„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

#Quantenverschränkung #Holismus

Die Messung an einem Teilchen kann sich instantan, sprich: Ohne Zeitverzögerung auf ein anderes Teilchen auswirken. Nun könnte der Eindruck entstehen, hier würde Information mit unendlicher Geschwindigkeit ausgetauscht werden. Dies würde der speziellen Relativitätstheorie, nach der sich keine Information schneller als Licht ausbreiten kann, widersprechen. Einen ähnlichen Einwand brachte auch Einstein, der zeitlebens argwöhnisch gegenüber der Quantentheorie war. Und das wobei er seinen Nobelpreis für die Entdeckung eines quantenmechanischen Prozesses bekommen hat. Sieht man sich den Sachverhalt jedoch genauer an, entkräften sich beide Einwände. Dann erkennt man, dass keine Informationsübertragung zwischen derlei verschränkten Teilchen stattfindet und die Relativitätstheorie zusammen mit der Lichtgeschwindigkeit als Geschwindigkeitsobergrenze gültig bleibt.

Sehen wir uns den Sachverhalt also mal genauer an. Wir nehmen an, es gibt zwei Messstationen mit den Experimentalphysikern Alfons und Bert. Beide messen jeweils eins von zwei verschränkten Teilchen simultan. Mit der Messung und unabhängig von der Orientierung des Polarisators werden sie je entweder ein horizontal oder vertikal polarisiertes Teilchen messen. Wenn Alfons sein Photon gemessen hat, weiß er aufgrund der Verschränkung das Ergebnis einer möglichen Messung an dem anderen Photon. Aber Alfons weiß nicht, ob und wann Bert messen wird. Aber auch das könnten die beiden vorab festlegen. Weiß dann Alfons mit Überlichtgeschwindigkeit, mit unendlicher Geschwindigkeit um die Information von Berts Messung? Nein. Denn die beiden Messergebnisse sind zwar korreliert, aber bis zur Messung selbst noch rein zufällig. Daher kann die Quantenverschränkung trotz instantaner Synchronisierung nicht zur Informationsübermittlung genutzt werden.

 „Selbst bei diesen Experimenten war es nicht möglich, Botschaften oder sinnvolle Informationen schneller als das Licht zu übermitteln, und deshalb werde ich ganz bestimmt nicht zu dem Schluß kommen, daß ein Austausch von Signalen mit Überlichtgeschwindigkeit möglich ist." – Alain Aspect

Esoterische Kreise sind also voreilig, wenn sie die Quantenverschränkung als ein Beweis für Telepathie, Astrologie oder gleich eines holistischem Universums ansehen. Zumal Quantenverschränkungen nur bei isolierten Teilchen stattfinden und mit der Wellenfunktion gleich mitkollabieren. Physiker sind aber genauso einen Schritt zu schnell, denn ein Touch von Holismus lässt sich dem Phänomen der Quantenverschränkung nicht ganz absprechen.

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Kommentare: 2
  • #2

    Gebhard Greiter (Montag, 12 September 2016 13:28)

    Die Aussage "Zumal Quantenverschränkungen nur bei isolierten Teilchen stattfinden ..." erscheint mir völlig irreführend, denn miteinander verschränkte Quanten haben keine separate Existenz.

    All ihre Eigenschaften (Ort, Impuls, Masse, Spin, etc.) sind durch jedes mit ihnen verschränkte andere Quant mitbestimmt, und jede Abänderung des Zustandes eines Teilchens des Systems bedeutet sofortige entsprechende Abänderung des Zustandes aller mit ihm verschränkten.



  • #1

    Thomas Jakob (Donnerstag, 15 Januar 2015 15:16)

    Sehr gut. Kurz und knackig auf den Punkt gebracht. Danke für das Aspect-Zitat, das kannte ich noch nicht.


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