„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Homöopathie-Potenzierung

Ich gebe es zu, ich diskutiere sehr viel mit Homöopathen, auch wenn es meistens zwecklos ist. Wie sagte bereits der gute Carl Sagan:

You can’t convince a believer of anything; for their belief is not based on evidence, it’s based on a deep-seated need to believe.

Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Ist der Wunsch der Vater des Gedanken erübrigt sich eigentlich jede sachliche Diskussion. Man merkt dieses immer wieder an zahlreichen Beispielen, die Homöopathen entweder noch niemals wirklich durchdacht haben, oder aber einfach an diesen Infos nicht interessiert sind.

Eines dieser Beispiele passiert mir ständig, immer mit dem gleichen Ergebnis. Der Homöopath verschwindet beleidigt und ich habe wieder virtuelles Geld der Pharmamafia verdient. So langsam glaube ich, die ganzen „20 Million Euros are waiting for you, my friend“ Emails sind gar nicht gefälscht.

Die Rede ist vom Wunder der Potenzierung (an dieser Stelle sollte ein Engelchor einsetzen, aber das klappt hier leider nicht). Ja, einer der Grundpfeiler der Homöopathie, und keiner will wirklich darüber reden. Warum eigentlich nicht?

Ich möchte das einmal an einem konkreten Beispiel vertiefen. In einer Diskussion vor einigen Tagen kam das Gespräch auf einen Fall, bei dem eine Frau über zwei Wochen Arsenicum D6 einnahm und, man glaubt es kaum, verstarb. Bedauerlich, aber nicht verwunderlich. Natürlich rufen Homöopathen empört, dass unkontrollierte Homöopathieeinnahme gefährlich ist. Schon mal kurz zur Info: Das war kein Homöopathikum. Doch dazu mehr ein anderes Mal.

Eine Homöopathin, die an der Diskussion teilnahm erklärte, Kritiker sollten einmal einen Selbsttest mit – Achtung, jetzt kommt’s – Arsenicum Album C1000 machen, aber bitte Buch führen, damit die Nachwelt etwas davon hat, denn man würde drei Monate kaum überleben. (übersehen wir hier einfach einmal den ersten eklatanten Widerspruch zu homöopathischen Aussagen in Verbindung mit erhoffter psychischer negativer Manipulation)

Natürlich habe ich zugestimmt, piece of cake, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie mir erklären möge, wie es möglich ist, dieses Arsen C1000 überhaupt herzustellen. Und dabei meine ich nicht die mathematische Wassermenge etc., nein, sondern wie es nach homöopathischen Vorschriften unter der Berücksichtigung gesicherter Erkenntnisse möglich ist. Denn hier beginnt das Problem der Potenzierung, dass ich gerne als

Das Wunder der Potenzierung! (Engelchor)

bezeichne. Denn viele scheinen die Problematik gar nicht zu erkennen.
Also stellen wir dieses Mittel einmal homöopathisch her.

Bei einer C Potenzierung nimmt man einen Teil Ursubstanz und 99 Teile Lösungsmittel. Die Ursubstanz ist Arsen, das Lösungsmittel, wie auf den Seiten der Hersteller zu lesen, normales Wasser. Kein Spezialwasser, nein, normales Wasser. Und schon haben wir den Salat. Denn H2O ist nicht einfach nur H2O, da sind noch jede Menge anderer Stoffe drin. Um nur einige zu nennen, Calcium, Magnesium, Aluminium, Blei, Chlor, Nitrate etc etc. (Liste im Anhang)


Nun wäre es wohl recht schlecht für die Gesundheit, würde man sich ständig diverse Mengen dieser zum Teil giftigen Stoffe einverleiben. Darum gibt es die Trinkwasserverordnung, die genau bestimmt, wieviel Rückstände der jeweiligen Stoffe im Wasser noch vorhanden sein dürfen, damit es für den Konsumenten vollkommen ungefährlich ist. Bei Arsen entspricht dieser Grenzwert einer D8 Potenzierung. Natürlich filtern die Lieferanten noch ein wenig mehr, man will ja nicht ständig am Grenzwert kratzen, jedoch kommt man dabei auch nicht über D9 hinaus. Mit jedem Schluck Wasser nehmen wir also eine C4/D8 Potenz Arsen zu uns. Das erste Problem sollte bereits hier deutlich zu erkennen sein. Ab einer C4 Potenzierung Arsen füllt man bei jedem neuen Schritt 99 Teile Arsen C4 hinzu und potenziert dieses jedes Mal mit! Und jedes Mal wieder frisch aufs neue! Es ist also schon rein nach der Logik gar nicht möglich, über eine C4 Potenzierung hinauszukommen! Wie also soll man bitte eine C1000 herstellen, wenn bis zum 1000sten Schritt jedes Mal frisches Arsen C4 dazu geschüttet wird???

Das ist aber nur die Hälfte des Problems. Denn man füllt jedes Mal auch diverse andere Spurenelemente im Lösungsmittel dazu und würde diese zwangsläufig nach homöopathischer Ansicht mit potenzieren (siehe Wasserinhaltsstoffe)! Es ist also gar nicht möglich, ein einfaches Homöopathikum herzustellen, das Resultat ist IMMER ein Komplexmittel. Schauen Sie nach, überzeugen Sie sich selbst.

Nur sind Komplexmittel halt keine Homöopathie, sondern Pfui! Jedenfalls nach Ansicht des Begründers, Samuel Hahnemann. Welcher Im Organon Paragraph 273 schreibt:

In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sei, nur einen einzelnen, einfachen wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.

Hahnemann konnte noch gar nicht wissen, das Einzelmittel physikalisch gar nicht herstellbar sind.

Und genau das ist der Punkt, an dem Homöopathen regelmäßig aussteigen. Diese Erklärung bleiben Sie immer schuldig, sie haben entweder etwas dringendes zu tun oder bescheinigen einem, dass man keine Ahnung hat. Eine Erklärung für einen Mechanismus, welcher erklärt, warum nur bestimmte Inhaltsstoffe potenzierte werden, erwartet man vergeblich.

Wenn jemand ohne zu hinterfragen einen leicht zu widerlegenden Umstand ignoriert und auf die Korrektheit besteht, ist es dann nicht völlig rechtens von einer Sekte zu sprechen?

Und dabei haben die Probleme des Potenzierens gerade einmal begonnen.

http://www.wasseraufbereitungsseiten.de/wasserinhaltsstoffe…

‪#‎wunderderpotenzierung‬

Auch wenn eine Erklärung für eine nicht vorhandene Wirksamkeit der homöopathischen Mittel nicht notwendig ist bemühen sich doch einige Homöopathologen immer wieder neue, wenn auch unlogische Erklärungen zu erfinden, die leider den gesicherten Kenntnisstand der Naturwissenschaften vollkommen außer Acht lassen.


Wie wir im ersten Teil gesehen haben ergeben sich bereits bei der Herstellung der Homöopathika massive Probleme für unsere homöopathischen Freunde, da sie offensichtlich keinerlei Erklärungsversuch haben um darzustellen, welcher Mechanismus dafür sorgt, dass nur einzelne Stoffe potenziert werden und nicht alle, die im Lösungsmittel oder den Gefässwänden oder der Luft enthalten sind. Sehr ärgerlich. Doch damit ist der Ärger noch nicht vorbei. Denn ein weiterer Aspekt der Potenzierung findet meiner Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ich nenne ihn

Das Wunder der Potenzierung!

(Ich weiß, den hatten wir schon einmal, aber es ist ja auch immer noch ein Wunder)

Ich möchte jetzt hier nicht zu wissenschaftlich werden. 1. weil die meisten User lieber einfache als trockene komplizierte Erklärungen haben möchten (und viele tatsächlich nur über rudimentäre Kenntnisse aus der Schule verfügen) und 2. weil Homöopathie mit Wissenschaft nichts zu tun hat, daher ist es auch überflüssig, wissenschaftliche Erklärungen zu bringen. Es ist aber auch gar nicht wirklich notwendig, denn viele Fehler in der Homöopathie versteht man auch ohne großartige naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Nur scheinbar diejenigen die „vom Fach“ sind nicht.

Daher möchte ich ein weiteres Problem der Potenzierung anhand eines Gesprächsbeispiels, welches ich vor einiger Zeit hatte, darstellen. (Ein wenig Mathe ist leider auch dabei, wurde aber leicht vereinfacht dargestellt)

Meine Frage in der Diskussion mit dem Homöopathologen lautete: Was soll das eigentlich mit dieser Potenzierung? Warum macht man das bzw. was genau soll dabei eigentlich passieren? Kein Problem, meinte der Homöopathologe, dafür gibt es eine ganz einfache und leicht zu verstehende Erklärung.

Vorweg, halten wir uns bei diesem Beispiel nicht an der üblichen Vergewaltigung von Begriffen auf sondern beachten einfach nur den Inhalt der homöopathischen Erklärung am Beispiel einer D-Potenzierung (die folgenden Erklärungen stammen ausnahmslos vom Homöopathologen).

Was also genau passiert bei dem magischen Ritual der Potenzierung, bei dem das Gemisch, bestehend aus einem Teil Urtinktur und Neun Teilen Lösungsmittel, 10 Mal auf z.B. ein mit Leder umwickeltes Buch oder ein mit Leder umwickeltes und mit Pferdehaar gepolstertes Holzbrett geschlagen werden muss?

Nun, dabei werden die Informationen des einen Teil Urtinktur auf die 9 Teile Lösungsmittel übertragen. Beim nächsten Schritt nimmt man dann aus diesem Gemisch einen Teil und mischt ihn erneut mit 9 Teilen frischem Lösungsmittel. Das wiederholt man so oft bis der erwünschte Potenzierungsgrad erreicht ist, z.B. D12.

Aha. Kapier ich nicht. Wenn sich die Informationen im Lösungsmittel verteilen werden doch die Infos weniger, wenn ich beim nächsten Schritt wieder einen Teil entnehme habe ich weniger Informationen als vorher.

Nein, nicht verteilen, übertragen. Die Informationen der Ursubstanz werden durch das Ritual des Schlagens vermehrt und übertragen sich gleichmässig auf das Lösungsmittel. (Ahaaa!) Man könnte also grob sagen, dass bei 10maligem Schlagen die Informationen der Urtinktur verzehnfacht werden.

Hmm, kurz mal überflogen und festgestellt, dass bei dieser Erklärung am Ende die gleiche Menge an Informationen in dem Gemisch enthalten ist wie vorher nur in der Ursubstanz. Entnehme ich nun einen Teil daraus habe ich beim zweiten Schritt die gleiche Voraussetzung wie vorher. Bis jetzt hat sich nichts verändert und nach dieser Erklärung haben wir praktisch bei D12 die gleiche Menge an Informationen wie in der anfänglichen Urtinktur. Das ergibt keinen Sinn.

Richtig, wurde mir erklärt, die Informationen werden dabei auch nicht verzehnfacht, sondern verhundertfacht. Mit anderen Worten man kann grob sagen, das bei jedem Schlag auf das ledrige Buch die Informationen verzehnfacht werden, so dass wir am Ende die 10fache Menge an Informationen in der Lösung haben wie anfangs in der Urtinktur.

Entnehmen wir nun daraus einen Teil enthält dieser Teil das 10fache an Informationen wie ursprünglich in der Urtinktur. Bei jedem Potenzierungsschritt wird die Gesamtinformation in der Lösung also verhundertfacht. Genau darum sind Hochpotenzen auch deutlich wirkungsvoller als Niedrigpotenzen.

Alles klar, das ergibt einigermaßen Sinn. Herzlichen Glückwunsch, es ist dem Homöopathologen doch tatsächlich geglückt, eine halbwegs logische Erklärung für das Ritual des Potenzierens zu finden. Denn genauso funktioniert Wissenschaft, man beobachtet etwas und versucht für das Beobachtete eine vernünftige Erklärung zu finden. Bravo. Wir haben jetzt eine Hypothese. Yippie. Ab jetzt kann uns nichts mehr aufhalten.

Kommen wir zu einem weiteren Punkt in der Wissenschaft. Hat man also ein Erklärungsmodell (Hypothese) aufgestellt muss man dieses Erklärungsmodell natürlich noch auf seine Gültigkeit testen und schauen, ob es tatsächlich funktioniert.

Nichts leichter als das, nehmen wir doch dieses Erklärungsmodell und wenden es auf eine C-Potenzierung an. Noch einmal zur Info, bei der C-Potenzierung werden 1 Teil Urtinktur mit 99 Teilen Lösungsmittel gemischt, ebenfalls mit 10 Schlägen auf das ominöse Buch.

Mit einem Mal war die Stille unerträglich geworden und das einzige Geräusch, das noch zu vernehmen war war das deutliche Krachen eines gescheiterten Erklärungsversuches, denn plötzlich machte die Idee mit der 100fachen Informationsvermehrung pro Schritt keinerlei Sinn mehr! Vorbei die Zeiten, als noch pro Schlag die Infos verzehnfacht wurden.

Nun, auch das ist Wissenschaft, erweist sich eine Hypothese als falsch gilt sie als widerlegt und ist damit unbrauchbar. Soviel also zu der Erklärung. Und schon war die Diskussion beendet und ich habe wieder virtuelles Geld der Pharmamafia verdient.

Und wieder stellt sich die Frage:
Was soll das eigentlich mit dieser Potenzierung? Warum macht man das bzw. was genau soll dabei eigentlich passieren? Denn die Erklärung zur Informationsvermehrung ist leider episch gescheitert.

Wie bereits Anfangs erwähnt handelt es sich hierbei um den Erklärungsversuch eines Homöopathologen und repräsentiert nicht die Meinung der gesamten Homöopathie, die sich sowieso vollkommen uneinig ist. Es sei ihm nachgesehen, denn letztendlich wissen wir alle, dass man für eine Ausbildung zum Homöopathologen kein Abitur, sondern nur Hauptschulabschluss benötigt.

Daher, lieberLeser, sollten Sie einen Homöopathologen kennen, der Ihnen eine sinnvolle in sich schlüssige überprüfbare Erklärung zum magischen Ritual des Potenzierens geben kann, schicken Sie ihn her. Lassen Sie ihn diese Erklärung hier veröffentlichen, da wären wahrscheinlich viele dankbar, wenn sie diese endlich hätten. Wir müssen dann nur noch klären für welche Richtung der Homöopathie diese Erklärung gilt, denn selbst beim Potenzieren sind sich Hahnemann und das Homöopathische Arzneibuch (HAB) nicht wirklich einig!

Gastbeitrag von: http://homoeotology.com/

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Kommentare: 1
  • #1

    Köppnick (Donnerstag, 21 Januar 2016 15:29)

    Nach deinem Artikel sollte man sich mit einem Video entspannen, in dem Homöopathie noch einmal ganz anschaulich erklärt wird:

    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Wtj8gWK9u_A


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