen Widerspruch.

    Im Grunde genommen ist jedes tierische und menschliche Leid ein Argument dagegen, dass Gott nur Gutes tun kann. Denn offensichtlich kann Gott das Böse zulassen - aber das ist, gerade für einen Allmächtigen, der das verhindern kann, moralisch gesehen dasselbe wie Böses zu tun.

    Wenn ich ungerührt zusehe, wie jemand ertrinkt, und ich ihm problemlos helfen könnte, dann kann ich mich nicht herausreden mit: Es war sein freier Wille, ins Wasser zu gehen - jetzt muss er mit den Konsequenzen leben bzw. sterben. Wir würden das als unmoralisch betrachten. Dabei, wenn ich jemandem helfe, setze ich mich einem Risiko aus - es sind schon Helfer selbst dabei ertrunken, die jemanden retten wollten. Das gilt nicht für Gott. Also gehört gerade bei Gott das Geschehenlassen selbst zur bösen Tat.

  • #2

    WissensWert (Sonntag, 09 Juli 2017 22:43)

    @Karl

    Ja. Die Behauptung beruht auf einigen Voraussetzungen. Die offensichtliche Prämisse lautet:

    Nichtexistenz ist der natürliche Zustand der Dinge.

    Das ist dubios. Man setzt voraus, dass zunächst ein "Nichts" existierte. Man muss sich fragen, wie das definiert wird. Meist so: Das Nichts ist ein Zustand, in dem nichts existiert - keine Zeit, kein Raum, keine Materie, keine Energie, keine Gesetze oder Regeln. Die Materie wurde von Gott geschaffen (das ist die minimale Definition eines Schöpfergottes), d. h., von einem Wesen, das nicht selbst aus Materie/Energie bestehen kann, offensichtlich.

    Materie und Energie sind dasselbe, beide sind äquivalent (Folgerung aus der Relativitätstheorie). Alle Materie ist Energie, alle Energie besteht aus Materie. Beides ist die Voraussetzung für die Existenz von Raumzeit. Raum und Zeit sind ebenfalls äquivalent (ebenfalls: Relativitätstheorie). Raumzeit ist eine Eigenschaft der Materie, ohne diese keine Raumzeit.

    In einem "absoluten Nichts" - was die Theologen voraussetzen - gibt es weder Raumzeit noch Materie/Energie noch gelten dort irgendwelche Regeln. Diese Art von Nichts hat keine Eigenschaften. Keine Eigenschaften zu haben ist die Definition von Nichtexistenz, was nicht existiert, unterliegt keinen Regeln, besteht nicht aus Materie, ist nirgendwo in der Raumzeit lokalisiert. Das läuft darauf hinaus zu sagen:

    Gott schuf das Universum aus einem nicht existierenden Zustand.

    Das ist der erste logische Widerspruch. Begründet wird das mit einer Regel: Von (einem absoluten) Nichts kommt nichts. In dem Zustand ohne Regeln gilt die Regel, das von Nichts nichts kommt. Das ist der zweite logische Widerspruch:

    Damit die Regel "von Nichts kommt nichts" gelten kann, MUSS man die Logik und die Gültigkeit allgemeiner natürlicher Regeln voraussetzen. Denn wenn es einen Zustand ohne Regeln gibt, gilt auch die Regel "von Nichts kommt nichts" nicht, und daraus könnte alles Mögliche entstehen - und auch alles logisch Unmögliche. Wenn man die Logik nicht voraussetzt, ist ALLES möglich und nichts wahrscheinlich.

    Nun kann in einem absoluten Nichts keine Zeit vergehen. Das ist der dritte logische Widerspruch:

  • #1

    karl (Sonntag, 09 Juli 2017 22:41)

    In der Bibel wird behauptet, dass der Gott aus der Bibel das Universum aus dem Nichts erschaffen haben soll.
    Frage: Ist das logisch oder unlogisch?
    Wie kann man die Antwort sauber begründen?
    Kannst du da helfen?


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