„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Nazis vs. Salafisten

In Facebook hat ein Bekannter von mir diesen Artikel gepostet und dazu geschrieben:

 

Die einen meinen wir werden von Islamisten überrollt, die anderen von Nationalsozialisten. Ich meine, unsere Demokratie ist wehrhafter und damit auch faschismusresistenter als viele glauben. Fünf bis achttausend gewaltbereite Rechtsradikale leben in Deutschland, das entspricht 0,008 % der Gesamtbevölkerung. Salatfisten machen mit drei- bis fünftausend 0,005% der Deutschen aus. Bedenkt man, dass die prozentuale Anzahl der Muslime in Deutschland auf 2 bis 4,5 Millionen geschätzt wird, wirkt auch das Bild von der Islamisierung Deutschlands überzeichnet.

Den Status quo hält die deutsche Demokratie aus, locker. Doch eine Gesellschaft und ihre demokratischen und antidemokratischen Elemente sind nicht statisch. Sie entwickelt sich und tatsächlich werden zunehmend Gesellschaftsmodelle beworben, die mit Demokratie oder Menschenrechte nicht viel zu tun haben (Gottesstaat, aber auch der Nationalsozialismus).

Manch ein Demokrat steht nun zwischen den Fronten, möchte für das Gute kämpfen und weiß nicht wie. Zwei Dinge. Erstens, du kämpfst nicht für das Gute. Genau wie die anderen vertrittst auch du eine konkrete Ideologie und nicht sowas abstraktes wie das Gute. Entwicklungspolitik ist ideologisch, wenn sie zur Demokratisierung, Industrialisierung oder auch nur Wohlstandsmehrung eines Landes beitragen möchte. Amnesty International ist hochmissionarisch, wenn sie weltweit die Lobby der Menschenrechte stellt. Wer wirklich für „das Gute“ oder „das Richtige“ kämpfen will gerät zum Problem der Letztbegründung, politische Aktivität fängt immer mit irgendeiner nicht-rationalen Grundsatzentscheidung an. Bei dir ist es etwa der Wert und die Gleichheit der Menschen (Menschenrechte und Demokratie). Wer es unmissverständlich will: Du bist wohl eine Art Humanismus-Extremist.

Mache dir das so ehrlich und direkt klar und dann frage dich, was du machen kannst um diese Interessen nach außen hin wirkungsvoll zu vertreten. Vergeude deine Zeit nicht damit die Symptome von dem zu bekämpfen, was dir nicht gefällt. Mit Fanatikern kann man nicht mehr diskutieren und der direkte verbale oder physische Angriff deiner Feinde wird dich zu dem machen, was du eigentlich bekämpfen wolltest. Bekämpfe nicht die Symptome, sondern die Ursachen!

Zweitens: Lebe eine humanistisch-weltoffene Weltanschauung so vor, dass es ansteckend ist, dass du die Leute abfängst bevor sie Extremisten werden. Lehre Leute das kritische Denken und helfe ihnen dabei auch ihre eigene Sicht der Dinge zu hinterfragen.

Wohlstand und Demokratie stehen in einer Wechselbeziehung. Nur in demokratischen Staaten findet man einen breiten Wohlstand in der Bevölkerung. Und wohlständige Menschen wählen tendenziell eher demokratische Parteien. Daher ist auch ein Sozialstaat wichtig, wenn man eine aktive Demokratie verteidigen möchte. Armee Leute radikalisieren schnell, sehen sich gezwungen kriminell zu werden oder suchen Halt in Sekten.

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