„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

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Kommentare: 2
  • #2

    Seelenlachen (Dienstag, 22 September 2015 01:37)

    "Du solltest dich nicht mehr an den Widersprüchen des (christlichen) Glaubens abarbeiten"
    ist ein guter Ratschlag und werde ich mir zu Herzen nehmen.

    Ich bin übrigens wieder zurück in Deutschland und werde heute (22.09) hoch nach Göttingen ziehen. Vielleicht lässt sich ja mal ein Treffen arrangieren, mich würde es interessieren und freuen. :)

  • #1

    Köppnick (Montag, 21 September 2015 09:09)

    Du solltest dich nicht mehr an den Widersprüchen des (christlichen) Glaubens abarbeiten. Es lohnt sich nicht, denn du wirst genauso wenig wie alle deine Vorgänger erstens eine in sich konsistente Variante finden und zweitens kaum einen Gläubigen von dieser Inkonsistenz überzeugen. Rein psychologisch sind religiöse Vorstellungen so tief in jedem Einzelnen verankert, dass eine Aufgabe eine existenzielle Gefährdung des Betreffenden darstellen kann.

    Gott soll den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen haben und er soll allmächtig, allwissend und allgütig sein. Wenn er allmächtig gewesen ist, warum ist seine Schöpfung dann so fehlerhaft? Hier wir als Erklärung angeboten, dass er sie mit einem freien Willen ausgestattet hat, damit sie sich selbst bewähren können. Hier haben wir den nächsten Widerspruch, denn der freie Wille des Menschen und seine Wahlmöglichkeiten stehen im Widerspruch mit der Allwissenheit Gottes. Über die Allgüte stolpert man nicht erst bei der Theodizee, sondern, wie von dir hier zitiert, bereits bei der Jesusgeschichte. Stirbt da ein Mensch oder ein Gott? Und warum wird unterschieden zwischen der Errettung der Menschen, die vor, und denen, die danach leben?

    Die einzig halbwegs logisch konsistente Lösung all dieser Widersprüche erhält man, wenn man die Existenz eines Gottes, der all die ihm zugeschriebenen Eigenschaften besitzt, verneint und alle Geschichten als menschlichen Mythen annimmt.

    Das schließt natürlich die Existenz eines Gottes, der die Welt geschaffen hat, nicht aus, aber es kann mit Sicherheit nicht einer sein, der in den religiösen Geschichten beschrieben wird. Nur - um hier Widerspruchsfreiheit zu erzielen, muss man seine Eigenschaften so abstrahieren, dass der verbleibende Begriff keinerlei Erklärungskraft mehr besitzt. Dann kann man den Begriff auch ganz verwerfen, weil er nichts erklärt.

    Es verbleibt nur mehr die Frage nach dem richtigen (vernünftigen) Umgang mit Gläubigen. Hier stehe ich auf einem konsequenzialistischen Standpunkt: Es zählen die Taten, nicht ihre (religiöse) Begründung. Man kann also durchaus bestimmte Aspekte der Religionen gutheißen, andere hingegen entschieden ablehnen.


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