„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Autosuggestion

Als Autosuggestion wird die Beeinflussung eigener psychischer Funktionen wie Wahrnehmungen und Urteile sowie Verhaltensweisen verstanden; das Unterbewusstsein wird dazu trainiert, an etwas zu glauben. Dies wird durch wiederholte Selbst-Affirmationen oder mittels Selbsthypnose erreicht und kann somit als eine selbst herbeigeführte Beeinflussung der Psyche angesehen werden. Bezogen auf individuelle und kollektive Gedanken, Handlungen und Aussagen (hier besonders: Gebete und Mantras) und mit durchaus sehr unterschiedlichen Zielen (z.B. Selbstheilung, Erkenntnis, Erleuchtung etc.) werden Affirmationen als eine das Bewusstsein positiv beeinflussende, bewusst ausgedrückte Haltung verstanden.

Bei der Autosuggestion wird derselbe formelhaft umrissene Gedanke über längere Zeit in Form mentaler Übungen wiederholt, bis er zum festen Bestandteil des unbewussten Denkprozesses geworden ist. Dies geschieht oft in Kombination mit Entspannungstechniken. Je nach weltanschaulichem Hintergrund wird erwartet, dass sich dieser Gedanke in Überzeugungen oder Tatsachen verwandelt. Dieser Prozess kann sowohl absichtlich wie auch unabsichtlich erfolgen, obwohl Autosuggestion üblicherweise die bewusste Anwendung bedeutet. Typische Wege, das eigene Bewusstsein durch Autosuggestion zu beeinflussen, sind sich die Auswirkungen einer Überzeugung bildlich vorzustellen, sie verbal zu bekräftigen oder sie mental durch permanente Wiederholung zu vergegenwärtigen (innerer Sprechgesang).

Autosuggestionen sind vielfach Bestandteil esoterischer und okkulter Verfahren. Zu den Anwendungsgebieten zählen unter anderem pseudomedizinische Verfahren wie das mentale Training und das positive Denken. Als weitere pseudowissenschaftliche Beispiele können die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht sowie Cobimax angeführt werden. Auch im Bereich der Spritsparkarten wird auf Autosuggestion aufgebaut.

Im Sport bestehen die Grundgedanken der Coué-Methode unter der Bezeichnung Mental-Training weiter.[1]

Geschichte

Die Lehre der Autosuggestion wurde von dem französischen Apotheker Émile Coué (26. Februar 1857 in Troyes, Frankreich; † 2. Juli 1926 in Nancy) im 19. Jahrhundert entwickelt. Er bemerkte, dass die Wirkung der Medikamente, die er seinen Kunden gab, davon beeinflusst wurde, mit welchen Worten er sie ihnen überreichte. Aus dieser Beobachtung entwickelte er den Gedanken, dass jeder Mensch sein Wohlbefinden steigern könne, indem er sich selbst Suggestionsformeln vorsagt.

Laut Coué kann man große Erfolge mit der einfachen Übung erzielen, sich lebenslang täglich nach dem Erwachen und vor dem Schlafen etwa 20 mal halblaut (damit der Satz über den Gehörsinn im Unterbewusstsein verankert wird) vorzusprechen:

 

„Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht
immer besser und besser!“

 

Hierbei sei es gleichgültig, ob man daran glaube oder nicht und was man bewusst dabei denke, solange nur die Lippen den Satz laut genug formten, damit er über die Ohren wieder zurückwirken könne. Hilfreich sei eine Knotenschnur oder ähnliches zum Abzählen. Coué empfahl, den Satz möglichst kindlich und unangestrengt zu sprechen, langsam und monoton in der Art einer Litanei oder eines Mantras, ohne den Willen zu sehr zu bemühen.

 

Bei akuten Schmerzen oder Beschwerden, gleich ob körperlicher oder seelischer Natur, gab Coué den Rat, die Hand auf die betroffene Stelle oder die Stirne zu legen und möglichst schnell zu wiederholen:

 

„Es geht vorbei. Es geht vorbei. Es geht vorbei...“

 

bis die Symptome abklängen. Die Selbstbehandlung sei bei Bedarf zu wiederholen; bei regelmäßiger Anwendung werde sich der Erfolg immer schneller einstellen und die Symptome immer seltener erscheinen, bis sie schließlich ganz verschwunden seien.

 

Coué betonte ausdrücklich, kein Wunderheiler zu sein, er habe lediglich als erster moderner Wissenschaftler und Mediziner das Primat der Vorstellungskraft über den Willen durchschaut und erkannt, dass beim Großteil aller Leiden die psychische Komponente die somatische überlagere und nach Ausheilung der physischen Erkrankung oft weiterbestehe. Da ferner alle Lebensvorgänge vom Unterbewusstsein her gesteuert würden, ließe sich durch bewusste Autosuggestion die Wirkung des Unterbewusstseins in Richtung einer Heilung beeinflussen. Coué pflegte es mit folgenden Worten auszudrücken: „Jede Vorstellung, die sich genügend stark eingeprägt hat, strebt danach, sich zu verwirklichen und verwirklicht sich, soweit ihr keine Naturgesetze entgegenstehen.“

Gastbeitrag aus: Psiram

zum vorherigen Blogeintrag                                                                         zum nächsten Blogeintrag 

 

Liste aller bisherigen Blogeinträge

Kommentare: 0

Impressum | Datenschutz | Cookie-Richtlinie | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.