„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

christliche Moral

àChristentum

Warum Christen die besseren Menschen sind

In einer Diskussion mit Christen kommt man häufig wieder an den Punkt, wo die angebliche moralische Überlegenheit der Christen das Thema ist. Das wird durch zwei Manöver eingeleitet, manchmal durch beide fast gleichzeitig. Der schnelle Weg geht so:

 

"Hitler (oder Stalin oder eine andere unbeliebte Gestalt der Weltgeschichte) war ein Atheist!"

 

Hier wird folgender Dreisatz benutzt bzw. impliziert - sozusagen die "Mutter aller logischen Fehlschlüsse". Der Dreisatz geht so:

·      Stalin war ein böser Mensch.

·      Stalin war Atheist.

·      Folglich sind Atheisten böse Menschen (oder der Atheismus selbst ist böse oder macht die Menschen böse - die "freundliche" Variante).

Bei Hitler funktioniert das nicht ganz so gut, weil Hitler ein überzeugter Katholik, also ein Christ war (nach dieser Logik wären dann die Katholiken die bösen Menschen, ein echtes Eigentor - dazu später mehr).

 

Für viele Menschen wirkt dieser Dreisatz doch recht überzeugend. Denn die "Urform" der logischen Schlüsse funktioniert so:

  • Alle Menschen sind sterblich.
  • Sokrates ist ein Mensch.
  • Folglich ist Sokrates sterblich.

 

Ein logischer, korrekter Schluss: Aus zwei Prämissen wird ein logischer Schluss gezogen - genau so wie in dem Stalinbeispiel! Beides sind "korrekte logische" Schlüsse (so scheint es)! Erinnern wir uns: Eine logische Schlussfolgerung ist genau dann richtig, wenn die Prämissen wahr sind und der Schluss richtig abgeleitet wurde. Ist eine der Prämissen falsch und/oder wird der Schluss falsch gezogen, ist das Ergebnis auch falsch. Was es nicht gibt: Das man wahre Prämissen hat, richtig schließt, und dann zu einer falschen Schlussfolgerung kommt. Ist die Schlussfolgerung falsch, dann ist der Schluss falsch gezogen und/oder mindestens eine der Prämissen falsch.


Der Unterschied in obigem Beispiel liegt in dem Wort "Alle". Hier wird die Menge aller Menschen angesprochen und denen ein Attribut zugesprochen. Wenn es für alle Elemente der Menge gilt, gilt es auch für ein beliebiges einzelnes Element. Folgende Schlussfolgerung wäre korrekt, wenn die erste Prämisse (der erste Satz) stimmen würde:

·         Alle Atheisten sind böse Menschen.

·         Stalin war Atheist.

·         Folglich ist auch Stalin böse.

Aber da die erste Prämisse falsch ist, ist auch die Schlussfolgerung falsch - auch wenn Stalin das Musterexemplar eines bösartigen Atheisten war, aus den Sätzen oben kann man diese Schlussfolgerung nicht ziehen (man kann also auch durch falsches Schließen auf richtige Sätze stoßen - aus demselben Grund, aus dem man sich verrechnen kann und doch zum richtigen Ergebnis gelangt).


Der obige Dreisatz wäre so richtig:

·         Alle Atheisten sind Menschen.

·         Stalin war ein Atheist.

·         Folglich war Stalin ein Mensch.

Das aber ist wohl keine bahnbrechende Neuigkeit. Ansonsten kann man anhand von Einzelbeispielen (also einem einzigen bösen Atheisten) nicht auf eine Gesamtmenge schließen. 

Deswegen wird dann auch meist anders argumentiert (nach dem auch der Letzte eingesehen hat, dass das Argument ungültig ist - das kann manchmal dauern, und auch die Einsicht hindert leider niemanden daran, nächste Woche mit einer ähnlichen Schlussfolgerung zu kommen). Und viele Christen finden die folgende Argumentation leider oft noch sehr gut (ich bin bislang nur einer Minderheit begegnet, die darauf verzichtet hat). Meist kommt dieses Argument, nachdem im ersten Dreisatz zuerst "Hitler" für Stalin eingesetzt wurde, und man einwendet, Hitler sei ein Christ (Katholik) gewesen. Dann folgt ziemlich oft
folgender Satz (das zweite Manöver):

"Hitler war kein echter Christ - dies kann man schon an seinen Taten erkennen". 

Denn wenn der obige Schluss gültig wäre, dann würde er jetzt "beweisen", dass alle Christen böse Menschen wären (der Schluss bleibt aber auch dann ungültig und beweist nichts). Wenden wir uns aber wieder dem Satz zu "Hitler war kein echter Christ" und seinen Implikationen. Ich benutze wieder eine Fallunterscheidung, um keine Möglichkeit auszulassen, und beweise Ihnen nun, dass Christen prinzipiell die besseren Menschen sind (immer mit einem Beispiel):

1.    X ist ein Christ, und X ist ein guter Mensch (Albert Schweitzer).

2.    X ist ein Christ, und X ist ein böser Mensch (Adolf Hitler).

3.    X ist kein Christ, und X ist ein guter Mensch (Mahatma Gandhi).

4.    X ist kein Christ, und X ist ein böser Mensch (Joseph Stalin).

Diese Möglichkeiten gibt es. 1. zeigt, dass es gute Christen gibt und bestätigt die Ausgangsthese. 2. kann nicht vorkommen, denn Hitler zeigt an seinen Taten, dass er kein Christ war. 3. ist neutral, und 4. zeigt, dass Nicht-Christen böse sind. Deswegen ist die Ausgangsthese (Christen sind die besseren Menschen) bestätigt. Manchmal wird noch hinzugefügt, jemand wie Mahatma Gandhi sei "eigentlich" ein Christ, was ja auch für die Ausgangsthese spräche, wenn es nicht nur von Unkenntnis über die Person Mahatma Gandhi zeugte.


Wer erkennt den Denkfehler?  [
1] Wenn Sie ein bisschen von meiner Website gelesen haben, dann können Sie das im Schlaf. Wenn Sie ein Fundamentalist sind, dann werden Sie den Fehler vermutlich nicht sehen (das ist ein guter Test). Genau genommen stecken zwei Denkfehler darin, denn wir schließen von Einzelpersonen auf eine Gesamtheit, und das ist meist falsch. Aber wir können die Menge einfach vermehren (bis sie theoretisch alle Menschen umfasst) und der Beweis ist immer noch gültig.


Lösung: 2. wäre eine Widerlegung der Ausgangsthese, aber genau dieser Fall wird explizit ausgeschlossen. Alle anderen Beispiele bestätigen die Ausgangsthese oder sind neutral.


Das Ausschließen geschieht über einen logischen Zirkel. Wir wollen erkennen, ob Christen die besseren Menschen sind oder nicht. Dazu untersuchen wir nacheinander die Menschen. Sobald wir auf einen Menschen wie Adolf Hitler stoßen, nehmen wir ihn aufgrund der zu prüfenden Eigenschaft aus der Betrachtungsmenge aus. Deswegen können wir nie auf eine Person treffen, die die Ausgangsthese widerlegt. Da wir die Ausgangsthese nicht widerlegen können, muss sie wahr sein (ein weiterer grober Trugschluss). Warum ist das ein Trugschluss? Weil wir die These "Alle Christen sind gut" einfach umdrehen können zur Antithese "Alle Christen sind böse". Dann wird 2. unsere Antithese bestätigen, 3. ist eine Bestätigung, 4. ist neutral, und 1. ist eine Ausnahme - abgesehen davon ist Albert Schweitzer kein "wahrer Christ", denn er leugnete die Historizität von Jesu, er gab seine religiösen Studien auf  [
2]. Wir können derartige Ausreden für jede Person finden, die nicht zu unserer Antithese passt. Also sind These und Antithese, die sich widersprechen, beide zugleich wahr und beide sind falsch.


Das Ganze wird vielleicht klarer, wenn wir es abstrakt machen. Ich werfe eine Reihe von roten und blauen Würfeln auf den Tisch und beweise Ihnen jetzt, dass alle Würfel rot sind. Ich nehme alle Würfel nacheinander in die Hand und prüfe, ob meine These ("Alle Würfel sind rot") stimmt. Sobald ich einen blauen Würfel in die Hand bekomme, lege ich den beiseite mit der Bemerkung, dass ein Würfel ja rot sein müsse, dieses Ding aber sei blau und daher kein Würfel. Und am Ende habe ich "bewiesen", dass alle Würfel rot sind und alles, was nicht rot ist, ist kein Würfel. So einfach geht das. Warum wird das klarer, wenn wir es abstrakt machen? Weil dann unsere Wünsche, was denn nun wahr ist, keine Rolle spielen! Sonst wird immer die These bevorzugt, die unseren unbewussten Wunschvorstellungen entspricht - ohne dass wir es merken.


Sie glauben nicht, wie viele (teilweise intelligente) Menschen diesen Trick benutzen. Oder auf ihn hereinfallen. Durch geschickte Auswahl der zu untersuchenden Menge und in dem man die "richtigen" Elemente vorher aus der Menge ausschließt kann man so einiges "beweisen".


Probieren Sie es aus. Wenn die Diskussion länger dauert, dann kommt dieses Manöver mit ziemlich großer Sicherheit. Und ebenfalls viele Menschen werden die Widerlegung dieses angeblichen "Beweises" nicht auf Anhieb verstehen (wollen?). Dem Rest ist diese Argumentationsweise auch nur manchmal peinlich. Einige wiederholen nach der Widerlegung diesen Beweis in ähnlicher Form (meist aber mit einigem zeitlichem Abstand - wohl in der Hoffnung, Sie hätten inzwischen vergessen, wie die Widerlegung funktioniert).


Ich möchte keinem, der ähnliche Manöver benutzt, böse Absicht unterstellen. Viele haben es so gelernt und "glauben" selbst an diese Art der Logik (durchschauen sie aber meist, wenn man die Methode gegen sie kehrt). Es gibt auch ein paar, die diese Methode in vager Kenntnis ihrer Falschheit einsetzen, "weil es einer guten Sache dient". Sehr, sehr selten findet man jemanden, der diesen Trick mit voller Absicht und in voller Kenntnis einsetzt (das sollte man im Hinterkopf behalten - es kommt selten vor). Wenn es jemand trotzdem mit Absicht machen sollte, sollte man vorsichtig sein - man ist an einen Demagogen geraten (meist ein Fundamentalist), und solche Leute sind gefährlich.

 

Häufig wird dieses Argument durch die Pseudo-Begründung gestützt, es gäbe einen Unterschied zwischen "realem" und "idealem" Christentum. Wird eine (beliebige) These durch Fakten bestätigt, dann wird das "reale" Christentum zur Argumentation benutzt. Kollidieren die Tatsachen mit der Behauptung, dann wird das "ideale" Christentum zur Begründung herangezogen. Die widerlegende Tatsache wird uminterpretiert oder "wegerklärt". Dies kann man aber auch für die jeweils gegenteilige Auffassung machen. Dann sind These und Antithese zugleich wahr, was man davon "glaubt", ist beliebig. Tatsächlich bezieht sich Glauben meist auf Dinge, von denen genauso gut das Gegenteil wahr sein kann, und wir das Gegenteil mit denselben Argumenten und denselben Tatsachen auf dieselbe Art stützen können.

Eine weitere Methode des "Beweises" möchte ich Ihnen noch zeigen:

1.    Sünde ist definiert als Gottesferne - je ferner von Gott ein Mensch ist, umso sündiger ist er.

2.    Sünde ist ein amoralisches (= anti-moralisches, unmoralisches) Verhalten.

3.    Ein Atheist glaubt nicht an Gott, ist damit Gott so fern, wie man es nur sein kann.

4.    Deswegen ist ein Atheist ein sündiger Mensch.

5.    Da Sünde ein amoralisches Verhalten ist, sind Atheisten (generell) Menschen ohne Moral.

In der letzten Schlussfolgerung stecken zwei falsche Schlüsse. Aber schon die Prämisse 2. ist falsch, nach moderner Theologie gibt es nicht den geringsten Grund, Sünde und amoralisches Verhalten als äquivalent (= gleichwertig) anzusehen. Sünde ist allenfalls eine spezielle Form amoralischen Verhaltens, die nur Christen etwas angeht, aber keinen Atheisten. Da ein Atheist nicht an die Existenz von Gott glaubt, kann ein Atheist nicht "fern von Gott" sein. Wie können Sie die Entfernung zu etwas angeben, was nicht existiert? Daher ist auch der Satz 3. falsch (nur der zweite Halbsatz, der erste ist richtig). Wenn 3. falsch ist, kann auch die Schlussfolgerung 4. nicht richtig sein. Damit ist auch die Schlussfolgerung 5. falsch.


Da steckt natürlich noch ein weiterer falscher Schluss in der Schlussfolgerung. Nämlich die, dass ein Dieb wahrscheinlich auch ein Mörder ist. Und dass jemand, der lügt, wahrscheinlich auch stiehlt. Deswegen sind Lügner auch potenzielle Mörder. Oder (das ist eine fragwürdige moralische Generalisierung)? Hier ist der Schluss natürlich deswegen noch abenteuerlicher, weil "Sünde" ein "Verbrechen" ohne Opfer ist, das ein 
Atheist unmöglich begehen kann. Daraus auf das generelle moralische Verhalten zu schließen ist zutiefst unfair und unredlich. Man sollte Christen, die solche Ansichten verbreiten, entschieden entgegentreten - denn nach ihrer eigenen Moral ist diese Äußerung selbst moralisch verwerflich (Und du sollst kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen). Wenn man diese moralische Generalisierung gelten ließe (was man nicht tun sollte), hätte in einer Diskussion, in der ein Christ die hier kritisierte Auffassung vertritt, durch sein praktisches Handeln seine "generelle Amoralität und Unredlichkeit bewiesen". Er sollte also froh sein, dass wir diese Art von Pseudo-Beweisen nicht akzeptieren.


Wie sieht es nun mit dem tatsächlichen moralischen Verhalten von Christen und 
Atheisten aus? Nicht sehr gut. Generell kann man eher sagen, dass religiöser Glauben und moralisches Verhalten sehr, sehr schwach zusammenhängen, und wenn es eine Korrelation gibt, dann ist sie nicht positiv (hier ein Bericht über eine Untersuchung. Dies gilt zumindest für die Vergangenheit, und wenn wir dem Fundamentalismus nicht Einhalt bieten, eventuell auch für die Zukunft.


Warum finden es (relativ viele, aber längst nicht alle) Christen gut, 
Atheisten moralisch zu diskreditieren? Zum einen spielt der Glaube eine Rolle, ohne eine höchste moralische Instanz (= Gott) gäbe es keine Moral. Dahinter steckt die Grundannahme, ohne eine absolute Moral (also eine moralische Letztbegründung) gäbe es auch kein moralisches Verhalten (eine Auffassung, die empirisch widerlegbar ist). Zum anderen eröffnet es in Diskussionen die beliebte Möglichkeit, ad hominem (= gegen den Menschen) zu argumentieren. Ad hominem ist eine beliebte Argumentationsmethode, wenn die eigenen Argumente schwach sind. In dem man die Person angreift, versucht man die Argumente zu "entkräften".


Die "Logik" funktioniert so (man kann es nur karikieren): "Hitler hat behauptet, 2 + 2 = 4. Wir alle wissen, dass Hitler ein schlechter Mensch war und sich oft geirrt hat. Deswegen ist die Behauptung, 2 + 2 = 4 falsch". Aus demselben Grund wird oft versucht, auf die Motive hinter den Argumenten zu schließen, um über eine Diskreditierung des Menschen seine Argumente zu schwächen ("Du versuchst, den Glauben an Gott zu schwächen, weil Du neidisch auf unsere Glaubensfestigkeit bist!"). Demagogen beherrschen diese Taktik oft perfekt und sie ist demagogischer Art. Liberale Christen erkennt man daran, dass sie sich solcher "Argumente" enthalten.


Einer der Hauptgründe, warum es so lange gedauert hat, bis der sexuelle Missbrauch von Kindern durch Priester zu einem Skandal wurde, ist in dem Vorurteil zu sehen, dass "Christen doch stets gute Menschen sind", besonders, wenn es sich um Priester handelt. Wie dieses Vorurteil zustande kommt und genährt wird, konnten Sie hier sehen. Die Bösen sind immer die Anderen (vor allem die anders Denkenden).


Übrigens werden die Argumente nicht besser, wenn man sie nun "umdreht" und gegen die Christen verwendet. Weltanschauungen sind etwas, was sich überwiegend im Kopf der Menschen abspielt. Man sieht es den Menschen nicht an, was sie denken oder glauben. Oft hat es sogar erstaunlich wenig Einfluss auf ihr Handeln. Und weil es nicht so erkennbar zusammenhängt, kann man auch immer behaupten, jemand, der sich schlecht benimmt, gehört "in Wahrheit" nicht der eigenen Weltanschauung an. Argumente lassen sich immer finden - Beispiel: Stalin war ein Klosterschüler, der eigentlich Priester werden wollte. Also müsste man ihn mehr zu den Theisten zählen ... solchen Unfug sollte man als 
Atheist erst überhaupt nicht anfangen. Stalin war ein Atheist und ein Verbrecher. Punkt. Das macht Theisten nicht automatisch zu guten Menschen und Atheisten nicht automatisch zu schlechten Menschen, weil es die Handlungen sind, die wesentlich sind, nicht die Gedanken. Gedanken kann man (bei anderen) weder sehen noch ihre Auswirkungen spüren, erst, wenn daraus Handlungen werden, wird es spannend. Man darf Christen, die sich für etwas Besseres halten, gerne ihre Geschichte entgegenhalten, wenn man Atheisten, die sich moralisch überlegen dünken, Stalin etc. vorhält.


Ich werde nicht ein besserer Mensch, wenn ich mich zur Gruppe der 
Atheisten oder der Christen zähle. Menschen haben genau die Neigung, die Leute der eigenen Gruppe immer für besser, vertrauenswürdiger etc. zu halten. Das wurde experimentell bestätigt, selbst wenn die Gruppen durch Auslosung zustande kommen (!). Ich kann mich bemühen, ein besserer Mensch zu werden, wenn ich handle, nicht in dem ich mich für etwas Besseres halte.


Religion macht die Menschen nicht moralisch, sondern moralische Menschen machen die Religion. In allen Kulturen der Welt, mit ihren 100.000 verschiedenen Religionen, gibt es wesentliche Gemeinsamkeiten in der Moral. So wird man überall Menschen in Not helfen (auch wenn es keinen persönlichen Vorteil bringt) und keinen sexuellen Verkehr mit Kindern haben - wer sich nicht daran hält, wird in allen Kulturen verachtet. Wie wahrscheinlich ist es, dass tausende der verschiedensten Religionen (monotheistische, atheistische, agnostische, polytheistische, animistische etc.) ein und dasselbe Verhalten bei allen Menschen bewirken? Extrem unwahrscheinlich. Also kann das moralische Verhalten keine Folge der Religion sein. Die Menschen wissen nicht, warum sie sich so verhalten. Das ist unbefriedigend und eine Form des Kontrollverlusts - ich weiß nicht, warum ich mich moralisch verhalte. Aus diesem Grund haben die Menschen sich nachträglich Begründungen ausgedacht, um ihr Verhalten vor sich und anderen zu rechtfertigen (Rationalisierungen). Diese verschiedenen Rationalisierungen haben die Religionen an sich gerissen und in ihr System eingebaut und die wahren Verhältnisse verkehrt, in dem sie sich zur Ursache des moralischen Handelns erhoben.


Diese Verkehrung kann man nur aufrecht erhalten, in dem man sie verschleiert. Und wie man dies macht, haben Sie auf dieser Seite gesehen.

Konfusius, er zitiert: "Mit oder ohne Religion können sich gute Menschen anständig verhalten und schlechte Menschen Böses tun; doch damit gute Menschen Böses tun, dafür braucht es Religion" (Steven Weinberg, Astrophysiker)


Anmerkungen:

1.    Diesen Fehler habe ich andernorts ebenfalls beschrieben, unter dem Titel Wahre Schotten. Dort ist noch ein weiterer Grund genannt, warum dieser Denkweise ein Fehler ist.

 

2.    Tatsächlich gibt es gute Gründe, Albert Schweitzer eher einen Freigeist als einen Christen zu nennen, siehe auch Albert Schweitzer: ein Freigeist, als Musterchrist missbraucht.

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Dienstag, 26 September 2017 16:03)

    https://bibelkritik.blogspot.de/2017/09/55-die-christlichen-werte-im-faktencheck.html?m=1


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