„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Entscheidungen

Eine Bekannte hat sich von ihrem langjährigen Lebensgefährten getrennt. Wegen einigen sehr abstrakten Gründen, die sie mir dargelegt hatte, möchte sie sich nun nie mehr verlieben. Zwei Gedanken dazu.

Liebe kann man weder erzwingen noch verhindern. Es passiert einfach. Durch bedachtes Handeln lassen sich lediglich die schlechten potentiellen Auswüchse des Verliebtseins unwahrscheinlicher und die positiven wahrscheinlicher machen. Möchte man sich wirklich nie mehr verlieben können, so müsste man sich ja gänzlich von allen Menschen isolieren. Für die Bekannte sicherlich keine Option. Der gemeine Mensch ist eben ein stark soziales Wesen.

Dann ein instruktives Modell von mir. (Stark) Metaphorisch betrachtet gibt es 4 Möglichkeiten zu denken, insbesondere zu entscheiden. Mit Genital, Bauch, Herz & Hirn. Wenn meine Bekannte davon redet sich nicht mehr verlieben zu wollen, dann meint sie nicht das irrationale, verlangende Herzens-Wollen, wie der Volksmund wenn er vom Wollen spricht. Sondern ein rational kalkuliertes Hirn-Wollen. Mit diesem Modell lässt sich auch Schopenhauers Ausspruch „der Mensch kann nicht wollen was er will“ verstehen. Das erste Wollen bezieht sich auf die irrationalen Entscheidungsträger Herz, Genital und Bauch. Und das zweite Wollen auf das Hirn.

Keiner der vier Mitstreiter sollte a priori alleine entscheiden und mancher manchmal gar nicht erst mitreden dürfen. Summa Summarum ist mein bei privaten Lebensentscheidungen zuverlässigster Ratgeber der Bauch. Wahrscheinlich auch, da er viele unbewusste und dennoch angebrachte Erfahrungen und Aspekte mit einbringt. Daher ist der Bauch in vielen Situationen weitsichtiger als das Hirn, das allein bewusste Pro´s & Con´s quantitativ abwägt. So kann es sein, dass man nach in Bezugnahme des reinen Hirns zu dem Entschluss kommt etwas Bestimmtes zu tun könne nicht gut gehen. Vergessene oder verdrängte Faktoren einem aber subtil sagen, es wäre ein großer Fehler die Handlung tatsächlich zu unterlassen.

Sicherlich ein Fehler wäre es Bauch mit Herz oder gar Genital, also mit dem, was man im weiten Sinne will, zu verwechseln. Manchmal will man etwas von ganzem Herzen, aber der Bauch sagt einem, dass dies keine gute Entscheidung wäre. Der Bauch ist die metaphorische Manifestation der Intuition. Diese entspringt sowohl dem Verstand, als auch dem Willen bildet aber selbst eine eigenständige Entität.

Meine Bekannte verfolgt eine verstandesgemäße "Herz-in-die-Schranken-weisen-Strategie". Eventuell ist diese aus einem individuellem Kontext heraus die richtige. Für mich ist es immer ein wenig traurig, wie gesagt selbst wenn es vielleicht wirklich das Bessere / Richtige ist, eine solch kaltrationale Einstellung bei Menschen vorzufinden. Vielleicht steckt da ein zu großer Idealist in mir, mag sein. Die Bekannte habe ich nun gefragt, was ihr ihr Bauch sagt.

Möchtest du dich noch einmal verlieben?

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