„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Oliver Janich

Oliver Janich ist ein libertärer Journalist und Buchautor.

Er schrieb u.a. für die Financial Times Deutschland, die Süddeutsche Zeitung, Focus Money und die beiden Bücher Das Kapitalismus-Komplott“ und

die Vereinigten Staaten von Europa.

Heinle: Herr Janich, Sie belegen seit Monaten den ersten Platz auf der Amazon-Bestenliste zur Europäischen Union. Damit sind sie noch vor Martin Schulz. Thorsten Polleit, Hans-Hermann-Hoppe, Carlos A. Gebauer, viele andere Professoren und Prominente wie Xavier Naidoo oder Christine Kaufmann loben dieses Buch in höchsten Tönen. Wie kann es sein, dass mir all die anderen Bücher etwas sagen, ich jedoch noch nie etwas über Sie, geschweige denn ihr Buch gelesen habe?

Janich: Warum Sie speziell nichts davon gehört haben, kann ich nicht sagen,

warum die Mainstream-Medien nicht darüber berichten, schon:

Weil alles, was in meinen Büchern steht, dem Mainstream widerspricht.

Heinle: Nach ihrer Grundsatzphilosophie ist jeder Mensch der Eigentümer seines eigenen Körpers. Darüber hinaus steht einem von Geburt an nichts zu, Steuern wären Raub, der überhaupt erst durch das illegitime Gewaltmonopol des Staates ermöglicht wird. Dies sei unmittelbar einsichtig und keine Ideologie, wie beispielsweise der Marxismus. Warum sollte der Libertarismus im Gegensatz zu den anderen Wirtschaftstheorien nicht axiomisiert sein? Schlussendlich ist es doch eine Frage des Bauchgefühls und nicht der Logik, ob mir mein Körper oder anderes gehört oder nicht. Denn Besitz bzw. Eigentum ist doch eine anthropogene Abstraktion, keine reale Begebenheit. Ob totalitärer, starker, Nachtwächter oder gar kein Staat ist doch eine Sache der Überzeugung. Mit Logik hat weder die eine, noch die andere Haltung etwas zu tun, oder?

Janich: Doch, das ist reine Logik. Dass Sie Eigentümer ihres Körpers sind, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass sie in der Lage sind, mit mir dieses Interview zu führen. Dass niemand das Recht hat, in dieses Eigentumsrecht einzugreifen, indem er Ihnen beispielsweise die Früchte ihrer Arbeit nimmt, ergibt sich aus der schlichten Tatsache, dass keine andere Regel Sinn ergibt. Denn wenn es einer Gruppe von Menschen erlaubt ist, einer anderen Gruppe das Eigentum zu stehlen, sind Konflikte vorprogrammiert. Eine Regel dient aber dazu, Konflikte zu vermeiden und nicht, sie zu erzeugen. Genau in dieser Konfliktsituation befinden wir uns ja ganz offensichtlich. Demokratie ist Streit. Anarchie ist Harmonie. In einer staatenlosen Gesellschaft gibt es keine Herrscherklasse, die das Recht hat, mich oder Sie zu bestehlen.

Heinle: Sie selbst bezeichnen sich als Anarchisten. Die meisten Leute assoziieren mit Anarchismus das reine Chaos, in dem der Stärkere und Skrupellosere herrscht.

Janich: Das exakte Gegenteil ist der Fall. Anarchie ist Ordnung, der Staat ist Chaos. Oder wie würden Sie einen Zustand beschreiben, in der ihnen eine Organisation 70 Prozent ihres Einkommens stiehlt, es nicht die geringste Rechtssicherheit gibt, weil diese Organisation, Ankläger und Richter zugleich ist und diesen Raub mit Gewalt durchsetzt, in der es permanente Kriege gibt und Millionen Menschen weltweit verhungern, in der Sie bei jedem Klingeln an der Haustür fürchten müssen, dass ein Scherge des System davor steht, in ihr Haus eindringt, Tribute wie Steuern oder GEZ-Gebühren einfordert, sie entführt und einsperrt, wenn sie nicht zahlen? Die Mafia ist ja bescheiden dagegen und erklärt mir auch nicht andauernd, dass ich zu meinem Wohle beraubt werde. Also meine Vorstellung von Ordnung sieht gänzlich anders aus.

Heinle: Wer spricht das Recht ohne Staat?

Janich: Von welchem Recht sprechen Sie? Ich hoffe, sie meinen nicht das Recht auf Eigentum. Wenn mir der Staat 70 Prozent meines Eigentums stiehlt, spricht er offensichtlich nicht Recht, sondern Unrecht. Staat und Recht sind denklogische Gegensätze. Der Staat als enteignender Eigentumsschützer ist ein Widerspruch in sich. In einer staatenlosen Gesellschaft würden Konflikte von Schlichtungsorganisationen gelöst werden,

die von beiden Parteien freiwillig beauftragt werden.

Heinle: Wer setzt den Schlichterspruch durch, wenn sich einer nicht daran hält?

Janich: Wiederum vom Gericht oder dem Gewinner beauftragte Organisationen, in der Regel dessen Versicherung. Wenn sich der Verlierer des Prozesses nicht an den Richterspruch hält, verliert er den Schutz durch seine Versicherung. Jeder könnte an ihm also das Urteil „vollstrecken“, weil es ja niemandem gäbe, der ihn verteidigt. Der große Vorteil: Schlichtungsagenturen, die schlechte Urteile fällen, würden sofort vom Markt verschwinden. Den Staat als größten Räuber aller Zeiten können sie aber nicht auswechseln. Sie können nur die Marionetten an der Spitze wählen. Dabei sind sie aber darauf angewiesen, dass Millionen anderer Menschen dieselbe Marionette gut finden wie Sie. In einer privatrechtlichen Ordnung entscheiden Sie ganz allein, wer ihre Rechte vertritt und sie schützt.

Heinle: Wer finanziert soziale Einrichtungen?

Janich: Soziale Einrichtungen werden von sozialen Menschen finanziert. In einer Privatrechtsordnung gibt es dafür aber kaum eine Notwendigkeit. Wie soll es jemanden denn gelingen, in Not zu geraten? Er kann sich ja gegen jeden Unglücksfall versichern. Das Einzige, was Sie nicht versichern können, ist Faulheit. Nun ist gegen Faulheit nichts zu sagen, aber man sollte niemanden zwingen, diese zu finanzieren. Denn selbst jemand, der faul ist, sollte unmittelbar einsehen, dass ja jemand anders nicht faul sein darf, wenn er den Faulen mitfinanziert. Dieser muss ja dann mehr arbeiten.

Heinle: Aber wenn sich jemand nicht versichert?

Wohlmöglich weil ihm schlichtweg das Geld dazu fehlt?

Janich: Zunächst: Wenn es keinen Staat gibt, wissen die Leute ja, dass jemand, der irgendwie doch in Not gerät, keine Hilfe vom Staat bekommt. Das heißt, das Verantwortungsbewusstsein steigt dramatisch. Die Zeitungen hätten ja kaum ein anderes Thema, weil es keine Politik mehr gibt. Eine anarchistische Gesellschaft wäre viel wohlhabender. Man würde netto sofort das Dreifache verdienen.

Inflation durch das staatliche Geldmonopol gäbe es nicht mehr. Wohltätige Organisationen würden also wie Pilze aus dem Boden schießen. Es gäbe für sie allerdings nicht mehr sehr viel zu tun, weil nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz noch in Not geraten würde, weil er irgendwie „vergessen“ hat, sich zu versichern.

Heinle: Und, der Klassiker: Wer baut dann die Straßen, wenn nicht Vater Staat?

Janich: Nun, Menschen - wie jetzt auch. Die Frage ist nicht, wer sie baut, sondern wer sie plant und finanziert. Wie gut der Staat plant, sehen wir am Berliner Flughafen. Straßen würden von jenen bezahlt, die sie benutzen. Das sind lächerliche Beträge. Für Strassenbau gibt der Staat ja nur 0,85 Prozent des Volkseinkommens aus. Da er uns aber nicht mehr 70% des Einkommens abnehmen kann, können wir uns auch die Straßen leisten. Natürlich gibt es auch private Bauprojekte, die schief gehen. Das hätte aber allein der Investor zu bezahlen und nicht unschuldige Steuersklaven.

Heinle: Die Linken sehen im Staat einen Beschützer der Armen und des Mittelstandes.

Wollt ihr Libertären die Armen und den Mittelstand nicht beschützen?

Janich: Ganz im Gegenteil. Libertäre weisen logisch nach, dass es den Ärmsten und dem Mittelstand viel besser gehen würde, weil der Wohlstand viel höher wäre und es keine Arbeitslosigkeit mehr gäbe. Ich habe dazu ausführliches geschrieben, aber in aller Kürze: Auch am Arbeitsmarkt gleichen sich Angebot und Nachfrage aus. Nur der Staat kann durch Regulierung sowie Steuern und Angaben Arbeitsplätze vernichten und er tut das auch. Das Nettolohnniveau wäre natürlich viel höher, weil die staatlichen Abgaben wegfallen. Niemand müsste Not leiden

Heinle: Als ich vor vielen Jahren das erste Mal in Form eines Youtube-Videos auf den Libertarismus gestoßen bin, hieß es dort die Occupy-Bewegung würde mit ihren Forderungen nach einer stärkeren Regulierung des Finanzmarktes selbigen nur noch mehr stärken. Die ganzen linken Demonstranten würden sich nur selbst ins Bein schießen. Mich hat das erstmal geschockt, war es doch gegen alles was man mir bisher sagte.

Teilen Sie diese Meinung und wenn ja sollen wir die Banken einfach weiter mit Lebensmittelpreise spekulieren lassen?

Janich: Die Finanzbranche ist die am meisten regulierte Branche überhaupt. Sogar der Preis – Zins – und die Menge des Gutes – die Geldmenge – werden von einem staatlichen Monopol, der Zentralbank, festgelegt. Darüber hinaus werden Banken vom Steuerzahler gerettet. Ich kann da nirgends einen freien Markt entdecken und Sie? Würde das staatlich installierte Teilreservesystem wegfallen, müsste man keine Banken retten, weil das Geld des Sparers sein Eigentum bleibt. Hätten wir eine freie Wahl des Geldes würde sich nach dem Gesetz von Kopernikus-Gresham das wertstabilste Geld durchsetzen. Der Wert des nicht beliebig vermehrbaren Geldes würde entsprechend dem technischen Fortschritt zunehmen, statt laufend abnehmen wie zurzeit. Um dies zu verstehen, empfehle ich Ihren Lesern, sich dringend mit der Österreichischen Schule der Ökonomie zu beschäftigen, die zwar weitgehend ignoriert wird, aber mit Friedrich August von Hayek immerhin einen Nobelpreisträger hervorgebracht hat. An staatlichen Schulen wird sie kaum unterrichtet, weil diese Denkrichtung korrekt erkannt hat, dass

der Staat das Problem und nicht die Lösung ist.

Heinle: Wer heutzutage VWL studiert lernt, dass eine kleine Inflation erstrebenswert ist. Sie nicht. Nach ihnen sollte man gerade auf das Gegenteil, die Deflation, hinarbeiten. Warum und wie können Sie das besser wissen als tausende studierte Professoren?

Janich: Wie erwähnt wird die Österreichische Schule nicht gelehrt, weil der Staat von der Inflation profitiert. Die Steuereinnahmen steigen und die Schulden entwerten sich. Dass es aber besser ist, wenn alles billiger wird, sollte sogar ein Kleinkind verstehen. Es ist eine der großen Propagandaleistungen des Staates ein ganzes Volk intelligenzmäßig unter das Niveau eines Kleinkindes gedrückt zu haben.

Dafür meine herzliche Gratulation. 

Heinle: Es herrscht ja eine große Kontroverse um den anthropogen verursachten Klimawandel. Man hört ein Argument und denkt sich: „Ja, das überzeugt.“ Dann argumentiert die Gegenseite und man meint schon wieder: „Ja, so muss es sein!“ Als Laie kommt es einem unmöglich vor, sich hier wirklich ein abschließendes Bild zu machen. Nach Ihrer Auffassung ist die These, der Mensch könne das Klima signifikant beeinflussen, ein vollkommen unwissenschaftlicher Schwachsinn. Welcher Aspekt überzeugt Sie so sehr, dass Sie diese doch recht unkonventionelle Meinung energisch vertreten?

Janich: Ach, nach unzähligen fruchtlosen Debatten wie zum Beispiel auf Facebook mache ich es mir inzwischen einfach: Ich biete allen – auch ihren Lesern - eine Wette um zehntausend Euro an, dass es niemandem gelingt, mir diese These experimentell zu beweisen. Eine Theorie, die nicht experimentell beweisbar ist, ist im besten Falle wertlos, in diesem Fall aber sogar höchst schädlich. Dass der Mensch signifikanten Einfluss auf das Klima hat, ist reine Propaganda. Die meisten Menschen wissen ja nicht einmal, dass CO2 nur zu 0,04 Prozent in der Atmosphäre vorkommt, wir bei gleichem CO2-Gehalt schon viel tiefere Temperaturen hatten und der Mensch ohnehin nur 1,2 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes verursacht. Also liebe Leser, ran an den Speck! Aber auch hier sehen wir wieder die Auswirkungen des Staatswesens. Mit unzähligen Milliarden von unschuldigen Steuerzahlern wurden hier Propagandaministerien – sie nennen es Klimaforschungs-Institute – geschaffen, die keine andere Aufgabe haben, als dieses Märchen zu verbreiten. Physiker, die nicht für die Propaganda-Institute arbeiten, lachen sich halbtot über diesen unwissenschaftlichen Unsinn. Siehe etwa die 30000 echten Wissenschaftler, die die Oregon-Petition unterschrieben haben oder den nichtstaatlichen „Weltklimarat“ NIPCC.

Heinle: Sie sind ein Verfechter der These, die amerikanische Notenbank FED lege in privaten Händen. Genauso wie Ron Paul kritisieren Sie dies. Aber privat ist doch gut, oder?

Janich: Ganz im Gegenteil, ich werde – wie Ron Paul - nicht müde zu betonen, dass es völlig egal ist ob die FED privat ist oder nicht. Entscheidend ist, dass der Staat einer Institution das Monopol verschafft hat, Geld zu produzieren. Die EZB ist nicht privat und macht genau dasselbe wie die FED. Sie ermöglicht es den angeschlossen Banken Geld aus dem Nichts zu zaubern. Das ist legalisierte Falschgeldproduktion. Nicht mehr und nicht weniger.

Heinle: Weiterhin sind sie für einen freien Währungswettbewerb. Ist das in der Praxis nicht hochkompliziert, immer dutzende verschiedene Währungen umrechnen und umwechseln zu müssen? Und wie wollen Sie Absprachen zwischen den Währungsanbietern unterbinden? Bräuchte es dazu nicht eine Art Währungskartellamt? Oder regelt auch das der freie Markt?

Janich: Es würde sich sehr schnell die wertstabilste Währung durchsetzen. Eine solche gibt es ja bereits überall auf der Welt: Gold. Es könnte im freien Wettbewerb auch Silber, oder ein anderer Sachwert sein. Aber es gäbe höchstens zwei oder drei, möglicherweise noch eine digitale Währung wie Bitcoins. Also deutlich WENIGER Währungen wie heute. Die Unternehmen haben sich beispielsweise auch ganz freiwillig und ohne Staat auf die DIN-Norm geeinigt, weil es einfach praktischer ist, wenn alle dieselben Maße verwenden. Ähnlich wäre es im Übrigen auch mit den Rechtsnormen. Entscheidend: Wenn Ihnen irgendetwas an der Währung nicht passt, nehmen Sie eben eine andere. Es gibt keine bessere Regulierung als die freie Entscheidung freier Bürger. Jedes Kartellamt ist auch nur ein Instrument der Herrscherklasse, um zu erfolgreiche Konkurrenten auszuschalten.  

Heinle: Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

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