„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Gott ist Liebe

„Gott ist Liebe“ – das liest man auf vielen Webseiten und sogar in der Bibel. Diesen Satz kann man nun verschieden auslegen. Man kann ihn so verstehen, dass die Eigenschaft A eine Teilmenge des Wesens von B ist. So wie etwa ein Ball grün sein kann, aber auch noch durch andere Eigenschaften wie etwa die runde Form charakterisiert ist. Die offene Frage ist dann noch, ob Gott metaphorisch für den Ball oder die Farbe Grün steht. Beide mengentheoretischen Auslegungen haben so ihre Tücken. Entweder ist die Liebe größer als Gott. Dann ist Gott aber längst nicht das größte, omnipotente Wesen, als das wir ihn gerne sehen, wenn er nicht einmal alle Liebe umfasst. Die andere Möglichkeit ist Gott ist Liebe, aber eben nicht nur Liebe. Vielleicht ist Gott ja noch Hoffnung, Gnade und so. Die meisten Menschen wollen in Gott jedoch das Größte, das Allumfassende sehen. Gott wäre dann auch Leid, Neid und Zerstörung. Zugegeben Eigenschaften zu denen sich auch Bibelstellen finden. Dann wäre aber der Satz „Gott ist Liebe“ genauso logisch wahr wie „Gott ist Schwindel“. Mit allen denkbaren Positionen dürften Gläubige so ihre Probleme haben.

Oft werden Gott und Liebe ja auch als Synonyme gesehen. Die Aussage Gott ist Liebe hat also den Informationswert des Satzes „der Unverheiratete ist ledig“. Gar keinen. Dies würde bedeuten, einer der beiden Begriffe wäre überflüssig, da er dasselbe wie der andere ausdrückt. Substituieren wir also schließlich einen der Begriffe, gegen den jeweils anderen bemerken wir schnell, dass diese Meinung mindestens ebenso problematisch wird. Dann wird die Liebe plötzlich personifiziert und hasst. Oder zwei Menschen können Gott füreinander empfinden.

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