„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Zukunftsvision II

Mit einem guten Gesprächspartner, ja, einem Freund mittlerweile, habe ich mich u.a. über meine akademischen Zukunftspläne unterhalten. An diesem Teil lasse ich euch hiermit gerne teilhaben. Meine grundständigen zu diesem Thema findet ihr in dem oben verlinktem Blogeintrag.

An den Blogeintrag erinnere ich mich. Damals wollte ich noch nach Freiburg gehen, zwischendrin war mal Tübingen geplant und schlussendlich jetzt Göttingen. Was mich nach Göttingen bewegt:

  • Internationaler Flair: Viele Studenten aus aller Welt. Ich mag das.

  • Kein Graecum / Latinum / Hebraecum: Eine der Sprachen sprechen zu können, wäre sicher cool. Aber ich kann mich nicht so sehr dafür begeistern, dass der Lernprozess nicht langweilig würden würde. Außerdem bin ich chronisch sprachunbegabt.

  • Exzellenzuniversität: Spricht für sich, auch auf einer Bewerbungsunterlage.

  • „Interessantere“ Fakultäten: Ich stelle es mir für mich interessanter vor, mit Naturwissenschaftlern und Politologen auf ein Bier zusammenzusitzen oder eine WG zu teilen, als mit Slavinisten und Historikern (in Tübingen wohl ganz groß).

  • VWL-Entwicklungshilfe: Eine Spezialisierungsmöglichkeit, die mir zusagt. Das große Geld brauch ich nicht, aber einen positiven Impuls möchte ich mit meinem Leben dalassen. Vielleicht als Entwicklungshelfer? Außerdem läuft in den Entwicklungsarbeiten / internationalen Spendenstrukturen vieles verkehrt. Ich will lernen, wie man wirklich hilft, und es nicht nur „gut meint“. Und Göttingen ist europaweit führend in Sachen Entwicklungsökonomie! Wenn nicht hier, wo dann?

  • Berufsorientierte Module in beiden Studienfächer. Habe mir einige Modulhandbücher durchgelesen, ist nicht selbstverständlich. Bringt einem auf dem Arbeitsmarkt nachher aber enorm viel. Im Zeit-Ranking, das ich hier nicht verlinken kann (man muss sich registrieren und ich finde es gerade nicht mehr) werden den Göttingern VWL Studenten mitunter die besten Berufschancen zugesprochen.

  • Subjektive Beliebtheit: Ich habe mit mehreren Philosophieprofessoren geschrieben (u.a. mit Herrn Hoyningen-Huene.) Vom objektiven Niveau schenken sich die besseren Unis in D. hinsichtlich des Philosophiestudiums wohl kaum etwas. Bei subjektiven Bewertungsskalen (Studycheck), die die Studenten selbst aufstellen, schneidet Göttingen durchweg besser ab, als bspw. Tübingen oder Freiburg. Ich glaube, so einen Ruf bei Studenten ergibt sich aus vielen Kleinigkeiten, die zusammen einen großen Unterschied machen können: Wie gut ist das Studentenwerkt? Wie motiviert sind die Dozenten? usw. Deshalb ein ausschlaggebender Faktor.

  • In Göttingen lebt es sich vielleicht nicht billig, aber zumindest um einiges billiger als im Süden oder in Großstädten. Das schlägt sich nicht nur in den Mitpreisen (170€ Preisunterschied bei den niedrigsten Mitwohnungen gg. Freiburg, auf Jahre aufsummiert ein ordentlicher Batzen.), sondern auch bei den Lebensmittelpreisen, Eintrittspreisen in Clubs usw. nieder.

Die (einzigen) Kontraargumente wären da:

  • Relative Ferne: Von Tübingen könnte ich in 2,5 Stunden kurz nachhause fahren und dort mal übers Wochenende bleiben. Mit Göttingen geht das weniger, was für mich mit all den Freunden und Verwandten in Schwäbisch Hall (mein bisheriger Heimatort) ein wenig traurig ist.

  • Bekanntschaften: Aus nahezu jeder anderen Uni kenne ich bereits Leute, nur aus Göttingen nicht. Was aber verschmerzbar ist, weil ich schon immer schnell neue Kontakte geknüpft habe. Und irgendwie auch spannend.
meine neue Heimat!?
meine neue Heimat!?

Ich bin einmal gespannt, wie ich in ein paar Jahren auf diese Einschätzungen zurückblicken werde. Das Leben ist spannend!

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Kommentare: 1
  • #1

    sapereaudepls (Sonntag, 12 April 2015 20:50)

    FRAGE:
    Weißt du schon, wie du dich spezialisieren möchtest?

    MEINE ANTWORT:
    Das Philosophie-Studium in Göttingen setzt aus 3 "Blöcken" zusammen: Theoretische Philosophie, Praktische Philosophie und Geschichte der Philosophie.

    Nach 2 Semestern bzw. einem Jahr kann ein Block abgewählt werden und man sich auf die anderen vertiefen, sodass man man sich das letzte Jahr auf einen Block spezialisiert und zu einem dem inhärenten, philosophischen Thea dann seine Bacelorarbeit schreibt.

    Ich werde zuerst G. der Philosophie abwählen, da diese für mich nur als Mittel zum Zweck (Probleme und Positionen aus einem historischen Kontext verstehen lernen) und nicht als Selbstzweck (einfach lernen und forschen, was wer damals dachte ohne je die Wahrheitsfragr zu stellen) interessant erscheint.

    Dann, schweren Herzens, die Praktische Philosophie.

    So bleibt die Theoretische. Meinen Master könnte ich mir in Logik vorstellen (vielleicht zu Frege, der in Göttingen eine große Rolle spielt(e)?). Fast noch interessanter fände ich gerade Wissenschaftstheorie oder Naturphilosophie. Wobei sich einem für ersteres auch viele Möglichkeiten in D. darbieten, darin einen Master zu machen.

    Metaethik fasziniert mich auch sehr, aber dazu müsste ich zuvor anders wählen bzw. abwählen.

    Aber das sicher alles anders kommen und verworfen werden wird, ist mir auch klar. ;)


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