„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Pro und Contra Viele-Welten-Interpretation

Hugh Everett begründete die Viele-Welten-Interpretation im Laufe seiner Dissertation auch, da diese das Messproblem der Kopenhagener Deutung nicht hat. Die Viele-Welten-Interpretation müsste keinen beim Messakt auftretenden Wellenkollaps und warum gerade das eine Ergebnis herauskäme, erklären. Vielmehr würden bei einer Messung an einem System alle möglichen Zustände in verschiedenen Welten verwirklicht. Die Messung wäre also einfach die gewöhnliche Interaktion mit dem System, mehr nicht.

"Everything you can imagine is real." Pablo Picasso

Doch während Everetts Theorie das eine Problem löst, bringt es zugleich auch etliche neue mit sich. Bewusst durchlebe ich offensichtlich immer nur eine Welt. Warum dies so ist und warum ich die eine aller möglichen Welten und nicht eine der Myriaden anderen, die ebenso wirklich sind, wahrnehme, klärt die VWI nicht mal im Ansatz.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verletzung des Prinzips der Einfachheit. Wenn zwei mögliche Antworten auf eine Frage existieren, solle man gemäß Ockhams Rasiermesser die einfachere präferieren. Die VWI aber sei mit ihrem inflationären Umgang von unabzählbar vielen Universen alles andere als einfach und daher zu verwerfen.

Des Weiteren wird oft eingewandt, die VWI mache keine empirisch falsifizierbaren Vorhersagen und sei deshalb nicht wissenschaftlich. Das stimmt zwar, ist als Kritikpunkt aber nicht wirklich triftig. Denn die großen anderen Deutungen genügen genauso wenig dem Popperschen Wissenschaftsanspruch. Daher sind die Diskussionen um das Wesen der Wellenfunktion und Ähnlichem auch immer und prinzipiell mehr Metaphysik, als Physik.

Auch wird oft kritisiert, die VWI sei deterministisch, da im Falle einer Messung ja alle Ereignisse realisiert werden. Dies würde den sich in der Quantenphysik eingebürgerten Begriff der Wahrscheinlichkeit aufheben. Dieser Punkt ist aber wieder vollkommen belanglos. Der Wahrscheinlichkeitsbegriff hat sich mit der Kopenhagener Deutung allem voran aufgrund einer gemeinsamen Intuition der Physiker in der Quantenmechanik etabliert. Nichts spricht aber physikalisch dagegen, dass Viele-Welten und Vorbestimmtheit nicht genauso gut wahr sein könnten.

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