„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Eigenschaften Gottes

àGott

Die Eigenschaften Gottes I

 

Bevor ich die Eigenschaften Gottes analysiere, noch folgende Vorbemerkung zum Glauben:

  • Es ist nicht möglich, an verschiedene Tatsachen zu glauben, die im Widerspruch zueinander stehen.
  • Es ist möglich, zu glauben, etwas sei wahr, aber es wird nicht dadurch wahr, dass man daran glaubt. Was unterscheidet Glauben eigentlich von einem Vorurteil? Ein Vorurteil bedeutet, zu urteilen, bevor man Erfahrung mit etwas gemacht hat. Geglaubt wird in der Religion auch an Dinge, mit denen man noch keine Erfahrung machen konnte (und ev. auch nie welche machen wird). Vorurteile entstehen übrigens meist durch gewagte Analogieschlüsse. In diesem Abschnitt geht es darum, diese Analogieschlüsse zu prüfen - wenn diese nicht intern konsistent sind, dann sind damit die Annahmen über Gottes Eigenschaften nicht nur als Vorurteile entlarvt, sie sind auch noch widerlegt. Ein Glauben an diese Eigenschaften Gottes wäre dann nicht (mehr) möglich.
  • Es ist möglich, zu glauben, man habe etwas verstanden, ohne dass man es wirklich verstanden hat.

Vor allem zum letzten Punkt sei gesagt, dass wohl jeder Lernende den falschen Aha-Effekt kennt, d. h. den Eindruck, man habe etwas verstanden. Sobald man dann versucht, es umzusetzen (oder anders zu erklären), stellt man fest, dass dies nicht der Fall war. Wenn man also denkt, man wüsste etwas über Gott, dann ist es wahrscheinlich, dass man nur glaubt, man wüsste etwas über Gott. Im Folgenden werde ich das noch genauer begründen. 

Eine Methode, um die Nichtexistenz von etwas beweisen zu können, besteht darin, logische Widersprüche in den Eigenschaften zu finden. So kann ein quadratischer Kreis nicht existieren - ein Kreis kann nicht rund und quadratisch zugleich sein. Man kann diese Widersprüche mit der Logik aufspüren, ihre Existenz ist allerdings von der Logik selbst unabhängig. D. h. gleichgültig, ob ich formale Logik, dialektische Logik, Fuzzy Logic (unscharfe Logik) oder eine parakonsistente Logik verwende, ein quadratischer Kreis bleibt eine Unmöglichkeit. 

Wenn man die Anwendung von Logik auf Gott bestreitet, bestreitet man damit zugleich auch die Beweisbarkeit, Erkennbarkeit, Verstehbarkeit und Erforschbarkeit von Gott. Hier versuchen Theologen wiederum, miteinander nicht zu vereinbarende Dinge gleichzeitig zu haben - z. B. einen Gottesbeweis sowie die Nichtanwendbarkeit von Logik auf Gott. Andererseits, obwohl angeblich keine Logik Gott treffen kann, will man genau über Gottes Willen Bescheid wissen. Auch das kann man nicht beides zusammen haben, es ist bloß ein Trick, um beliebige Schlussfolgerungen zu ziehen. Siehe dazu auch den Abschnitt 
Ist Gott der Logik zugänglich?

Wenn also Theologen Gott Eigenschaften zuschreiben, dann sind diese auch logisch erforschbar und verwertbar. Sind sie es nicht, dann landen wir bei einem taoistischen Gottesbild, bei einem Gott, über den man keine Aussagen treffen kann. Wenn man keine Aussagen über Gott machen kann, dann ist das Christentum als Religion widerlegt, weil es sehr viele Annahmen über göttliche Eigenschaften macht. Aus genau diesen Annahmen folgt: Man kann auch logische Schlussfolgerungen ziehen. Die Abwehr von Schlussfolgerungen, die einem nicht in den Kram passen, ist bloß ein ideologischer Trick - eine 
Immunisierung gegen Kritik. Logik ist ein unbestechliches Werkzeug, es kommt nicht immer das dabei heraus, was man gerne haben möchte. Dies verführt die Menschen dazu, die Logik zu akzeptieren, wenn herauskommt, was sie gerne möchten und sie zu verwerfen, wenn das nicht der Fall ist. So missbrauchte Logik nennt man "Wunschdenken" oder "Bedarfslogik". 

Göttliche Offenbarung hilft einem aus diesem Dilemma nicht hinweg. Auch wenn Jesus gelebt hat, Gottes Sohn war und wesentliche Eigenschaften Gottes offenbart hat - wenn es sich um widersprüchliche Eigenschaften handelt, dann kann man daraus beliebige (auch entgegengesetzte) Schlussfolgerungen ziehen. 

Die wesentlichen angenommenen Eigenschaften hatte ich bereits erwähnt in: 
Wer ist eigentlich Gott?. Im weiteren beschreibe ich die Widersprüche in diesen Eigenschaften. Entweder, ein so widersprüchlicher Gott existiert nicht oder er ist für uns vollständig unverstehbar und unerkennbar. Vollständig heißt: Es lassen sich über diesen Gott keine zutreffenden Aussagen machen. 

Wir begeben uns hier auf den Boden der sog. atheologischen Argumente. Die Gottesbeweise sind gescheitert, nun sehen wir, ob wir das Gegenteil beweisen können: die Nichtexistenz Gottes. Wenn eine Behauptung falsch ist, dann sollten wir folgendes erwarten:

  1. Es wird keine Beweise oder Argumente dafür geben, die nicht auf einem Fehler beruhen, die nicht logisch inkonsistent sind.
  2. Es wird keine unabhängigen Beobachtungen geben, die dafür sprechen.
  3. Es wird Beweise oder Argumente geben, die dagegen sprechen.

 

Diese Situation haben wir nun - alle Argumente für Gott  [1] sind widerlegt, es gibt keine unabhängigen Beobachtungen, die dafür sprechen  [2], und es gibt Argumente, die dagegensprechen. Man muss sich fragen, was man noch mehr braucht, um etwas für falsch zu befinden? 

Beschäftigen wir uns nun also mit den Argumenten, die gegen die Existenz des christlichen Gottes sprechen. Zwei wichtige Argumente habe ich bereits aufgeführt, das
Theodizeeproblem und das Argument des Unglaubens.

Schöpfer der Welt: Nehmen wir folgenden logischen Beweis:

  1. (P1) Alles, was existiert, hat eine Ursache oder einen Ursprung.
  2. (P2) Das Universum existiert.
  3. (S1) Das Universum hat eine Ursache oder einen Ursprung
  4. (S2) Diese Kette aus Ursachen und Ursprüngen kann keinen Anfang gehabt haben, weil nichts ohne Ursache oder Ursprung existiert.

Daraus folgt, dass das Universum ewig existieren muss, ohne erste Ursache und ohne einen ersten Ursprung. Auch der Urknall wäre demnach nur ein Glied in dieser Kette. Wenn das Universum aber ewig existiert, ohne Anfang (und nach dem, was wir wissen, auch ohne ein Ende), dann kann es folglich keinen Schöpfer gehabt haben. 

Die Annahme, es gäbe keinen unendlichen 
Regress von Ursachen und Ursprüngen, ist unbegründet. Es ist sehr wohl möglich, dass alles unendlich lange existiert, oder dass es sich um einen geschlossenen Kreis handelt. Gott anzunehmen hilft hier nichts, denn dieser Gott müsste ebenfalls ewig existieren, d. h. (S2) müsste auf ihn genauso zutreffen. Wenn (P1) falsch ist, dann kann auch das Universum einen Ursprung gehabt haben. 

Folglich gibt es keinen Schöpfer dieser Welt

Wenn (P2) falsch ist, dann kann man aus dieser Position allenfalls einen 
Agnostizismus begründen (wie im Buddhismus) - wenn das Universum eine Konstruktion unseres Geistes ist, dann ist es auch Gott. 

Man kann allerdings auch (P1) bestreiten - das Universum muss keine Ursache gehabt haben, siehe auch 
Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?. Nun ist das intuitiv nicht unbedingt einleuchtend, weil wir zu einem Denkfehler neigen. Dieser besteht darin, dass wir von den Eigenschaften der Mitglieder einer Menge auf die Eigenschaft der Menge selbst schließen. Dazu ein Beispiel: 

Kein Kaninchen kann 100 Jahre leben. Kann man daraus schließen, dass die Gesamtmenge der Kaninchen keine 100 Jahre existieren kann? Der Schluss ist nun ganz sicher falsch, Kaninchen gab es auch schon vor mehr als 100 Jahren. Ein analoger Fehlschluss besteht darin, dass wir folgenden Schluss ziehen: Alles im Universum hat eine Ursache, also muss auch das Universum als Ganzes eine Ursache haben. Dieser Schluss ist ebenso wenig gerechtfertigt wie der, dass, weil alle Kaninchen keine 100 Jahre leben können, die Gesamtmenge aller Kaninchen keine 100 Jahre existieren kann! 

Übrigens, wenn man annimmt, dass alles eine Ursache hat, dann steht das im Widerspruch dazu, dass wir einen freien Willen haben, der unverursacht sein muss, sondern dies spricht für einen strikten Determinismus. Außerdem widerspricht die Annahme, dass alles eine Ursache haben muss den Ergebnissen der Quantenphysik, aber dagegen könnte man anführen, dass uns die Ursachen nur nicht bekannt sind. Ferner, wenn man annimmt, dass alle Ursachenketten, die wir kennen, zu einer einzigen Ursache zurückführen (Gott), dann ist Gott auch für alles Übel, alles Leid und alles Böse letztlich voll verantwortlich, er war dann die letztliche Ursache für den Holocaust und andere Gräuel.

Personales Wesen

Es macht überhaupt keinen Sinn, von der Personalität eines reinen Geistes auszugehen. Dies ist mit unserer Erfahrung überhaupt nicht vereinbar (und warum sollte man an etwas glauben, was unsere Erfahrung so weit überschreitet, wenn wir dafür keine wirklich guten Beweise haben?). Wie sollte man etwas schaffen oder auch nur bewegen können, wenn man keinen Körper hat? 

Zum Denken gehört auch ein Gehirn, Denken ohne Gehirn ist wie ein Handwerk ohne Hände. 

Und wenn Gott eine Ewigkeit ohne ein Gegenüber existierte, wie sollte er da eine Persönlichkeit ausbilden? Unsere Persönlichkeit bildet sich erst durch den Kontakt mit anderen Menschen. Hatte Gott, bevor Menschen existierten, keine Persönlichkeit? Und wenn doch, wodurch sollte sich diese gebildet haben? Es nützt nichts, wenn man annimmt, dass Gott jenseits unserer Vorstellungskraft ist, denn dann hat man den Begriff "Persönlichkeit" aus unserer Vorstellung auf ein Gebiet übertragen, wo dieser Begriff nichts zu suchen hat. 

Denn wenn Gott schon vor dem Universum und vor allen anderen Wesen existierte, war er alles, was es gab. Zur Herausbildung einer Persönlichkeit braucht man eine Umgebung, mit der man interagieren kann. Man muss sich als frei und als beschränkt selbst erleben. Da Gott keine Grenzen kennt, konnte er in Folge dessen auch keine Persönlichkeit herausbilden. Wenn man behauptet, Gott habe "schon immer" eine Persönlichkeit gehabt, so muss man sich fragen, woher diese denn kommen sollte, so quasi aus dem Nichts, ohne Wissen Gottes? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Intelligenz, Persönlichkeit etc. "einfach so" entstehen. Es in die Ewigkeit zurückzuverlagern löst das Rätsel der Entstehung nicht, sondern verschiebt es nur. Das gilt auch für die Entstehung des Universums. Allerdings ist die Entstehung eines Universums ohne Intelligenz und ohne Persönlichkeit viel wahrscheinlicher als die ewige Existenz eines persönlichen und intelligenten Gottes. Denn im Universum bildet sich die Intelligenz etc. erst im Laufe der Zeit heraus, aus einfachen Elementen. Man mag die Entstehung von Intelligenz aus einfachen Prozessen heraus für unwahrscheinlich halten, aber die Existenz von Intelligenz "einfach so" ist noch sehr, sehr viel unwahrscheinlicher. Siehe auch 
Komplexität und Gott

Außerdem ist die Annahme einer "Persönlichkeit" bei Gott eine Anthropomorphisierung (= Vermenschlichung). Wenn man aber annimmt, dass Gott eine "unpersönliche Kraft" ist, macht das ganze Christentum wiederum keinen Sinn, vor allem, weil das Problem der Persönlichkeit durch die Trinität noch verschärft wird. 

Folglich kann Gott keine Persönlichkeit haben.

Personales Wesen und Allwissenheit

Dazu benutze ich den Beweis von Dan Barker

Der freie Willen betrifft nicht nur uns - er betrifft Gottes Handeln selbst. Dan Barker 
bemerkt dazu (Übersetzung von mir):

Der christliche Gott ist ein personales Wesen, welches allwissend ist. 

Um einen freien Willen zu haben, muss man mehr als eine Option haben, von denen jede Einzelne vermeidbar ist. D. h. bevor man eine Wahl trifft, muss es einen Zustand der Ungewissheit während einer Zeitspanne voller Möglichkeiten geben: Du kannst die Zukunft nicht kennen. Selbst wenn man glaubt, man könne die Entscheidung vorhersagen, wenn Du behauptest, Du hättest einen freien Willen, Du musst zugeben, Du hast die Möglichkeit (wenn nicht sogar den Wunsch) Deine Meinung zu ändern, bevor die Entscheidung endgültig ist. 

Ein Wesen, welches alles weiß, kann keinen "Zustand der Unsicherheit" haben. Es kennt seine Wahl vorher. D. h. es hat keine Möglichkeit, seine Wahl zu vermeiden, und hat daher keinen freien Willen. Da es keinen freien Willen hat, ist es auch kein personales Wesen, ein personales Wesen, welches alles weiß, kann nicht existieren. 

Deswegen existiert der christliche Gott nicht.



Wir sehen hier, dass die Eigenschaften "personales Wesen" und "allwissend" zueinander im Widerspruch stehen. So wenig es also einen quadratischen Kreis geben kann, sowenig kann es einen allwissenden und personalen Gott geben. 

Folglich kann es keinen allwissenden, personalen Gott geben.

Konfusius, er zitiert: "Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen." (Bucaille)

Die Eigenschaften Gottes II

Die folgende Sammlung stammt von von Theodore M. Drange: Incompatible-Properties Arguments: A Survey (1998). Wer meint, dies alles treffe auf Gott nicht zu, weil Gott mit der Logik nicht zu erfassen sei, der lese bitte: Ist Gott der Logik zugänglich?. Dies hier ist eine kurze Zusammenfassung (nur die Argumente):

1. Vollkommenheit versus Schöpfung

 

Version #1:

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein vollkommen Wesen kann keine Bedürfnisse oder Wünsche haben.
(P4) Wenn jemand das Universum schuf, dann muss er dazu ein Bedürfnis oder den Wunsch dazu gehabt haben.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen der Schöpfer des Universums sein kann (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Der gängigste Einwand gegen dieses Argument ist, das Wort "vollkommen" anders zu definieren als wir es normalerweise verstehen. Aber vollkommen bedeutet normalerweise, dass etwas nicht mehr besser zu machen ist. Definiert man es anders, dann gibt man zu, dass der Begriff "vollkommen" irreführend verwendet worden ist, und dass Gott eben nicht im ursprünglich verstandenen Sinne vollkommen ist. Bedürfnisse oder Wünsche kann man nur haben, wenn man unvollkommen ist. Wieso sollte Gott dann das Bedürfnis oder den Wunsch haben, dass Universum zu erschaffen? 

Version #2:

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Wenn ein Wesen vollkommen ist, dann muss alles, was es schafft, auch vollkommen sein.
(P4) Aber das Universum ist nicht vollkommen.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen das Universum geschaffen hat (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Warum sollte ein vollkommenes Wesen etwas erschaffen, was nicht selbst vollkommen ist? Und woran will man beispielsweise einen vollkommenen Möbelbauer erkennen, wenn nicht daran, dass seine Möbel, die er herstellt, vollkommen sind? Wie also kommt man zu der Annahme, dass Gott vollkommen sei, wenn man nicht von einer vollkommenen Schöpfung auf ihn logisch zurückschließen kann?

 

Definiert man den Begriff "vollkommen" anders, dann gibt man zu, dass Gott eben nicht im ursprünglichen Sinne "vollkommen" ist, sondern unvollkommen.

2. Die Unveränderlichkeit Gottes versus Schöpfung

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu einer Zeit eine Absicht haben und zu einem anderen Zeitpunkt keine Absicht.
(P4) Für ein Wesen, das etwas erschafft, muss vor der Erschaffung die Absicht haben, es zu erschaffen, aber später, nach der Schöpfung, keine Absicht haben, etwas zu erschaffen.
(P5) Daher ist es unmöglich für ein unwandelbares Wesen irgendetwas zu erschafft zu haben (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Wenn etwas vollkommen ist, dann führt jede Änderung dazu, dass es nicht mehr vollkommen ist. Auch hier gibt man mit der Umdefinition des Begriffes zu, dass Gott eben nicht vollkommen ist, so, wie man es ursprünglich versteht, also wird das Attribut "vollkommen" irreführend verwendet.

3. Unwandelbarkeit versus Allwissenheit

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu verschiedenen Zeiten unterschiedliches Wissen haben.
(P4) Um allwissend zu sein, müsste ein Wesen alles über Vergangenheit und Zukunft wissen.
(P5) Aber was Vergangenheit und was Zukunft ist, wandelt sich ständig.
(P6) Daher, um die Eigenschaften der Vergangenheit und der Zukunft zu wissen, müsste ein Wesen verschiedene Dinge zu verschiedenen Zeiten wissen (aus (P5)).
(P7) Daraus folgt, dass ein Wesen, um allwissend zu sein, unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Zeiten wissen müsste (aus (P4) und (P5)).
(P8) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, allwissend zu sein (aus (P3) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)). 

Vollkommenheit und Wandel schließen einander aus. Außerdem, wenn Wissen vollkommen wäre, dann würde jede Korrektur dieses Wissen bestätigen, dass Gott eben doch nicht vollkommen ist. Allwissenheit und Dazulernen schließen einander aus.

4. Unwandelbarkeit versus Liebe

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er liebend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht durch Ereignisse verändert werden.
(P4) Um liebend zu sein, muss ein Wesen durch Ereignisse verändert werden können.
(P5) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, liebend zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

5. Transzendenz versus Allgegenwart

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht irgendwo im Raum existieren.
(P4) Um allgegenwärtig zu sein muss ein Wesen überall im Raum existieren
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, allgegenwärtig zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Transzendenz und Immanenz schließen einander aus. Trotzdem wird vom christlichen Gott behauptet, er sei beides.

6. Transzendenz versus Persönlichkeit

 

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P4) Aber ein persönliches Wesen muss existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, eine Person zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Vom christlichen Gott wird behauptet, er existiere "außerhalb der Zeit". Das ist eine sinnfreie Behauptung, weil Gott nicht innerhalb der Zeit agieren kann, wenn er nicht "dazugehört".

7. Nichtkörperlich versus Persönlichkeit

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er nichtkörperlich.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Eine Persönlichkeit muss körperlich existieren.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)). 

Wir kennen nur Personen, die einen Körper haben. Wie kann man da Gott als "personal" bezeichnen, wenn er keinen Körper besitzt?

8. Allgegenwart versus Persönlichkeit

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Was immer allgegenwärtig ist, kann keine Persönlichkeit sein.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)).

Personalität bedeutet, innerhalb der Zeit in einem Körper zu existieren. Wenn man "personal" anders definiert, dann gibt man zu, dass Gott nicht im eigentlichen Sinne personal sein kann. Warum belegt man Gott mit Begriffen, die keinen Sinn ergeben?

9. Allwissenheit versus Freiheit

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er frei.
(P3) Ein allwissendes Wesen muss genau wissen, was er in Zukunft tut und nicht tun wird.
(P4) Wenn Gott weiß, was er tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es nicht zu tun, und wenn er weiß, was er nicht tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es zu tun.
(P5) Daher, was immer Gott auch tut, er muss es tun, und was immer er nicht tut, kan er nicht tun (aus (P3) und (P4)).
(P6) Um frei zu sein, muss man offene Optionen haben, was bedeutet, die Fähigkeit zu haben, auch anders zu handeln, als man tatsächlich handelt.
(P7) Wenn also jemand frei ist, dann muss er nicht tun, was er tatsächlich tut, und er ist fähig, zu tun, was ernicht tatsächlich tut (aus (P6)).
(P8) Daher kann ein allwissendes Wesen nicht frei sein (aus (P5) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)).

Wenn Gott allwissend ist, dann kennt er die Zukunft. Wenn er weiß, wie er handeln wird, so kann er nicht anders handeln, als er es vorher weiß. Handelt er doch anders, dann war sein Vorherwissen falsch. Wer allwissend ist, der kann sich nicht anders besinnen, denn dann wäre er nicht allwissend.

10. Gerechtigkeit versus Gnade

 

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gerechter Richter.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gnädiger Richter.
(P3) Ein gerechter Richter behandelt jeden Täter exakt nach der Schwere seiner Taten, so wie sie/er es verdient.
(P4) Ein gnädiger Richter behandelt jeden Täter mit weniger Strenge nach seinen Taten, so wie sie/er es verdient.
(P5) Es ist unmöglich, einen Täter nach der Schwere seiner Taten zu behandeln, so wie sie/er es verdient, und gleichzeitig weniger streng zu behandeln, als sie/er es verdient.
(P6) Daher ist es unmöglich, ein gnädiger und ein gerechter Richter zu sein (aus (P1) bis (P5)),

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P6)).

Gnade ist stets ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit.

Einige der Argumente von Drange passen nur auf den christlichen Gott, einige auf alle Götter. Einige sind solider in der Argumentation als andere. Aber trotzdem interessant, mal so eine Übersicht zu haben, oder? Dabei ist diese Sammlung nicht einmal vollständig!


Anmerkungen:

 

  1. zumindest die, die ich Ihnen genannt habe, es gibt noch mehr, die aber bislang auch alle widerlegt wurde, sogar viele Theologen sind bereit, zuzugeben, dass die Gottesbeweise bislang gescheitert sind.
  2. Erinnern Sie sich an den Ausspruch von Phillip K. DickRealität ist das, was übrig bleibt, wenn man aufhört, daran zu glauben. Demnach kann man sich nicht auf den Glauben berufen, wenn man behauptet, etwas sei real existierend!

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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Kommentare: 2
  • #2

    Anonym (Sonntag, 08 Juli 2018 12:22)

    *Dem vorletzten Satz

  • #1

    Anonym (Sonntag, 08 Juli 2018 12:19)

    Dem vorletzten des Artikels kann ich nur zustimmen! Es ist sehr interessant, eine solche Übersicht zu haben. Nur dass bei der gesamten Argumentation davon ausgegangen wird, dass Gott als Schöpfer ein Teil Seiner Schöpfung sein muss. Da stellt sich die Frage, inwiefern das vertretbar und verständlich sein soll.
    Ein Künstler malt ein Bild. Ist er dadurch automatisch ein Teil des Bildes bzw. seiner Schöpfung.
    Ein kleines Kind spielt im Sand und baut eine Sandburg. Auch das ist schöpferische Arbeit. Aber das Kind ist nicht plötzlich ein Sandkorn.
    Für Künstler und Kind gelten andere Realitäten als für alle Farbpartikel auf dem Bild und alle Sandkörner in der Sandburg.
    Das, übertragen auf Gott, würde bedeuten, dass Er den Künstler bzw. das Kind als schöpfende Kraft verkörpert und wir als Menschen die Farbpartikel bzw. Sandkörner. Und wir können Gott im Sinne dieser Bilder nur verstehen, wenn Er sich uns als Farbpartikel oder Sandkorn zeigt und offenbart, was Er in Jesus Christus getan hat.
    Somit wird man Gott nie ganz verstehen können, hat jedoch im Glauben an Jesus Christus die Möglichkeit, Ihn ansatzweise zu verstehen. Halt in der Tragweite, die unser menschliches Denken umfassen kann.

    Wenn Sie mögen, können Sie den Urheber des Gastbeitrages über meinen Kommentar informieren. Mich würde seine Meinung sehr interessieren.

    Gottes Segen Ihnen!


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