„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die vollständige Falsifizierung der Germanischen Neue Medizin

Widerlegte falsifizierbare Kernaussagen der Germanischen Neuen Medizin

1. Einleitung

Die auf den ehemaligen deutschen Arzt Ryke Geerd Hamer zurückgehende Außenseiterlehre Germanische Neue Medizin (GNM) hat eine lediglich pseudowissenschaftliche Basis und kann sich nur auf retrospektive anekdotenhafte "Verifikationen" und erfundene, einfach strukturierte "Naturgesetze" stützen, die keinerlei wissenschaftliche Relevanz haben und nicht wissenschaftlich rezipiert wurden. Prospektive Studien fehlen völlig. Einzig prospektive, kontrollierte und seriös veröffentlichte Studienarbeiten hätten einen beweisenden Charakter und wären die Basis für eine Anerkennung. Retrospektive Betrachtungen (Beobachtungen über zurückliegende Ereignisse) haben prinzipiell den Makel der selektiven Auswahl des Datenmaterials und haben daher in der Regel nie einen beweisenden Charakter, da sie sehr leicht manipulierbar sind.

Der Erfinder Hamer hat darüberhinaus nie selbst wissenschaftlich publiziert (wenn man von seiner Dissertation über ein augenärztliches Thema absieht), sein Habilitationsversuch an der Universität Tübingen schlug aufgrund fehlender Belege und wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit eklatant fehl und wurde mit 150:0 Stimmen einhellig abgelehnt.[1] Auch sein Versuch, an der slowakischen Universität Trnava zu habilitieren, wurde abgelehnt. Hamers Hypothesen und Ansichten sind dagegen in seinen eigenen Büchern zu finden, die er zur Sicherheit ausschließlich in einem eigenen Verlag (Amici di Dirk) herausbringt, sowie auf diversen privaten Webseiten im Internet. Der Verkauf der Bücher trägt außerdem laut Hamers eigenen Angaben nicht nur zur Verbreitung seiner Doktrin bei, sondern dient seiner eigenen Finanzierung.

Zu den von Hamer angegebenen Behandlungserfolgen seiner Methode fehlen neutrale, seriös publizierte Beweise, die nachprüfbar und in allen relevanten Einzelheiten bekannt gemacht worden wären. Stattdessen gibt es eine Vielzahl an Berichten, die ein völliges Versagen mit Todesfolge für die Patienten dokumentieren, deren Namen zu einem großen Teil von Angehörigen bekannt gemacht wurden, um gegebenenfalls die Todesumstände nachzuprüfen. Die ergangenen Gerichtsurteile im In- und Ausland gegen Hamer und weitere Therapeuten, die seine Methoden anwandten, sowie der Entzug der Approbation sprechen ebenfalls eine klare Sprache. Neben Hamer wurde mehreren Ärzten die Approbation entzogen, als es zu Todesfällen nach Anwendung der GNM kam.

Obwohl die GNM aufgrund zum Teil absurder Hypothesen, interner Widersprüche sowie eines offensichtlichen Kontrasts zur tausende Jahre alten Medizingeschichte keine Relevanz in Diskussionen der wissenschaftlichen Medizin hat, konnte sie dennoch bei einer Minderheit von Ärzten, Therapeuten, Patienten sowie den Medien Beachtung finden. Viele deutsche und ausländische Patienten fühlten sich von dieser Lehre angezogen. Dies konnte offenbar geschehen, weil Hamer ein vorgeblich "in sich geschlossenes", komplett erscheinendes, primitives und vereinfachendes medizinisches Erklärungsmodell entwickelte. Dieses befriedigt und berücksichtigt einerseits verbreitete Patientenerwartungen, hat aber andererseits auch Anziehungskraft auf Massenmedien (insbesondere Boulevardpresse). Aus diesem Grund und weil es zu einer Vielzahl von vermeidbaren Fehlbehandlungen und Todesfällen im Zusammenhang mit der GNM kam, haben sich verschiedene Fachverbände und Experten zur GNM zu Wort gemeldet, in diesem Zusammenhang Material veröffentlicht und vor der GNM gewarnt. Eine weitere Motivation, sich für die GNM zu interessieren, liegt bei einer Minderheit von Patienten und Kranken in ihrer pauschalen Ablehnung von Ärzten und der heutigen Medizin, dies insbesondere in einem esoterisch und/oder anthroposophisch beeinflussten Umfeld. In Ländern wie Italien konnte sich Hamers Lehre besonders schnell ausbreiten, weil dort ein Misstrauen gegen Ärzte nicht selten ist. Das italienische Gesundheitssystem gilt seit langem als unterfinanziert und Gesundheitsskandale waren oft Gegenstand der dortigen Medien, was die Ausbreitung von Heilslehren bei einem Teil der Bevölkerung fördert. Aber auch eine pauschal Autoritäten ablehnende Haltung, wie man sie bei Jugendlichen antreffen kann, fördert ein generelles Interesse an Außenseitermethoden und Verschwörungstheorien. Da bietet sich die GNM mit den entsprechenden nonkonformen Inhalten geradezu an. Neben der politisch rechten Szene (z.B. im NPD-Umfeld, im rassistischen Bund für echte

DemokratieGemeinschaft Deutscher Frauen und KRR (kommissarische Reichsregierungen) sind also pauschal Arzt und Medizin ablehnende Menschen Zielpersonen für die Propagandisten der GNM. Dementsprechend können einige Befürworter der Neuen Medizin zwar aus ihrer Sicht eine Kritik der herkömmlichen wissenschaftlichen Medizin benennen, jedoch fällt es ihnen merkwürdiger Weise schwer, in gleicher Weise auch die kritikwürdigen Seiten, offensichtlichen Ungereimtheiten und internen Widersprüche der GNM zu erkennen. Ein Teil der GNM-Anhänger definiert sich also durch eine pauschale Ablehnung der evidenzbasierten Medizin.

2. Germanische Neue Medizin als Pseudowissenschaft

Hamers Ansichten sind häufig nicht überprüfbar. Er nennt zumeist keine überprüfbaren Quellen oder Referenzen, wie es ein wissenschaftliches Vorgehen erforderte. Dennoch hat er mehrfach eindeutig falsifizierbare und überprüfbare Angaben zu Einzelfragen gemacht. Eine Vielzahl dieser Angaben kann sehr leicht durch eine Durchsicht der Fachliteratur widerlegt werden, was die ansonsten meist kritisch eingestellten Anhänger der GNM in der Regel unterlassen. Sie glauben in der Regel ihrem Meister der Entdeckung (Hamers eigene Formulierung) lieber, als dass sie als angeblich kritisch denkende Personen Angaben auf Plausibilität hin überprüfen. Hamers Ansicht, Gesetze der Natur entdeckt zu haben und die Benennung eigener Hypothesen als Gesetze, stützt den Verdacht der Pseudowissenschaftlichkeit. Bereits 1887 schrieb Thomas Huxley: [...] Tatsächlich ist der fortwährende Gebrauch des Wortes "Gesetz" im Sinne von etwas Aktivem nahezu das Kennzeichnen einer Pseudowissenschaft. Ein solcher Gebrauch ist charakteristisch für die Schriften jener, welche sich an die äußere Form der Wissenschaft halten, aber keine Ahnung haben von deren Wesen [...].

Hamer erkennt oftmals nicht die Grenzen seines medizinischen Wissens und äußert sich als scheinbar allwissender Experte auf allen Teilgebieten der Medizin. Dem Prinzip des Dunning-Kruger-Effekts folgend,[2][3] erkennt er seine eigene Inkompetenz nicht und wird so zu einer Gefahr für Gläubige seiner Lehre.

Der belgische Psychologe Nady Van Broek äußerte sich in einer Stellungnahme zur GNM (siehe weiter unten: Stellungnahmen) und wies auf die Problematik hin, dass neben den Gefahren durch Unterlassung effektiver Therapien, bei einem Fehlschlag einer Behandlung der Patient Schuldgefühle entwickeln könne, die sein Leiden vergrößern. Da er vorgeblich Herr über seine Genesung sei, führe er also einen Fehlschlag auf ein eigenes Versagen zurück.

Schuldzuweisungen in Richtung Patient können sich aus einem starken Glaube an einen Einfluss der Psyche auf Krebserkrankungen ergeben, der dazu führen kann, dass Betroffene zwanghaft versuchen, negative Gefühle aller Art auszublenden, um einen künstlichen Zustand des dauerhaften Positiv Denkens anzustreben. Die Psychoonkologin Susanne Singer von der Universität Leipzig berichtete beispielsweise von einer jungen Brustkrebspatientin, die nicht weinen wollte, weil die Tränen angeblich Nahrung für die Krebszellen seien, wie man ihr einredete. Als Tyrannei des positiven Denkens hat die amerikanische Begründerin der Psychoonkologie Jimmie Holland dieses Phänomen scharf kritisiert. Denn das zwanghafte Unterdrücken negativer Gefühle kann zur seelischen Dauerbelastung werden und die Lebensqualität unnötig beeinträchtigen.

3. Komplex Psyche und Krebs

Laut der Hamerschen Germanischen Neuen Medizin gibt es ausschließlich eine von der Psyche gesteuerte Krebsentstehung. Seit vielen Jahrhunderten wird über eine mögliche psychische Ursache (Psychogenese) von Krebserkrankungen diskutiert, zuerst von Hippokrates, später von Galen. Spätestens seit Peregrinus Laziosi von Forli (1265-1345), dem katholischen Heiligen der Krebskranken, wird auch die psychologische Unterstützung bei Krebs und über die Spontanremissionen (Rückbildungen ohne eigentliche Therapie) diskutiert.[4] Peregrinus soll der erste gewesen sein, der glaubte, spontan von Krebs gesundet zu sein. Er soll sich selbst über Nacht von seinem Tumor am Schienbein geheilt haben. Im 19. Jahrhundert ging man vielerorts noch davon aus, dass so genannte Nervenzusammenbrüche dem Krebs vorangingen und generell Stress Krebs auslöse. Der Glaube an eine psychische Ursache von Krebs ist bei einem Teil der Bevölkerung tief verwurzelt. 40% der Australier glauben, dass Stress Krebs auslöst und 38% der Kanadierinnen glauben, dass Stress die Ursache von Brustkrebs ist. Auch viele Artikel in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen, der Boulevardpresse oder Fernsehsendungen fördern diesen Glauben. Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien stellt dies jedoch in Abrede und belegt nur sehr schwache oder nicht vorhandene Einflüsse der Psyche auf Krebsentstehung und Krankheitsverlauf. Gerade neuere, methodisch bessere (gerade prospektive) Studienergebnisse zeigen, dass die Psychogenese des Krebs nicht bewiesen werden konnte. Ein für den Patienten günstige und optimale psychologische Unterstützung kann jedoch den Krankheitsverlauf geringfügig günstig beeinflussen.

Bei dieser Frage muss zwischen direkten und indirekten Einflüssen unterschieden werden. Einerseits kann die Interaktion zwischen Psyche und dem Immunsystem die Krebsentstehung prinzipiell beeinflussen. Andererseits ist jedoch bekannt, dass unsere Psyche die Lebensgewohnheiten beeinflusst und daher auch unsere Bereitschaft zu krebsförderndem oder -hemmendem Verhalten. Wer sich viel aufregt, raucht vielleicht auch mehr oder bewegt sich weniger, trinkt mehr Alkohol (bekannter krebsfördernder Faktor) oder geht seltener zum Arzt. Des Weiteren muss klar zwischen dem individuellen psychischen Profil eines Menschen und den psychischen Folgen einer schweren Erkrankung unterschieden werden. Eine allgemein akzeptierte Theorie einer psychosomatischen Ursache von Krebs gibt es nicht. Die Krebsentstehung wird heute multifaktoriell gesehen, mit psychosozialen Faktoren, die aufgrund der gemachten Beobachtungen nur von sekundärer Bedeutung sind. Die heutige Forschung innerhalb der Psychoonkologie beschäftigt sich aktuell mehr mit den Fragen einer möglichst optimalen Unterstützung des Krebskranken. Das Thema einer identifizierbaren Krebspersönlichkeit des typus carcinomatosus, des cancer-prone Typus C nach Lydia Temoshok bzw. Typ I nach Ronald Grossarth-Maticek ist aufgrund der Studienlage ad acta, genau wie neurotische Modelle (Krebs als Geburtserlebnis, Libidostau bei Wilhelm Reich) der dynamischen Psychologie. In der Folge wurde in vielen Studien (mehrere Hundert) untersucht, ob es kausale Zusammenhänge zwischen der Depression, Stress (chronisch oder akut), traumatisch erlebten Ereignissen (life-event 11. September 2001, Tod eines Angehörigen) und Krebs gäbe. Viele Untersuchungen beschäftigten sich in diesem Zusammenhang mit dem häufigen Brustkrebs der Frau.

Ebenso gibt es viele Arbeiten zum Thema des so genannten coping-style, der Bewältigung der eigenen schweren Erkrankung. Beachtung hatte man dem fighting-spirit sowie dem rationalen lösungsorientierten Herangehen als Gegensatz zur Verzweiflung und des Sich-Aufgebens gewidmet. Wie Patienten emotional auf die Diagnose einer Krebserkrankung reagieren, hat jedoch nach heutigem Wissen keinerlei Auswirkungen auf die Prognose. Die mentale Einstellung des Patienten und sein fighting spirit haben keinen signifikanten Einfluss auf das Überleben oder den Verlauf einer Krebserkrankung. Das ist das Ergebnis einer Studie der US-amerikanischen Universität von Pennsylvania. Etwa 1.000 Patienten mit Kopf- und Hals-Tumoren nahmen an der Studie teil. Ob Patienten geheilt würden oder nicht, sei keine Frage der Einstellung von Patienten. Optimismus könne aber dabei helfen, die Folgen einer Behandlung besser zu verarbeiten und schneller zu einem normalen Leben zurück zu finden. Damit wurde auch eine unter Ärzten weit verbreitete Ansicht widerlegt, nach der die Psyche einen Einfluss auf die Prognose von Krebserkrankungen habe. Eine psychologische Unterstützung von Patienten kann die Verarbeitung der Krebsdiagnose fördern, die Prognose des Tumors bleibt dadurch jedoch unbeeinflusst, wie die Studie zeigt. Nach Einschätzung des Autors Coyne handelt es sich um die methodisch bisher beste Studie zur Fragestellung. Frühere Studien mit teilweise positivem Ausgang, nach denen eine starke Psyche sehr wohl die Prognose beeinflusse, wiesen nach Auskunft der Autoren alle Schwächen auf. Sie hätten Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen zusammengefasst und ihre Schlüsse hätten auf einer geringen Teilnehmerzahl und wenigen Todesfälle basiert und damit auf einer wackeligen Grundlage gestanden. Zu dieser Fragestellung publizierte die dänische Krebsgesellschaft 2005 eine groß angelegte Studie mit 8.527 Teilnehmern. Typische Merkmale von Lebenskrisen und vitaler Erschöpfung, dauerhafte Übermüdung, Energieverlust, Reizbarkeit und allgemeine Demoralisierung wurden dabei erfasst. Innerhalb von 8,6 Jahren nach der Befragung waren 976 Studienteilnehmer an Krebs erkrankt (12%). Die vital erschöpften und unglücklichen Menschen waren aber in dieser Gruppe keineswegs in der Überzahl. Im Gegenteil: Die "Pessimisten" wiesen sogar eine um 20% niedrigere Krebsrate auf.

·       Die Spontanremissionen. Diese treten bei etwa jedem 50.000. bis 100.000. krebskranken Menschen auf. Dennoch können, wie bei anderen Krankheitsverläufen auch, nach einer derartigen Remission Rezidive (Rückfälle) auftreten. Trotz intensiver Forschung (in Deutschland gibt es dazu zwei Arbeitsgruppen) ist es bis heute nicht gelungen, spontane Remissionen gezielt zu induzieren. Walter Gallmeier von der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie an der Medizinischen Klinik des Klinikums Nürnberg (wo gezielt an diesem Phänomen geforscht wird) sagt dazu: Es gibt keine Hinweise, auch nicht die Spur davon, wie man eine Spontanremission sozusagen erzwingen oder erreichen kann oder auf den Weg bringen kann. Wir wissen das nicht. Je stärker wir uns in dieses Thema hineinvertiefen, um so weniger können wir sagen, was denn eine Spontanremission auf den Weg bringt. Der Patient kann es nicht erzwingen. Dennoch wird heute in der wissenschaftlichen Medizin auch mit der BCG-Impfung bei Blasenkrebs und der therapeutischen Hyperthermie gearbeitet. Es war beobachtet worden, dass spontane Remissionen nach hohem Fieber und Infekten auftraten. Ein sehr bekannter Fall ist der des Patienten Wright aus dem Jahre 1957, der sich mehrmals nach Placebogabe vorübergehend von Krebs erholte, bis er dann dennoch starb.[5]

4. Komplex Händigkeit

Die Händigkeit, also die Frage nach Links- oder Rechtshändigkeit (bzw. Beidhändigkeit), spielt in der Neuen Medizin nach Hamer eine große Rolle, da hier davon ausgegangen wird, dass die Händigkeit in Zusammenhang mit einer möglichen Hemisphärendominanz (Dominanz einer Hirnhälfte gegenüber der anderen) zu sehen sei und daher Auswirkungen auf organische Erkrankungen habe. Aufgrund der Hamerschen "DHS"-Hypothese nach den Hamer-"Konflikten" soll die ermittelte Händigkeit des Menschen also relevant für Diagnose und Therapie sein, da - nach seiner Lehre - die Organabhängigkeit sich einzig aus den anatomisch bekannten absteigenden Bahnen ergäbe. Die Bahnen selbst kreuzen zum größten Teil im Bereich der Brücke (decussio pyramidalis im Pons), jedoch trifft dies nicht auf alle Bahnen zu.

Im Rahmen der GNM werden hauptsächlich zwei Verfahren zur Händigkeitsprüfung angewandt, die aber jeweils nicht validiert und wissenschaftlich völlig unbekannt sind. Eine Recherche in Datenbanken ergab keinerlei Treffer für den Hamerschen "Bet-Test" und den "Klatschtest". Warum sich Hamer nicht auf validierte Verfahren der Händigkeitsprüfung beruft, ist nicht bekannt. Wissenschaftliche Händigkeitsprüfungen (z.B. nach Rife oder Hand-Dominanz-Test nach Steingrüber für Kinder, Leistungsdominanz-Test nach Schilling oder Target-Test nach Borod), die komplizierter und zeitraubender umzusetzen sind, werden im GNM-Umfeld gemieden. Eine wissenschaftlich zu nennende Diskussion über diese Fragen findet nicht statt. Die Folgen der offenbar nicht aussagekräftigen Tests waren für Patienten verunsichernde unterschiedliche "Prüfergebnisse" des gleichen Probanden bei unterschiedlichen Therapeuten. In Internetforen der GNM-Anhänger sind entsprechende Klagen nachzulesen. In der Weltbevölkerung gibt es mehr Rechts- als Linkshänder, wobei umerzogene Linkshänder hier berücksichtigt sind. Nichtrechtshänder (also Linkshänder und Beidhänder) bilden etwa 5-30% der Bevölkerung; allgemein geht man von 15% aus, Frauen sind etwas häufiger Rechtshänderinnen. Zur Händigkeit gibt es viele Hinweise für eine Vererbung. Kinder von zwei Linkshändern sind beispielsweise zu 40% ebenfalls Linkshänder.

·       Hamer gibt an (Hamer RG: Vermächtnis einer neuen Medizin Seite 479), dass bei eineiigen Zwillingen stets einer Rechtshänder und einer Linkshänder sei. Dies belegt er nicht durch veröffentlichte Arbeiten und dies ist außerdem eindeutig falsch. Sowohl bei den ein- als auch zweieiigen Zwillingen ist der Prozentsatz der Linkshänder gleich hoch wie bei Nichtzwillingen oder war nur leicht erhöht. In 76% aller Fälle eines Linkshänders ist sein Zwillingsgeschwister ebenfalls Linkshänder(in). Auch Beziehungen von Eigenschaften der Fingerabdrücke zur Händigkeit existieren: Siehe Coren 1994. Wie wären diese Merkmale anders als über die Vererbung zu erklären? Die Papillarlinien verändern sich ab Geburt ja nicht mehr. Die Händigkeit ist nicht die einzige Lateralisierung des Menschen. Laut Reiss von der Uni Dresden sind 4 Lateralisierungen beim Menschen bekannt. Rechts wird bei allen Lateralisierungen bevorzugt. Nach Reiss: Hand: 91%, Fuß: 74%, Auge: 66% und Ohr 63%.

·       Hamer legt sich fest, auf welcher Körperseite Menschen Kleinkinder halten oder wiegen: Es sei immer die Gegenseite der dominanten Hand. Auch dies stimmt nicht. 70-80% aller Menschen und auch die Mehrheit der Primaten wiegen ein Baby auf der linken Seite und zwar unabhängig von der Frage, ob sie Rechtshänder sind oder nicht. Salk war 1960 der erste der dokumentierte, dass in der Mehrheit der Fälle ein Kind links gehalten wird, und zeigte 1973, dass es keine Beziehung zur Händigkeit gibt. Das Gleiche fand de Chateau. Er stellte 1983 fest, dass es keine Beziehung zur Händigkeit gab. Zum gleichen Ergebnis kam Georgia Mason: Zitat: [...] 80 per cent of women hold it against the left side of their body, regardless of whether they are left- or right-handed. Now researchers have discovered the female chimpanzees and gorillas show the same bias. Zitat Ende Diese Meinung wird auch von weiteren Forschern vertreten.

5. Komplex radiologische Diagnostik / GNM-eigene CT-Interpretationen

Die Diagnostik der GNM beruft sich nach Aussagen ihrer Befürworter auf eine besondere, GNM-eigene und eigentümliche Interpretation von Computertomographien des Schädels, die allerdings in sich widersprüchlich und zudem ungenau formuliert ist. Selbst GNM-Anhänger haben Probleme, von Hamer erstellte CT-Diagnosen nachzuvollziehen. Viele GNM-Therapeuten geben intern zu, Hamers Interpretationen nicht nachvollziehen zu können. In Italien haben beispielsweise viele GNM-Therapeuten den Versuch völlig aufgegeben, CTs zur GNM-eigenen Diagnostik mit einzubeziehen. Hamers eigenwillige CT-Interpretationen, die beispielsweise in seinem Buch Vermächtnis einer neuen Medizin dokumentiert sind, erinnern an das esoterische Pendeln oder Kaffeesatzlesen: Da werden Ärzten bekannte körpereigene Strukturen (zum Beispiel Gyri des Großhirns) als DHS erkannt. Da wird willkürlich (offenbar aufgrund der vorher angenommenen Händigkeit oder bereits vorab erkannter Erkrankung oder Symptomatik) festgelegt, auf welcher Seite des Gehirns nun das gemeinte DHS sei, auch wenn auf beiden Seiten alles gleich aussieht. Laut GNM-Lehre soll es im Rahmen eines angenommenen DHS zu radiologisch (lediglich im CT) erkennbaren Veränderungen kommen, den so genannten Hamerschen Herden. Diese seien den Radiologen bislang unbekannt geblieben, äußerte sich dazu der Nichtradiologe Hamer wissend. Bei Betrachtung von CTs, die derartige Veränderungen zeigen sollen, erweist sich jedoch, dass diese entweder durchgehend mit aus der Fachliteratur altbekannten technischen Artefakten der Radiologie verwechselt werden, oder aber dass Strukturen, die Röntgenärzten seit lange bekannt sind und in der Fachliteratur beschrieben werden, GNM-typisch umdefiniert werden, ohne sich dabei (wie in der Medizin sonst üblich) auf pathologische Befunde zu stützen.

Ein Teil der im CT sichtbaren Veränderungen soll nach Hamer instantan einsetzen, ohne Zeitverzug. Dabei werden morphologische Veränderungen, Zu- oder Abnahmen von Gehirnsubstanz verneint. Die im CT dabei erkannten Ringstrukturen der sogenannten ca-HHs (in Wirklichkeit Ringartefakte) ständen in einem Zusammenhang mit funktionellen Veränderungen. Die angenommene veränderte Hirnaktivität äußere sich sodann in angeblichen Kurzschlüssen oder einer veränderten Beugung der Röntgenstrahlung. Dies ist jedoch auszuschließen, da eine unterschiedliche Beugung Dichtedifferenzen (Massedifferenzen) voraussetzen müsste. Somit widerspricht sich diese Hypothese.

Die in der GNM gemeinten Veränderungen seien gleichzeitig Veränderungen, die Organveränderungen bedingten. Prinzipiell wird jedoch nicht der Frage nachgegangen, ob es sich um eventuelle retrograde Degenerationen handeln könnte, die in der experimentellen Anatomie (zusammen mit speziellen Färbemethoden) bei Tierexperimenten angewandt werden.

Prinzipiell bedeutet jede Computertomographie eine hohe Strahlendosis. Daher muss von einer solchen Untersuchung eine hoher Nutzen ausgehen, der die Strahlenbelastung und auch die Kosten rechtfertigt und die Entscheidung zur Untersuchung muss wohl erwogen werden. Die Belastung liegt bei etwa 4 milliSievert (mSv) bei einer isolierten Schädeluntersuchung und entspricht in etwa der Gesamtdosis, die ein Mensch auf Meereshöhe durch natürliche und künstliche Strahlung pro Jahr erhält. Eine Gesamtkörperuntersuchung ergibt die 5-fache Belastung von 20 mSv (5 Jahresdosen). Eine klassische AP-Aufnahme entspricht im Gegensatz dazu einer Belastung von nur etwa 0,1 mSv. In GNM-Kreisen ist es dagegen üblich, auch bei banalen Erkrankungen eine CT-Untersuchung zu erwägen, was ein Verstoß gegen das Primum nil nocere-Prinzip medizinischer Ethik ist. Da Radiologen prinzipiell nur nach gegebener Indikation untersuchen, kursieren in GNM-Kreisen die Namen von Radiologen (auch in Spanien), denen unterstellt wird, großzügig präsentierte Indikationen zu akzeptieren, von denen sie auch gleichzeitig finanziell profitieren. Nach Aussagen der Fernsehsendung Kontraste (ARD) soll es in diesem Zusammenhang zu einem Ermittlungsverfahren gegen einen deutschen Radiologen gekommen sein, der von dem Kölner Heilpraktiker Johann Siegfried Mohr überredet worden sein soll, einen radiologischen Befund zu fälschen.[6]

6. Fehler und Widersprüche des sogenannten 
Ontogenetischen Systems der Mikroben

Hamer stellte auch zur Infektionslehre und Mikrobiologie Hypothesen auf, die mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber auch Jahrtausende langer Erfahrung in der Medizin nicht in Einklang zu bringen sind. Verkürzt dargestellt seien Infektionskrankheiten (auch Tetanus, Tollwut oder Ebola) letzendlich psychosomatische Erkrankungen und die hinlänglich bekannten Erreger seien prinzipiell harmlos und sogar hilfreich. Eine Ausnahme wird bei Viren gemacht, zu deren Existenz Hamer unterschiedliche Angaben gemacht hat. Einerseits werden diese generell in Frage gestellt, andererseits könnten sie aber bestimmte ektodermale Organe infizieren. Hier kann sich die Lehre nach Hamer nicht entscheiden.

Bestandteil seiner Hypothese ist eine postulierte Keimblattverwandtschaft von Mikroben. Nach Hamer seien zu bestimmten keimblattverwandten Organgruppen bestimmte keimblattverwandte Mikroben nach einem unbekannten System zuzuordnen. Hamer unterteilt dazu alle Mikroben (inkl. Viren) in verschiedene Klassen und zwar einerseits in Abhängigkeit zu ihrem, von Hamer vermuteten, stammesgeschichtlichen Alter und gleichzeitig in Abhängigkeit zur menschlichen individuellen Entwicklungsgeschichte (Ontogenese). Er unterstellt dabei stillschweigend ein ontogenetisches "Alter" der verschiedenen Mikroben, das zur Entwicklungsgeschichte des Menschen analog verlaufe. Hamer bezieht sich hierbei auf die Hypothese der Biogenetischen Grundregel (Rekapitulationstheorie)[7] des Darwinanhängers und Monisten Ernst Haeckel (1834 - 1919) und Ansichten von Karl Ernst von Baer[8], die in der menschlichen Entwicklungsgeschichte (Ontogene) eine analoge Wiederholung der Phylogenese sehen. Die Rekapitulationstheorie bezieht sich lediglich auf den Phänotypus. Auch widerspricht seiner Hypothese die alltägliche Beobachtung von Pilzinfektionen (Mykosen) der Haut (also von Organen ektodermalen Ursprungs), die von der Großhirnrinde innerviert sind (Hautpilze, Mundsoor, Onkomykosen usw.), die es nach Hamer genauso nicht geben dürfte wie eine Knochentuberkulose. Bei dem Versuch, Ontogenese des Menschen und Phylogenese der Mikroben logisch unter einen Hut zu bekommen, unterlaufen Hamer kapitale Fehler, die seine ganzen weiteren Erfindungen beeinflussen und somit logisch in Frage stellen. Ontogenetisch entwickeln sich nämlich die primären Keimblätter der zweiblättrigen Keimscheibe gleichzeitig in der 2. SSW. Erst ab der 3. SSW kann später von der Existenz eines Mesoderms gesprochen werden, noch später vom Neuralrohr. Es ist daher falsch, die sich gleichzeitig entwickelnden Keimblätter Entoderm und Ektoderm in eine Hamer'sche Altzeit und Neuzeit einzuteilen und das Mesoderm ontogenetisch-zeitlich dazwischen anzusiedeln.

7. Offensichtliche Widersprüche

·       Hamer ließ seinen eigenen Hodentumor an der Universtätsklinik Tübingen erfolgreich operieren. Bis heute (nach 26 Jahren) scheint kein Rezidiv aufgetreten zu sein. Nach seinen eigenen Angaben gehört er aber damit zu jenen angeblich 2%, die eine herkömmliche Krebstherapie überlebt haben. Gleichzeitig verstarb jedoch seine Ehefrau 1985 an den Folgen eines Krebsleidens (Brustkrebs linke Brust).[9] Aus Zeugenaussagen ist bekannt, dass er allerdings vor ihrem Tod einen enttäuschenden GNM-Therapieversuch unternahm, der jedoch erstaunlicherweise trotz angeblich zu erwartender Wahrscheinlichkeit von etwa 95% nicht überlebt wurde. Die Gesamtwahrscheinlichkeit dieser Konstellation liegt nach GNM also bei lediglich 1:1.000, während sie aus Betrachtung der Modernen Medizin als eine häufige und realistische Konstellation anzusehen wäre. Auch das Mädchen Olivia Pilhar, die chemotherapeutisch behandelt wurde, lebt heute noch (heute erwachsen). Hier Hamer noch während der Behandlung Horroraussagen über ihre Überlebenschancen gemacht. Dabei steht er im klaren Widerspruch zu seinem angeblichen Anliegen, Patienten und Angehörige nicht in Panik zu versetzen. Im Jahr 2008 war ihre Behandlung bereits dreizehn Jahre her. Dies wäre nach GNM-Lesart aber de facto unmöglich, da ja eine Chemotherapie bei Krebs tödlich sei.

·       Die Angaben zur Krebsentstehung aus Sicht der GNM widersprechen der weltweiten Beobachtung, dass Krebs in allen seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen erst nach einer relativ langen Latenzzeit auftritt. Hamers eigener Hodenkrebs soll durch den Tod seines Sohnes ausgelöst worden sein. Dieser starb jedoch bereits 2 Monate vor der Beobachtung seines Hodentumors. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ergibt sich, dass typische Latenzzeiten bei Erwachsenen bei 5-70 Jahren liegen, im Mittel bei 8 Jahren. Lediglich bei Kindern sind kürzere Latenzzeiten bekannt.

·       Es gibt im Tierreich mehrere gut untersuchte Krebsformen, die von Tier zu Tier durch Bisse oder den Deckakt übertragbar sind. Es sind die übertragbaren Tumoren. Dazu gehören das Sticker-Sarkom der Hunde (CTVT) und die DFTD-Tumoren des tasmanischen Beutelteufels. Darüber hinaus lässt sich Krebs bei Inzucht-Versuchstieren experimentell übertragen. Diese Form der Krebsentstehung ist mit der GNM nicht kompatibel.

·       Die bekanntlich im Reagenzglas induzierbare Veränderung einer isolierten Zelle zu einer Krebszelle bedürfe des Einflusses einer steuernden, zellulären Psyche, die es aber nicht gibt (so müsste ein Nervensystem aus Neuronen innerhalb einer Zelle bestehen können). Anhänger der GNM gehen mitunter trotzdem von der Existenz einerzellulären Psyche aus, um das Paradoxon zu ermöglichen. Dann jedoch benötigte eine Körperzelle keines biologischen Konfliktes im zentralen Nervensystem (bzw. Hirn), um sich zu einer Krebszelle umzuwandeln. Mit einer derartigen Argumentationsweise widerspricht sich die GNM daher ebenfalls selbst. Die Umwandlung einzelner Zellen bei Anwesenheit krebserregender Substanzen oder Strahlen unter Laborbedingungen widerlegt bereits die "Naturgesetze" von Hamer.

·       Tumoren können sich auch in transplantierten Organen neu bilden, trotz der Unterbrechung der Nervenversorgung. Diese Tatsache ist mit den Hamerschen biologischen Gesetzen überhaupt nicht vereinbar und widerlegt diese. Israelische Forscher publizierten im Februar 2009 eine Studie über einen Hirntumor, der sich bei einem Kind aus transplantierten Zellen einer Stammzellentransplantation entwickelte. Nach einer Meldung des österreichischen ORF vom 9. Dezember 2009 wurde im Juli 2007 einem Dialysepatienten an der LKH Klagenfurt eine Spenderniere transplantiert, die Tumorzellen enthielt. Der Spender hatte mehrere bis zu fünf Zentimeter große Tumore in verschiedenen Organen. So wurden etwa in Lunge und Milz des 57 Jahre alten Villacher Organspenders zwei Zentimeter große Tumore festgestellt und in der Harnblase waren fünf Zentimeter große Tumoren. Als bei einem anderen Patienten, der eine Spenderniere des gleichen Spenders erhalten sollte, Metastasen im Spenderorgan entdeckt wurden, entschloss man sich, die transplantierte Niere nach nur zwölf Stunden zu explantieren. Zwei Jahre später starb der transplantierte Patient jedoch. Eine DNA-Analyse zeigte, dass das Tumorgewebe des Steirers vom Spendertumor stammte. Im Nachhinein ergab sich, dass eine Ultraschalluntersuchung vor der Transplantation die Mikrometastasen nicht erkennen ließ. Ein positiver Tumormarkertest wurde ignoriert.[10]

·       Die GNM-Lehre akzeptiert zwar, dass grundsätzlich Krebs nach Einwirkung von ionisierender Strahlung (Röntgen-/Gammastrahlung sowie Korpuskularstrahlung) nach einer Latenzzeit auftritt, führt dies aber auf angebliche Panik oder Angst bei den Bestrahlten zurück, die zu einem biologischen Konflikt führe. Diese Vermutung lässt sich leicht anhand der Medizingeschichte widerlegen: Den ersten Ärzten, die Röntgenuntersuchungen durchführten, waren die Gefahren ionisierender (Röntgen-)Strahlung natürlich nicht bekannt. Daher wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch kein Schutz vor den Strahlen vorgesehen. Folge waren typische Krebserkrankungen bei den damaligen Radiologen, die erst mit der Einführung von Schutzmaßnahmen nicht mehr auftraten. Aber auch die Einführung der radioaktiven Thorotrast-Kontrastmittel in der Radiologie 1928 und ihre Folgen widerlegen diese Vermutung. Aufgrund der Strahlenschäden durch Thorotrast starb damals etwa ein Drittel der Behandelten (die meisten davon an Krebs). Die Patienten und anwendenden Ärzte wussten aber nichts über die Beschaffenheit des Kontrastmittels und deren Gefahren.[11]

·       Das gleiche gilt für das Radium-224-haltige Mittel Peteosthor. In Mexiko stahlen Kinder auf einem Schrottplatz Kobalt-60-Kugeln, die aus verschrotteten Geräten der medizinischen Strahlenheilkunde stammten. Die Kinder spielten mit den Kugeln und bekamen Krebs. Sie wussten nicht um die hohe Radioaktivität des Kobalt-60 und konnten daher keine Panik davor haben.

·       Morphin (Morphium). Laut GNM sei die Anwendung dieses potenten Schmerzmittels tödlich. Tatsächlich sind jedoch die Nebenwirkungen des Morphins gut bekannt. Patienten dosieren sich beispielsweise oft selbst, indem sie nur die gerade erforderliche Menge an Tropfen einnehmen, die zur Schmerzlinderung ausreicht. Morphin hat auch keinen ceiling-Effekt. Der Konsum von Morphin lag 1995 in Deutschland bei etwa 7,5 kg/Million Einwohner/Jahr und lag damit weit unter dem Verbrauch in Dänemark mit 83 kg. Im Jahr 2002 stieg der Verbrauch in Deutschland auf 22 kg an, während der Verbrauch in Dänemark 92 kg, in Österreich 152 kg, in Großbritannien 353 kg und Ungarn 577 kg/Million Einwohner/Jahr betrug. Der geringste Verbrauch wurde in Brasilien festgestellt. Dennoch ist die Prognose und Mortalität eines deutschen Krebskranken nicht besser als die eines dänischen oder österreichischen Patienten. Morphin kann neben seiner schmerzstillenden Wirkung auch kausal bei Krebserkrankungen wirksam sein: Studien zeigen, dass dieses Opiat (aber auch das verwandte Buprenorphin) postoperativen Stress mindert und daher eine Auswirkung auf das Immunsystem und somit das gesamte Krankheitsgeschehen hat. Genauere Untersuchungen zeigen, dass die stressmindernde Wirkung gegenüber der bekannten Hemmung des Immunsystems durch Morphin überwiegt.

8. Publizierte Falschangaben und/oder ohne Beleg

Hamer machte im Zusammenhang mit seiner Methode viele Einzelangaben, die sich als prinzipiell überprüfbar, aber gleichzeitig eindeutig fehlerhaft herausgestellt haben:

·       Angaben zur Prognose bei Krebs. Seiner Meinung nach würden nur wenige Prozent aller Patienten eine übliche Therapie überleben; Hamer gibt oft den falschen Wert 2% an und verbreitet dabei unter Betroffenen und Angehörigen eine unnötige Angst. Eine Angst, die seiner Ansicht nach krebsfördernd sei. In Wirklichkeit überleben heute in Deutschland etwa 55% der Patienten länger als 5 Jahre. Dabei ist seit Jahren regelmäßig eine Zunahme dieses Wertes zu beobachten, während seit den 1990er Jahren gleichzeitig auch die altersbereinigten Neuerkrankungen rückläufig sind. Angaben des RKI zu Deutschland[12][13] zu Europa/USA[14]. Siehe auch die Arbeit von Lock als Übersicht über die zeitliche Entwicklung der Krebsmortalität in Deutschland von 1900 bis 1990. Die deutschen Zahlenwerte werden dabei allerdings noch von anderen Ländern übertroffen. In den USA liegt die Prognose mittlerweile bei etwa 69%. 1995 gab das National Cancer Institute (USA) für 1920 noch den Wert von 20% an. Die US-amerikanische SEER-Datenbank zeigt, dass die 5-Jahres-Überlebensdauer in den USA bei allen bösartigen Krebserkrankungen kontinuierlich anstieg. Sie lag 1975 bei 50,2%, und 2001 bei 68,2%. Die 10-Jahres-Überlebensdauer stieg von 44,5% im Jahr 1975 auf 60% im Jahr 1996 (neuere Daten sind wegen der langen Beobachtungsdauer dazu nicht bekannt).[15] Überlebten in den USA laut den SEER-Statistiken des U.S.-amerikanischen National Cancer Institute (NCI) 1950 bis 1954 nur insgesamt 35 Prozent aller Patienten ihre Krebserkrankung über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, waren es in den Jahren 1999 bis 2005 insgesamt 69,1 Prozent. Zur Situation in Österreich siehe: Opfer der Germanischen Medizin

·       Angaben zur Chemotherapie bei Krebs. Die Chemotherapie ist das drittwichtigste Therapiekonzept der modernen Krebsbehandlung, wird aber häufig nur zusammen mit einem anderen Verfahren eingesetzt. Der zusätzliche Gesamtnutzen auf alle Krebserkrankungen bezogen liegt bei Werten um 10%. Die vielen Fälle, bei denen keine Chemotherapie erfolgt, sind dabei mit eingerechnet. Bei einigen Erkrankungen haben sich Zytostatika als sehr wirksam erwiesen: die ALL (Leukämie) im Kindesalter wird heute zu 80% überlebt, während dies in den 1960er Jahren nur bei etwa 5% der Fall war. Ähnliche gute Ergebnisse gibt es für den Hodenkrebs und das Hodgkin-Lymphom.

·       Zahlenangaben zur Krebsinzidenz und Krebsmortalität. Hamer spricht immer wieder von '"'1.500 täglich ermordeten Krebskranken" in Deutschland, 2007 begrenzt er dies auf nichtjüdische Krebskranke: "Durch die Erkenntnisunterdrückung sterben bei uns täglich 1.500 Nichtjuden [...]" und erweckt den Eindruck,jüdische Patienten hätten eine bessere Prognose. Der Webauftritt FAKTuell des GNM-Anhängers Christoph Lenz schließt sich dem auch beleglos an: "Pro Tag sterben 1.500 Menschen in Deutschland - angeblich an Krebs. Tatsächlich jedoch an Chemotherapie [...]" und "Laut Krebsforschungsinstitut Heidelberg sterben 95 Prozent aller Krebspatienten trotz oder gerade wegen der Chemotherapie im Verlauf von 5 Jahren [...]".[16] Die Realität: 2002 erkrankten in Deutschland insgesamt 420.000 Menschen an Krebs und 210.000 starben an Krebs. 210.000/365 ist aber nur 575, die Angabe ist also grob falsch. Außerdem: 1.500 x 365 = 547.500. Nach Hamer würden also mehr Menschen an Krebs sterben, als an dieser Krankheit erkranken. Dies wäre nur zu erklären, wenn jährlich konstant etwa 300.000 sterbende Krebskranke einwandern würden, was absurd ist. Nachdem dieser Text bei Psiram (damals noch Esowatch) einige Monate veröffentlicht war, muss Hamer im Juni 2008 ebenfalls klar geworden sein, dass er in diesem Zusammenhang absurde und nicht durch Daten abgesicherte Behauptungen aufstellt. In einem offenen Brief versuchte er seine Meinung durch eine neue Verschwörungstheorie zu untermauern und schrieb: "Im Jahre 2004 wurde an die Ärzte in Deutschland die Weisung von der Ärztekammer ausgegeben, nicht mehr Krebs als Todesursache auf die Totenscheine zu schreiben, sondern – Herz-Kreislaufversagen. Das stimmt ja immer. Jetzt sterben nur noch 500 täglich an Krebs, mit fallender Tendenz, bald nur noch 200. Merkt Ihr, das ist Propaganda, wie mit Angriff auf die Lazarettstadt Dresden im Februar 1945: Erst waren es über eine Million Tote, dann 600.000, jetzt nur noch 29.000, und in ein paar Jahren vielleicht noch „ganz unbedeutend wenige" [...]". Natürlich nennt Hamer die angebliche Weisung nicht, die Ärztekammern haben ohnehin keine Weisungsbefugnis auf die GEKID oder das Robert-Koch-Institut und somit auf die Erstellung der verschiedenen Krebsregister, die sich ja auf die Daten der einzelnen Bundesländer beziehen. Konsequenz einer solchen Weisung wäre ab 2004 eine abrupte Abnahme der Krebsmortalität um 66% bei gleichzeitiger plötzlicher und grotesker Zunahme der Mortalität bei Herz-Kreislauferkrankungen um mehr als 100%. Da sich aber die deutsche Todesursachenstatistik parallel zu den Erhebungen in anderen Industriestaaten entwickelt (auf die mit Sicherheit keine deutsche Ärztekammer einen Einfluss hat), die eine solche sprunghafte Entwicklung natürlich nicht zeigen und da Hamer seine Aussagen zu den angeblichen 1.500 täglichen Krebstoten bereits lange vor 2004 machte, macht sich Hamer hier völlig lächerlich.

·       Krebsinzidenzen und Krebsmortalität in Israel: Am 6. Juli 2009 ließ Hamer einen offenen Brief an Freunde - Krebstote in Israel verbreiteten, in dem er die Zahl der Krebstoten in Israel kommentierte. Laut eigenen Ansichten werde ja dort seine Neue Medizin angewendet. Er bezog sich dabei auf einen Zeitungsartikel in Haaretz, der in einem Newsletter der israelischen Botschaft zitiert wurde. Hamer schrieb: "So starben - laut Newsletter der Botschaft - im Jahr 2004 in Israel 152 Menschen an Krebs, und im Jahr 2003 wären es noch 160 Tote gewesen (Anm. bei ca. 6,2 Mio Einwohnern). In Österreich z.B. starben 2008 demgegenüber 19.785 Menschen (bei 8,3 Mio Einwohnern). Und in Deutschland sterben täglich qualvoll 1.500. Natürlich kann man davon ausgehen, daß das auch für alle Juden außerhalb von Israel gilt, d.h. praktisch kein jüdischer Patient stirbt mehr an Krebs. Dagegen sterben die nicht-jüdischen Patienten weltweit zu 98% an Chemo und Morphium. Deshalb findet man auch keine jüdische Chemoleiche. [...] Doch nun haben die Juden quasi selbst das Lügenkartenhaus zum Einsturz gebracht. [...] Israel selbst hat uns praktisch den Beweis dafür geliefert, daß es niemals in der Geschichte der Menschheit eine Gruppe / Religionsgemeinschaft oder mafiöse Vereinigung von derartiger globaler Menschenverachtung, krimineller Energie und Grausamkeit, allen nichtjüdischen Menschen gegenüber, gegeben hat. Jedem ehrlichen Menschen muß das Blut in den Adern gefrieren, angesichts der weltweit Millionen (Milliarden?) Toten." Hierbei übersah aber der ehemalige Arzt Hamer, dass über die international standardisierte Mortalitätsrate (bezogen auf 100.000 Einwohner und Jahr) berichtet wurde und dass es sich nicht um die absoluten Zahlen handelte, so wie sie auf den Webseiten des israelischen Gesundheitsministerium einsehbar sind.[17Hamer benutzt also hier seine eigene grob fehlerhafte Interpretation zu antisemitischer Hetze. Am 22. Januar 2010 korrigierte die israelische Botschaft ihren fehlerhaften Artikel von 2008[18]"Zur Zahl der Krebstoten in Israel – Richtigstellung. Im Oktober 2008 wurde an dieser Stelle über einen Rückgang der Zahl von Krebstoten in Israel berichtet. Bei der Zusammenfassung eines Artikels aus der Zeitung Haaretz unterlief dabei ein Fehler. Wo es hieß: „So starben etwa im Jahr 2004 152 Menschen in Israel an Krebs; 2003 waren es 160 Tote“, wurde versehentlich die Angabe „pro 100 000 Menschen“ weggelassen (Krebsraten werden üblicherweise in Form der absoluten Zahl pro 100.000 angegeben). Der Beitrag im Newsletter basierte auf einem Haaretz-Artikel in hebräischer Sprache. Eine autorisierte englische Fassung gibt es unter dem folgenden Link: [19] Aufmerksame Leser und zuletzt der Bayerische Rundfunk wiesen uns darauf hin, dass mit der falschen Zahlenangabe schlimmer Missbrauch betrieben wurde und wird, und zwar von Seiten der obskuren Bewegung „Neue Germanische Medizin“ des früheren Arztes Ryke Geerd Hamer (dem inzwischen in Deutschland seine Approbation entzogen wurde). Hamer verbreitet primitive und gefährliche Anschauungen zur Krebstherapie, die zudem von kruden antisemitischen Wahnvorstellungen begleitet sind. „Report München“ hat vor einigen Tagen eine wichtige Reportage von Ulrich Hagmann zu den fatalen Umtrieben Hamers und seiner Anhänger – der „Todesfalle Neue Germanische Medizin“ - ausgestrahlt: http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-germanische-medizin-ID1263811034754.xml. Auch Hamer-Anhänger Helmut Pilhar muss irgendwann eingesehen haben, dass die Verbreitung von falschen Aussagen ohne Beleg der eigenen Propaganda mehr schadet als nutzt. Kurzerhand löschte Pilhar daher den entlarvenden Hamer-Brief ohne Begründung von seiner Webseite und ersetzte den Text durch eine weiße Fläche ohne Inhalt. Auf den Hamer-Seiten ist er jedoch weiterhin sichtbar. Seitdem wird bei Pilhar nur noch aus einer WHO-Studie zitiert, nach der in Israel die Zahl der jährlichen neuen Krebsfälle in etwa dem unteren Bereich europäischer Krebshäufigkeit entspreche. Die von Pilhar zitierte WHO-Quelle weist übrigens darauf hin, dass jeder vierte Israeli an Krebs verstirbt (Seiten 5, 13 und 27).
Ein Vergleich der israelischen Krebsinzidenzen mit umliegenden Ländern zeigt, dass Juden in Israel ein relativ großes Risiko haben, an Krebs zu erkranken: Für Juden in Israel ist die ASR 274 im Gegensatz zu 149 bei israelischen Arabern, in Zypern 164, in Ägypten 143 und im benachbarten Jordanien ist die Krebsinzidenz nur 113 (jeweils ASR pro 100.000 Einwohner nach SEER-Studie). Zu beachten ist auch, dass Krebs bekannterweise eine Erkrankung ist, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Und in Israel ist der Anteil junger Menschen höher als in Deutschland, was die geringeren Inzidenzen und Sterbefälle erklären kann. Alle Daten zu Krebs in Israel lassen sich beim israelischen Gesundheitsministerium downladen. Die Hamer-unterstützende Esoterik-Zeitschrift Zeitenschrift griff die Falschmeldung im Jahre 2009 für einen eigenen Artikel auf. Mit nicht überhörbar antisemitischem Unterton behauptet die Zeitschrift, dass die angeblich niedrigen Zahlen von in Israel an Krebs gestorbenen Menschen mit einer angeblichen, heimlichen Akzeptanz der pseudomedizinischen GNM zu erklären seien.

·       Bei einer Anzahl von Krebserkrankungen zeigt sich eine starke Erblichkeit, die mit der GNM-Lehre nicht kompatibel ist, da hier keinerlei psychische Faktoren die Tendenz, Krebs zu entwickeln, beeinflussen können. Beispiele sind die familiäre adenomatöse Polyposis, Xeroderma pigmentosum, einige Formen des Brustkrebses, das Louis-Bar-Syndrom, Gardner-Syndrom, Turcot-Syndrom, Li-Fraumeni-Syndrom und die familiäre Form des Retinoblastoms. Darüber hinaus ist bekannt, dass etwa 1/6 aller Krebserkrankung durch Onkoviren bedingt sind (Beispiel HPV, HIV, Burkitt-Lymphom).[20]

·       Hamer behauptet, es gäbe keine krebsauslösenden Substanzen. Asbest habe nur deshalb eine schädliche Wirkung, da die Patienten über Asbest fehlinformiert seien (eine autoimmunisierende, pseudowissenschaftliche Argumentation). Dies kann aber für die ersten Studien und Untersuchungen zum Thema nicht zutreffen. Rauchen sei demnach auch kein Krebs fördernder Faktor. So schreibt Hamer: Die Vorstellung, dass Rauchen Krebs macht, sind reine Hypothesen, sind auch nie bewiesen worden, sind unbeweisbar. Die angeführten Beispiele mögen genügen um klar zu machen, dass alle Tierversuche die heute durchgeführt werden, nur sinnlose Tierquälerei sind, weil man bei all diesen Versuchen die Seele des Tieres als nicht existent ansieht. Es gibt überhaupt keinen Beweis für kanzerogene Stoffe, die direkt auf das Organ, am Gehirn vorbei wirken. Rauchen stellt die Gefäße eng, macht aber keinen Krebs!

·       Rauchen schade nicht und löse nicht Krebs aus, heißt es in GNM-Kreisen. Das Inhalieren von Tabakrauch, besonders das Zigarettenrauchen, ist in den Industrieländern aber die häufigste Einzelursache für den Krebstod. Bei etwa 30% aller Krebserkrankungen besteht ein kausaler Zusammenhang zum Inhalieren von Tabakrauch. Bis zu 90% aller Karzinome der Organe, die direkt mit dem Tabakrauch in Kontakt kommen, wie die Mundhöhle, der Kehlkopf und die Lungen, haben ihre Ursache im Inhalieren von Tabakrauch. Aber auch in anderen Organen wie der Harnblase, der Niere, der Cervix uteri, dem Pankreas, dem Knochenmark und der weiblichen Brust entwickeln sich bei Rauchern und Raucherinnen in höherem Maße maligne Tumoren bzw. Systemerkrankungen als bei Nichtrauchern und Nichtraucherinnen. Die 2009 veröffentlichte NOCCA-Studie, die sich auf nordische Länder bezieht, kommt zum Ergebnis, dass Kellner aufgrund des Passiv- wie Aktivrauchens und Alkoholgenusses die höchste Wahrscheinlichkeit haben, an Krebs zu erkranken. Ihre Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, ist 14,7-mal höher als die von Landwirten. Für die durch Tabakrauchen induzierten Karzinome besteht eine eindeutige Dosis-WirkungsBeziehung. Bis zu 50 verschiedene Karzinogene wurden bisher im Tabakrauch identifiziert. Auch das passive Rauchen hat einen karzinogenen Effekt. In Deutschland wurden 1995 rund 12% aller Todesfälle und 40% aller Krebserkrankungen auf das Rauchen bzw. dessen Spätfolgen zurückgeführt. Somit starben durch das Rauchen jährlich über 100.000 Deutsche. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa sechs bis zehn Jahre niedriger. Mitte der 1990er Jahre wurde schließlich der Nachweis erbracht, dass das Benzo(a)pyren im Tabakrauch das Gen p53 schädigt, und damit war neben Forschungsergebnissen durch Statistiken und Tierversuchen auch der direkte kausale Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs belegt.

·       Metastasen gibt es laut GNM nicht. Zweitkrebse seien jeweils unabhängige Neuerkrankungen. Dem steht jedoch die Beobachtung von isolierten, zirkulierenden Krebszellen gegenüber, die im venösen und arteriellen Blut und in der Lymphe, zudem auch im Urin und Stuhl von Krebspatienten gefunden wurden. Moderne PCR-Methoden lassen keine Zweifel an ihrer Existenz und Herkunft. Hamers Angaben, es gäbe keine wissenschaftliche Beweise für den Nachweis zirkulierender Krebszellen im arteriellen Blut, sind falsch; siehe Fachliteratur: Sie wurden nachgewiesen.[21][22][23]. Die Frage ist auch da irrelevant, wo zirkulierende Krebszellen im venösen Blut auf der anderen Körperseite eines Tumors nachgewiesen wurden.

·       Laut Hamer sei seine Methode verboten. Im Januar 2007 versuchte ein Arzt aus Braunschweig (namens V.E.), über ein experimentelles GNM-Thema zu promovieren. Dies war zwar nicht möglich (die Deklaration von Helsinki hätte es nicht zugelassen), dennoch hatte dies keine weiteren Konsequenzen. Der Internetauftritt FAKTuell von Hamer-Anhängern (und Anhängern der ketogenen Diät) befragte sämtliche deutsche Ärztekammern, konnte jedoch keinen Hinweis auf ein GNM-Verbot finden.[24]

·       Laut GNM gibt es keine Hirntumoren. Diese widersprächen ihren biologischen Gesetzen, da das Zielorgan gleichzeitig Ort der Konfliktentstehung nach Hamer wäre. Daher werden sie einfach wegdefiniert. Rita Levy-Montalcini erhielt den Nobelpreis für die Entdeckung der Teilungsfähigkeit von Nervenzellen. Ein Vielzahl von unterschiedlichen Hirntumoren sind exakt beschrieben und lassen sich unterscheiden: Astrozytome, Glioblastome, Ependymome, Pinealome, Schwannome, Menigeome und so weiter und so fort.

·       Laut Hamer sollen Männer überraschenderweise 47 Chromosomen und nicht 46 haben. Wörtliches Zitat: "Der Mensch hat in jeder Zelle einen doppelten (diploiden) Chromosomensatz, nämlich 46, beim Mann kommt noch ein geschlechts-spezifisches Chromosom hinzu, also 47 [...]."[25] Worauf Hamers Meinung von 47 männlichen Chromosomen beruht, wird nicht mitgeteilt.

9. Überlebensdauer unbehandelter Krebspatienten

Nach der Logik der GNM sind Todesfälle bei Krebs in der Regel die Folge einer wissenschaftsmedizinischen Therapie. Insbesondere eine Chemotherapie sei nicht nur nutzlos, sondern zumeist die eigentliche Todesursache bei Krebs und führe nur zu so genannten Chemoleichen. Unbehandelte Patienten überlebten nach dieser Doktrin hingegen ihre Krebserkrankung mehr oder weniger problemlos. Die meisten Menschen mit Krebs lassen sich heute medizinisch behandeln. Dennoch kommt es selbst in reichen Industriestaaten wie Deutschland vor, dass sich Einzelpersonen mit derartigen Erkrankungen aus verschiedensten Gründen nicht effektiv behandeln lassen wollen. Eine statistische Erfassung derartiger Einzelfälle gestaltet sich heute schwierig. Aus dem Jahr 1924 liegt jedoch eine Arbeit aus dem renommierten BMJ vor, die die Prognose für unbehandelte Krebskranke (mit verschiedenen Malignomenen) aus dem Zeitraum 1883 bis 1922 am Middlesex Hospital in England beschreibt. Zu dieser Zeit steckte die effektiv zu nennende Krebstherapie noch in den Kinderschuhen und lediglich chirurgische Eingriffe konnten weiterhelfen. Die Arbeit befasste sich dabei lediglich mit Patienten, die nicht in kurativer Absicht in chirurgischer Behandlung waren. Die durchschnittlichen Überlebenszeiten wurden dabei nach Geschlecht, Altersklasse und Tumorart getrennt berechnet. Als Überlebenszeit wurde dabei die Zeit zwischen Auftreten der Symptome und dem Todesdatum festgelegt. Für Brustkrebs betrug bis 1924 die durchschnittliche Überlebenszeit 38 Monate, für das Cervixkarzinom (Gebärmutterhals) 21 Monate. Der britische Epidemiologe und Statistiker Major Greenwood veröffentlichte 1926 einen Report on the natural duration of cancer, in dem er sich mit der Prognose von Frauen mit unbehandeltem Brustkrebs befasste. Von 1.000 Patientinnen waren damals nach einem Jahr noch 831 am Leben, nach 3 Jahren waren es noch 344 und nach 5 Jahren lediglich 161. Das machte damals eine 5-Jahres-Überlebensrate von 16%. Die gleiche 5-Jahres-Überlebensrate liegt heute bei über 80%.

10. Hamer und der sogenannte Mongolismus

Hamer machte auch Äußerungen zu einer angeblichen Eignung seiner Lehre bei Mongolismus, wie es auf seiner eigenen Webseite zum Thema heißt.[26] Eine Hamer'sche Konfliklösung könne Mongolismus sogar heilen. Der Begriff Mongolismus stammt allerdings (analog zum Begriff der Missbildung und Missgeburt) aus der Mottenkiste der Medizin. Seit den 1960er Jahren, seit einer Beschwerde der Mongolei, wird für den gemeinten Zustand der Begriff Down-Syndrom oder Trisomie 21 verwandt. Der für Mongolen abwertende Begriff ist seitdem nur noch bei Laien in Gebrauch. Laut GNM-Lehre soll ein sogenanntes SBS (als heilendes Sonderprogramm) eine Veränderung am Chromosom 21 aller Zellen bewirken. [...] Diese Veränderung ist aber nicht Ursache der Erkrankung, da passager, wenn die Veränderung nicht zu lange dauert [...] heißt es dazu im Internet von Seiten der Hameranhänger, schließlich soll der Mongolismus ja zu etwas nützlich sein. Um diese Erfindung einer vorübergehenden und nützlichen Veränderung am Chromosom 21 und ihrer Behebbarkeit plausibel zu machen, nennt Hamer einen schlecht dokumentierten Einzelfall, der eineHeilung beim Down-Syndrom belegen soll. Angeführt wird der Fall eines fünfjährigen Mädchens namens Anna, deren Mutter angeblich Ärztin ist, die im Jahre 1999 nach Hamer-Empfehlungen vorgegangen sein soll. Die Heilung soll dann durch die Mutter im Mai 1999 auf einem Kongress der Neuen Medizin in Biel (Schweiz) vorgetragen worden sein. Hamer (damals seit zwölf Jahren ohne Approbation) veranlasste bei fehlender Indikation völlig überflüssige Schädel-CTs. Das Alter der Mutter wird hingegen nicht thematisiert, obwohl ja bekannt ist, dass ältere Mütter bis zu 100-mal häufiger von Trisomie 21 betroffene Kinder bekommen als junge Mütter. Hamer stellte dann die Pseudodiagnose schizophrene Konstellation aufgrund zweier Hör-Konflikte (später als Kreissägen-Syndrom bezeichnet), da man ihm erzählte hatte, dass die Mutter während der Schwangerschaft durch eine Baustelle einem hohen Geräuschpegel ausgesetzt worden sei. Diese schizophrene Konstellation soll nach Hamer-Lesart zu einer harmlosen vorübergehenden Störung der Reifeentwicklung führen, die dann aber später - nach sogenannter Lösung der Konstellation - für den Betroffenen Vorteile haben soll, denn es komme dann automatisch zu einer schnellen Erholung und Heilung. Daher sei der Mongolismus biologisch richtig und sinnvoll. Der kleinen Anna wurden zur Desensibilisierung Ohrenschützer gegeben, die sie vor Lärm schützen sollten. Ohrenschützer stellen jedoch eine Vertäubung und keine Desensibilisierung dar. Nach sieben Monaten der Vertäubung wird als Erfolg berichtet, dass (wie zu erwarten war) das Kind um 10 cm gewachsen sei und ganze Sätze sprechen könne. Auf der Hamer-Webseite heißt es dazu noch: [...] Der für Mongolide typische Gesichtsausdruck hat sich merklich aufgehellt [...]. Zur Ursache des Down-Syndroms schwant es Hamer, dass Schallemissionen von Autos, Motorrädern, Schleif- und Kreissägengeräusche aller Art, Discos und Fernseher eine Rolle bei der Entstehung des Down-Syndrom spielen sollen. Einen Nachweis der angeblichen verschwundenen Trisomie 21 liefert weder Hamer noch die Mutter. Ein einfacher Test hätte den Nachweis erbracht - und möglicherweise Hamer den Nobelpreis eingebracht. Von dem Mädchen Anna wird auch in der Esoterik-Zeitschrift Zeitenschrift stolz berichtet und jeweils ein Vorher-Nachher-Foto gezeigt. Das Nachher-Bild zeigt jedoch unverändert die typische geschrägte Lidachse bei Trisomie 21 und stellt somit natürlich keinen Nachweis einer Heilung dar. Nach Hamer könne Anna nach ihrer Renormalisierung später auch Mutter gesunder Nachkommen werden. Wissenschaftlich ist jedoch dokumentiert, dass Frauen mit Down-Syndrom zwar fruchtbar sind, aber leider in 50% der Fälle Mutter eines Kindes werden, das ebenfalls eine Trisomie 21 aufweist. Insofern ist Hamers Empfehlung falsch und unverantwortlich, da er die tatsächliche Lage falsch beschreibt. Kinder, die durch moderne Therapiemethoden gefördert werden, können heute durchaus Schulen besuchen. In Einzelfällen ist sogar Down-Syndrom-Patienten ein Universitätsabschluss geglückt. Durch gezielte Förderung kann diesen Menschen also durchaus geholfen werden, ein Fortschritt beim Spracherwerb oder ein körperliches Wachstum sind daher kein Wunder. Ein Nachweis der Rückbildung einer Trisomie 21 ist dagegen wissenschaftlich nie berichtet worden.

Auch die FAKTuell-Seite (Autor Eric E. deWitt) hat etwas zur Trisomie 21 beizutragen: Das Down-Syndrom werde offenbar nicht von einem Gendefekt ausgelöst, steht da für den erstaunten Leser zu lesen, ein Widerspruch nicht nur zu wissenschaftlichen Quellen, sondern auch zu Hamer selbst.

11. Stellungnahmen zur GNM

Seit Erfindung der GNM haben sich in Fachartikeln, Stellungnahmen und Gerichtsgutachten Experten zu dieser Methode geäußert und kommen einhellig zu einer ablehnenden Haltung.

Der belgische Psychologe Nady van Broek (Professor an der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Université Catholique de Louvain, Belgien) war Gutachter im Prozess gegen einen nach der Biologie Totale vorgehenden Therapeuten in Belgien und beschäftigte sich auch mit der Hamer-Lehre.[27] Er erklärte dazu: Neben den tödlichen Risiken für diejenigen, die diesen [Therapeuten] blind folgen, ist das Furchtbare an den Aussagen dieser Therapeuten, dass sie die Kranken für ihren Zustand verantwortlich machen [...] Sie legen diesen eine enorme Bürde auf die Schultern: Bereits durch die Krankheit bestraft, werden sie nun auch noch als schuldig für das befunden, was ihnen zustößt, da ja ihr Gehirn alles programmiere oder deprogrammiere! [...] Wenn es den Patienten nicht gelingt gesund zu werden, dann liege das daran, so wird ihnen erklärt, dass sie nicht genügend in die Tiefe gingen, um zu erkennen, was die Ursache ihres Stresses sei, wie sie ihre Konflikte lösen könnten oder sich optimal zu entspannen. Und natürlich seien ihre Bemühungen [dann - also im Falle eines Misserfolges] unzureichend! Wie kann man Behauptungen dieser Art widerlegen - diese sind absolut nicht widerlegbar [im Sinne von nicht falsifizierbar]. Aber furchtbar effektiv: Sie befördern den Kranken in eine Abhängigkeit zum Therapeuten.

Gastbeitrag aus: Psiram

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