„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Sharm El-Sheikh

Ich kenne Max aus meiner Zeit in Panama. Er ist eine inspirierende Person, aber vor allem auch ein toller Freund für mich. Seit ich - studiumbedingt - mit Hauptwohnsitz in Göttingen wohne und er in Hamburg Medizin studiert trennen uns nicht mehr so viele Kilometer wie früher, und unsere Freundschaft darf wieder aufblühen.

Kurz vor der heißen Klausurphase schlug Max vor, wir könnten in den Semesterferien zusammen rumreisen. Am 21.- oder 22.02. wollten wir ursprünglich in einen innereuropäischen Last-Minute Flug steigen und uns den Zielort somit offenhalten. So war der Plan, bis wir am 19.ten auf ein Superangebot stießen: 

·         6 Tage Sharm-el Sheikh  (Ägypten)

·         inkl. Hin und Rückflug

·         inkl. Hoteltransfer

·         inkl. Aufenthalt in einem 4 Sterne Hotel

·         inkl. ausgiebigem Brunch

·         inkl. Fitness- und Wellnessbereich

·         Strandlage, usw. 

Das konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen.

Dass die deutsche Botschaft für Ägypten eine Reisewarnung aufgrund der Möglichkeit islamistischer Anschläge herausgeben hatte, juckte einige unserer Mitmenschen, uns jedoch weniger, statistisch ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher in der Schweiz wären einer Bergtour zu sterben, als in Ägypten während eines Terroranschlags.
Nun fühlt der Mensch nicht statistisch, weshalb man sich von seinen bloßen Gefühl nicht ins Bockshorn jagen lassen sollte.

Außerdem haben wir hiermit gerade die Entscheidung getroffen, die den Islamisten zuwiderläuft. Wir haben interkulturelle Begegnung geschaffen, statt physische oder gefühlte Mauern. Und wir haben uns in Verständnis und im Dialog geübt, statt die Unverständnis- und Gewaltspirale zwischen dem Westen und dem arabischen Raum noch weiterzudrehen. 

Wir haben einander zugehört. Max und ich haben den Ägyptern zugehört, die Ägypter haben Max und mir zugehört und nicht zuletzt haben Max und ich uns einander viel zugehört. Es war zuvorderst ein Urlaub des Zuhörens, des Verstehen-wollens und des Verstehens.

Wir durften unseren muslimischen Reiseführer Weyl verstehenlernen, der am Anfang jedes Gespräches traditionalistisch wirkte und eingeengt durch seine religiösen Wertvorstellungen, sich am Ende aber dann öffnete und durch seine eigene Argumentation selbst zu liberalisieren schien. Weyl begegnete uns wie ein Bruder und wir haben ihn sehr liebgewonnen. Liebgewonnen haben wir auch die Beduinen, mit denen wir mitten in der Wüste im Zelt sitzen, Schischa rauchen und Tee trinken durften. Oder den ängstlichen Schishaladenbetreiber bei uns im Hotel, der Christ war, aber nicht etwa vor den radikalen Moslems, sondern vor dem Westen ängstigte: ein die Gesellschaft sexualisierendes Internet und profitmotivierte Putsche (siehe z.B. Mossadegh), das war es was dieser Mann mit dem Westen assoziierte.

Klar haben ich und Max aber auch Sachen unternommen, alles andere wäre atypisch für uns gewesen:

(1) Einen ganzen Tag mit dem Quad durch die Wüste oder (2) mit der Yacht die Küste der Sinaihalbinsel entlang, Korallenrifftauchen, weiterfahren, sonnen, am Büfett vergehen und wieder ins Wasser zu neuen Unterwasserflora- und faunaen.

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