„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Tod eines Freundes

Und da stand ich nun. Die Klinge in meiner Hand. Tief holte ich Luft und drückte die Türe auf. Ich musste schwer schlucken, als ich Tommy so daliegen sah. Hoffentlich sah er mir meine Erschütterung nicht an. Wahrscheinlich tat er dies aber und wahrscheinlich versuchte auch er mir etwas vorzumachen, damit mir das alles leichter fiel. Tommy sah schrecklich aus. Noch vor ein paar Monaten hatte er bei uns den Rasen gemäht, in der Grundschule wären wir fast mal zusammen gewesen. Und jetzt war er nur noch eine Karrikatur seiner selbst. Seine Haare hatte er verloren und ganze 30 Kilo Körpergewicht. Ernährt wurde sein schwacher Körper parenteral, sein Urin life in eine Flasche links von ihm. Ohne etwas zu sagen hatte ich mich auf den Stuhl neben ihn gesetzt. Das war ein Fehler, ich hätte ihm gleich zu Beginn “Hallo” sagen sollen, jetzt herrscht unangenehmes Schweigen. “Hey”, sagte ich besser spat als nie. “Hey”, antwortete mir Tommy mit einem Lächeln das ihm sichtbar Kraft kostete. Als ich ihm so in das Gesicht sah schämte ich mich ihn nicht vorher schon besucht zu haben. Wenn Leute meinen Mann nicht kannten und nur mich und Tommy sahen dachten sie oft wir wären ein Paar, so wie wir zusammen Spaß hatten. Und so wie er mir immer und überall geholfen hat. “Danke für alles, was du uns jemals gegeben hast”, sagte ich Tommy, eine Träne lief mir über das Gesicht wären ich seine Hand in meiner drückte. “Wahrscheinlich habe ich dir das nie wirklich gezeigt, aber ich weiß das echt zu schätzen.” Tommy sah mich an, seine Mimik verrat nichts mehr aber in seinen Augen konnte ich lessen, dass ihm meine Worte bewegten. Das sie ihm auch jetzt noch als er scheinbar nichts zu verlieren hatte noch viel bedeuteten. “Das bedeutet dir was, hm?”, sagte ich und schaute ihm tief in die Augen.

“Es hat mir alles viel bedeutet. Mehr noch, als du wusstest.”, sprach er zu mir. Es war der erste Satz den Tommy seit meinem Kommen gesprochen hatte. Er hustete fürchterlich, griff nach einem Zettel rechts von ihm und gab ihn mir. Wieder verrieten mir seine Augen, dass ihm der Zettel viel bedeutete. Dass er Angst vor meiner Reaktion hatte. Ich began zu lesen: “Ich habe viel nachgedacht in letzter Zeit. Und ich möchte nicht mit Geheimnissen vor dir ins Grab gehen. Ich liebe dich. Und habe dich immer geliebt, seit der Grundschule. Deshalb habe ich immer alles für dich gemacht. Doch du hast dich in andere Jungs verliebt. Ich wollte deinem Glück nicht im Weg stehen, aber konnte dich auch nicht einfach hinter mir lassen. Für beides liebe ich dich zu sehr. Jetzt werde ich mit 36 Jahren sterben und bin der ganzen Zeit einer Illusion angehangen. Der Illusion, dass du mich irgendwann auch lieben könntest. Doch zumindest konnte ich dir das noch sagen, was mir die ganzen Jahre auf dem Herzen lag und ich mich doch nicht traute auszusprechen.” Ich lies den Arm mit dem Brief erschlagen sinken. “Ich liebe dich”, sagte mir Tommy ins Gesicht.

Ich weiß erhlich nicht, ob ich das bereits geahnt habe. Vielleicht ahnte ich es, wollte mir e saber nicht zugestehen. Vielleicht auch nicht. Aber ich weiß, dass ich an solchen Dingen zerbrechen kann und auch Tommy keinen Gefallen tue wenn ich das jetzt dramatisiere. Erneut nahm ich seine schlafe Hand in meine und sprach ruhig und gleichmäßig: “Du warst ehrlich zu mir und das weiß ich sehr zu schätzten. Nun will ich auch ehrlich zu dir sein. Als mich mein jetziger Ehemann fragte, ob ich ihn heiraten wollte versprach er nicht mit mir Kinder zu bekommen oder immer im Haushalt zu helfen. Eigentlich fragte und versprach er garnichts. Aber er hatte einen Plan. Er stellte mich nicht auf irgendeinen Sockel und  verhetschelte mich nicht. Du hast das immer getan. Und damit warst du nicht der einzige, immer haben viele um mein Herz gekämpft. Du warst perfekt, zu perfekt. Wie einen knuffigen Hund den man kuschelt aber nicht mit ins Bett nimmt. Ich hoffe, dass tut dir jetzt nicht zu arg weh. Carlos aber war anders. Auch wenn er es nie aussprach, versprach mir vom ersten Augenblick an, dass es mir mit ihm nie langweilig sein wird. Das immer irgendwas anders sein wird, in dessen Mittelpunkt ich nichts besonderes sein müsste.”

*entschuldigt die Rechtschreibfehler,

ich habe den Text abends ins Handy eingetippt.

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