„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Gottesbeweis mit der Thermodynamik

àHauptsätze der Thermodynamik

In den letzten Jahren hört man von Kreationisten aus den USA ab und an das Argument, dass aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik die Existenz eines Gottes folge. Das Ganze ist ein wenig albern, aber der Vollständigkeit halber …

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt angewandt auf unseren Fall, dass ein kühler Gegenstand die in ihm enthaltene Restwärme nicht ohne weiteres auf einen daneben liegenden warmen Körper übertragen kann. Das Phänomen ist aus dem Alltag bekannt: Kippt man heißen Tee in eine kalte Tasse, wird der Tee etwas kälter und die Tasse etwas wärmer. Was gemäß der Thermodynamik nicht passiert, ist, dass die Tasse ultrakalt wird und der Tee zu kochen beginnt. Irgendwann, so die Konsequenz, sind alle beteiligten Objekte gleich warm.

Der Hitzetod des Universums

Auf das Universum übertragen, bedeutet das: Wenn alle Sonnen verbrannt sind, die Wirkung der Gravitations- und Rotationskräfte nachlässt, und die Galaxien immer weiter vom Punkt des Urknalls weg fliegen, verteilen sich Materie und Energie irgendwann völlig gleichmäßig im Raum. Es gibt keine Planeten mehr, keine Materiewolken, keine Energiefunken, nichts. Das Universum ist tot.

Einige Religionisten glauben nun, dass sich hiermit die Evolution widerlegen und somit die Existenz ihres Gottes beweisen ließe. Die Argumentation geht dabei etwa so: “Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik sagt, dass die Energie sich in geschlossenen Systemen im Laufe der Zeit gleichmäßig verteilt. Auf der Erde ist die Energie nicht gleich verteilt: Es gibt hoch entwickelte Lebewesen, die viel Energie benötigen, und energiearme Steine, die gar keine benötigen. Es gibt heiße Wüsten und die kalten Pole. Da das gleichmäßige Verteilen der Energie viel Zeit benötigt, kann die Erde noch nicht so alt sein. Sie ist daher jung. Wir haben die Bibel gelesen und sind auf ein Alter von 6.000 bis 10.000 Jahren gekommen. Diese Zeit reicht nicht für die Evolution, von der diese Eierköpfe immer reden. Die Evolutionstheorie ist somit widerlegt. Da es auf der Erde trotzdem sehr viele Wesen gibt, müssen diese auf anderem Wege entstanden sein. Sie wurden von Jahwe geschaffen, der daher existieren muss. Voilà!”

Aber nur in geschlossenen Systemen, du Dummie!

Der Teufel (no pun intended!) steckt hier wie immer im Detail: Der zweite Hauptsatz setzt nämlich ein geschlossenes System voraus, in dem es also keinen Einfluss von außen geben darf. Stellt man sich also die Tasse und den Tee isoliert und allein im Weltall vor, wird die Wärmeenergie in der Tat ziemlich schnell gleichmäßig verteilt. Stellt man jetzt aber einen Heizstrahler neben die Tasse, ändert sich die Situation: Eine Seite der Tasse wird etwas wärmer, die andere kühler. Nun wird die Erde bekanntermaßen von einem ziemlich großen Heizstrahler gewärmt, der sie ständig mit neuer Energie beliefert; sie dreht sich, eiert dabei leicht und zieht in unterschiedlichen Entfernungen an dem Strahler vorbei. Die Erde ist also nicht isoliert, und stellt daher aus Sicht der Thermodynamik kein geschlossenes System da. Der zweite Hauptsatz gilt für die Erde also nicht. Der Gottesbeweis durch Thermodynamik ist daher gescheitert.

Übrigens: Falls man den so souverän mit Thermophysik hantierenden Religionisten ärgern möchte, kann man ihn fragen, wie denn der erste oder der dritte Hauptsatz der Thermodynamik lauten. Naja. Falls man in den USA ist und nicht schneller rennen kann als eine Gewehrkugel, vielleicht auch besser nicht.

Gastbeitrag aus: manglaubtesnicht

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Montag, 25 April 2016 10:01)

    Interessanter Kommentar von Alexander Leibitz:


    ""Der Gottesbeweis bezeichnet einen Versuch, die Existenz Gottes mit Hilfe der Vernunft zu beweisen."

    Das ist eine einigermaßen triviale Feststellung, denn der Astronom hat bereits die Existenz der Venus, des Mars und des Jupiters behauptet, aber ebenfalls noch nicht bewiesen, dass diese Gegenstände
    genau nur so heißen, wie bloß von ihm behauptet.

    Es fehlt also nicht nur ein Gottesbeweis, sondern auch ein Jupiterbeweis, einen Kaffeemaschinen-beweis und überhaupt aller mögliche Beweis. Oder anders gesagt. Der Naturwissenschaftler hat noch nicht
    auch nur irgendeine Aussage oder Definition bewiesen / verifiziert.

    Jede Nominaldefinition hat die Form eines assertorischen Satzes ("A steht für B" od. "A heist B" od. "A = B").

    So ist zum Beispiel auch die Behauptung, derzufolge die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten nicht etwa "Gott" oder "Allmacht", sondern Energie heißt (und ist und existiert), nichts wie nur behauptet und
    geglaubt, denn ich glaube vielmehr, dieselbe Fähigkeit heißt nicht Energie, sondern GOTT.

    Das Glauben oder Geloben und das Definieren diverser "Namen" / Nomen bezeichnet eigentlich nur ein und dieselbe Tätigkeit:

    "Ich gelobe, dass die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten GOTT heißt". Das unterscheidet sich von einer banalen Nominaldefinition in überhaupt gar nichts. Folglich ist auch noch nicht bewiesen oder etwa
    "gesehen" worden, dass Energie existiert, denn wie etwas heißt, kann man ja nicht sehen.

    Wenn so ein Beweis ganz unbedingt klappen soll, kann er also nur "etymologisch" angepackt werden, denn allein die Etymologie weist nach, welche Nominadefinitionen wahr oder widersprüchlich sind.
    Widersprüchliche Sätze sind falsche Sätze - siehe dazu auch den "Satz vom ausgeschlossenen Dritten". Aus der (stoischen) Etymologie geht auch hervor, dass nicht auch nur irgendein Nomen auf
    handgreifliche Gegenstände referiert.

    Wann immer jemand glaubt, dass der Name einen handgreilfichen Gegenstand bezeichnet, frönt er einem Aberglauben, und eben der ist in den Naturwissenschaften schon am allerweitesten verbreitet.

    Etymologisch ist schon längst nachgewiesen, dass der Ausdruck "Gott" nichts anderes, wie nur das "Gut" oder die "Güter" bezeichnet - verwandt mit (alat.) "cudo", (mlat.) "causa" und (nhd.) "Guss"
    oder "Kuss".

    Das GUT im Sinne von "Ware" (Gütern) wurde aber auch schon von den Physikern in eine Äquivalenz zur Energie gestellt. Insofern diskutiert man in Sachen "Gottesbeweis" nur ein terminologisches
    Missverständnis: "Energie" bezeichnet dasselbe, wie der Ausdruck "Allmächtiger" - die Personifizierung kann man ja weglassen, wenn sie einem nicht behagt, doch in aller Konsequenz sollte man dann
    auch den Menschen und / oder den Affen nicht personifizieren.

    Ein weiteres Missverständnis resultiert aus der Tatsache, dass das "Sein" und "Tun" von (agr.) "thein" kommt, im Griechischen jedoch durch den Ausdruck "Theos" substantiviert wird. Daraus folgt
    nämlich, dass der Gottesbeweis eigentlich ein "Seins~ oder Existenzbeweis" ist. Derselbe kann also überhaupt jede nominal angeführte Sache betreffen. Dass er fehlt, sagt lediglich, dass die Existenz
    nicht auch nur irgendeiner nominal erwähnten Sache erbracht worden ist."


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