„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Noceboeffekt

Im Gegensatz zum Placeboeffekt handelt es sich beim Noceboeffekt (lat. nocere = ‚schaden‘, nocebo = ‚ich werde schaden‘) (auch reverse placebo effect) um eine unspezifische, nicht auf einen bestimmten Wirkstoff gerichtete, psychische Abwehrreaktion. Man entwickelt Angst oder Ablehnung gegen eine Arznei oder eine Therapie, die als schädlich empfunden bzw. eingestuft wird. Dies ist unabhängig vom tatsächlichen Wirkungs- oder Nebenwirkungspotential der Arznei oder des Verfahrens. Tatsächlich kann der Noceboeffekt die Wirksamkeit von als effektiv erkannten Medikamenten subjektiv herabsetzen.

 

 

 

 

 

 

 

Nebenwirkung Tod: Buch von John Virapen mit beabsichtigter Nocebowirkung

Beispiele

·       In einer Chemotherapie-Studie fielen einigen Beteiligten, die ein Placebomittel erhalten hatten, die Haare aus, weil sie glaubten, dass Chemotherapie immer zu Haarausfall führe.[1] Der amerikanische Chirurg Fielding berichtete im Jahre 1983 darüber, dass bei einem Patientenkollektiv, dem ein Placebomittel (physiologische Kochsalzlösung) gegeben wurde, das aber als chemotherapeutisches Mittel angekündigt war, bei einem Drittel der Patienten ein Haarausfall zu beobachten war (im Durchschnitt wird bei der zytotoxischen Chemotherapie bei 1 bis 60% der Patienten ein Haarausfall beobachtet).[2]

·       Elektrosmog: Menschen, die sich als elektrosensibel bezeichnen, entwickelten unter Studienbedingungen auch dann eine Symptomatik, wenn keine hochfrequenten Felder anwesend waren, dies aber aufgrund der Umstände annahmen.[3]

·       Im Jahr 2007 wollte sich der 26-jährige Amerikaner Derek Adams nach der Trennung von seiner Freundin töten und schluckte 29 Kapseln eines Antidepressivums, das er im Rahmen einer verblindeten Medikamentenstudie erhalten hatte, und bekam Todesangst. Nach der massiven Überdosis sackte sein Blutdruck ab, er kam in die Klinik und sein Blutdruck konnte trotz Therapie nicht stabilisiert werden. Erst nachdem er von der wahren Natur des Medikaments erfuhr, normalisierten sich seine Werte wieder. Die Hälfte der Teilnehmer der Medikamentenstudie hatte echte Medikamente erhalten, den anderen waren nur Placebopräparate verabreicht worden. Adams wusste selbst nicht, dass er (zufällig festgelegt) nur ein Placebomittel erhalten hatte, und war ansonsten körperlich völlig gesund, wie eine Untersuchung ergab.[4][5]

·       Gruppenweise Hysterien und Erkrankungen an Schulen, wenn vorher in Medien auf bestimmte Umweltgefahren hingewiesen wurden.

 

·       Auch bei Tieren wirkt der Nocebo-Effekt. In einem Tierversuch wurde Ratten mit Saccharin versetztes Trinkwasser gegeben, bevor sie Cyclophosphamid, ein Zytostatikum, injiziert bekamen. Cyclophosphamid bewirkt unter anderem eine Immunsuppression. Zur Überraschung der Experimentatoren hatte nach der Konditionierungsphase das Saccharin allein eine immunsuppressive Wirkung.[6][7]

Quellennachweise

  1.  R. v. Bredow: Homöopathie. GEO Heft 6:44-56 (1997)
  2. Hochspringen Fielding, J.W.L.: An Interim Report of a Prospective, Randomized, Controlled Study of Adjuvant Chemotherapy in Operable Gatric Cancer: British Stomach Cancer Group. World Journal of Surgery 7 (1983): S. 390-99
  3. Hochspringen Negativer Placebo: Elektrosmog wirkt auch ohne Strahlung Spiegel Online, 26. Juli 2007
  4. Hochspringen Reeves RR, Ladner ME, Hart RH, Burke RS.: Nocebo effects with antidepressant clinical drug trial placebos. Gen Hosp Psychiatry, 2007 Mai-Jun;29(3):275-7
  5. Hochspringen http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/psychologie-ich-werde-schaden-1858100.html
  6. Hochspringen Tischer, H.: Und es wirkt doch Pharmazeutische Zeitung, 28/2010
  7. Hochspringen Ader, R., Cohen, N., Behaviorally conditioned immunosuppression. Psychosomatic Med., Vol 37, Nr. 4 (1975)

Gastbeitrag aus: Psiram

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