„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Barnum-Effekt

Der Barnum-Effekt, auch Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung (engl. personal validation fallacy) genannt, stammt aus der Psychologie und bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu akzeptieren.

 

Der Begriff wurde von Paul Meehl eingeführt und ist nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum benannt. P. T. Barnum unterhielt ein riesiges Kuriositätenkabinett, welches jedem Geschmack etwas bieten konnte („a little something for everybody“).

 

Barnum-Aussagen sind beispielsweise in Zeitungshoroskopen zu finden – die Testreihen des amerikanischen Psychologen Bertram R. Forer beziehen sich auf solche Zeitungshoroskope.

 

Allen Barnum-Aussagen ist gemeinsam, dass es immer an Objektivität und an Falsifizierbarkeit mangelt.

Typische Inhalte

·       Jeder Mensch sehnt sich nach einer sicheren Umwelt. Deshalb darf die Erwähnung von Ängsten nicht fehlen.

·       Wünsche wie eine sichere Arbeitsstelle oder ein gutes Beziehungsleben.

·       Sowohl-als-auch-Aussagen wie etwa „Sie sind meistens entschlossen, doch Sie ringen immer wieder um angepasstes Verhalten“.

·       Unklare Formulierungen wie „Sie neigen zur Faulheit“ (anstelle „Sie sind heute faul“, was entweder stimmt oder nicht stimmt).

 

·       Suggerierte Dinge: „Heute könnten Sie jemanden verletzen“, was eine Verletzung suggeriert; der Leser sucht – und findet manchmal – eine entsprechende Handlung. Dem Leser wird aber nicht gesagt, er solle nach Hinweisen suchen, die das Gegenteil demonstrierten.

Aus der Traumdeutung:

·       Ein (Traum von einem) Wald voller weißer Bäume kann den Wunsch andeuten, eine neue, positive Lebensphase zu beginnen. Jeder Mensch ist mehr oder weniger bestrebt, seine Lebenssituation zu verbessern. Da nicht gesagt wird, ob es sich um eher kleinere Veränderungen handelt oder um sehr bedeutsame, trifft diese Aussage auf fast jeden zu.

Beispiele

·       „Sie sind ein bodenständiger Mensch.“

·       „Mit Leidenschaft, Zähigkeit und Ehrgeiz nehmen Sie jeden Kampf auf.“

·       „Oft sind Sie gut gelaunt und fröhlich, manchmal aber auch geladen und zornig.“

Siehe auch

·         Cold Reading

·         Warm Reading

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