„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Jenseits der Grenzen

Vorsicht! Dieses Thema ist sehr philosophisch ...

Im vorigen Abschnitt sind wir (wie schon häufiger) an die Grenzen der Vernunft gestoßen. Wir haben gesehen, wie an den Grenzen der Vernunft Konzepte entstehen wie Allmacht oder Allwissen, die keinen Platz in der Vernunft haben und sofort zu Widersprüchen führen - diese Widersprüche von den Grenzen der Vernunft werden dann in die Religion "importiert" und bleiben dort, allen Auflösungsversuchen zum Trotz. Widersprüche in grundlegenden Annahmen bleiben bestehen und verletzen das minimale Wahrheitskriterium, die interne Konsistenz. Eine externe Konsistenz kann es erst recht nicht geben, denn es sind keine Tatsachen da, die wir prüfen können.

Wir haben den Bereich der "reinen Vernunft" betreten. Und "reine Vernunft" hört sich zwar gut an, ist aber ein Synonym für "reiner Unsinn"  [1]. Die Vernunft ist in einem bestimmten historischen Zusammenhang entstanden, den wir als Mesokosmos bezeichnen, die Welt, die wir mit unseren Sinnen und unserer Anschauung erfassen und begreifen können. Sie reicht von einigen Zehntelmillimetern bis zu mehreren tausend Kilometern, von einigen Gramm zu ein paar Tonnen, von der Geschwindigkeit einer Schnecke bis zu der eines Flugzeugs. Den kleineren Bereich "darunter" nennt man Mikrokosmos, den Bereich "darüber" Makrokosmos, bei den Geschwindigkeiten den relativistischen Bereich. Diese Welten sind für uns erfassbar und verstehbar, aber nicht mehr anschaulich. Sowohl Denken als auch Fühlen beziehen sich auf den Kontext Mesokosmos.

Gerade die Wissenschaft hat in diesen "neu entdeckten Welten" (Mikro- und Makrokosmos) ihre größten Triumphe gefeiert (und auch ein paar herbe Niederlagen einstecken müssen). Diese Bereiche befinden sich zwar jenseits der Anschauung, aber erstaunlicherweise nicht jenseits der Vernunft. Dieser Umstand spricht für die Universalität der Naturgesetze.

Auch hier an den Rändern franst die Vernunft aus und man kommt zu bizarren Schlussfolgerungen, und hier muss (und wird) besonders genau geprüft, ob denn die Hypothesen mit den beobachtbaren Fakten übereinstimmen. Gerade hier ist die Methode der kritischen Prüfung besonders wichtig und die Ergebnisse besonders unerwartet. Vor allem Letzteres muss man betonen: Weder im Mikro- noch im Makrokosmos sind die Dinge so, wie sie uns scheinen, dort ist die Welt auf eine nicht mehr vorstellbare Weise bizarr. Mit interner Konsistenz als Wahrheitskriterium käme man nicht weit. Wenn die interne Konsistenz das einzige Kriterium ist, dann wird man nur beobachten können, was man ohnehin annimmt.

Und jenseits der Welt des Meso- Makro- und Mikrokosmos soll sich noch eine Welt befinden - eine Welt jenseits der Vernunft, denn der Glauben beginnt, wo die Vernunft endet. Dies ist die übernatürliche Sphäre, und hier, so sagt man, residiert Gott, existieren Engel und Dämonen und andere unheimliche Lebensformen.

Wir haben ein unüberwindliches Problem: Wir können nur erkennen, was mit uns interagiert - eine supernaturalistische Sphäre kann für uns nicht existieren (siehe den Abschnitt über Supernaturalismus). Sie ist mit der Vernunft und ihren Hilfsmitteln weder erfahr- noch erfassbar. Und wenn sie es doch wäre, wäre sie nicht übernatürlicher Art, sondern Teil der Natur. Was sinnlich erfahrbar ist, ist auch potenziell wissenschaftlich erforschbar.

Die Wissenschaft geht vom Bekannten aus und tastet sich - sorgfältig jeden Schritt prüfend - in die unbekannten Bereiche der Welt hinein (sehr erfolgreich, wie man betonen muss). Jedes Bit an Informationen und Wissen wird dem Unbekannten abgerungen - dies erfordert Fleiß und Disziplin und ist eine Sisyphusarbeit. Es gibt auf diesem Weg keine Abkürzungen (leider). Einer der grundlegenden Irrtümer der Gläubigen besteht darin, eine Abkürzung gefunden zu haben - in reinem Denken, in reiner Vernunft, also in reinem Unsinn. 

Drängt man nun Gläubige in Diskussionen mit der Vernunft in die Enge und zeigt man ihnen, dass ihr Denken voller Widersprüche steckt, dann berufen sie sich auf den Bereich "jenseits der Vernunft". Die Vernunft, so argumentieren sie, kann nicht alles erfassen, es muss einen Bereich geben, der jenseits dieser Vernunft liegt, und dieser Bereich wird durch den Glauben "abgedeckt". An diesen Bereich kann man glauben, aber man kann ihn nicht erfahren und nicht der Wissenschaft zugänglich machen. Dieses Argument hatten wir schon, und ich habe es im Abschnitt über den 
Supernaturalismus zurückgewiesen. 

Dass es einen Bereich jenseits der Vernunft gäbe, den man durch eine andere Form des Denkens erfassen könne, beruht auf einem groben Unverständnis der Denkprozesse und einer mythischen Verschleierung der Welt. Um diesen Schleier werden wir uns jetzt kümmern. 

Wohlgemerkt: Ich werde nicht die Existenz einer Welt jenseits unserer Erfahrung bestreiten. Ich werde nur bestreiten, dass wir unter Umgehung der praktisch oder wissenschaftlichen Vernunft über dieses Jenseits irgendwelche sinnvollen (bedeutungsvollen) Aussagen machen können oder machen dürfen.


Was ist Denken? Ganze Bücher sind damit gefüllt worden, deswegen kann ich hier nur einen groben Überblick geben. Wir haben zwei verschiedene Zugänge zur Welt: über die Sinne und über unser Denken. Wobei mit "Welt" sowohl unsere "innere Welt" (Gehirn, Körper) gemeint ist als auch die äußere Welt. Beides ist miteinander verschränkt, die Ränder zwischen "innen" und "außen" sind unscharf und fließend  [
2]. 

Das Denken selbst besteht aus der Manipulation von Symbolen. Ein Symbol ist ein Platzhalter, der für etwas steht, was er selbst nicht ist. Das Wort "Stuhl" ist so ein Symbol. Kann man sich auf das Wort (= Symbol) selbst setzen? Nein. Nur auf einen realen Stuhl (reales Objekt) können wir uns setzen. Das Symbol für "Stuhl" bekommt seine Be-Deutung daher, dass es auf etwas deutet, nämlich einen realen Stuhl (das Objekt). Deuten in diesem Sinne ist eine bildhafte Umschreibung, aber wir können auch auf Klänge "deuten" oder auf Gerüche (alles im übertragenen Sinne), aber es handelt sich stets um Objekte der realen Welt. Wir lernen als Kinder die Be-Deutung, indem jemand auf das Objekt "Stuhl" zeigt (= deutet) und dann dazu sagt: "Stuhl" (oder: "Dies ist ein Stuhl"). Ein Symbol ist also selbst kein Objekt, sonder ein Platzhalter, der auf ein Objekt deutet und so seine Be-Deutung bekommt. Anders gesagt: Ein Objekt ist etwas, auf das wir mit Fingern zeigen (deuten) können - oder auf etwas anderweitig sinnlich Erfahrbares  [
3]. Das Symbol selbst steht nur für etwas, ist mit diesem Etwas aber nicht identisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies ist kein Stuhl - und dies ist auch kein Bild

von Rene Magritte!

Jedes Denken besteht nun aus der Manipulation von Symbolen. Wir können nach bestimmten Regeln und Metaregeln diese Symbole neu verknüpfen. Und wir können Symbole auf Symbole zeigen lassen! Damit "erschaffen" (konstruieren) wir eine Welt mit Symbolen, die eine neue Bedeutung bekommen - diese Bedeutung kommt dadurch zu Stande, dass wir die neuen Symbole auf alte (bekannte) Symbole zeigen lassen können. Meist zeigen die Symbole nicht auf ein einziges Objekt (oder Symbol), sondern auf eine ähnliche Klasse von Objekten (oder Symbolen). Symbole sind abstrakt. Wir haben so sehr gelernt, Symbole und Objekte miteinander zu vermischen, dass ein Bild wie das Obige uns irritiert - natürlich ist das kein Stuhl, es ist die Abbildung eines Stuhls (und eine Anspielung auf ein Bild von Rene Magritte mit dem Titel "Dies ist keine Pfeife" auf dem eine Pfeife abgebildet war). 

Wir können jetzt lange Ketten von Symbolen schaffen. A zeigt auf B, B zeigt auf C usw. usf., bis irgendwann ein Symbol auf ein Objekt deutet (also etwas, worauf wir mit dem Finger zeigen können). Diese Kette hat (wie alle Symbole) einen schweren Fehler: Alle Symbole deuten nur in eine einzige Richtung, nämlich zum Objekt (oder einer Klasse von Objekten oder einem anderen Symbol oder einer Gruppe von Symbolen ...) hin, aber nicht wieder zurück! Kein Objekt zeigt zurück auf sein Symbol! Symbole kann man dazu bringen, auf andere Symbole zurückzuzeigen (selbst referenzierende Symbole), in dem man eine Kette zu einem Kreis formt, aber in diesem Kreis gibt es keine Objekte, denn Objekte deuten nirgendwo hin. Und letztlich sind nur die Objekte Träger von Bedeutung, Symbole haben ihre Bedeutung stets nur "aus zweiter Hand" (oder dritter oder vierter oder x-ter Hand). Und die Deutungshandlung selbst ist willkürlich - deswegen gibt es verschiedene Sprachen. Es gibt zwar bildhafte Symbole, die ihrem Objekt ähnlich sind, aber wenn etwas mit einem Objekt identisch ist, ist es das Objekt selbst, ein Symbol ist nie mit seinem Objekt identisch. 

Objekte können selbst Symbole sein (Schilder z. B.), aber sie sind immer etwas, worauf wir "mit Fingern zeigen können" (oder anderweitig sinnlich erfahrbar machen können). Sie können zusätzlich auch ein Symbol sein. 

Das Denken selbst besteht nun aus der Anwendung von Regeln zur Manipulation von Symbolen. Sprache ist eine Form des veräußerten Denkens, auch auf das Wort "Stuhl" wird sich niemand setzen wollen, wenn ich es ausspreche. 

Aber wie kompliziert wir es auch betrachten, die Symbole selbst (an sich) haben keine Bedeutung. Symbole bekommen ihre Bedeutung von außen zugewiesen und am Anfang steht irgendeine Form der Zeigehandlung. Ohne Zeigehandlung keine Be-Deutung. Die Bedeutung des Worts "Stuhl" selbst ist keine andere als die des Wortes "nfeffewwwf", aber "Stuhl" ist mit einer Gruppe von Objekten der realen Welt assoziiert (= willkürlich verknüpft) und hat daher eine Bedeutung, während dies bei "nfeffewwwf" nicht der Fall ist (hoffentlich erzählt mir jetzt niemand, dass das Wort in Kisuaheli oder einer anderen fremden Sprache doch eine Bedeutung hat - das wäre aber reiner Zufall, keine Absicht). 

Abstraktionen sind Zusammenfassungen, bei denen wesentliche Aspekte herausgegriffen werden. "Rot" ist nichts, worauf wir direkt zeigen können, aber wir können auf Objekte deuten, die rot sind - und diese Eigenschaft wird dann hervorgehoben, so dass wir eine abstrakte Gemeinsamkeit zwischen einem roten Apfel und einem roten Ferrari entdecken. Und auch Abstraktionen lassen sich dann weiter abstrahieren, so dass jeder Zusammenhang zwischen der Abstraktion und dem realen Objekt verloren gegangen scheint. 

Auch in den längsten Ketten wird Bedeutung nur weitergereicht, nicht erschaffen - man kann sie über Ketten von Symbolen verteilen oder konzentrieren, man kann Symbole schaffen, die auf eine komplexe Gruppe von Symbolen zeigen und diese "Bibel" nennen usw. usf. Und alles dieses würde keine Bedeutung und keinen Sinn herstellen, wenn nicht an dem Anfang dieser Ketten irgendetwas Konkretes (sinnlich-Erfahrbares) stünde. 

Wenn wir Symbole im Kreis anordnen, woher soll dann die Bedeutung kommen? Sie kann nicht aus den Symbolen selbst kommen, denn die geben das nur weiter. Wir können auf diesen Kreis deuten und sagen "Unsinn", aber der Kreis zeigt nicht zurück und "hat nichts davon". Deswegen hat dieser Symbolkreis keine Bedeutung, erst in dem wir von außen darauf zeigen und den Kreis selbst an den Anfang stellen, können wir ihm Bedeutung zuschreiben. Meist in dem wir behaupten, der Kreis deute auf etwas (was er nicht tut - als Kreis nicht und als Objekt nicht). Wie die Objekte steht der Kreis jetzt "für sich selbst" und er deutet wie Objekte auf NichtsAber er existiert nur als Symbolkette, nicht als erfahrbares Objekt

Zusammenfassung: Symbole (Platzhalter) zeigen entweder auf Objekte dieser Welt oder auf Symbole. Be-Deutung haben weder Objekte noch Symbole selbst, sondern diese wird durch eine Zeige- oder Zuweisungshandlung erzeugt. Denken besteht aus einer Manipulation dieser Symbole - alles Denken ist symbolhaft bzw. findet mit Symbolen statt. 

Da Symbole also letztlich auf weltliche Objekte (sinnlich erfahrbare Dinge) oder auf künstlich erzeugte Symbolkreise zeigen, ist unser Denken in dieser Welt verwurzelt oder an imaginäre Symbolkreise gebunden, die selbst bedeutungslos sind. Denken ist Symbolmanipulation, und wenn diese den realen Vorgängen in der Welt nachgebildet wurde und denen genügend ähnlich ist, dann können wir Vorgänge der physischen Welt verstehen (sie in Gedanken nachvollziehen). Hier ist noch nichts über Logik ausgesagt oder andere Methoden des Denkens. 

Was ist mit Gefühlen? Gefühle sind innere Signalzustände unseres Körpers, also auch weltlich-irdische Dinge (nur für andere nicht sichtbar, weil im Körperinneren verborgen). Jedem Gefühl entspricht ein Vorgang in unserem Körper. Wir können dieses "merkwürdige Gefühl im Magen" mit dem Symbol "Hunger" assoziieren und fortan verstehen (nachvollziehen), was ein Anderer meint, wenn er sagt: "Ich habe Hunger". Wir sind ganz besonders in unseren Gefühlen irdisch-materielle Geschöpfe, und das gilt sogar für Gefühle wie "Liebe". 

Wenn es also eine Sphäre "jenseits des Verstands" gibt, dann können wir diese durch Denken nicht erreichen - das Denken ist davon entkoppelt. Eine Koppelung (und damit eine Be-Deutung) bekommen wir nur, wenn wir diese aus materielle Dinge dieser Welt zeigen lassen können, oder indem wir auf Symbolzirkel deuten, die selber frei von jeder Bedeutung sind und die an nichts gekoppelt sind. Durch diese Nicht-Koppelung haben wir auch keine Möglichkeit, herauszufinden, ob unsere Gedanken und die Prozesse in der Sphäre "synchron" oder ähnlich verlaufen. Eine Sphäre jenseits des Denkens existiert sowenig für uns wie eine supernaturalistische Sphäre. 

Je reiner die Fantasie, desto entkoppelter von dem Wirklichen ist sie. Koppelung an etwas Wirkliches setzt eine Deutungshandlung voraus, die wir hier nicht vornehmen können. Gleichgültig, auf welche Weise wir denken, ob es logisch oder alogisch ist. 

Die Götter waren früher Naturkräfte wie Wind oder Regen oder Blitze, auf die unsere Vorfahren mit dem Finger zeigen konnten. Mit der Entdeckung der eigenen Persönlichkeit bekamen diese auch personale Züge zugeschrieben, und der Monotheismus entstand schließlich aus der Verehrung der Sonne als zentrale und einzige Gottheit. Damals war ein Gottesbeweis ganz einfach: Man konnte (tagsüber) mit dem Finger auf den Gott zeigen, und man konnte eine Pflanze unter Lichtabschluss halten (sie ging dann ein) und so direkt beweisen, dass dieser Gott alles am Leben erhält. Gott war spür- und fühlbar und sogar sichtbar. 

Heute wissen wir, dass die Sonne "nur" ein glühender Feuerball ist, ein Gasofen, der Wasserstoff zu Helium verbrennt. Da es die Theologen leid waren, mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis ein neues Domizil für ihren Gott zu suchen, verlegten sie ihn in eine abstrakte und sinnlich nicht erfassbare Sphäre - ein Symbolzirkel, denn eine solche Sphäre ist für uns weder erfassbar noch erfahrbar - und da wir nicht auf sie deuten können, enthält sie auch keinerlei Be-Deutung. Der Gottesbegriff wurde seines Sinnes entleert, um ihn der Widerlegung entziehen zu können. Wenn aber etwas nicht widerlegbar ist (so haben wir gesehen) dann enthält es weder Sinn noch Wahrheit. Gott wurde von den Theologen aus dieser Welt verbannt. Und damit ist er tot (= nicht wahrnehmbar, nicht erfahrbar, nicht denkbar, nicht für unser Denken erfassbar). Die Theologen haben ihn umgebracht. Gott ist nur noch ein Wort.

Nun gibt es nur noch folgende Gründe, an Gott zu glauben:

 

  • Nur weil er eine Gedankenkonstruktion ohne Weltbezug ist, heißt nicht, dass er nicht existiert.
  • Wir können seine Existenz nicht widerlegen.
  • Ich habe persönlich etwas erfahren, was ich nicht deuten kann, und möchte es gerne als Gott bezeichnen.
  • Alle anderen tun es.
  • Die Bibel sagt es.
  • Ich kann mir eine Welt ohne Gott nicht vorstellen.

Keiner der genannten Gründe ist überzeugend, denn dasselbe können wir auch von unsichtbaren rosa Einhörnern, Invasoren vom Sirius oder Elvis Presley sagen. Und wenn es für die Existenz von etwas nur so schwache Gründe gibt, die man alle damit erklären kann, dass sie auf etwas deuten, was nur im Gehirn des Betrachters zu existieren braucht, um dieselbe Wirkung zu erzielen, dann sieht das nicht gut aus. 

Ja, alles Wirken von Gott zeigt nur auf Prozesse in den Gehirnen der Gläubigen. Außerhalb dessen gibt es keine Beweise, die auf seine Existenz deuten. 

Wir sind am Ende unserer Reise angekommen. Wir suchten Gott, aber wir fanden den Menschen und sein Denken. Und damit alle Probleme, die wir schon angeschnitten haben. Ab jetzt können wir uns um das kümmern, was wirklich wichtig ist, und was ich bislang vernachlässigt habe:

Den Menschen

Konfusius, er zitiert: "Gerade weil wir alle in einem Boot sitzen, sollten wir heilfroh sein, dass nicht alle auf unserer Seite stehen." (Unbekannt)


Anmerkungen:

1.    Deswegen nannte Kant sein Hauptwerk auch "Kritik der reinen Vernunft". Da reine Vernunft keine Beziehung zur Realität hat, ist sie so "abgehoben", dass man sie als reinen Unsinn bezeichnen kann.

2.     Gregory Bateson hat dies mit einer Frage sehr gut zum Ausdruck gebracht: "Wo beginnt und wo endet das Bewusstsein eines Blinden? Am Anfang oder am Ende seines Stocks". Die Unsinnigkeit dieser Frage verdeutlicht, dass es keine scharfe Grenzziehung gibt.

 

 Im Weiteren werde ich "mit Fingern auf etwas deuten" synonym verwenden zu: "etwas sinnlich Erfahrbares durch eine Deutungshandlung mit einem Symbol assoziieren" - das bezieht sich also auch auf Klänge, taktil erfassbare Dinge, Gerüche etc. pp.

Gastbeitrag von: Volker Dittmar

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Kommentare: 3
  • #3

    Seelenlachen (Montag, 29 Februar 2016 22:50)

    kurze Anmerkung: Beim obenstehenden Text handelt es sich um einen Gastartikel und die darin enthaltenen Thesen sind nicht die meinigen.

  • #2

    Gebhard Greiter (Montag, 29 Februar 2016 22:45)


    Deine These, all unser Denken bestehe aus der Manipulation von Symbolen, halte ich für falsch. Kreativ sein könnte man auf diese Weise sicher nicht (und künstlicher Intelligenz überlegen wäre der Mensch dann sicher auch nicht).

  • #1

    Gebhard Greiter (Montag, 29 Februar 2016 22:30)


    Reine Vernunft als reinen Unsinn zu klassifizieren halte ich für haarsträubenden Unsinn.

    Meine Definition der "reinen Vernunft" wäre: Wer "rein vernünftig" handelt, wendet ausschließlich die Gesetze der Logik an, hört aber niemals auf sein "Bauchgefühl". Wie sinnvoll solches Handel ist, sei dahingestellt - für eine Kritik der reinen Vernunft ist damit durchaus noch Platz.




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