„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Allwissenheit (Metagott)

1. Wissen um Allwissen

Gott kann nicht wissen, ob er allwissend ist, weil es theoretisch immer noch etwas zu wissen geben kann, von dem Gott nicht weiß, dass er es nicht weiß.

Wenn Gott aber nie wissen kann, ob er allwissend ist, kann er nie allwissend sein, weil auch dann, wenn er alles andere weiß, was es zu wissen gibt, er immer noch nicht das weiß, dass er alles andere Wissbare weiß.

Gott kann also (zumindest das) wissen, dass er nicht allwissend ist.

2. Subgott und Metagott

(Der abrahamistische) Gott kann demzufolge ebenso wenig wissen, ob er tatsächlich das essentiellste aller Wesen ist, oder ob vielleicht noch eine Art "Metagott" über ihn existiert: sein Gott, der Gott aller "Subgötter".

Gott kann nicht wissen, ob er sicher weiß, dass es keinen höheren "Metagott" gibt. Er kann diesen Fall nicht ausschließen und es könnte deshalb theoretisch einen solchen Metagott geben und vielleicht muss sich Gott nach seinem Ableben vor dem Jüngsten Gericht eines Metagottes einmal selbst rechtfertigen:

2.1. Gespräche zwischen Göttern (?)

Subgott: Was.. was ist passiert?

 

Metagott: Du bist tot.

 

Subgott: Tot? Wie kann das sein? Und überhaupt, wer bist du und was ist das alles hier?

 

Metagott: Ich bin dein Schöpfer, an den du nie glauben wolltest, und das hier ist dein Jüngstes Gericht, vor dem du dich jetzt für deine Taten im Himmel verantworten musst.

 

Subgott: Jüngstes Gericht? Das kann nicht sein, ich bin Gott und es gibt keinen über mir.

 

Metagott *seufzt nachsichtig*: Schau mal her, Gott: Du warst schon immer ein Atheist bezüglich deiner eigenen Existenz gewesen. Aber hast du allen Ernstens geglaubt, so ein komplexes Sein wie das deinige bedürfe keiner höheren Ursache?

 

*Subgott schaut verdutzt*

 

Metagott *schmunzelnd*: Weißt du, ein wenig erinnerst du mich gerade an all die Atheisten, die sich stets sicher waren, die höchstentwickelten aller Wesen zu sein und nach ihrem Tod plötzlich fassungslos vor dir, anstatt vor dem Nichts standen. Und weiß du noch, wie du damals mit den Atheisten umgegangen bist?

Subgott *kleinlaut*: Ich habe sie wegen ihrem Unglauben in die Hölle geschickt..

 

Metagott: Richtig. Wenn ich dich jetzt also in die Hölle schicke, könntest du dich nicht beschweren, es sind die gleichen Maße, wie du sie damals an deine Schöpfung angelegt hast.

 

Subgott: Aber, warum hast du mir kein Zeichen gegeben, irgendein Grund zu glauben, dass du existierst? Alles sprach vernünftigerweise dafür, dass es dich nicht gibt… Warum bist du nicht ganz einfach und unmissverständlich vor mich getreten und hast mir gezeigt, dass es dich gibt? Dann hätte ich sicher auch an dich glauben können und die Frage, ob ich in die Hölle komme, stände nicht zur Debatte.

 

Metagott: Dasselbe könnten dich deine Atheisten auch fragen! Tatsächlich haben sie dich das auch mehrmals und es brachte dich nicht von deinem Erlösungsmodell ab: Die Verehrung und der Glaube an dich, oder ewige Höllenquellen. Erinnerst du dich noch an den etwas länglichen Philosophen Bertrand Russell, der dir auf die Frage, warum er nicht an dich geglaubt hatte, dir entgegnet hatte: Zu wenig Anhaltspunkte? Auch in deiner Schöpfung hatten die Menschen guten Grund für die Annahme, dass es dich nicht gibt und auch ihr Unwissen konnte sie nicht vor dem Fegefeuer retten.

 

Subgott: Es stimmt, ich habe meiner Schöpfung nie hinreichende Hinweise auf meine Existenz gegeben…


*

Metagott: … Und schau dir an, was du mit ihr angerichtet hast! Ich habe dir ein wunderschönes Himmelreich anvertraut und dich auserkoren der Wächter über einen eigenen freien Willenzu sein, mit dem du selbstständig und selbstverantwortlich Dinge  anstellen konntest, und was hast du daraus gemacht? In deiner Ewigkeit brennen mehr ungläubige Leute in der Hölle, als dass Gläubige im Himmel sitzen und in dem Universum, das du mit der dir verliehenen Macht geschaffen hast, geht es auch drunter und drüber. Du hast egoistische Menschen erschaffen und bestrafst sie dafür, wenn sie gemäß ihren Dispositionen handeln, obwohl du in deiner Allwissenheit wusstest, was sie tun werden, hast du sie für ihre Taten bestraft. Dabei hatten die Menschen nie den Anspruch, gut zu handeln oder alles zu können, du aber wolltest ausdrücklich allgütig und allmächtig sein und hast trotzdem Gruppenvergewaltigungen und Kriege zugelassen.


Für mich besteht kein Zweifel mehr, dass du hast deine Macht missbraucht hast, um dir die weltliche Welt Untertan zu machen. Anstatt ihr mit deiner Macht zu dienen, hast du dir die Welt unterworfen. Anstatt all die schlimmen Geschehnisse zu verhindern und dich um die Leute zu kümmern, hast du dich in all deiner Selbstherrlichkeit von ihnen anbeten lassen. Unter Androhung von Strafe wohlgemerkt hast du dir ihre Anerkennung erschlichen und dich in ihre Privatangelegenheiten eingemischt. Du hast getötet, gelogen und Versprechen gebrochen, gehasst, statt geliebt und warst eifersüchtig. Du warst all das, was du den Menschen vorgeworfen hast und wofür du sie aus dem Paradies vertrieben und nach dem Tod in die Hölle warst. Also frage ich dich noch einmal: Gott, welcher Richtspruch wäre Deiner angemessen?

3. Verweise

#Theodizee #Erlösung: Meine zentrale Frage lautet: Ist Gott dazu imstande, eine bessere Welt zu erschaffen?

 

"Besser" verstehe ich hier als: Eine Welt mit weniger Leid und Übeln als diese, in der wir leben. Bereits jede Schmerzpille ist ein Beweis dafür, dass eine bessere Welt tatsächlich möglich ist. Die meisten Gläubigen weichen dieser in der Tradition des Theodizeeproblems gestellten Frage aus, zum Beispiel, in dem sie sagen, dass sie das nicht wüssten oder nicht wissen könnten.

 

Mag sein, aber diese Frage führt zu einem Folgeproblem der Theodizee, dem sie nicht ausweichen können.

 

Es spielt nämlich gar keine Rolle, ob man die obige Frage ausreichend beantwortet oder nicht. Es spielt auch keine Rolle, wie man sie beantwortet, und das mag überraschen. Für diese Frage ist es unerheblich, ob man Gott für allmächtig hält oder das nicht tut, man kann ihm seine Allmacht abstreiten und so dem Theodizeeproblem ausweichen, aber gleich, ob man das tut, oder nicht, läuft man immer in ein Folgeproblem:

 

1. Fall: Gott könnte eine bessere Welt erschaffen also diese: Hier muss man ich fragen: Wenn er es besser könnte, warum macht er es dann nicht? Normalerweise erkennt man die Liebe einer Person daran, dass sie sich um das Wohlergehen des geliebten Subjekts oder der geliebten Subjekte kümmert und das Beste für diesen Menschen oder diese Leute möchte. Und ja, ich weiß, dass ich nicht weiß, wie so eine bestmögliche Welt aussehen würde. Aber: unsere Welt, mit Kinderpornografien und dem Holocaust, ist ganz sicher nicht die bester aller möglichen! Etwas anderes zu behaupten ist wahnsinnig und sogar strafbar. Ein uns liebender Gott ließe nicht einmal kurzerhand 6 Millionen Menschen grausam zugrunde gehen, wenn er es nicht verhindern könnte, man muss für den Fall, dass Gott doch allmächtig ist, also dessen Liebe zu uns aufgeben. Folglich ist die Hoffnung auf eine bessere Welt, ein Paradies, in diesem Fall nicht gegeben.

 

2. Fall: Gott kann keine bessere Welt erschaffen als diese: Was auch bedeutet: Es kann auch nach dem Tod kein Paradies geben! Denn eine bessere Welt als diese ist für Gott nicht möglich. Das wiederum bedeutet, dass wenn es ein Leben nach dem Tod gäbe, könnte uns Gott bestenfalls eine endlose Verlängerung des jetzigen, irdischen, leidvollen Lebens anbieten. Wie in Fall 1 ist auch im zweiten der beiden möglichen Fälle die Hoffnung auf eine bessere Welt, ein Paradies, nicht gegeben.

 

 

Es lässt sich festhalten: das Theodizeeproblem ist nicht damit gelöst, dass man die Allmacht Gottes aufgibt. Sondern, dass man den Kerngedanken des Christentums – den Erlösungsgedanken – auf jeden Fall aufgeben muss!

#Theodizee #JesusKreuzesTod: Das Theodizeeproblem und die Allmachtsfrage lassen sich auch auf den (historisch nicht belegten) Kreuzestod Jesu Christi anwenden: Vermag Gott einfach mit dem Finger zu schnipsen und unsere Sünden sind uns vergeben?


Wenn ja, musste Jesus nicht am Kreuz sterben, denn Gott hätte uns in seiner Allmacht auch ohne weiteres unsere Sünden vergeben können. In diesem Fall ist Gott nicht allgütig, denn kein allgüter Gott lässt seinen einzigen Sohn grundlos foltern und umbringen.


Wenn nein, gibt es etwas, das Gott nicht kann, nämlich uns ohne weiteres die Sünden vergeben. In diesem Fall ist Gott nicht allmächtig, einen dritten Fall gibt es nicht, entweder Gott ist nicht allgütig oder er ist nicht allmächtig.

Bibel: Dass Gott allwissend sei steht übrigens nirgends in der Bibel geschrieben. Das haben seine Anhänger aus einem Wunschdenken nach einem allmächtigen Leiter heraus hinzugedichtet, oder, aus dem Gott explizit zugeschriebenem Attribut der Allmacht abgeleitet: Wenn Gott allmächtig ist, muss er auch allwissend sein, denn nicht allwissend zu sein, würde ihn, so die Meinung vieler, in seiner Allmacht einschränken.

Glaubensgrund: Die große Frage, um die sich Theisten und Atheisten zanken, ist: Hat Gott den Menschen erschaffen oder der Mensch Gott?

Das Theodizeeproblem lässt sich ganz einfach durch die erste, atheistische Auffassung lösen: Gott kann absolut alles (auch allgütig und allmächtig in Bezug auf uns zu sein), außer existieren. Er ist nur ein Fantasiegebilde, dem beliebig viele, widersprüchliche Eigenschaften zugeschrieben werden können. Und auch seine Schlechtigkeit lässt sich dadurch erklären, dass der Mensch ihn nach seinem Ebenbild erschaffen hat.

Gottesbeweis: Gott kann die Metagottesthese genauso wenig widerlegen, wie wir Menschen die Gottesthese.

Himmel: Woher wollen wir wissen, dass "der eine Gott", so er denn existiert, Glauben belohnt? Vielleicht belohnt er auch umgekehrt Aufgeklärtheit und kritisches Denken und lacht all jene, die zu Lebzeiten an dem widersprüchlichen, christlichen Gottesbild festgehalten haben, aus? Vielleicht belohnt "der eine Gott" ja einmal all diejenigen, die nicht dumm genug gewesen waren, die komischen Erdgeschichten von ihm für voll zu nehmen? Wer weiß?


Gott ist, wie wir gelernt haben, selbst in gewisser Hinsicht (nämlich in Bezug auf seine eigene Existenz) ein Atheist. Vielleicht kann er ja verstehen, wenn Menschen nicht an ihn glauben (können)? Was maßen wir uns generell an wissen zu wollen, was Gott für belohnenswert hält und was nicht?  

Hölle: Das Theodizeeproblem in Bezug auf die Hölle: Für den Fall, dass Gott allmächtig ist, kann er jederzeit das unendliche Leid in der Hölle beenden. Wenn er es trotzdem nicht macht, muss er ein grauenhafter Sadist sein.

Falls Gott das Höllenleiden aber nicht stoppen kann, etwa, weil für Sünden gelitten werden muss, so ist er nicht allmächtig.

Letztbegründung:  Wenn wir davon ausgehen, dass jedes Wesen, auch ein "Gott" (wer oder was auch immer das sein soll), einen Schöpfer benötigte um in seine Existenz geworfen zu werden, so landen wir beim Problem der Letztbegründung: Wir brauchen einen Gott, der Gott erschaffen hat und wiederum einen Gott, der diesen Gott erschaffen hat und wiederum einen Gott, der diesen Gott erschaffen hat und wiederum einen Gott der diesen Gott erschaffen hat ….

Es gibt grundsätzlich drei Wege, mit solchen Letztbegründungsproblemen umzugehen:


  • Infiniter Regress: Die Liste mit den Göttern, die Götter erschaffen haben, wird unendlich fortgesetzt: Gott 1 erschafft Gott 2, Gott 2 erschafft Gott 3, Gott 3 erschafft Gott 4, …. erschafft Gott .
  • Zirkelschluss: Gott hat sich selbst erschaffen oder ein Gott hat den Gott erschaffen, der ihn erschaffen hat.
  • Dogma: Ab irgendeinen Punkt wird nicht mehr weiter nach der Ursache einer Wirkung bzw. eines Gottes gefragt, sie wird sozusagen als "gottgegeben" hingenommen. Dies ist der theologische Standardweg, einfach zu sagen Gott X existiert und Basta. Ein, wie ich finde, intellektuell sehr unbefriedigender Weg.

Mary: Mary ist eine perfekte Neurowissenschaftlerin, sie weiß alles, was es neurowissenschaftlich über eine Rotempfindung zu wissen gibt. Sie weiß, welche biochemischen Reaktionen und elektrochemischen Impulse mit einer Rotempfindung im Gehirn einhergehen und sie kennt alle neuronalen Korrelate einer Rotempfindung. Der Clou: Mary lebt jedoch seit ihrer Geburt in einem schwarz-weißen Raum und hat selbst noch nie eine Rotempfindung gehabt, weiß jedoch wie gesagt alles, was es wissenschaftlich über eine Rotempfindung zu wissen gibt. Wenn Mary ihren schwarz-weißen Raum verlässt und zum ersten Mal etwas Rotes sieht, eine Rose zum Beispiel, weiß sie dann mehr als zuvor, nämlich wie es ist, Rot zu empfinden? Falls ja, falls Mary mit der Erfahrung wie es ("subjektiv") ist, Rot zu empfinden, mehr weiß, als zuvor, und sie zuvor alles gewusst hat, was es wissenschaftlich ("objektiv") über Rotempfindungen zu wissen gibt, heißt das, dass wissenschaftliches Wissen nicht das gesamte Spektrum alles Wissbaren beinhaltet.


Frank C. Jacksons Gedankenexperiment "Mary" weißt einige Parallelen zu meinen Reflexionen über Gottes Möglichkeit zur Allwissenheit auf. Zusätzlich von den bereits von mir gestellten Fragen ließe sich noch ganz provokant fragen: Weiß Gott, wie es sich anfühlt, Sex mit einem Mann haben zu wollen oder wie es ist, Satanist zu sein? Wenn nicht, ist Gottes Wissen über die Welt unvollständig, wenn ja, ist Gott ein Sünder bzw. sogar ein Anbeter Satans etc.

Ockhams Rasiermesser: Ein althergebrachter Einwand gegen den Polytheismus (=den Glauben an mehrere Götter) beruft sich auf das Prinzip der Einfachheit: Zur Beschreibung eines Sachverhaltes sollte man stets möglichst wenige Hilfsannahmen heranziehen. Und da jeder Extra-Gott eine Hilfsannahme mehr ist und der Monotheismus mit nur einem Gott auskommt, sollte man nur an einen Gott glauben.

 

Auf diese Weise argumentieren Monotheisten (u.a. etliche muslimische Theologen) gegen den Polytheismus. Und es stimmt, 1 Hilfsannahme ist weniger als 2 oder mehrere Hilfsannahmen, aber noch weniger als eine Hilfsannahme sind Null Hilfsannahmen, die atheistische Weltsicht, die ohne einen einzigen Gottesglauben auskommt, ist das logische Ende der (oft von Monotheisten hervorgebrachten!) Forderung nach einer Weltsicht mit möglichst wenigen (metaphysischen) Hilfsannahmen.

Psychologie: Gott testet die Menschen auf Erden aufs Härteste und lässt* sie sterben, verhungern und Kriege führen. Dann peinigt er diejenigen, die AUFGRUND DER VERFASSTHEIT DER WELT ihren Glauben an einen Gott verloren haben nochmal auf alle Ewigkeiten in einer Hölle. Was sagt DAS über die psychische Verfassung eures Gottes aus? Ein Gott, der angebetet werden möchte und die, die das nicht machen für immer und ewig foltert ist ganz klar ein sadistischer, selbstsüchtiger und vollkommen apathischer Typ, den man als Mensch sofort einer psychologischen Behandlung unterziehen und wegsperren würde.


*Und ja, ein allmächtiger Gott lässt das Leiden der Welt zu. Entweder aktiv, weil er alles lenkt, oder passiv, weil er in seiner Allmacht zumindest nichts dagegen unternimmt.

Satanismus: Der Teufel ist böse, sagt Gott. Ja klar sagt das Gott seinen Anhängern, es sagt ja auch kein Feldherr seinen Soldaten, dass die anderen für die richtige Sache kämpfen, weil er ansonsten Überläufe befürchten müsste. Was aber wäre, wenn Gottes Narrative, die Bibel, eine gute, große propagandistische Lüge wäre und seine Anhänger irrtümlich dem falschen hinterherlaufen?


Anfangen könnte die Lüge bereits bei der Schöpfung und dem tree of knowledge of good and evil: Gott will offensichtlich nicht, dass wir vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse essen, was befürchtet er? Satan hingegen möchte, dass wir davon essen und als wir das taten und erkannten, taten wir, was Gott als Sünde bezeichnet. Haben unsere Vorfahren damals herausgefunden, dass Satan "der Gute" ist und Gott "der Böse"? Wie ließe sich Gottes Verhalten im Alten Testament, oder das Leid der Gegenwartswelt sonst erklären?


Selbstverständlich, meine Ausführungen sind überspitzt und ein Affront gegen den Gottesglauben. Aber sind die zugrundeliegenden Fragen deswegen unberechtigt?: Warum will der Teufel, dass wir die Wahrheit über Gut und Böse erkennen, und Gott nicht? Hat Gott uns etwas in Bezug auf das Gute und das Böse in der Welt zu verbergen, dass wir nicht wissen sollen?

Unsterblichkeit: Noch ein Letztes: Bestimmt haben sich schon die Gläubigen unter meinen Lesern über die Unterstellung echauffiert, Gott könne sterben. Ich habe ja auch ausdrücklich geschrieben, dass Gott nicht wissen könne, ob er einmal sterben wird. Meine Gründe für diese Annahme möchte ich hiermit nachreichen:


Gott weiß, wie uns bekannt ist, nicht alles, u.a. weiß er nicht alles über die Zukunft, da er nicht wissen kann, ob in Zukunft etwas geschieht, von dem er nicht weiß, dass er es nicht weiß. Er ist also, genauso wie wir, auf Beobachtungen und induktive Schlüsse angewiesen, was seine Zukunft und eigene (Un-)sterblichkeit betrifft. Daraus folgt, dass Gottes Blick in die Zukunft durch das Induktionsproblemgrundsätzlich begrenzt ist, denn jede Behauptung Gottes, er sei unsterblich, stellt einen unzulässigen Induktionsschluss von einer endlich oder unendlich langen, erlebten Zeitspanne in der Vergangenheit auf eine noch nicht erlebte Zeitspanne in der Zukunft dar.

 


Ich habe sowieso generelle, auch nicht-logische Zweifel daran, dass irgendwer wissentlich von sich behaupten kann, er sei sterblich oder unsterblich:


·         Gedanke 1: Der Tod anderer Menschen verifiziert empirisch deren bis dahin nur vermutete Sterblichkeit (zumindest für Naturalisten), nicht aber die eigene.

·         Gedanke 2: Wenn der Tod wirklich das Ende des Bewusstseins bedeutet, dann hat kein Toter die Gelegenheit, seinen eigenen Tod bzw. seine eigene Sterblichkeit festzustellen.


Aus den vorhergegangenen Ausführungen und den Gedanken 1 und 2 folgt: Wir können nie mit Sicherheit sagen, ob wir als Subjekt sterblich oder unsterblich sind, da keiner von uns je seine eigene Sterblichkeit oder Unsterblichkeit erfahren wird. Epikur formulierte das so: "Der Tod geht mich nichts an, denn wenn ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin ich nicht mehr."


Zum Ende noch ein recht hochtrabender Gedanke: Gott könnte, nach alldem was wir gelernt haben, sterblich sein und der Mensch unsterblich. Vielleicht sind wir ja der Richter Gottes, die nach seinem Tod auf ihn warten, vielleicht sind wir es, vor denen sich Gott gerade in diesem Aufsatz bzw. in unseren Gedanken verantworten musste? Vielleicht sind wir "Metagott".

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Liste aller bisherigen Blogeinträge

Kommentare: 13
  • #13

    WissensWert (Sonntag, 14 Oktober 2018 15:56)

    https://www.youtube.com/watch?v=f6bP3KfJjlU

  • #12

    WissensWert (Sonntag, 24 Juni 2018 05:41)

    https://www.youtube.com/watch?v=wHzdISXPTNg

  • #11

    WissensWert (Mittwoch, 02 November 2016 02:01)

    Besonders amüsant finde ich immer Argumente mit 'wer schuf den Schöpfer' etc [...] Gott als 'notwendig Seiendes' betrachtet, die Frage stellt, wer dieses Wesen geschaffen habe. "

    Ich denke, diese Frage soll nur einen Fehlschluss aufzeigen (oder eine allzu selektive Anwendung kritischen Denkens). Apologeten unterstellen, alles Existierende weise zwangsläufig auf einen höherliegenden Urheber hin. Und dann hören sie plötzlich auf zu denken: "Gott weist aber nicht auf einen höher liegenden Urheber hin."

    Okay, aber dann bitte konsequent: Wenn Dinge nicht zwangsläufig auf darüberliegende Urheber hinweisen - dann gilt das auch nicht für das Universum. Es kann das notwendig Seiende" sein - ohne weitere Gründe.

  • #10

    WissensWert (Sonntag, 16 Oktober 2016 15:09)

    wenn Gott allwissend ist, weshalb "testet" er uns überhaupt, wenn er eh schon vorher weiss wie ich mich Verhalten werde?

  • #9

    WissensWert (Montag, 03 Oktober 2016 18:13)

    TEIL 2:

    3. Kompatibilistische Lösung: Dem Kompatibilismus zufolge beruht die Allwissenheit Gottes auf der kausalen Determiniertheit alles Geschehens in der Welt. Für den klassischen Kompatibilismus, wie er etwa von David Hume vertreten wurde, schließt aber ein vollständiger Determinismus Freiheit insofern nicht aus, da Freiheit nicht durch die Abwesenheit von Notwendigkeit, sondern durch die Abwesenheit von Zwang konstituiert werde[44]. Eine Handlung könne durch welche Ursachen auch immer determiniert sein, frei sei sie, wenn der Handelnde so handeln könne, wie er handeln will. Gelegentlich wird diese Form der Freiheit auch als Handlungsfreiheit definiert und von der Willensfreiheit unterschieden.

    4. Lösung der offenen Zukunft: Das Modell der offenen Zukunft wird hauptsächlich von Anhängern des „Open View Theism“ aber auch von Anhängern der Zweitursachen-Lehre vertreten. Es geht von wirklich freien Entscheidungen des Menschen in der Welt aus. Weil der Mensch zumindest an einigen Stellen seines Lebensweges echt freie Entscheidungen treffen kann, sei auch für Gott die Zukunft in gewissem Sinn offen. Er wisse nicht alle Ereignisse der Welt voraus, und er könne auch nicht alle Ereignisse in der Welt kontrollieren. Die Allwissenheit Gottes sei dabei durch das eingeschränkt, was zu erkennen logisch möglich ist. Es sei aber Gott logisch unmöglich, die kontingente Zukunft mit Gewissheit vorauszuwissen. Dem Modell von der offenen Zukunft zufolge ist hingegen auch für Gott die Zukunft der Welt in gewissem Sinn offen. Das Wissen Gottes ändere sich dabei mit den freien Entscheidungen der Menschen in der Welt. Es bestehe daher keine völlig einseitige, sondern eine wechselseitige Kausalrelation zwischen Gott und Welt.

  • #8

    WissensWert (Montag, 03 Oktober 2016 18:12)

    TEIL 1:

    Das Attribut der Allwissenheit folgt aus der Allmacht Gottes.[42] Ein allmächtiges Wesen kann alles wissen, was es wissen will. Allwissenheit Gottes lässt sich formal so beschreiben: Für jeden wahrheitsfähigen Satz p gilt, dass Gott weiß, ob p wahr oder falsch ist. Umstritten ist, ob es angemessen ist, das Wissen Gottes als ein satzhaftes oder propositionales Wissen zu bezeichnen, oder es nicht vielmehr als intuitiv und unmittelbar aufgefasst werden muss. Problematisch am Allwissenheitsbegriff ist die Vereinbarkeit von göttlicher Allwissenheit und kreatürlicher Willensfreiheit. Da der Begriff der Allwissenheit auch zukünftige Ereignisse umfasst, weiß Gott auch um die zukünftigen Handlungen einer Person P. Wenn Gott aber heute schon weiß, wie P sich morgen entscheiden wird, dann scheint P keine Möglichkeit mehr zu haben, sich morgen anders zu entscheiden, da sich sonst Gott geirrt hätte, was durch die Allwissenheit Gottes ausgeschlossen ist. Zur Lösung dieses Problems existieren folgende grundsätzliche Lösungsversuche:

    1. Boethianische Lösung: Die klassische Lösung wurde von Boethius entwickelt.[43] Danach existiert Gott außerhalb der Zeit. Es gibt für Gott weder Vergangenheit noch Zukunft; er erkennt alles aus der Perspektive seiner ewigen Gegenwart. Von daher lässt sich der Ausdruck „Vorherwissen“ nicht eigentlich auf Gott anwenden, denn aus seiner ewigen, überzeitlichen Perspektive erkennt Gott alles gewissermaßen „gleichzeitig“ als gegenwärtig.

    2. Molinistische Lösung: Der spanische Jesuit Luis de Molina entwickelte im Zusammenhang des spätscholastischen Gnadenstreits im 16. Jahrhundert eine Problemlösung, die unter der Bezeichnung „mittleres Wissen“ (scientia media) Schule machte und eine lang anhaltende Kontroverse innerhalb der katholischen Tradition entfachte. In jüngster Vergangenheit wurde Molinas Idee in der analytischen Philosophie erneut aufgegriffen.

    Molina unterscheidet drei Formen des göttlichen Wissens:

    2.1. ein natürliches Wissen (scientia naturalis), worin Gott um alle notwendigen Wahrheiten, aber auch um alle reinen Möglichkeiten weiß. Gott kennt alle möglichen Welten, die er erschaffen könnte und er weiß, wie sich alle möglichen freien Personen in allen möglichen Situationen verhalten könnten;

    2.2. ein freies Wissen (scientia libera), das alles umfasst, was vom göttlichen Schöpfungswillen abhängt: alle Tatsachen der Welt, die jemals bestanden haben, bestehen und bestehen werden. Das freie Wissen Gottes schließt damit auch sämtliche künftigen freien Entscheidungen und Handlungen von Geschöpfen ein, die einmal wirklich sein werden;

    2.3. ein mittleres Wissen (scientia media), mit dem Gott nicht nur weiß, wie sich jedes freie Geschöpf in allen möglichen Situationen entscheiden könnte (scientia naturalis), sondern auch, wie es sich entscheiden würde, wenn es sich in einer bestimmten Situation befände. Die Geschöpfe bleiben dabei aber selbst die Urheber ihrer Entscheidungen. Wenn Gott allerdings die betreffenden Bedingungen aktualisiert, dann werden sich die Geschöpfe entsprechend seinem Wissen entscheiden.

    Gott kann damit den aktualen Ereignisverlauf der Welt seinem Willen entsprechend kontrollieren und seine Vorsehung ausüben, ohne ihn unmittelbar zu verursachen und die Freiheit der Geschöpfe aufzuheben.

  • #7

    WissensWert (Montag, 03 Oktober 2016 18:09)

    Das Attribut der Allwissenheit folgt aus der Allmacht Gottes.[42] Ein allmächtiges Wesen kann alles wissen, was es wissen will. Allwissenheit Gottes lässt sich formal so beschreiben: Für jeden wahrheitsfähigen Satz p gilt, dass Gott weiß, ob p wahr oder falsch ist. Umstritten ist, ob es angemessen ist, das Wissen Gottes als ein satzhaftes oder propositionales Wissen zu bezeichnen, oder es nicht vielmehr als intuitiv und unmittelbar aufgefasst werden muss. Problematisch am Allwissenheitsbegriff ist die Vereinbarkeit von göttlicher Allwissenheit und kreatürlicher Willensfreiheit. Da der Begriff der Allwissenheit auch zukünftige Ereignisse umfasst, weiß Gott auch um die zukünftigen Handlungen einer Person P. Wenn Gott aber heute schon weiß, wie P sich morgen entscheiden wird, dann scheint P keine Möglichkeit mehr zu haben, sich morgen anders zu entscheiden, da sich sonst Gott geirrt hätte, was durch die Allwissenheit Gottes ausgeschlossen ist. Zur Lösung dieses Problems existieren folgende grundsätzliche Lösungsversuche:

    1. Boethianische Lösung: Die klassische Lösung wurde von Boethius entwickelt.[43] Danach existiert Gott außerhalb der Zeit. Es gibt für Gott weder Vergangenheit noch Zukunft; er erkennt alles aus der Perspektive seiner ewigen Gegenwart. Von daher lässt sich der Ausdruck „Vorherwissen“ nicht eigentlich auf Gott anwenden, denn aus seiner ewigen, überzeitlichen Perspektive erkennt Gott alles gewissermaßen „gleichzeitig“ als gegenwärtig.

    2. Molinistische Lösung: Der spanische Jesuit Luis de Molina entwickelte im Zusammenhang des spätscholastischen Gnadenstreits im 16. Jahrhundert eine Problemlösung, die unter der Bezeichnung „mittleres Wissen“ (scientia media) Schule machte und eine lang anhaltende Kontroverse innerhalb der katholischen Tradition entfachte. In jüngster Vergangenheit wurde Molinas Idee in der analytischen Philosophie erneut aufgegriffen.

    Molina unterscheidet drei Formen des göttlichen Wissens:

    2.1. ein natürliches Wissen (scientia naturalis), worin Gott um alle notwendigen Wahrheiten, aber auch um alle reinen Möglichkeiten weiß. Gott kennt alle möglichen Welten, die er erschaffen könnte und er weiß, wie sich alle möglichen freien Personen in allen möglichen Situationen verhalten könnten;

    2.2. ein freies Wissen (scientia libera), das alles umfasst, was vom göttlichen Schöpfungswillen abhängt: alle Tatsachen der Welt, die jemals bestanden haben, bestehen und bestehen werden. Das freie Wissen Gottes schließt damit auch sämtliche künftigen freien Entscheidungen und Handlungen von Geschöpfen ein, die einmal wirklich sein werden;

    2.3. ein mittleres Wissen (scientia media), mit dem Gott nicht nur weiß, wie sich jedes freie Geschöpf in allen möglichen Situationen entscheiden könnte (scientia naturalis), sondern auch, wie es sich entscheiden würde, wenn es sich in einer bestimmten Situation befände. Die Geschöpfe bleiben dabei aber selbst die Urheber ihrer Entscheidungen. Wenn Gott allerdings die betreffenden Bedingungen aktualisiert, dann werden sich die Geschöpfe entsprechend seinem Wissen entscheiden.

    Gott kann damit den aktualen Ereignisverlauf der Welt seinem Willen entsprechend kontrollieren und seine Vorsehung ausüben, ohne ihn unmittelbar zu verursachen und die Freiheit der Geschöpfe aufzuheben.

  • #6

    WissensWert (Freitag, 15 Juli 2016 01:41)

    Mit einem allwissenden Gott gibt es keine Entscheidungsfreiheit. Auch wenn sich meine Entscheidungen frei anfühlen: In allen Entscheidungen meines Lebens kann ich nur noch jeweils eine einzige Option "wählen". Diejenige Option, die Gott bereits heute als Ergebnis meiner Entscheidung bekannt ist. Da gibt's keine Freiheit. Freiheit würde bedeuten, eine echte Wahlmöglichkeit zu haben.

  • #5

    WissensWert (Montag, 11 Juli 2016 23:12)

    "Ich finde es immer wieder lachhaft, wenn Atheisten fragen: "Wie ist euer Allah eigentlich entstanden?". Diese Frage kommt auch meistens als Gegenfrage vor, wenn ein Gottgläubiger fragt, wer den Urknall ausgelöst hat. Ihr Atheisten müsst schon sehr naiv und unwissend sein, um zu denken mit so einer Frage weit zu kommen."
    Ich finde es immer wieder lachhaft, wenn Gläubige fragen: "Wie ist das Universum eigentlich entstanden?". Diese Frage kommt auch meistens als Gegenfrage vor, wenn ein Ungläubiger fragt, wer denn Gott erschaffen hat. Ihr Gläubigen müsst schon sehr naiv und unwissend sein, um zu denken mit so einer Frage weit zu kommen.
    Die Frage nach dem Ursprung des Universums - oder seiner Ursache - kann man ehrlich nur so beantworten: WIR WISSEN ES NICHT. Punkt. Ende der Diskussion. Wir können Vermutungen und Spekulationen darüber austauschen, aber mehr geht nicht.
    Gläubige sind davon felsenfest und unbeirrbar überzeugt, dass die Existenz des Universums auf Gott zurückzuführen ist. Wenn hingegen ein Atheist sagt: "Das Universum ist auf natürliche Weise entstanden", dann ist der Protest groß: "Das könnt Ihr nicht wissen!". Stimmt. Wir behaupten ja auch nicht mehr, als das wir es nicht wissen. Komisch, dass Gläubige den Fehler sofort sehen, wenn ein Atheist behauptet, dass das Universum durch natürliche Umstände entstand - entstehen musste - während sie exakt denselben Fehler machen und einen übernatürlichen Gott ins Spiel bringen.
    Man kann das nicht logisch erklären, wieso ein Gläubiger den Fehler bei einem Atheisten sofort sieht, aber nicht erkennt, wenn er denselben Fehler begeht. Man kann es nur psychologisch erklären, mit "belief bias". Auf Deutsch: Glaubensverzerrung. Der Definition nach begeht man den kognitiven Fehler der Glaubensverzerrung, wenn man die Stärke eines Arguments danach beurteilt, ob es zu einer gewünschten Schlussfolgerung kommt.
    Während also ein Gläubiger sieht, dass "Das Universum entstand auf natürliche Weise" eine logisch nicht folgende Annahme ist, sehen sie nicht, dass "Das Universum wurde von Gott geschaffen" ebenso falsch ist und ebenso wenig logisch aus den Tatsachen folgt.
    Um diesen Fehler zu verdeutlichen stellen Atheisten die Gegenfrage, in der vagen Hoffnung, der Gläubige möge seinen Denkfehler einsehen. Wenigstens den, dass aus der Regel "Alles hat eine Ursache" auch folgt, dass Gott eine gehabt haben muss - sonst gilt diese Regel eben nicht für alles. Wenn sie nicht für alles gilt, gilt sie auch nicht für das Universum.
    Es gibt aber einen induktiven Schluss, der die Annahme des Atheisten rechtfertigt: Noch niemals in der Geschichte der Wissenschaft ist es vorgekommen, dass eine wissenschaftliche Theorie - so falsch sie auch gewesen sein mag - durch eine übernatürliche Theorie als die bessere Erklärung ersetzt werden musste. Alles, was man erforscht hat, hat immer und überall dazu geführt, wenn man eine Ursache gefunden hat, dass diese natürlich war.
    Es gibt so viele Dinge, von denen Gläubige angenommen haben, dass Gott dahinter steckt. Alles, was man sich nicht erklären konnte, war Gott - bis man eine natürliche Ursache gefunden hat. Immer. Man muss also fragen: Warum sollte es bei Dingen, die man sich heute nicht erklären kann, anders sein als früher? Warum sollte man eine Erklärung, die noch nie funktioniert hat, einer vorziehen, die bisher IMMER funktioniert hat, wenn man überhaupt eine gefunden hat? Und warum sehen die Gläubigen die Fehler nicht ein, die sie dabei machen?
    Kann man erklären, warum Gläubige so blind sind, dass sie zwar einen Fehler bei anderen sehen, es aber nicht bemerken, wenn sie denselben machen? Ja, kann man, Aber das ist ein anderes Thema, und es ist für die Gläubigen wenig schmeichelhaft.

  • #4

    WissensWert (Sonntag, 05 Juni 2016 19:41)

    Viele Fragen zur Allwissenheit Gottes?
    Laut Koran ist Gott allwissend.
    Was bedeutet das und welche Konsequenzen hat das für mich?
    Die Allmacht Gottes ist nach meinen Informationen eine „absolute“ Allmacht.
    Es gibt keine Einschränkungen.
    Damit kennt Gott zu jedem Zeitpunkt immer die komplette Zukunft aller Dinge.
    Frage 1 Ist das so richtig?
    Gott könnte mir z.B. am 01.01. eines Jahres ein gedrucktes Buch überreichen, in dem minutengenau meine komplette Zukunft abgedruckt ist. Das geht, weil er neben der Allwissenheit auch allmächtig ist.
    Gott könnte mir dann immer zum Monatsbeginn des nächsten Monats wieder ein gedrucktes Buch überreichen, in dem wieder minutengenau meine komplette Zukunft aufgeführt ist.
    Das dürfte aber nicht viel Sinn machen, weil dann in allen Büchern immer haargenau dasselbe abgedruckt wäre.
    Frage 2 Sehe ich das richtig oder habe ich schon an dieser Stelle einen Denkfehler?
    Wenn Gott also meine Zukunft komplett kennt, denn müsste er ja schon meinen Lebenslauf gekannt haben, als ich gerade geboren wurde?
    Eigentlich müsste er auch meinen Lebenslauf kennen, als ich noch gar nicht geboren war?
    Wenn man weiter zurückdenkt, müsste er meinen Lebenslauf schon gekannt haben, als er gerade die Erde schuf?
    Frage 3 Gott hätte als das Buch mit meinem Lebenslauf sofort nach der Erschaffung der Erde ausdrucken können? Das müsst doch auch richtig sein?
    Was bedeutet das aber für meine Zukunft?
    Frage 4 Meine Zukunft steht in einem gedruckten Buch und ist damit absolut festgeschrieben? Ist das richtig so?
    Das bedeutet, dass machen kann was ich will, es steht also alles vorher schon fest.
    Was bedeutet das eigentlich für meinen freien Willen?
    Frage 5 Wenn alles schon fest steht, dann habe ich doch keinen freien Willen mehr?
    Wie in einem Drehbuch läuft hier ein fest vorgegebener Film ab?
    Wenn ich geboren werde, dann steht schon fest, dass ich z.B. in die Hölle komme, egal wie ich mich später verhalte. Ich kann mich absolut anständig verhalten, aber da schon vorher feststeht, komme ich trotzdem in die Hölle.
    Frage 6 Hier kann doch irgendwas nicht stimmen, oder?
    Welchen Sinn macht dann noch das Strafgericht?
    Da mein Lebensweg laut Buch schon absolut feststeht, weiß Gott jetzt schon alles und kann jetzt schon die Gerichtsverhandlung durchführen. Ich kann ja nichts mehr an meinem Lebenslauf ändern?
    Frage 7 Wie ist das alles zu erklären?
    Frage 8 An welcher Stelle habe ich hier einen Denkfehler?
    Wer kann mir da helfen?

  • #3

    Seelenlachen (Mittwoch, 16 Dezember 2015 13:26)

    "Viel mehr, als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind."
    - Albus Dumbledore

  • #2

    Seelenlachen (Sonntag, 25 Oktober 2015 15:41)

    Der Hauptteil dieses Aufsatzes äußert vielleicht mehr einen interessanten Gedanken, als eine fundierte Religionskritik. Gleich auf den ersten Satz könnte man beispielsweise erwidern: Wenn Gott aber allwissend ist, KANN er (per definitionem!) wissen, dass er allwissend ist. Man kann es so oder so interpretieren, denn entweder Gott ist allwissend, oder er ist es nicht. WENN er allwissend ist, dann schließt das ein, dass er auch weiß, dass er allwissend ist und es nichts gibt, von dem er nicht weiß, dass er es nicht weiß.

    Mir ging es eher um den im Aufsatz daraus erwachsenden Gedanken, dass man Gott auch alles vorwerfen kann, was er uns "Sündern" vorwirft. Was sagt das aus über Gott?

  • #1

    Seelenlachen (Dienstag, 20 Oktober 2015 23:59)

    * Was es nicht in den Blogeintrag geschafft hat:

    "Metagott: … Und es war deshalb vollkommen beliebig, ob sie zu dem Glauben an dich, oder zu irgendeinem falschen Gott, wie Thor, gefunden haben. Ihr Verbleib in der Ewigkeit hing von zufälligen Faktoren ab, wie der Ort und die Zeit, in der sie geboren wurden. Ein Germane, der ansonsten sehr bedacht gelebt hatte, aber mit dem selbstverständlichen Glauben an seine germanische Vielgötterwelt aufgewachsen ist und nie auf die Idee kam, diesen hinterfragen zu können, bekam von dir nie eine Chance, in den Himmel zu kommen. Er hat schlichtweg die Arschkarte gezogen. Oder schauen wir uns den von dir geschaffenen Zheng Zoui an, der auf im chinesischen, unterentwickelten Landesinneren aufgewachsen ist und nie von dir, Gott, gehört hat oder auch nur so etwas wie einen Gottesgedanken hatte. Ihn hat seine Unwissenheit auch nicht von deiner Strafe beschützt. Warum sollte dich also deine Unwissenheit vor meiner schützen?
    Subgott *nervös*: Ich gebe zu, meine Regeln waren klar: Niemand kommt zu mir, denn durch meinen Sohn. (http://bibeltext.com/john/14-6.htm ) Und sie waren ungerecht, vor allem nicht gegenüber jenen, die nie von mir gehört hatten. Aber wie sieht es mit meinen Taten aus? Ich habe doch auch manches richtig gemacht, war das alles für die Katz´?"


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