„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Big Rip

Der Big Rip ist ein wahrscheinliches Ende des Universums, bei dem eine ganz spezielle Form der stets expansiven Dunklen Energie dauerhaft die das All zusammenziehende Gravitationskraft übertrumpft, folglich das Universum immer weiter auseinandertreibt und ab einem späteren Zeitpunkt gar Stück für Stück auseinanderreißt.
Dieses kosmologisch-singuläre Ereignis nennt sich Big Rip.

Zieht man nur fest genug an den Enden eines Stofftuches, zerreißt dieses irgendwann.
Mit dem Universum ist es ganz ähnlich: Wenn die Dunkle Energie das Universum
immer und immer mehr auseinandertreibt, ist irgendwann der Punkt erreicht,
an dem es außeinanderbricht.

1. Der Antrieb: Phantom-Energie

Dass wir in einem sich ausdehnenden Universum leben, können Astronomen leicht an Entfernungsmessungen zu anderen Galaxien ausmachen. Nur warum überall neuer Raum entsteht bzw. der Kosmos wächst, weiß niemand so genau. Dunkle Energie ist ein Oberbegriff für all jene Konzepte, die diese Expansion des Universums erklären wollen und die Phantom-Energie eine besonders bizarre Unterklasse der Dunklen Energie(n). Nun bläht sich das Universum nicht nur Jahr für Jahr ein wenig weiter auf, nein, es wächst sogar immer schneller. Im Phantom-Energie-Modell wird diese exponentielle Expansion des Universums durch ein Anwachsen der das Universum auseinandertreibenden Phantom-Energiedichte erklärt.

Diese Phantom Energie wird irgendwann zum Problem. Getrieben von der Phantom-Energiedichte nimmt die kosmologische Expansionsrate immer weiter zu, bis die Schwerkraft sie nicht mehr ausgleichen und die Dinge ihrer Ausdehnung nicht mehr standhalten können und regelrecht auseinandergerissen werden. Theatralisch gesprochen bläht das Universum immer weiter auf und konvergiert gegen den alles zerbersteten Big Rip.

2. Der Anfang vom Ende: Ungewiss

Die Phantom-Energie schreibt diktiert in diesem Fall die zukünftige Biographie des Universums, sie ist also von essentieller Bedeutsamkeit. Wie lange wir indes noch bis zum kosmologischen Totalaufriss haben, können wir nicht sagen. Das hängt von den Zustandsgleichungen für die Dunkle Energie ab, die man bislang mit den WMAP-Daten nur zwischen -1,22 und -0,78 eingrenzen, noch nicht aber genau bestimmen konnte. Bei einem Wert von -1 trifft man exakt die kosmologische Konstante und alles darüber entspricht den Quintessenz-Modellen, die ohne einen Big Rip auskommen. Es ist also gar nicht sicher, ob es überhaupt zu einem Big Rip kommen wird, wenn, dann vermuten seriöse Schätzungen ihn nicht vor 20 – 50 Milliarden Jahren in der Zukunft. Damit wäre aktuell erst ein Viertel bis die Hälfte der Lebenszeit des Universums verstrichen.

3. Der Verlauf bis dahin: sukzessiv

Bleibt noch die Frage, wie genau das Universum zerrissen wird. Die Zeit vor seinem Tod durchläuft der Kosmos interessanterweise sukzessiv, d.h. zuerst zerreißt es nur die größeren Strukturen, bis die Zerstörungswut des Big Rips auch die kleineren Entitäten erreicht und am Ende sprichwörtlich bis tief in die Materie eindringt.

Anfangs trifft es die großflächigsten Formen im Universum, wie die Galaxienhaufen, danach verlieren auch die etwas kleineren Galaxien ihre Form und driften später unwiderruflich auseinander. Der Raum vermehrt sich weiter, auch innerhalb der Milchstraße, bis die in ihr befindlichen Gebilde in ihr ihr nicht mehr gravitativ eingebettet sind und sich voneinander fortbewegen. Infolgedessen trifft es unser Sonnensystem. Die Planeten fallen aus der Umlaufbahn der Sonne, die bald daraufhin selbst mit den anderen Sternen im Universum den Löffel abgeben muss. Und auch die Anziehungskraft der Planeten ist nicht stark genug, um sie auf ewig entgegen der immer stärker wirkenden, allumfassenden Expansionskraft zusammenzuhalten, weshalb sich irgendwann auch die Erde in ihre Bestandteile auflösen wird. 

Doch damit nicht genug. Irgendwann verenden dann sogar die Atome und entzweien sich in Atomhülle und Atomkern. Atomkerne spalten sich in Quarks auf und falls diese wider unserem Standardmodellnicht elementar sein sollten, könnte es sogar diese unvorstellbar kleinen Dinger letztendlich in echte Elementarteilchen (Preonen?) zerfetzen. Allerspätestens dann expandiert der Raum mit Überlichtgeschwindigkeit und kein Teilchen kann folglich mehr mit einem anderen interagieren. Was einst einmal unser stolzes Universum gewesen sein wird, ist nun nur noch eine Ansammlung von sich immer weiter entfernenden, kleinstmöglichen Entitäten, die – und das ist entscheidend – dann nicht mehr in der Lage sind, einander zu berühren bzw. irgendetwas zu machen, außer vor sich hin zu existieren und immer und immer weiter auseinanderzutreiben..

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