„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Gotteswahn

Wenn man sich die Kritiken zum Buch »Der Gotteswahn« von Richard Dawkins ansieht, etwa von McGrath, fällt auf, dass den »neuen Atheisten« Dogmatismus vorgeworfen wird. McGrath behauptet, dass Dawkins ohne Grund nicht an Gott glaubt. Dies sei ein Verstoß gegen wissenschaftliche Prinzipien.

Man könnte denken, dass McGrath und andere das Werk nicht gelesen haben, das sie kritisieren. Denn im vierten Kapitel legt Dawkins einen Beweis dar, nicht an einen Schöpfergott zu glauben. Dieser basiert sowohl auf philosophischen Voraussetzungen wie auch Erkenntnissen der Wissenschaft.

Die Intention des Autors ist selbst von Atheisten oft missverstanden worden. Dawkins richtet sich in erster Linie gegen Kreationisten. Diese bedrohen die Schulbildung, in dem sie so tun, als ob ihre Spekulationen »gleichwertig« zu wissenschaftlichen Theorien seien. Zudem versuchen sie, ihre religiöse Agenda in den Biologieunterricht zu schmuggeln. Religion hat in der Biologie so wenig verloren wie Englischunterricht im Schulsport.

Eines der zentralen Argumente der Gottesverfechter beruht auf dem Designbeweis für die Existenz Gottes. Diesen längst widerlegten Überlegungen sollen erneut glaubwürdig gemacht werden. Einer der essenziellen Voraussetzungen sieht so aus:

(1) Es ist höchst unwahrscheinlich, dass komplexes Leben aus Zufall entsteht.
(2) Leben existiert.
(S) Daher muss ein Schöpfer das Leben geschaffen und designed haben.

Auf diese Argumentation gibt es mehrere Möglichkeiten, zu antworten. Die eine besteht darin, die Prämisse (1) zu bestreiten, da die Rolle des Zufälligen in der Evolution missverstanden und überinterpretiert wird. Die aussichtsreichste Variante ist die, auf den inhärenten logischen Widerspruch aufmerksam zu machen: Der Schöpfergott, wenn er existiert, ist eine Form von Leben. Er verfügt über ein Bewusstsein, was ebenfalls komplex sein muss, um ein Beispiel zu nennen. Der Beweisführung nach, wenn man die Logik akzeptiert und die Voraussetzungen hat man keine andere Wahl als anzunehmen, dass auch der Schöpfer nicht zufälligerweise seine Komplexität besitzt. Wer das bestreitet, der hat ein Problem mit dem konsequenten Denken. Es gibt zwei kognitive Verzerrungen, nebenbei, die dazu beitragen, das Strukturproblem des Arguments nicht zu erkennen:

Einmal der Bestätigungsfehler, nach dem wir zwar wahrnehmen, was unsere Meinung bestätigt, aber alles ignorieren, was dagegen spricht. Die eine Lesart wird dazu gebraucht, den Glauben an Gott zu bestärken, es wird nicht gesehen, dass dies auch gegen die Schlussfolgerung benutzt werden kann.

Zum anderen die »Glaubensneigung« (belief Bias): Dies ist der Fehler, die Stärke eines Arguments daran zu messen, für wie glaubwürdig wir den Schluss halten.

Es fällt daher leicht, die Inkonsequenz der Argumentationsweise zu übersehen. Es gibt eine interessante Eigenschaft der kosmologischen Gottesbeweise: Sie beruhen sämtlich auf logischen Strukturfehlern! Wenn man den Makel beseitigt, den inneren Widerspruch, wird in den meisten Fällen daraus ein Einwand gegen Gott.

Genau dies hat Dawkins in seinem Buch durchgeführt: Er hat das Designargument genommen, den Fehler behoben, und dies zu seiner Basis erklärt, um zu begründen, warum er nicht an Gott glaubt. Das ist in der Auseinandersetzung mit Kreationisten und anderen eine sinnvolle Vorgehensweise: Man übernimmt die Prämissen, konstruiert hieraus ein neues Argument, und erspart sich eine Debatte über die Gültigkeit der Vorannahmen.

Meist wird die Zurückweisung der Evolution und die Rede für den Designer anders formuliert, als ich es ausgeführt habe, nämlich so:

->Uhrmacher-Analogie

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bakterium entsteht, ist in etwa so groß, als wenn ein Tornado über einen Schrottplatz fegt, und am Ende steht da eine fertige Boeing 747.


Das wird nicht passieren, es wäre absurd, das anzunehmen. Das Problem dieser Betrachtungsweise habe ich oben schon erwähnt: Ein Kleinstlebewesen ist kein vielseitiges Lebewesen wie ein Gott. Es entsteht in der Analogie auch nicht, weil es nicht in der heutigen Form entstanden ist, sondern sich aus einfacheren Vorformen in die aktuelle entwickelt hat. Aber Gott hat keine Evolution hinter sich, diese Perspektive kann man bei ihm nicht einnehmen. Er war »schon immer« so komplex – behaupten seine Anhänger. Im Grunde ist das Bild in der Beschreibung dieses:

Es gibt keinen Schrottplatz. Es gab keinen Tornado. Aber es gab immer schon eine ganze Flotte von Boeing 747, mit Flughäfen und der gesamten Infrastruktur inklusive Besatzung.

Das ist noch sehr viel unwahrscheinlicher als das ein Sturm über eine Müllhalde fegt und daraus ein komplettes Flugzeug zusammenbaut. Aber das ist genau das, was die Gottesanhänger beteuern. Damit kehrt sich ihr Argument für den Schöpfer um in eines dagegen. Dies ist ein guter Anlass, um nicht an Gott zu glauben.

Man muss sich wundern, warum von Dawkins Kritikern so viele darauf beharren, dass er keinen vernünftigen Grund angegeben hat, einen Schöpfergott für unmöglich bzw. fraglich zu halten. Das liegt daran, dass es bei den Gläubigen einen weiteren Glaubenssatz gibt, nachdem man Gott nicht beweisen und nicht widerlegen kann. Da es unvorstellbar ist, kann man Dawkins Argumentation ignorieren und muss sich nicht damit befassen.

Es gehört allerdings zu den wissenschaftlichen Prinzipien, das man alles, was eine Wirkung in der Welt hat, auch beweisen oder widerlegen kann. Bestreitet man dies für etwas, dann weist man es damit einer Sphäre zu, die keinen Einfluss auf unsere Umwelt hat.

Diejenigen, die das dennoch bemerken, geben in der Regel drei Einwände an. Der eine, in dem man die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Bakterie für unvergleichbar hält mit der Tatsache, dass es ihren Gott »schon immer« gegeben hat. Darauf bin ich oben eingegangen: Es macht keinen Unterschied, ob ich eine Evolution annehme, oder »einfach so« voraussetze, dass alles schon da war. Es wird sogar schlimmer, wenn ich nichts dergleichen denke.

Der zweite Vorbehalt sieht vor, dass Gott ganz simpel ist. Ein Bakterium ist komplexer, daher kann es nicht von alleine entstehen. Das ist ein fragwürdiger Einspruch, denn dem Schöpfer wird ein Bewusstsein zuerkannt. Das setzt voraus, dass »etwas« vorhanden ist, das aufwendige Informationen verarbeitet, ein enormes Wissen besitzt und Handlungsmacht. Ein solches Wesen benötigt viele Möglichkeiten, die sich in seiner inneren Struktur widerspiegeln müssen. Bestreitet man dies, so muss man sich fragen, wieso eingewendet wird, dass ein einfaches biologisches Lebewesen einen Schöpfer benötigt, der aber simpler ist, und trotzdem schon ein Bewusstsein besitzen kann. Dann müsste eine Bakterie auch über die Fähigkeit verfügen, sich ihres Daseins bewusst zu sein, denn das erfordert kaum besondere Voraussetzungen.
Der dritte Einwand bezieht sich darauf, dass Gott aus reinem Geist besteht und die Gesetze der Materie daher für ihn nicht gelten. Wenn es für Geistwesen so einfach ist, zu existieren, müsste man dann nicht annehmen, dass es eine Fülle von ihnen gibt? Wieso nur einer? Denn, Gott ist nicht der Schöpfer des Geistigen – denn das setzt notwendig voraus, dass Gott sich selbst erschaffen hat. Dazu muss er vorhanden sein, bevor er existiert, und das ist absurd. Er ist nicht »der Urheber aller Möglichkeiten«, weil er den Umstand, zu handeln und hervorzubringen, sich nicht selbst verliehen haben kann. Derselbe Vorbehalt gilt für die Ausrede, dass er die Logik erfunden und eingesetzt hat. Dies konstruiert die abenteuerliche Prämisse, dass es einst einen Zustand gab, in dem keine Regeln Abläufe bestimmten. Das Potenzial, zu denken, zu planen, sich seiner selbst bewusst zu sein, setzt regelbasierte Reflexion voraus. Ohne Logik gab es keinen Grund, warum nicht etwas aus dem Nichts entsteht, von beliebiger Komplexität. Dann ist ein Schöpfergott vollkommen verzichtbar! Außerdem wird damit jedes Argument für Gott für ungültig erklärt – und jeder mögliche Einwand, den man gegen Beweisführungen anführen kann.

Man argumentiert logisch, um seinen Punkt zu etablieren, und bestreitet dann jede Logik, um Gegenargumente zu entkräften. Damit kann man jeglichen Blödsinn begründen, und nur der hat derartige rhetorische Manöver auch nötig. Damit katapultiert man sich ebenso aus jedem Diskurs, wie man sich für ein Fußballspiel disqualifizieren würde, bei dem man die Regeln nach Gutdünken ein- und wieder außer Kraft setzt. Außerdem, wenn für Gott nicht einmal die Regeln der Logik gelten – dann ergibt die ganze Religion überhaupt keinen Sinn.

Der Punkt illustriert die zwei Fehler eines jeden kosmologischen Gottesbeweises: Man nimmt eine Eigenschaft unseres Universums, z. B. den, Komplexität zu beinhalten. Dann argumentiert man, dass dies nicht von selbst geworden sein kann. Daraus schließt man auf Gott, den Urheber dieser Eigenart.

Jedes Argument, das man dafür anführen kann, dass die infrage stehende Charakteristik der Welt »nicht von alleine entstanden sein kann, oder durch Zufall«, kann man gegen Gott richten. Es spielt keine Rolle, ob man dafür Design, Komplexität, Ordnung, Finetuning oder sonst was nimmt. Jedes Argument, mit dem man etablieren kann, dass dieses nicht für Gott gilt, kann man auch für unseren Kosmos vorbringen. Um das zu verbergen dichtet man dem »außerkosmischen Alien« allerhand fantastische Eigenschaften an. Je mehr man das macht, umso weniger wahrscheinlich wird die Existenz dieser außergewöhnlichen, unvergleichlichen und sonderbaren Regeln unterliegenden Lebensform. Dies geschieht zudem durch Ad-hoc-Argumente, die man »einfach so«, also ohne Grund, nach Bedarf angibt. Man formt sich so einen Gott aus beliebiger Knetmasse, der immer ganz genau die Attribute besitzt, die man gerade in der Diskussion benötigt, um ein Gegenargument konstruieren zu können. Nur eine reine Fantasiegestalt besitzt diese Fähigkeit, sich chamäleonartig den gerade aktuellen Wünschen des Gläubigen anzupassen und per Hokuspokus jeden Satz an Fertigkeiten anzunehmen, der gerade gebraucht wird. Es wird übersehen, dass jedes neue Argument, warum Gott das doch kann, auch für das Universum gelten könnte.

Denn, wie gesagt, was im obigen Absatz steht, kann gegen jeden Einwand vorgebracht werden, immer. Das Schema wiederholt sich:

Das Universum kann Eigenschaft X nicht haben.
Gott muss diese Eigenschaft haben.
Wenn Gott diese Eigenschaft haben kann, kann das Universum das auch.
Wenn das Universum diese Eigenschaft nicht haben kann, kann Gott sie auch nicht haben.
X kann alles sein, Ordnung, Komplexität, Leben, Bewusstsein, Design.

Das gilt für alles, mit dem man Gott von der Welt differenziert. Deswegen gibt es kein gültiges kosmologisches Argument, gleichgültig, mit welchen Eigenschaften man auch argumentiert. Zwischen dem Universum und Gott gibt es aber einen erheblichen Unterschied: Für die Existenz des Universums muss man nicht argumentieren. Wäre dies fraglich, dann übertrüge sich dies auch auf den Schöpfer – es ist kein Schöpfer für etwas notwendig, was es nicht gibt.

Und daher hat Richard Dawkins aus dem ungültigen Argument für Gott ein gültiges gegen Gott gemacht, das man nicht so leicht kontern kann. Was wiederum bedeutet, dass es eine rationale Rechtfertigung für den Atheismus gibt, aber keine für den Theismus. Dass sich seine Kritiker so schwer damit tun, diesen Umstand zu akzeptieren, ist nicht weiter verwunderlich.

Denn wie nennt man einen Sachverhalt, für den man keine gültigen Argumente findet, aber sehr wohl valide dagegen? Richtig, man nennt ihn falsch. Es hilft nichts, lauter Sonderfälle für einen Gott zu konstruieren, weil man das auch für jeden anderen Unsinn kann. Damit bringt man seinen Gott auf das Niveau von Humbug.

Wenn es für eine Position ein Übergewicht an Argumenten gibt, dann ist es kein Dogmatismus, diese vorzuziehen. Speziell Dogmatiker urteilen oft sehr vorschnell, wenn sie eine andere Ansicht als »dogmatisch« bezeichnen, ohne zu bedenken, dass wenn jede Meinung so beschrieben wird, der Begriff jeden Sinn verliert.

Wenn wir also sehen, dass es bei Gottgläubigen es keine gültigen Rechtfertigungen für ihren Glauben gibt, aber sehr wohl valide Beweise dagegen, dann ist Atheismus keine Folge einer Dogmatik. Dass es keine Beweise gegen Gott geben kann, ist eine einseitige Position, die zudem nur für eine bestimmte Klasse von Göttern gilt.

Wenden wir uns nun einem anderen Einwand zu, der gegen das Buch »Der Gotteswahn« von Richard Dawkins erhoben wird, und zwar nicht nur von Gläubigen. Warum hat Dawkins den Glauben an Gott als einen »Wahn« bezeichnet?

Es gibt bei Psychologen und Psychiatern eine gemeinsame Definition der Bezeichnung »Wahn«. Eine Vorstellung gilt als wahnhaft, wenn folgende drei Kriterien erfüllt sind:

1. Es muss sich um eine starke, subjektive Überzeugung handeln.
2. Diese muss unkorrigierbar sein, d. h., sie ist weder durch Fakten noch durch Argumente widerlegbar.
3. Der Inhalt der Ansicht ist entweder logisch unmöglich, oder sehr unwahrscheinlich.

Gerade bei Fundamentalisten kann man das erste Kriterium als gegeben ansehen. Das zweite ist ebenso erfüllt, denn es wird ja behauptet, dass es keine Möglichkeiten gibt, die Nichtexistenz von Gott zu beweisen! Das ist aber ein Bestandteil des Glaubens selbst. Die meisten Theisten kennen nicht einmal die Argumentationen, die gegen Gott vorgebracht werden bzw. ignorieren sie, weil es sie angeblich nicht geben kann. Meist beschäftigt man sich nicht damit, aber was immer auch der Anlass dafür ist, es bestätigt, dass das zweite Merkmal zutrifft.


Dem dritten Kennzeichen wird Genüge getan durch den von Dawkins vorgebrachten Beweis, der für die Unwahrscheinlichkeit des Existenz Gottes spricht. Man kann diesem dritten Grund nicht dadurch widersprechen, dass man die Beweisführung ignoriert oder ohne weiteres abtut.


Man kann dies auf verschiedene Weise begründen:

1. Nichtexistenz ist immer wahrscheinlicher als Existenz. Deswegen existiert Ockhams Rasiermesser: Man sollte nicht ohne Grund die Anzahl der Entitäten erhöhen.
2. Je fantastischer die Eigenschaften eines Sachverhalts sind, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass dieser besteht. Dass es eine Person namens Hans Otto Mayer gibt, ist hoch wahrscheinlich (obwohl ich den Namen gerade erfunden habe). Dass dieser Mensch blonde Haare hat und grüne Augen schon weniger. Dass aber dieser Herr ein reiner Geist ist (so etwas hat man noch nie beobachtet) und telekinetische Fähigkeiten besitzt und Gedanken lesen kann, ist so weit abseits aller Erfahrung, dass man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass ich mir das nur ausgedacht habe. Die Eigenarten Gottes sind allerdings noch sehr viel phänomenaler.
3. Die Gläubigen haben keine einheitliche Definition oder Vorstellung von Gott. Das ist ein guter Beweis dafür, dass er eine Erfindung ist.
4. Es gibt eine Reihe von Argumenten, die zeigen, dass die Merkmale Gottes in sich widersprüchlich sind. Demnach wäre seine Existenz logisch unmöglich.

Somit sind alle drei Kriterien erfüllt, es ist daher berechtigt, von einem »Wahn« zu reden. Wir reden beispielsweise von einem Hexenwahn, weil ebenso die drei aufgeführten Teile der Definition erfüllt waren:

1. Es gab Leute, die sehr stark davon überzeugt waren, dass es Hexen gab.
2. Man erkannte keine Gegenbeweise an. Wie sollte eine Frau auch beweisen, dass sie keine Hexe war? Das war unmöglich!
3. Die angeblichen Eigenschaften einer Hexe waren sehr unwahrscheinlich.

Hier ist es so, dass die Unkorrigierbarkeit des Glaubens zu schwerem Schaden geführt haben – Menschen wurden deswegen umgebracht. Dass gerade innerhalb des Christentums sich ein solcher Wahn Bahn brechen konnte, ist ein weiteres Argument dafür, dass das Rahmenwerk selbst wahnhafte Züge aufwies. Der Glauben an Gott selbst richtet noch keinen Schaden an, wir betrachten einen Wahn erst dann als behandlungsbedürftig oder gefährlich, wenn er bei den Betroffenen oder Dritten zu Leid führt. Das ist aber keine Voraussetzung für die Klassifikation!

Es ist der Definition nach also korrekt, wenn man den Glauben an Gott als einen »Wahn« bezeichnet. Es spielt keine Rolle, ob nur einer oder die Mehrheit daran leidet. Es macht auch keinen Unterschied, wenn die Betreffenden nicht darunter leiden, sondern sich wohl damit fühlen.

Es ist übrigens auch nicht so, dass die Psychiater die objektive Rechtfertigung für den Titel bestritten haben. Sie waren nur der Meinung, dass es kontraproduktiv sei, den Menschen das vor Augen zu führen. Es gibt eine gewisse Scheu davor, den Leuten die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, bzw. eine Ansicht, die sie als unangenehm empfinden könnten. Das gilt ganz besonders für Religionen, die gerne einen »außerordentlichen Respekt« einfordern.

Man darf, so entspricht es der allgemeinen Auffassung, zwar für sich sagen, dass die Religion des anderen falsch ist. Aber es wäre unhöflich, dies öffentlich zu äußern! In diesem Sinne ist Wissenschaft immer wenig galant: Es gehört zu ihren Prinzipien, den Mitmenschen rundheraus  zu sagen, wenn man Gründe gefunden hat, eine Anschauung für falsch zu befinden.

Nun verhält es sich so, dass zwar die Juden sagen, dass die Christen und Muslime einer falschen Religion anhängen, und die Christen denken dasselbe von der jüdischen und islamischen Sichtweise, während wiederum die Muslime das Gleiche von Juden und Christen meinen. Aber ausgerechnet die Atheisten, die allen drei Gruppen zustimmen, sollen das nicht sagen dürfen? Das ist eine sehr befremdliche Ansicht von Meinungsfreiheit.

Man darf den öffentlichen Frieden nicht stören. Da fragt man sich doch gleich, wieso sich Christentum und Islam als friedlich bezeichnen, wenn sich deren Getreue so leicht durch Meinungsäußerungen stören lassen, dass sie unfriedlich werden! Man könnte es den Religiösen fast abnehmen, an sich gutmütige Menschen zu sein, wenn nicht diese schnelle Gereiztheit zu bemerken wäre. Zudem ist diese allgemeine Kritikunfähigkeit ein Zeichen dafür, dass das zweite Kriterium erfüllt ist, und es deutet darauf hin, dass man sich nicht so sicher ist, wie man vorgibt. Schnell beleidigt zu sein gehört jedenfalls nicht zu den Charakterzügen, die ich von friedlichen Personen erwarte. Es ist eher ein Charakteristikum von Leuten mit psychischen Problemen, die nicht in sich gefestigt sind und einen Mangel an Gelassenheit besitzen. Was waren noch mal gleich die Vorteile der Religion?

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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