„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Arche Noah

Die Geschichte von der Arche Noah ist eine aus dem Gilgamesch-Epos abgekupferte Geschichte in der Thora, in der Bibel und im Koran. Sie wird gerne mal Kindern als Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen und handelt davon, dass der allliebende und allgütige Gott nahezu die gesamte Menschheit auslöscht, weil diese nicht nach seiner Pfeife tanzt. Heutige Gläubige lassen sich nicht von logischen Widersprüchen in diesem Ammenmärchen oder fehlenden empirischen Evidenzen beirren und glauben fest an die historische Gegebenheit des größten Genozides der Geschichte und huldigen andächtig dessen Verursacher. Halleluja!

Zwar sehen viele Menschen in diesem großartigen Gott ein moralisches Vorbild, nur wenige denken aber weit genug und ertränken auch ihre Kinder, wenn sie nicht nach ihren eigenen Moralvorstellungen leben.

1. Die Geschichte

Alles begann damit, dass einer ein Apfel aß und Gott stellvertretend dafür die gesamte Menschheit mit Leid und Schmerz bestrafte. Dieser Jemand war Adam. Adam hatte einen freien Willen, wusste aber noch nicht, was Gut und Böse ist. Gott fand es Böse, dass Adam von seinem freien Willen Gebrauch machte und einen Apfel aß. Und weil Gott ein gerechter Gott ist, bestrafte er nicht nur Adam, sondern kollektivistisch alle Menschen für diese Untat.

Mit generationenübergreifendem Inzucht pflanzten sich Adam, seine Frau Eva und ihre Nachkommen fort und zeugten so die ersten Völker. Aus unerfindlichen Gründen wurden die Menschen aber irgendwann abtrünnig gegenüber ihrem tollen Gott, der sie aus dem Paradies vertrieben hatte. Die Menschen hatten damals wilden Sex, waren Linkshänder oder taten andere schlimme Dinge. Alle waren böse (ja, auch die Neugeborenen, Blinden usw.!) und hatten den Tod mehr verdient. Nur eine Familie war rechtschaffend, die des 500 Jahre alten Patriarchen Noahs.

Deshalb kam Gott auf die Idee, alle Menschen, außer Noah und seine Familie, qualvoll in einer erdkugelübergreifenden Flut zu ertränken. Er hätte in seiner Allwissenheit natürlich von vorne rein absehen können, wohin es führt, wenn er die Menschen so erschafft, wie er sie erschaffen hat. Oder er hätte als allmächtiger Gott auch ein paar psychologische Stellschrauben drehen und die Menschen wieder besser machen können. Aber hey: He is fucking God! Und dieser Gott hat beschlossen, alle Menschen für die Verhaltensdispositionen zu strafen, die er zuvor in ihnen angelegt hatte.

Gott hatte aber keinen Bock nach der Sintflut einfach wieder neue Tiere zu erschaffen, deshalb mussten 2 Tiere von jeder Art mit auf die Arche, die der 500 Jahre alte Noah erbauen würde. So passierte es, dass zwei Faultiere 57.000 Meilen von Südamerika über den Atlantik mit durchschnittlich 2 Meter pro Minute in Richtung mittlerer Osten reisten! Und Pinguine kamen von der Antarktis, und Schweine lernten Schwimmen, es war ein großes Spektakel!

Aus irgendeinem, bestimmt tiefsinnigem, Grund wechselte Gott die Anzahl der Exemplare jeder Art aber von zwei (Genesis 6:19) auf sieben (Genesis 7:2-3). Nach der Flut reisten die Tiere übrigens wieder in ihre Heimatländer zurück und überließen keine Spuren von ihrer kleinen Spritztour.

Aber so weit sind wir noch nicht. Erstmal musste Noah noch die Arche bauen. Dieses Boot war etwa 45 Fuß hoch, 450 Fuß lang und 75 Fuß breit. Zum Vergleich: Die Titanic war doppelt so lang, dreimal so hoch und bot 4.000 Menschen eine Woche Proviant. Die nur ein Bruchteil so große Arche konnte aber Millionen von Tierarten über ein ganzes Jahr lang ernähren, sie hatte folglich zusätzlich unfassbar viele Tonnen an Bambus, Graß, Süßwasser und immer frischem Fleisch (Tiefkühltruhe?) mit an Bord. Jagende und Gejagte Tiere wurden untereinander getrennt, tausende Tonnen Kot und Essabfälle wurden täglich durch das einzige, mittelgroße Fenster entsorgt und hat eigentlich jemand an die Pflanzen gedacht?

Meeresfische mussten auf jeden Fall mitgenommen werden. Denn durch die herabregende Wassermassen, die das geschlossene Wasserkreislaufsystem Erde kurzerhand herbeizauberte, verdünnte sich der Salzgehalt des Meereswassers so sehr, dass auch alle Meeresbewohner gestorben sein mussten.

Am Ende war das Wasser wieder irgendwohin verschwunden, zwei Tiere von jeder Art (das reicht doch lockereasy, um eine Population aufrechtzuerhalten!!1!) fanden auf dem überschwemmten Land sicher genug zu essen und auch Noahs Kinder taten in alttestamentalischer Inzuchtmanier was für den eigenen Arterhalt. Ende.

Gott ist gnädig. Gott liebt uns alle.
Gott ist gnädig. Gott liebt uns alle.

Verweise

  • Bibel: Der liebe Gott hat einen Faible für Archen und Massenmorde, man kann es nicht anders sagen: s. zB. Josua 6; 21.
  • Gebet: Ein guter Christ betet nicht für die „unschuldigen“ Neugeborenen, die während des Archegenozids umgekommen sind. Denn Gott zu bitten, etwas anderszumachen, heißt ihm in seinem perfekten Plan belehren zu wollen. Ein guter Christ betet um nichts. Er versucht den perfekten Plan hinter täglich an AIDS krepierenden Menschen zu erkennen und preist den Herrn.

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Kommentare: 6
  • #6

    WissensWert (Donnerstag, 07 September 2017 10:26)

    Wie konnte eine Taube mit Ölzweig zurückkehren, wo ein Ölbaum doch niemals eine apokalyptische Flut überleben würde?

  • #5

    WissensWert (Freitag, 10 Februar 2017 02:57)

    https://www.youtube.com/watch?v=F4OhXQTMOEc

  • #4

    WissensWert (Mittwoch, 21 Dezember 2016 01:41)

    Do the people praying for flood victims have any idea who they´re talking to?

  • #3

    WissensWert (Montag, 22 August 2016 13:23)

    https://youtu.be/F4OhXQTMOEc

  • #2

    WissensWert (Donnerstag, 23 Juni 2016 01:57)

    Das eigene Eingreifen in eine von ihm selbst erschaffene Welt beweist vor allem die Fehlbarkeit eines Schöpfers.

  • #1

    WissensWert (Montag, 30 Mai 2016 14:08)

    Der im abrahamitischen Glauben auftauchende Sintflutbericht geht auf den Sintflutbericht des Gilgameschepos wieder und wurde allen Anscheins im Babylonischen Exil (als der Hauptentstehungszeit der deuteronomistischen Bibel) aufgenommen.

    Eine globale Sintflut gab es nie, das zeigen die Sedimentsschichten, lokale Überflutungen aber waren regelmäßig und nötig für die frühen Ackerbauern.


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