„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Falsifikationismus und Logik

Zur Unterstützung des Falsifikationismus verweisen seine Anhänger auf ein logisches Argument. Dieses wurde im grundständigen Aufsatz implizit, aber nicht explizit aufgeführt. Seine explizite Darstellung soll hier nachgeholt werden.

1. Induktionsprinzip

Ausgangspunkt ist wieder die Unmöglichkeit eines Induktionsschlusses: Logische Generalisierungen, die wissenschaftliche Gesetze konstituieren, können nicht aus einer endlichen Anzahl von Beobachtungen hergeleitet werden.

  • siehe auch: Induktionsproblem.

2. Modus tollens

Andererseits können Einzelbefunde Theorien zu Fall bringen. Die Fehlerhaftigkeit einer Theorie kann durch eine einzige ihr entgegenstehenden Beobachtung nachgewiesen werden. Noch so viele weiße Schwäne verifizieren vielleicht keine „Alle Schwäne sind weiß“-These, aber bereits ein schwarzer Schwan kann sie falsifizieren.

Diese logische Schlussfigur nennt sich Modus tollens und ist das Herzstück des Falsifikationismus, weswegen ich ihn noch einmal in aller Ausführlichkeit erörtern möchte.

  • Siehe auch: Modus tollendo tollens.

 

Anfangs haben wir die Vermutung A: Alle Raben sind schwarz. Nun stellt jemand die Beobachtungsaussage B: „Am Ort X zum Zeitpunkt t habe ich einen nicht-schwarzen Raben beobachtet“ in den Raum. Der Modus tollens erlaubt es uns die Vermutung A zurückzuweisen, wenn Beobachtungsaussage B zutrifft. Es ist also möglich ausgehend von Einzelbeobachtungen logische Deduktionen durchzuführen und so die Falschheit eines kompletten universellen Gesetzes nachzuweisen. Oder anders ausgedrückt: Wenn es einen weißen Raben gibt, sind sicher nicht alle Raben schwarz.

3. Kritik

Scheinbar rechtfertigt dieser logische Zusammenhang den Falsifikationismus. Aber nur scheinbar. Denkt man jedoch näher über den Modus tollens nach, so ist es mehr als fragwürdig ihn als Absicherung der falsifikationistischen Methodik heranzuziehen.

  • Siehe auch: Kritik am Falsifkationismus.

 

4. Verweise

  • Induktivismus: Im Induktivismus besteht wissenschaftliches Arbeiten nur im logischen Zusammenhang von Beobachtungsaussagen zu dem dadurch begründeten Gesetz. Der historische Kontext ist hierbei irrelevant.

 

  • #wissenschaftlicher Fortschritt: Der Falsifikationismus hingegen sieht den wissenschaftlichen Fortschritt durch Falsifkation und Deduktion bedingt: Wir lernen (in der Praxis) aus unseren (theoretischen) Fehlern.

 

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