„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Prophezeiungen Christi

Was ist denn eigentlich von der Behauptung einiger Christen zu halten, Jesus sei im AT vorhergesagt worden? Dazu betrachten wir einmal die Behauptungen von Prophezeiungen über Christus von einer christlichen Website. 

So gibt es eine ganze Reihe von Vorhersagen über den Messias, den Erlöser. Allerdings: Die Juden, wohl die genauesten Kenner des 
AT, haben Jesus aus sehr guten Gründen nie als Messias anerkannt  [1]. Wenn also behauptet wird, die Stelle 1 Mose 22:18 sei eine Prophezeiung des Kommen von Jesus, dann ist das schlicht falsch - man beachte den Kontext: 

1 Mose 22:15-18
15 Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu
16 und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, [mir] nicht vorenthalten hast,
17 darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen.
18 Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, daß du meiner Stimme gehorcht hast.



Die Prophezeiung wird Abraham gemacht und bezieht sich auch nur auf ihn. Dies ist die "Belohnung" dafür, dass Abraham bereit war, seinen Sohn Gott zu opfern. Das auf Jesus zu beziehen ist hanebüchen. Das 
AT wurde übrigens erst geschrieben, als die "Prophezeiung" bereits längst eingetroffen war. Das Jesus ein Jude, damit ein Nachkomme Abrahams war, versteht sich von selbst, weil alle Juden sich als Nachkommen Abrahams ansehen (was allerdings historisch gesehen nicht richtig ist, siehe Finkelstein 2002). 

Dass
1 Mose 49:10 zeigt, dass Jesus aus dem Stamm Juda kommt, ist auch weit hergeholt. Dass das Zepter (= die Herrschaft) nicht von Juda weicht, bis dass Jesus kommt, ist auch nicht ganz richtig, denn zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, beherrschten die Römer Israel. Aber dass die Textstelle irgend etwas mit Jesus zu tun hat, ist nicht ersichtlich

Wenn nun des weiteren
Jesaja 9:7 angeführt wird, so empfehle ich auch hier, den Kontext zu lesen. Denn im nächsten Kapitel heisst es über den Prophezeiten (Hervorhebung von mir): 

Jesaja 10:1-7
1 Wehe denen, die Ordnungen des Unheils anordnen, und den Schreibern, die Mühsal schreiben,
2 um die Geringen von [ihrem] Rechtsanspruch zu verdrängen und den Elenden meines Volkes [ihr] Recht zu rauben, damit die Witwen ihr Plündergut werden und sie die Waisen plündern!
3 Und was wollt ihr tun am Tag der Heimsuchung und beim Sturm, der von weither kommt? Zu wem wollt ihr fliehen um Hilfe und wo euren Reichtum lassen?
4 Beugt man sich nicht unter Gefangenen, so muß man unter Erschlagenen fallen. - Bei alldem wendet sich sein Zorn nicht ab, und noch ist seine Hand ausgestreckt.
5 Wehe, Assur, Rute meines Zorns! Und der Stock meines Zorns - in ihrer Hand ist er.
Gegen eine gottlose Nation sende ich ihn, und gegen das Volk meines Grimmes entbiete ich ihn, Raub zu rauben und Beute zu erbeuten und es zertreten zu lassen wie Straßenkot.



Wer so angekündigt ist, ist ein Kriegsherr, aber keiner, der den Frieden bringt - und genau das haben die Juden auch erwartet: Einen Messias, der ihre Feinde mit Gewalt vernichtet! Es gabe jede Menge jüdische Messiasse (Leute, von denen angenommen wurde, dieser angekündigte Messias zu sein), und diese hatten alle eines gemeinsam: Sie waren Aufrührer und Widerständler, Rebellen, die versuchten, die Gegner zu schlagen. Allerdings war keiner von ihnen erfolgreich, und so warten die Juden noch heute auf ihren Messias. Es gibt noch eine Reihe anderer Textstellen, aus denen dies sehr klar hervorgeht. 

Christen behelfen sich dabei mit einer eigentümlichen Logik, um diesen eklatanten Widerspruch wegzueskamotieren: Sie beziehen zwar die Prophezeiung auf Jesus, reden aber von einem zweiten Kommen von Jesus, bei dem dieser die fehlenden Eigenschaften haben wird (woher will man das wissen?). Nun, wenn dem so ist, dann könnten auch Elvis PresleyMutter Theresa oder ich selbst der jüdische Messias sein. Vielleicht kommt einer von uns, um "Raub zu rauben und Beute zu erbeuten und es zertreten zu lassen wie Straßenkot". 

Kommen wir nun zu einer der berühmtesten Prophezeiungen - der Jungfrauengeburt, angekündigt in
Jesaja 7:14

Jesaja 7:14
14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen.



Zu diesem Text gibt es eine interessante jüdische Stellungnahme unter
Eine Jungfrau, ein junges Mädchen, der König Hiskia und die Jesaja-Texte. Dort erfahren wir u. a., dass der Begriff "Prophet" im jüdischen eine andere Bedeutung hat. "Prophet" kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Einer, der im voraus spricht. Der hebräische Ausdruck dafür ist nawi von der Wurzel nun wet alef, was vermutlich bedeutet: Einen Ton von sich geben, rufen. Eine bessere Übersetzung wäre demnach Rufer oder Mahner - und das hat nichts mit der Voraussage der Zukunft zu tun. 

Dazu muss man noch wissen, wie nach Meinung einiger Theologen das 
NT (teilweise) entstanden ist: Die Evangelisten nahmen sich Textstellen aus dem AT und interpretierten diese als eine Prophezeiung. D. h. sie "verbogen" den Text so, dass daraus (scheinbar) eine Vorhersage wurde, damit diese sich erfüllte, wurde der Text dementsprechend geschrieben und formuliert. Das wird bei Jesaja 7:14 besonders deutlich, denn diese "Prophezeiung" entstammt einem Missverständnis, einer falschen Übersetzung. Im hebräischen Originaltext steht nicht Jungfrau, sondern alma, was soviel bedeutet wie "junge Frau, Weib". In der griechischen Übersetzung wurde daraus partenos, Jungfrau, was dem Wort alma am nächsten kommt. Aber eine junge Frau kann (muss aber nicht) eine Jungfrau sein. Die Rabbiner widersprechen dem sogar explizit - alma kann man mit Jungfrau übersetzen, aber man muss es nicht. Das hebräische Wort für Jungfrau wäre betula

Auch der Ausdruck "wird schwanger werden" ist falsch übersetzt, im Hebräischen steht dort hara, und das bedeutet: hat empfangen. Die korrekte Übersetzung des Textes lautet also: Siehe, eine junge Frau hat empfangen und einen Sohn geboren, den sie Immanuel nennt. Die Juden kannten keine Jungfrauengeburt, das ist eine heidnische Idee, die auf viele bedeutenden Personen der Antike angewandt wurde - auch von Cäsar heisst es, er sei von einer Jungfrau geboren worden. Hätten die Schreiber des 
AT wirklich ausdrücken wollen, dass eine Jungfrau schwanger geworden ist, dann hätten sie, um diesen sonderbaren Umstand zu beschreiben, ziemlich sicher das Wort betula verwandt und keinen Ausdruck, den man auch anders interpretieren könnte - und musste, wenn man bedenkt, dass es früher von den Juden keiner verstanden hätte, dass eine Jungfrau empfangen kann. Möglich, dass sie zur Zeit der Weissagungnoch eine Jungfrau war, aber sicher nicht mehr, wenn sie empfangen hat. 

Und noch eines ist an der Prophezeiung falsch: Jesus wurde nie, zu keinem Zeitpunkt, Immanuel genannt. Schon ohne den Kontext zu beachten kann man sehen, dass hier am Text "heruminterpretiert" wurde, um ihn als eine Voraussage nutzbar zu machen. Die Evangelien wurden auf griechisch verfasst, vermutlich haben die Evangelisten das 
AT auch auf griechisch gelesen - so musste es zu Missverständnissen kommen. 

Wenn man nun noch den Kontext beachtet, dann wird man feststellen, dass diese Prophezeiung dem König Hiskia gemacht wurde. Sollte dieser auf ein Ereignis sehen, welches ca. 700 Jahre nach seinem Tode geschehen würde? Und wie sollte er das anstellen? Damals glaubten die Juden noch nicht an ein Leben nach den Tode. Anders gesagt, Immanuel muss bereits zur Zeit von Hiskia geboren worden sein, sonst ergibt die gesamte Textstelle überhaupt keinen Sinn! Also kann man auch diesen Vers nicht als eine Prophezeiung deuten, sondern als eine nachträgliche Auslegung als Prophezeiung, woraufhin dann der Evangelist seinen Text entsprechend angepasst hat, um die Ereignisse um Jesus als vorausgesagt erscheinen zu lassen. Diesen Trick benutzen die Evangelisten an sehr vielen Stellen. 

Auch weiß Paulus, der früheste Zeuge der Christen, nichts von einer Jungfrauengeburt, sondern schreibt in
Galater 4:4

Galater 4:4
4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz,



Warum schreibt Paulus nicht "geboren von einer Jungfrau", sondern geboren von einer Frau? War denn das ein Umstand, über das man kein Wort verlieren musste? Oder wusste Paulus nichts davon? Oder ist die Idee einer Jungfrauengeburt erst später entstanden, in Anlehnung an heidnische Vorstellungen? 

Nächste Prophezeiung:
Mica 5:1

Mica 5:1
1 Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir [der] hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.



Hier wird die Geburt von Jesus in Bethlehem vorhergesagt - behaupten die Christen. Andererseits wird u. a. in
Matthäus 2:23 Jesus als Nazoräer oder Nazarener bezeichnet, was etwas über seine Herkunft aussagt, wenn diese Textstelle auch vielleicht nur geschrieben wurde, um eine weitere Prophezeiung als "erfüllt" erscheinen zu lassen. Möglich auch, dass Nazarener auf einem Irrtum der Evangelisten beruht und sich vom syrischen Wort nesarja, Beschützer, ableitet. Aber auch in dieser Textstelle zeigt sich, dass die Evangelisten den Geburtsort von Jesus nach Bethlehem verlagerten, um die oben genannte Prophezeiung als "erfüllt" erscheinen zu lassen. Allerdings war Jesus nie ein Herrscher über Israel, die Juden haben ihn auch nie als einen solchen anerkannt. 

Dazu müssen wir uns einen weiteren Widerspruch betrachten, nämlich
Lukas 2:1-3 . Niemals in der römischen Geschichte hat ein Kaiser einen derartig unsinnigen Befehl gegeben. Eine Steuerschätzungsmethode, die darauf beruht, dass alle sich einer Völkerwanderung unterziehen müssen und zu ihrer Vaterstadt zurückkehren, wäre "absurd und undurchführbar gewesen (so die Professorin für katholische Theologie, Uta Ranke-Heinemann 2002, Seite 19). Richtig ist allerdings, dass es im römischen Reich Volkszählungen und Steuerschätzungen gab (seit ca. 366 v. Beg. d. Zeitr., etwa alle fünf Jahre). In den Provinzen gab es keine regelmäßigen Volkszählungen, sondern diese wurden nach Bedarf durchgeführt. Solche Zählungen wurden am Wohnort der zu Zählenden durchgeführt, bei Grundbesitzern am Ort des Grundbesitzes, der Heimatort war völlig gleichgültig. 

Die einzige in Frage kommende Volkszählung in Judäa wurde 6 n. Beg. d. Zeitr. von Quirinius durchgeführt - selbstverständlich nicht am Heimatort, wie bereits geschildert. Eine frühere Volkszählung ist nicht bekannt. Nur wenn Joseph ein reicher Grundbesitzer gewesen wäre, dann hätte er sich zum Ort seines Grundbesitzes begeben müssen. Aber dann wäre die Geschichte mit dem Stall eine reine Erfindung. Allerdings war Joseph arm, wie aus
Lukas 2:22-24hervorgeht, denn im Tempel nur Tauben zu opfern war ausnahmsweise nur sehr armen Juden erlaubt. Nun wird in der Bibel ebenfalls von der Tötung aller Erstgeburten durch Herodes berichtet, der damit den angeblichen Messias treffen wollte. Herodes allerdings starb 4 v. Beg. d. Zeitr. Diese zeitgeschichtlichen Daten passen nicht zusammen, außerdem hat man Herodes ziemlich viel Schlechtes nachgesagt, eine Ermordung aller Erstgeborenen war nicht darunter, und darüber wäre berichtet worden  [2]. Das hätte auch sicher einen schweren Aufstand der Juden hervorgerufen, die ohnehin rebellisch waren. Da niemand darüber berichtet hat, ist es höchstwahrscheinlich auch nicht geschehen, sondern Teil eines Märchens. 

Mit der Volkszählung gibt es noch ein weiteres Problem: Nazareth und Bethlehem waren zur Zeit Jesu Teil des Königreichs von Herodes dem Großen. Herodes war dem römischen Reich tributpflichtig, aber sein Königreich stand nicht unter römischer Verwaltung. Deswegen betraf Jospeh und Maria die Volkszählung schlicht nicht. 

Warum wurde die falsche Geschichte über Herodes erfunden? Damit eine weitere "Prophezeiung" als erfüllt dargestellt werden konnte in
Matthaeus 2:15, die eine Anspielung auf Hosea 11:1 ist, wobei der Kontext auch dort wieder zeigt, dass es sich um keine Prophezeiung handelt. Dazu musste eine Ausrede ersonnen werden, warum Joseph mit Maria und dem Jesuskind nach Ägypten fliehen musste. Außerdem war das Thema eines geborenen Erlösers, der in jungen Jahren vor Nachstellungen eines bösen Königs fliehen musste, in der Antike sehr beliebt und wurde auch schon Mose nachgesagt. 

Zurück zu den unpassenden Zeitangaben: Jesus Eltern mussten vor Herodes, der 4 v. Beg. d. Zeitr. starb, nach Ägypten fliehen. Außerdem war "in den Tagen des Herodes" (
Lukas 1:5) Jesu nur sechs Monate älterer Vetter geboren worden, aber Joseph musste mit der von Jesus schwangeren Maria 6 n. Beg. d. Zeitr. wegen einer Volkszählung angeblich nach Bethlehem ziehen (das war wichtig, weil Bethlehem Davidsstadt war). Das kann nicht stimmen. Abgesehen davon wäre es unglaublich leichtsinnig gewesen, mit einer Hochschangeren eine so gefährliche und lange Reise durch das feindliche Bergland von Samaria  [3] wegen einer Volkszählung zu unternehmen, vor allem, weil die Zählung Maria nicht betraf, sondern nur das Familienoberhaupt Joseph. Dann fand Joseph keine Herberge in Jerusalem, dem Hauptwallfahrtsort der Juden, wo außer an hohen Festtagen Tausende von Herbergen frei waren (Bethlehem ist ca. 8 Kilometer von Jerusalem entfernt, dazwischen lagen lauter Ortschaften, die die Massen von Pilgern während der Feiertage aufnehmen konnten). Sehr unwahrscheinlich. Das sind noch nicht alle Merkwürdigkeiten  [4], aber sie zeigen, dass Jesus wohl nicht in Bethlehem geboren worden ist, also ist die "Vorhersage" schlicht falsch, abgesehen davon, dass die Ereignisse um die Vorhersage herumgedichtet worden sind, damit aus der angeblichen Vorhersage überhaupt eine wurde. 

Man kann daran sehen, dass keine Erfindung den Evangelisten zu kühn war, um nicht aus Sätzen, die aus dem 
AT aus dem Zusammenhang gerissen wurden, eine angebliche Prophezeiung zu machen. Das ist eines der wichtigsten Konstruktionsmerkmale der Evangelien. 

Weiter mit
Jesaja 40:3. Auch hier dasselbe Stilmittel. Wer vermag da, außer den Evangelisten, eine Weissagung zu entdecken? Der Satz passt auf alles Mögliche und ist zu unspezifisch, wenn man ihn aus dem Kontext reisst. Das ist ja genau der Punkt - die meisten "Vorhersagen" der Bibel sind so vage und nichtssagend (und meist so sehr aus dem Kontext gerissen), dass, wüsste man nicht von den Ereignissen, die angeblich prophezeit worden sind, nicht wüsste was sie nun eigentlich vorhersagen. Und selbst wenn man es schon weiß, dann sagen einem Sätze wie der von Jesaja 40:3 auch nichts. 

Wenn mir jemand sagt, dass Morgen, um 15:30, in Ludwigsburg ein Meteor einschlägt, so ist das eine Prophezeiung. Eigentlich gehört zu jeder ordentlichen Prophezeiung Ort, Zeit und Ereignis. Sage ich, dass in Ludwigsburg ein Meteor einschlagen wird, so ist das bereits vage. Lasse ich auch noch den Ort weg, so ist das eine triviale Vorhersage. Und von dieser Art sind praktisch alle bisher betrachteten "Vorhersagen". 

Nehmen wir als nächstes die Vorhersage, dass Jesus (dessen Namen nirgendwo im 
AT genannt wird), werde vom "Heiligen Geist" gesalbt. Jesaja 11:2 ist auch aus dem Kontext gerissen worden, den wir uns jetzt betrachten: 

Jesaja 11:1-16
1 Und ein Sproß wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schößling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.
2 Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN;
3 und er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, und nicht zurechtweisen nach dem, was seine Ohren hören,
4 sondern er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und die Elenden des Landes zurechtweisen in Geradheit. Und er wird den Gewalttätigen schlagen mit dem Stab seines Mundes und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten.
5 Gerechtigkeit wird der Schurz seiner Hüften sein und die Treue der Schurz seiner Lenden. -
6 Und der Wolf wird beim Lamm weilen und der Leopard beim Böckchen lagern. Das Kalb und der Junglöwe und das Mastvieh werden zusammen sein, und ein kleiner Junge wird sie treiben.
7 Kuh und Bärin werden [miteinander] weiden, ihre Jungen werden zusammen lagern. Und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.
8 Und der Säugling wird spielen an dem Loch der Viper und das entwöhnte Kind seine Hand ausstrecken nach der Höhle der Otter.
9 Man wird nichts Böses tun noch verderblich handeln auf meinem ganzen heiligen Berg. Denn das Land wird voll von Erkenntnis des HERRN sein, wie von Wassern, die das Meer bedecken. -
10 Und an jenem Tag wird es geschehen: der Wurzelsproß Isais, der als Feldzeichen der Völker dasteht, nach ihm werden die Nationen fragen; und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein.
11 Und an jenem Tag wird es geschehen, da wird der Herr noch einmal seine Hand erheben, um den Überrest seines Volkes, der übrigbleibt, loszukaufen aus Assur und Ägypten, aus Patros und Kusch, aus Elam, Schinar und Hamat und von den Inseln des Meeres.
12 Und er wird den Nationen ein Feldzeichen aufrichten und die Vertriebenen Israels zusammenbringen, und die Verstreuten Judas wird er sammeln von den vier Enden der Erde.
13 Dann wird die Eifersucht Ephraims weichen, und die Bedränger Judas werden ausgerottet werden. Ephraim wird auf Juda nicht eifersüchtig sein, und Juda wird Ephraim nicht bedrängen.
14 Und sie werden nach Westen auf die Berglehne der Philister fliegen. Miteinander werden sie die Söhne des Ostens ausplündern. Edom und Moab werden ihre Hand greifen, und die Söhne Ammons werden ihnen hörig sein.
15 Dann wird der HERR die Meereszunge Ägyptens spalten. Und er wird seine Hand über den Strom schwingen mit der Gewalt seines Hauches und ihn in sieben Bäche zerschlagen, so daß man mit Schuhen hindurchgehen kann.
16 So wird es eine Straße geben für den Überrest seines Volkes, der aus Assur übrigbleibt, wie es eine [Straße] für Israel gab an dem Tag, als es aus dem Land Ägypten heraufzog.



Was davon ist eingetroffen? Nichts! Keineswegs weilt der Wolf beim Lamm, noch das Leopard beim Lamm. Und vom "Heiligen Geist" ist auch nicht die Rede, nur vom "Geist des Herrn". Ebenso ist
Jesaja 62:1 zu vage, um etwa Jesus gemeint haben zu können. 

Was
Psalm 41:9 mit Jesus zu tun haben soll, ist auch unerfindlich - da steht sogar, dass er nicht wieder aufstehen wird. Hoffte der Schreiber der Zeilen, dass niemand die Textstelle nachschlägt? 

Besonders putzig ist auch folgende Behauptung (von obiger Website): "Sogar seine letzten Worte wurden genau vorausgesagt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«" (
Psalm 22:2; vgl. Matthäus 27:46). Jesus zitiert dort am Kreuz eine Stelle aus der Bibel (allerdings: Es gibt verschiedene Varianten in den Evangelien, was er als letzte Worte gesagt haben soll, siehe auch Lukas 23:46 und Johannes 19:30). Wenn ich also eine Stelle aus einem Buch zitiere, bedeutet dies, dass der Autor meine Worte vorhergesagt hat? 

 

Konfusius, er zitiert: "Und es wird geschehen, wenn ein Mann [doch] noch weissagt, so werden sein Vater und seine Mutter, seine [eigenen] Eltern, zu ihm sagen: Du darfst nicht am Leben bleiben, denn du hast Lüge geredet im Namen des HERRN! Und sein Vater und seine Mutter, seine [eigenen] Eltern, werden ihn durchbohren, wenn er weissagt." (Aus der Bibel, Sacharja 13:3)


Anmerkungen:

1.    Einiges zur jüdischen Auslegung des AT finden sich hier: Jüdische Auslegungen und Positionen.

2.    Es gibt kaum eine Zeit der Weltgeschichte, die so gut dokumentiert wurde wie die Zeit um den beginn der Zeitrechnung.

3.     Die Geschichte von dem Mann, der von Jerusalem nach Jericho geen wollte und unter die Räuber fiel war eine so alltägliche Geschichte, dass Jesus dies in Lukas 10:30 erzählen konnte, ohne die Umstände zu erklären.

4.    Detaillierter findet man das Ganze bei Uta Ranke-Heinemann 2002.

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Montag, 06 Juni 2016 00:44)

    http://www.bibelkritik.ch/bibel/g7.htm


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