„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Schönheitsideal

Meine (überarbeiteten) Gedanken zum Themengebiet "Schönheitsideal":

- Beim Manne ist Muskelmasse hui, Fett eher pfui. Was die Frau betrifft ist die Priorisierung indes weniger eindeutig: An Hüfte, Armen und Beinen senkt Fettgewebe ihre Attraktivität tendenziell, an Brust (und tlw. auch am Hintern) wird es überraschenderweise aber wieder häufig sehr gerne gesehen. Kurzgesagt: An weiblicher Hüfte ist Fettgewebe Pfui, eine Etage höher plötzlich Hui.

- Das Traurige am Ideal der schlanken, vollbusigen Frau: Die meisten schlanken Frauen haben keine großen Brüste und die meisten vollbusigen Frauen sind nicht schlank. Dieses Prinzip trifft man zu allen Zeiten und in allen Kulturen: Schönheitsideale propagieren häufig das als erstrebenswert, was schwer zu haben ist. Wir kennen dies aus der Wirtschaft, wenn das Angebot gering ist, steigt die Exklusivität, steigt der Reiz, steigt die Nachfrage.

- Ein Teil unseres Schönheitsideals ist evolutionär determiniert, d.h. dieser Teil macht stammesgeschichtlich "Sinn". Für den wesentlichen Part unseres S. sind aber irrationale, räumlich und zeitlich begrenzte, sozio-psychologische Impulse konstitutiv. Ein Beispiel: In Peru, so meine persönliche Erfahrung, mögen es Frauen gemeinhin überhaupt nicht mögen, wenn ein Mann Bart trägt. Für meine damalige peruanische Freundin habe ich mich also jeden Tag rasiert. In Deutschland liegt ein gepflegter Männerbart derzeit jedoch voll im Trend und gilt als maskulin und sexy.

Wir sind nicht frei in unserem Schönheitsempfinden. Selbiges (bzw. wir!) wurden und werden durch Filme, Stars, Trends und Werbung konditioniert. James Bond und C&A setzen Trends und wir laufen ihnen hinterher, like dogs.

Seid keine Hunde und hört auf, wie die Models aus der Zeitschrift aussehen zu wollen. Selbst die Models aus der Zeitschrift sehen nicht aus wie die Models aus der Zeitschrift.

- Die mMn. zentrale Einsicht hinter sogenannten "Pick-Up-Artists": Während Mann das andere Geschlecht noch vor allem danach bemisst, was vor seinem bloßen Auge ist (attraktiv = ästhetisch), springt Frau im Schnitt und im Vergleich viel mehr darauf an, was Mann in ihr "auszulösen"(von: to attract, anziehend: attraktiv ästhetisch!)  vermag. Anders formuliert: Junge Frauen sind idR. recht bedürftig, wer sie bekommen will, muss ihr suggerieren können, dass er ihre Bedürfnisse (zB. Geborgenheit, Bedeutsamkeit) zu befrieden vermag (nonverbale Versprechen. Er muss in ihr den Eindruck erwecken, ihre (ihr evtl. selbst nicht bewussten) Wünsche an einen potentiellen Partner und eine potentielle Beziehung befriedigen zu können. Pick-Up-Artists gehen meist noch einen Schritt weiter und manipulieren die Frau, indem sie sie subtil darauf einschwören, dass sie das Glücksgefühl einer Bedürfnisbefriedigung durch den Artist nur erhalten, wenn sie nach dessen Pfeife tanzt.

- Anzunehmen, es gäbe ein Schönheitsideal, impliziert implizit und unbewusst, alle anderen Typen von Aussehen ästhetisch abzuwerten und sich weiteren, nicht idealisierten Arten von Schönheit zu verschließen. Ich meine, dass es verschiedene Arten von Schönheiten gibt (zierlichere und kurvenreichere, usw.) und sich diese auf eine Weise unterscheiden, dass sich oft nicht sagen lässt, die eine sei idealer als die andere. Es gibt kein einheitliches Schönheitsdeal. Und das ist auch gut so.

zum vorherigen Blogeintrag                                                                         zum nächsten Blogeintrag 

 

Liste aller bisherigen Blogeinträge

Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Mittwoch, 08 Februar 2017 00:08)

    Die Wichtigkeit des persönlichen Aussehens und das des Gegenübers, die Verknüpfung von Ästhetik mit Sympathie und Erfolg ist einer der Kernbeweise dafür, dass der Mensch animalisches Wesen und Herkunft hat, aber dessen Sein damit im Konflikt steht. Ästhetik ist nichts als die tief eingeprägte genetische Zuchtwahl, die dich - so du diesem "Wollen" folgst - zu einem Vehikel eines Milliarden Jahre alten "Wettbewerbs" von DNA-Molekülen macht, in Selbstreplikation, Selbsterhaltung und evolutionärem Drift sich in einem veränderlichen Lebensmedium als Systemprozess zu behaupten.

    Reduktion des menschlichen Daseins auf Ästhetik der Zuchtwahl und Schulderfüllung der Zwecknützlichkeit für den sekundär erzeugten Systemprozess des Schuldglaubens, der Kapitalrendite und des Marktes ist die fast wichtigste Form der Diskriminierung von Leben, das eigentlich nach Selbstverständnis des Menschwerdungsprozesses Selbstzweck sein sollte. Tieferliegend ist nur noch die Diskriminierung, aufgrund der Art-Herkunft einen lebendigen Prozesses zum Fremdzweck zu reduzieren.

    Nicht Diskriminierung wegen Rasse, Religion oder Herkunft, sondern wegen Äußerem und mangelndem Talent, Rendite zu schaffen, sind der Kern unserer Fehlentwicklung. Unser Systemprozess der Menschwerdung durch Menschlichkeit, der in Wirklichkeit auf der Biologie der bedingungslosen Liebe der Mutter (und des Vaters) zum Kind (in dem sie sich selbst erkennen) basiert, die durch Neotenie auf die gesamte Sippe ausgeweitet war, und damit nach der Aufwertung des Phänotyps gegenüber dem Genotyp, sozusagen der ethischen Emanzipation des Lebens von der anethischen Evolution, ist krankhaft abgedriftet.

    Durch den historischen Prozess der Menschheitsgeschichte über die letzten Jahrtausende seit der neolithischen Revolution, der Entstehung der Sesshaftigkeit, der religiösen Vertiefung des Schuldglaubens (und "göttlicher" Fremdzweckbestimmung) und dessen Verselbstständigung im ökonomisch-technologischen Prozess haben wir uns davon entfernt und somit von der Grundlage unseres Seins. Im Grunde ist diese Krankheit eine Art Konterrevolution der "Rückstände" des Evolutionsprozesses in uns gegen die Emanzipation der neotenischen Liebe.

    Wenn es uns nicht gelingt, diese Krankheit zu erkennen und zu überwinden, wird der Systemprozess der Menschwerdung in einer evolutionären Deselektion des Genotyps "Mensch" enden, da er (bzw. sein sekundärer ökonomischer Prozess) sich dadurch vom Lebensmedium abnabelt, und zu spät erkennt, dass er ohne es nicht leben kann bzw. - was schlimmer ist - es zwar erkennt, aber auch dessen Zerstörung nicht zu ändern vermag - aufgrund der verlorenen Liebe.

  • #2

    WissensWert (Donnerstag, 17 November 2016 00:03)

    https://www.youtube.com/watch?v=qnRTX5Mu7kU

  • #1

    WissensWert (Samstag, 02 Juli 2016 02:34)

    Die Fitness- und Schönheitsindustrie lebt davon, uns durch Vorher-Nachher Fotos etc. zu suggerieren, dass jeder ästhetisch was aus sich machen kann. Aber das ist falsch. Extrem korpulente Fraue können machen was sie wollen, sie werdne nie eine gute Figur bekommen. Ein schönes Äußeres ist, entgegen den Versprechungen der besagten Industrien, zum allergrößten Teil genetisch determiniert. Im Umkehrschluss gibt es auch Frauen, die schön auf die Welt gekommen sind und die fast nichts (keine Ernährungsweise etc.) entstellen kann.


Impressum | Datenschutz | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.