„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Rentierstaatstheorie

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Kommentare: 2
  • #2

    Seelenlachen (Sonntag, 01 November 2015 03:41)

    Ich hadere selbst auch mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen.
    Theoretisch und praktisch scheint es mir geboten zu sein:

    Arbeit ist derzeit oft reines, existentielles Mittel, das weder gewollt noch benötigt wird.
    Mit einem BGE wäre Arbeit wieder Zweck an sich und keiner MÜSSTE sie mehr als bloßes Mittel verrichten, d.h. keiner müsste mehr arbeiten, nur um über die Runden zu kommen. Die Jobs, die tatsächlich getan werden müssen (Krankenpfleger zB), müssten nun endlich so hoch entlohnt werden, das für den Arbeitnehmer tatsächlich ein Anreiz besteht, ihnen nachzugehen.

    Die meisten anderen Jobs müssen aber gar nicht vollrichte werden, sie produzieren Luxus oder könnten bereits maschinell / ahuman viel besser getan werden. Mit einem BGE DÜRFTE jeder einer dieser luxusproduzierenden oder überflüssigen Arbeiten nachgehen, der sich noch was zu seinem BGE obendrauf verdienen möchte, aber keiner müsste. Und sobald etwas wirklich gewollt wird, werden auch Leute hart arbeiten, um es sich leisten zu können (kaufkräftige Nachfrage) und infolgedessen wird es auch angeboten werden.

    Die digitale Revolution wird, vor allem in den unteren Einkommensschichten, für eine Massenarbeitslosigkeit sondergleichen sorgen. Wir brauchen vernünftige Antworten auf diese.

    Dafür werden unser Paradigma von Arbeitslosigkeit = schlecht überdenken müssen, da es eigentlich positiv und ein Zeichen von Fortschritt ist, wenn Leute bei gleichbleibendem Wohlstand nicht arbeiten müssen (wer will, darf ja noch!).

    Die entscheidende Frage, die wir uns jetzt schon stellen müssen, ist, wie wir dafür sorgen, dass:

    1. der nicht arbeitende Teil der Bevölkerung sozial nicht ganz abgehängt wird, denn eine europaweite Vollbeschäftigung wird es nicht mehr geben (unsere deutschen, niedrigen Arbeitslosenquoten verdanken wir unseren niedrigen Löhnen und sorgen im innereuropäischen Dumpingwettbewerb für höhere Arbeitslosigkeit im Rest von Europa) und dafür kann auch der Spanier nichts, dass es einfach nicht mehr genug Arbeit gibt.

    2. und doch ein finanzieller Mehrwert für die besteht, die in Arbeit treten? Auf all diese Fragen scheint mir ein BGE in einer noch zu bestimmenden Höhe eine vernünftige Antwort zu sein.



    Die Gefahr eines "Rentiereffekts" sehe ich bei einer BGE-Einführung nicht (falls du das andeuten wolltest?) Der Staat lebt ja dann immer noch von unseren Steuern (wie sollte er sonst das BGE finanzieren können?) und nicht von Öleinnahmen o.ä., die er nur nach unten verteilt, um das Volk ruhigzustellen. Er würde immer noch alles Geld von den Bürgern beziehen, d.h. abhängig von diesen sein und das Geld dann quasi nur unter den Bürgern wieder gleichmäßiger zu verteilen.

  • #1

    Köppnick (Samstag, 31 Oktober 2015 20:49)

    Den Begriff der "Rentierkriege" kannte ich noch nicht, aber der Zusammenhang zwischen Rohstoffreichtum und politischer und sozialer Rückständigkeit ist gut belegt.

    Was für mich eine große (und offene) Frage ist, ist, ob das (bei uns) mit dem bedingungslosen Einkommen dann funktionieren kann.


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