„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Porno

Generationen vor uns hatten erst ihren ersten Sex und sind dann, vielleicht, irgendwann mal, mit pornografischem Inhalt in Berührung gekommen. Bei uns ist es genau umgekehrt, wir sehen erst unsere ersten pornografischen Inhalte (im Durchschnitt noch vor der Pubertät!) und haben dann unseren ersten Sex. Das heißt aber auch, dass unser erstes Bild von Sex durch Pornografischen Sex geprägt ist. Und pornografischer Sex ist meistens sehr hart. Und wie die Körper aussehen und was sie tun entspricht sehr unseren Vorlieben, weil wir genau nach den Kategorien und Stichwörtern suchen können, die uns "aufgeilen". Mit dem ersten richtigen Sex merken wir dann, dass der Sexpartner auch Bedürfnisse und Hemmnisse hat und nicht nur ein Gegenstand der Befriedigung ist, der das macht, was wir gerade wollen. Wir merken auch, dass die Frau, die plötzlich nackt vor uns steht, nicht so aussieht wie in den Pornos. Ihre Brüste hängen mehr und sie Schamhaare reichen bis zum Anus. Und weil wir Menschen immer alles vergleichen müssen, um es einordnen zu können, vergleichen wir ihren Körper mit denen aus dem Internet. Wir sind enttäuscht und im schlimmsten Fall merkt das die Frau und auch wenn es jetzt keiner der beiden Parteien sagen möchte, ist dieser eigentlich so wunderschöne und einzigartige Moment belastet. Und das nur, weil wir nicht begriffen haben, was Pornos sind. Weil die Pornoindustrie nicht begreift, was Pornofilme sein sollten. Was sie sein könnten. Dieser Eintrag soll Abhilfe verschaffen:

·      Wenn es um Pornofilme geht, scheiden sich die Geister. Stark religiöse Menschen besitzen zumeist eine sehr rigide Sexualmoral, infolge werden von ihnen auch die Sexfilmchen vehement abgehlehnt. Hedonisten hingegen meinen, dass etwas, das Spaß bringt, per se nur gut sein kann.

·       Pornos sind aber, wie alles, an sich weder gut noch schlecht. An sich ist ein Porno nichts weiter als eine Reihe von Pixeln, die über einen Bildschirm huschen und von einer Tonspur begleitet werden. Gut oder schlecht wird der Porno erst, wie alles, in Relation zu empfindungsfähigen Wesen. Etwas ist gut, wenn es mich und meine Mitmenschen glücklich macht, und schlecht, wenn es unser Glück schmälert (Utilitarismus)Es kommt darauf an, was etwas mit uns anstellt und deshalb kann es auch keine ewig richtigen Leitlinien beim Umgang mit Pornos geben, weil unterschiedliche Pornofilme bei unterschiedlichen Menschen Unterschiedliches anstellen. Aber einen Tipp kann man geben: Lernt, individuell in euch hineinzufühlen und spürt selbst, was euch gut tut und was nicht. Dann seid ihr in eurer Lebensgestaltung auch nicht mehr abhängig von viel zu pauschalen Ideologieurteilen.

·       Schlecht (im Sinne von „schlecht für das Wohlbefinden von Menschen“) kann der Porno sein, wenn man ihn falsch versteht: Pornos sollten nicht als Anleitungsvideos oder Abbilder der Realität, sondern als Unterhaltungs-Stimulationsfilme für hinreichend reife Menschen verstanden werden.

·       Problematisch werden Ps. mMn (erst) dann, wenn sie in diesem Sinne missverstanden werden, d.h. z.B. wenn sie von Menschen, die zuvor noch nie mit Sexualität in realer Berührung gekommen sind, als Exempel für wirklichen oder guten Sex gesehen werden. In diesem Fall können Pornos falsche Vorstellungen oder Erwartungen prägen und zu Enttäuschungen oder (vor allem durch sogenannte „Hardcore-Pornos“, die die Gefühle, Schwächen, Hemmnisse und Bedürfnisse einer Frau außen vorlassen und bei denen die Frau nur als Mittel der eigenen Befriedigung dargestellt wird) ungesunden Beziehungen führen.

  • Die Frau ist im gegenwärtigen Mainstream-Porno kein Subjekt mehr, sie ist allein Objekt. Dabei könnten Pornos so viel mehr sein. So viel besser:
  • Bis Fiktion und Realität noch unterschieden werden können (und das wird im Zuge der Digitalen Revolution immer schwerer werden, bis das eine nicht mehr vom anderen zu unterscheiden ist!), wird kein Porno je echte Sexualität subsumieren können. Im Gegenteil, der Porno zeigt uns, dass es uns beim Sex um mehr geht als nur den funktionalen Ablauf. Funktional wird beim Sex, beim Mann die Vorhaut zurückgezogen, bis er kommt. Und bei der Frau wird der Vaginaleingang penetriert (oder bei Frauen, die weniger vaginal und stärker klitoral "kommen" eben die Klitoris stimuliert), bis sie kommt. Beides bzw. all das kann man mit der eigenen Hand genauso bewirken wie es ein Sexualpartner kann, d.h. rein funktional lässt sich der Sexualakt „automanuell“ (selbst und per Hand) imitieren. Nur wird mir jeder zustimmen, dass realer Sex trotzdem einen ganz anderen Reiz hat, als Selbstbefriedigung. Das heißt, dass es uns beim Sex anscheinend um mehr geht, als nur den funktionalen Ablauf, d.h. das stimuliert werden und kommen. Es geht um Körperlichkeit, Zweisamkeit, Leidenschaft,… darum, mit jemanden oder jemand ganz Bestimmten REAL intim zu werden. Es geht um Wahrhaftigkeit, und die kann uns kein Porno bieten.

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Liste aller bisherigen Blogeinträge

Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Sonntag, 22 Mai 2016 03:06)

    https://youtu.be/Rov1xxqYsFU

  • #2

    WissensWert (Freitag, 13 Mai 2016 19:55)

    Rachepornos: https://youtu.be/IAXv1JrZTTM

  • #1

    WissensWert (Montag, 25 April 2016 23:23)

    Pornos vermitteln der Jugend ein vollkommen falsches Bild von der Realität.
    Die glauben doch allen Ernstes, dass der Klempner/Elektriker/Telekomiker pünktlich und schnell komm... äääähm erscheint.


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