„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Evolutionskritik mit dem Intentionalitätsverweis

àIntentionalität

Eine übliche Masche von "W+W": Die Intentionalität der Sprache wird als Argument für einen Designer und gegen die naturalistische Evolution verwendet. Dabei hat man's denen schon oft erklärt: Die Rede von evolutionären "Erfindungen", Zwecken und Zielen ist in der Biologie nur eine metaphorische Sprechweise, die deshalb verführerisch ist, weil wir aufgrund unserer anthropomorphen Denkweise mit intentionalen Begriffen vertraut sind.

Wenn z. B. gesagt wird, dass eine Blüte einer Biene Nektar "anbiete", handelt es sich um ein rhetorisches Stilmittel und nicht etwa um die Beschreibung einer echten zweckgerichteten Handlung, weil Blumen mangels kognitiver Fähigkeiten weder Ziele verfolgen noch in der Zukunft liegende Entwicklungen antizipieren können.

Analoges gilt, wenn die Evolution als "fantasiereich" bezeichnet wird und wenn von "Erfindungen der Natur" o.ä. gesprochen wird. Man könnte natürlich auch ganz anders reden und die scheinbare "Fantasie" durch "Mutation", "Variationspotenzial" o. ä. ersetzen. Und auf das Blütenbeispiel gemünzt, müsste es heißen: Es kommt zur Bestäubung der Blüte, weil eine günstige Prädisposition (die Absonderung zuckerhaltiger Substanzen) zufällig Insekten anlockt. Beide haben davon einen Selektionsvorteil, und die "Erfindung" (pardon: Variante!) setzt sich durch.

Die Annahme, dass die Blüte Nektar absondert, DAMIT Insekten die Blüte bestäuben, ist dagegen empirisch ebenso unbegründet wie die Behauptung, dass der Evolutionsbiologe gar nichts anders kann als von "Erfindungen" der Evolution zu reden. Dass biologische Funktionen und Selektionsvorteile tatsächlich echte Zwecke sind, die auf einen Plan zurückgehen, müsste unabhängig von solchen rhetorischen Sprachspielen belegt werden.

Nur nebenbei, auch für den Astronomen geht morgens die Sonne auf, um über den Himmel zu wandern. Die Sprache ist voller Metaphorik. Nur würde (außer W+W vielleicht) niemand auf die Idee kommen, dass die Sonne ihren Wanderstock auspackt und zielgerichtet über den Himmel marschiert. ;-)

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